Clay Shirky über die Auswirkungen einer Amateurisierung der Medien

Clay Shirky hat 2008 ein Buch mit dem Titel Here Comes Everybody: The Power of Organizing Without Organizations veröffentlicht. In diesem Buch spricht er u.a. über Amateure, d.h. nicht primär durch Geld motivierte Menschen, die eine immer größere Rolle in den Medien und bei der Erstellung und Distribution von Inhalten spielen.

Natürlich stellt sich bei all dem die Frage, wovon die bisherigen Medienschaffenden leben werden, wenn Amateure eine zunehmend wichtige Rolle in den Medien spielen. Eben jene Frage wurde Shirky in diesem Video (s.u., 2:30 min.) direkt gestellt: But all those people still have to go out and make a living …

Shirkys Antwort (ab 1:39):

Sure, there are often cases where when society replaces a previous professional function and it is distributed through the culture new kinds of jobs appear, right. The greatest change in the intellectual landscape that we have seen in modern history – in fact kind of the beginning of modern history – was the invention of the printing press which made reading and writing so valuable to society as a whole that it stopped being useful as a profession, right. Reading and writing went from something that scribes did to something that the general population did. So instead of everybody getting paid to read and write – nobody got paid to read and write. It was the first great mass amateurization of the media landscape. We are seeing a similar thing happening now with the mass amateurization of publishing.

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2 comments

  1. Was für ein gewaltiges Wort, die „Amateurisierung der Medien“, klingt schon sehr nach berufsständischem Dünkel. Diejenigen, die nicht primär durch Geld motiviert sind, deshalb als Amateure zu bezeichnen, könnte auch dem Gehege der Zähne eines Vertreters des Finanz- und Wirtschaftskomplexes entfleucht sein oder eben einem Verbands-/Zünftevertreter.

    Journalisten, die schlechten, die mittelmäßigen, die abgestumpften, aber auch die guten sind wohl auf den meisten Themenfeldern die wahren Amateure. Sie haben, das wäre mein Kriterium, eine vernünftige Ausbildung in einem oder mehreren Bereichen des Journalismus und qualifizieren sich in ihrem ‚Handwerk‘. Ja und weil sie diese Tätigkeit als Beruf gewählt haben nehmen sie dafür Geld und soll(t)en davon auch vernünftig leben können.

    Auf der anderen Seite hat die Mehrzahl derer, die etwas zu sagen, zu schreiben haben und schreiben wollen, einen anderen anständigen Beruf oder eine Berufung und sind auf den (eher mageren) Schreiberlohn gar nicht angewiesen oder aber, das Geld steht nicht im Vordergrund.

    Was mögen sich wohl die Dichter und Denker gedacht haben, als die leidenschaftslosen Schreiberlinge in die Welt kamen und ihre Dienste angeboten haben?

  2. Amateur meint ja nur, dass man etwas nicht berufsmäßig tut. Von lat. amator = Liebhaber. Ob das nun die alleinige Zukunft sein wird, ist zu bezweifeln. Zweifelslos werden „Amateure“ aber eine größere Rolle spielen – sie tun es ja schon heute.

    Was die Dichter gedacht haben, lässt sich nur vermuten. Sicher wiederholen sich aber manche Empfindungen in der (Medien-)Geschichte.

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