Ansichten zu E-Books

Vor ein paar Tagen ist im BuchMarkt ein sehr interessantes Interview mit Michael Justus zum Thema E-Books veröffentlicht worden:

Sicher erwarten viele, dass E-Books billiger verkauft werden als gedruckte Bücher. Die Hersteller von E-Readern zum Beispiel hätten das gern, um ein Preisargument für die Vermarktung ihrer (voraussichtlich recht teuren) Geräte zu haben. Darauf einzugehen, wäre für die Verlage so etwas wie Selbstmord aus Angst vor dem Tode.

Ihre Alternative zum Selbstmord?

Als Ausweg sehe ich nur darin, aus E-Books echte Qualitätsprodukte zu machen, die dem Leser andere, aber genauso viele Vorteile bieten wie gedruckte Bücher: ein frei wählbarer Schriftgrad beispielsweise, komfortable Suchmöglichkeiten im Text, ein verlinktes Register, interaktive Elemente, vielleicht irgendwann passende Musikuntermalung oder was auch immer an Möglichkeiten, die gedruckte Bücher – oder Raubkopien! – nicht bieten können.

Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber mir scheint das kein sehr zukunftsträchtiger Ansatz zu sein. Gerade in der Verlagsbranche fällt es Vielen schwer zu akzeptieren, dass durch die Digitalisierung Grundsätzlichstes infrage gestellt wird. Ich hatte schon vor ein paar Tagen im Kontext des Anachronismus‘ einer Preisbindung für E-Books festgestellt:

Ich fürchte allerdings angesichts dieser Tendenzen, dass auch die Buchbranche die gleichen Fehler wie die Musikbranche machen wird. (…) Bis dato werden in der Branche auf Papier gedruckte Kopien von Buchinhalten hergestellt, verbreitet und verkauft. Diese Kopien, d.h. Bücher, herstellen zu lassen, verursacht Kosten. Daher erhebt man adäquate Preise (…) In einer digitalen Welt kostet die Herstellung einer Inhaltekopie, die dann auf einen E-Reader geladen wird, quasi kein Geld. Auch die Verbreitung dieser Kopie ist mehr oder weniger gratis. Man kann beliebig viele Kopien anfertigen und vertreiben. Da die Grenzkosten für Bücher hier also null Euro betragen, streben auch die Verkaufspreise der Null-Euro-Grenze zu. Am Beispiel der Musikindustrie kann man dieses Phänomen gut studieren. Doch auch in der Buchbranche fallen die Preise schon seit Jahren, obwohl es in Sachen Digitalisierung gerade erst richtig los geht.

Anstatt Ansprüche zu formulieren, sollten die Verantwortlichen offen sein und auch die Chancen der neuen digitalen Welt sehen sowie mit Mut neue Geschäftsmodelle und Erlösquellen erproben. Am Ende wird man sich ohnehin den Gesetzmäßigkeiten einer Ökonomie digitaler Güter fügen müssen. Herr Justus nennt aber an anderer Stelle des Interviews eine Dienstleistung von Verlagen, die auch künftig noch gefragt sein dürfte: Inszenierung der Schriftsteller-Persönlichkeit.

via: E-Mail, Exciting Commerce

2 comments

  1. Das Interview mit Herrn Justus ist ein schönes Beispiel für ein Denken, das ganz auf die Bewahrung bestehender Strukturen ausgerichtet ist. An den Kunden wird praktisch nicht gedacht, man rechtfertigt und verteidigt nur die eigene Position. Folglich werden die Innovationen in diesen Markt von anderen Spielern getragen werden, wie man etwa an der readbox auch schon sehen kann.

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