Medienunternehmen: Geld verdienen trotz kostenlos verfügbarer Inhalte

Derzeit werden ja viele Diskussionen über die Gefahr und Auswirkungen zu billiger oder gar kostenloser Inhalte geführt. Eine Branche nach der anderen scheint den Raubkopierern zum Opfer zu fallen. Zuerst hat es die Musikindustrie getroffen und es wird befürchtet, dass bald die Buch- und Filmbranche folgen werden.

Das Problem bleibt ungelöst, dass digitale Inhalte im Netz quasi kostenlos kopiert und verbreitet werden können. Natürlich konnte man auch früher schon Musik, Bücher und Filme kopieren und verbreiten. Dies war jedoch mit einem erheblichen Aufwand und Qualitätsverlust verbunden. Heute können fast ohne Aufwand und Qualitätsverlust von den Kopien digitaler Inhalte immer neue Kopien erstellt und verbreitet werden. Einmal angestoßen, ist dieser Prozess nicht zu stoppen.

Für Künstler, die einen wichtigen Teil der Inhalte-Ersteller ausmachen, sind das keine schlechten Nachrichten. Schließlich sind sie v.a. daran interessiert, dass ihre Werke möglichst breit rezipiert werden. Sie erstellen sie auch, selbst wenn es eine brotlose Kunst ist. Für alle anderen Akteure, die bislang vom Verkauf der Inhalte-Kopien gelebt haben, bedeutet diese Entwicklung jedoch eine große Herausforderung. Manche werden diese nicht bewältigen.

Allerdings wird es auch in Zukunft möglich sein, mit Inhalten zumindest indirekt Geld zu verdienen. Selbst dann, wenn sie kostenlos verfügbar sind. Hierbei stellt sich für die Akteure jedoch die Frage, was sie bieten können, das nicht so einfach zu kopieren ist. Kevin Kelly hat schon vor einem Jahr einen überaus lesenswerten Artikel mit konkreten Vorschlägen dazu verfasst:

Kevin Kelly: Better Than Free

Folgende Dinge sind seiner Meinung nach auch oder gerade in einer digitalen Welt künftig nicht ohne weiteres kopierbar und daher wertvoll:

  • Immediacy
  • Personalization
  • Interpretation
  • Authenticity
  • Accessibility
  • Embodiment
  • Patronage
  • Findability

Vielleicht müssen wir uns also an den Gedanken gewöhnen, dass kostenlose digitale Musik, aber auch kostenlose digitale Bücher und Filme in vielen Fällen „nur“ Marketing für andere Geschäftsmodelle sind. Die Grundlage der meisten künftigen Geschäftsmodelle von Verlagen und vielen anderen Unternehmen wird dabei der Aufbau von bzw. die Mitgliedschaft in Communities sein. Daher hatte ich im Januar „Community First“ als Motto für 2009 vorgeschlagen.

Kevin Kellys Veröffentlichungen und Vorträge sind übrigens auch sonst sehr interessant. Daher hier zum Abschluss sein Ausblick auf das Internet von morgen:

2 comments

  1. Brenrhad says:

    Die genannten 8 Felder stehen für mich größtenteils synonym für die Schwäche klassischen Produzierens von Inhalten über (Musik-)Verlage.

    Drei herausgegrifen:

    – Keine existierende Verlagssystematik kann heute sofortige Publizierung leisten.

    – Die Authetizität leidet meist direkt proportional in dem Maße, wie Künstler lektoriert/produziert werden.

    – Selbst die Volltextsuche des Börsenvereins leistet sich Mängel im Bereich „Findbarkeit“

    Kein Wunder, daß am lautesten die Verlage und Plattenfirmen über Raubkopien klagen.

    Ich darf kurz darauf hinweisen, was Autoren am Buch verdienen: sie bekommen – wenn sie Glück haben – 12% vom Endpreis.

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