Bei Libreka erwarten den Kunden manche Überraschungen

Was ist Libreka?

Libreka ist der Name eines Projekts des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels für die Schaffung einer zentralen Schnittstelle für die Speicherung, Durchsuchbarkeit und Anzeige von digitalen Versionen gedruckter Bücher. In der allgemeinen Öffentlichkeit wird das Projekt als „deutsche Antwort auf Google Book Search“ wahrgenommen. (Quelle: Wikipedia)

Mit libreka! können Sie schnell und unkompliziert derzeit 100.956 Bücher deutschsprachiger Verlage im Volltext durchsuchen. Und immer mehr davon jetzt auch als E-Book kaufen. (Quelle: Libreka)

Was ist die Besonderheit von Libreka?

Libreka ist eine Initiative des Börsenvereins. Dieser vertritt die Interessen von drei Handelsstufen:

  • Verlage als Hersteller
  • Zwischenbuchhandel als Großhandel
  • verbreitender Buchhandel

Diese Struktur ist auf die traditionelle Buchbranche ausgerichtet. Sie wird den Anforderungen des Internets nur bedingt gerecht. Wenn nun aber der Börsenverein eine Plattform wie Libreka schafft, soll diese die Interessen aller drei Handelsstufen möglichst „gerecht“ vertreten. Das gleicht einer Herkulesaufgabe und führt zu allerlei Besonderheiten.

Dem Kunden sind solche Branchenspezifika letztlich aber herzlich egal. Er fragt sich vor allem, ob eine solche Plattform seinen eigenen Interessen gerecht wird. Das scheint mir nicht immer der Fall zu sein. Der Spiegel sieht das ähnlich und legt den Finger in manche Wunde:

Libreka: Darum floppt das E-Book-Portal des Buchhandels

Wenn man denn einmal ein E-Book gefunden hat, geht das Einkaufen bei Libreka erst mal recht zügig: In den Warenkorb legen, zum Bezahlen weiterklicken. Dann kommt allerdings eine merkwürdige Meldung: Libreka verlangt unter der Überschrift „Bezugsquellen“, man solle einen Verkäufer auswählen. Zur Auswahl stehen Buchhandlungen in der Nachbarschaft, der Verlag und einige Online-Händler. Klickt man verwirrt auf den Hilfe-Button, gelangt man auf eine allgemeine Hilfeseite, in der etwas über Javascript und Systemanforderungen, aber nichts über Bezugsquellen und Verkäufer steht.

(…)

Warum der Verband es nicht geschafft hat, seinen Mitgliedern einfach anteilig Tantiemen auszuschütten, statt ein bizarres virtuelles Buchhandel-Shoppen einzuziehen, ist eine weitere Frage: Denkt man das konsequent in die Zukunft fort, könnte ein Buchhändler im Extremfall seinen physischen Laden schließen und auf zufällige Spendenzuflüsse aus dem Internet vertrauen. Oder sein Tätigkeitsfeld auf Werbekampagnen nach dem Motto „Kaufen Sie bitte angeblich bei mir!“ verlegen.

Tipp für Gründer von Buchhandlungen

Auf der Leipziger Buchmesse besuchte ich am Donnerstag der letzten Woche eine Informationsveranstaltung des Börsenvereins, in deren Rahmen Dr. Jörg Gerschlauer das Projekt Libreka vorstellte. Hierbei erfuhr das Publikum, dass im Laufe des vom Spiegel beschriebenen Bestellprozesses als Erste die Buchhandlungen angezeigt werden, die sich im Postleitzahlbereich des Kundens befinden. Gibt es mehrere Buchhandlungen in einem bestimmten Postleitzahlbereich, werden diese Buchhandlungen in alphabetischer Ordnung angezeigt, so vermutete Herr Dr. Gerschlauer.

Würde ich also heute eine Buchhandlung zu gründen haben und wäre der Überzeugung, dass Libreka ein Erfolg wird, müsste ich idealerweise einen Namen wählen, der mit A beginnt. Dieser hätte eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit, bei Libreka vom System vorausgewählt zu sein bzw. vom Kunden ausgewählt zu werden. Denn dem Kunden dürfte es in den meisten Fällen egal sein, welcher Buchhandlung etwaige Anteile seiner Überweisung zufließen.