Encyclopedia Britannica öffnet sich für Nutzer – ein bisschen

Die Lexikon-Verlage tun sich im Wettbewerb mit Wikipedia ungemein schwer. Die jüngste Geschichte von Brockhaus spricht für sich. Doch nicht nur Brockhaus muss auf Wikipedias Dominanz im Internet reagieren. Die Encyclopedia Britannica hat nun angekündigt, sich stärker für ihre Nutzer öffnen zu wollen. Jorge Cauz, President der Encyclopædia Britannica Inc., dazu in einem Interview mit dem Sidney Morning Herald:

What we are trying to do is shifting … to a much more proactive role for the user and reader where the reader is not only going to learn from reading the article but by modifying the article and – importantly – by maybe creating his own content or her own content …

Die Nutzer können nun, wie erstmals von Wikipedia vorexerziert, Änderungen an den Artikeln vornehmen. Diese werden allerdings vor einer Freigabe von den Britannica-Mitarbeitern geprüft. Eine solche Freigabe soll innerhalb von 20 Minuten erfolgen, so Cauz. Manche der Änderungen sollen später auch in der Druck-Ausgabe des Lexikons erscheinen. Um Änderungen vornehmen zu können, müssen sich die Nutzer – anders als bei Wikipedia üblich – unter Angabe ihres Namens und ihrer Adresse registrieren.

Die 241 Jahre alte Encyclopedia Britannica öffnet sich also – ein bisschen. Das Hauptproblem ihres Hybrid-Modells beschreibt Frederic Lardinois bei ReadWriteWeb: Es ist nicht ausreichend skalierbar. Denn jeder kann Änderungsvorschläge einbringen. Das Ziel müsste also sein, dass möglichst viele Nutzer dies auch tun. Allerdings überprüft nur eine begrenzte Anzahl an Mitarbeitern die Änderungen. Ab einem gewissen Punkt werden diese die Fülle der Anfragen nicht mehr zeitnah bearbeiten können. Dadurch wird jedoch die Motivation der Nutzer sinken, Änderungen tatsächlich vorzuschlagen.

Der Vorteil von Wikipedia ist, dass die Community die Qualitätsprüfung übernimmt und die „Mitarbeiter“-Zahl dementsprechend größer ist. Das ist auch notwendig, da bei Wikipedia jeden Tag mehr als 150.000 Änderungen vorgenommen werden. Frederic Lardinois bringt es auf den Punkt: There is simply no way for Britannica’s editors to approve this many edits – the process simply wouldn’t scale unless they hired a lot of highly qualified (and fast) editors.

via: Sidney Morning Herald, ReadWriteWeb

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