Die größte Terrorgefahr sind du und ich

Allerorten regt man sich über den Überwachungsstaat à la Stasi 2.0 auf oder warnt vor den Datensammlungsexzessen von Unternehmen wie Google. Dies alles in Teilen zu Recht. Doch die Überwachung „von oben“ stellt leider nur eine Gefahrenquelle für Otto Normalbürger dar.

Eine andere bis dato weniger beachtete Gefahrenquelle ist die Überwachung „von unten“. Zu einer regelrechten Terrorquelle könnten sich Menschen wie du und ich entwickeln. Schließlich laufen die allermeisten von uns im Alltag inzwischen mit dem Instrumentarium eines Paparazzo herum. Denn wer nennt nicht ein Foto-Handy oder eine Digitalkamera sein Eigen?

Wer also künftig in der Öffentlichkeit durch Peinlichkeiten auffällt, muss unter Umständen nicht nur den Spott der Anwesenden ertragen, sondern auch den der Leserschaft oder Online-Nutzerschaft großer Zeitungsmarken. Denn wir alle sind potenzielle Amateur-Reporter. Es lohnt sich ja auch. Die Bild beispielsweise zahlt für ein als geeignet eingestuftes Amateur-Video bis zu 500 Euro. Um den Überwachungselan noch zu befeuern, verkauft die Bild nun in Kooperation mit Lidl (ja, jener Discounter, welcher seine Angestellten systematisch überwachen ließ) sogenannte Leser-Reporter-Kameras.

Im Interview mit Turi2 weist Michael Paustian, stellvertretender Chefredakteur der Bild-Zeitung, zu Recht darauf hin, dass Journalisten nicht überall sein und viele „gute und tolle Geschichten“ und wertvolle Zeitdokumente nur mithilfe der Fotos und Video-Mitschnitte von normalen Bürgern entstehen könnten. Da stimme ich ihm voll zu. Nur leider hat jede Sache zwei Seiten und die Nachteile sind in diesem Falle die einer ständigen potenziellen Überwachung. Daran ist gewiss nicht Bild schuld. Bild und seine Aktionen stehen jedoch für eine Problematik, mit der wir alle langfristig leben müssen. Seien wir Normalbürger zumindest froh, dass wir keine Prominenten sind.

Kritische Stimmen zu der Kamera-Verkaufsaktion von Bild und Lidl gibt es natürlich etliche: Zapp berichtet aktuell darüber, ebenso die Süddeutsche in einem Beitrag von Hans-Jürgen Jakobs und Jürgen Schmieder.

One comment

  1. MichaelFAUST says:

    Hallo,

    Du hast da vollkommen recht – die Überwachungsmöglichkeiten sind unbegrenzt – man hat schon die Angst, dass dich der eigener Nachbar auf Schritt und Tritt ohne Probleme folgen und überwachen kann, geschweige denn man kein Überblick hat, wo man wie überhaupt auftaucht: Kameras, Fotohandys, Kundenkarten, selbst bei Geburtsvorbereitungskurs oder einem Kundengespräche bei deiner Bank erzählst du persönliche Informationen, nur um so paar Beispiele zu nennen. Überall wirst du gescannt, beobachtet, hinterlässt deine Spüren in elektronischen und unterschwellig Bewusstseine anderer Menschen. Und das schon seit Jahren. Zu deiner Liste kann ich auch Stern mit seinem View Projekt hinzufügen.

    Was aber den BKA Gesetz angeht: viele Befügnisse sind schon in LKAs seit Jahren verfügbar. Die gleichen Befügnisse will man nun Bundesweit machen. Viele Menschen wissen aber nicht, was genau denn beschlossen ist sondern wiedergholen nur Parolen, die durch die Medien propagiert werden. Und das finde ich sehr schade.

    Michael

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