Harlequin gibt Einblick in Digital- und eBook-Strategie

Was mich an eBook-Diskussionen oft stört, ist die reine Fokussierung auf eBooks als die 1:1-Kopie des gedruckten Buches. Es ist ja bekannt, dass sich die Inhalte in neu entstehenden Medien zunächst meist an denen der alten Medien orientieren. Das sollte jedoch nicht zu lange der Fall sein, weil sonst große Chancen ungenutzt bleiben, die diese neuen Medien bieten.

Vor diesem Hintergrund finde ich die Präsentation des Harlequin Verlages (s.u.) aus dem März dieses Jahres bei der BookNet Canada recht interessant. Harlequin veröffentlicht u.a. Romanhefte und fokussiert sich allgemein auf die Zielgruppe Frauen. Darüber hinaus ist das Verlagsunternehmen für seine Innovativität bekannt. In der Präsentation stellen zwei Verlagsmitarbeiterinnen wichtige Elemente der Digital-Strategie ihres Hauses vor. Interessant ist das Ganze gerade auch angesichts fehlender Digital-Konzepte in großen Teilen der Branche.

Ein Kernpunkt der Strategie sind sogenannte Enriched eBooks. Dort wird versucht, Mehrwerte gegenüber herkömmlichen pBooks zu bieten, die sich die besonderen Eigenschaften des digitalen Mediums zunutze machen. Ich hatte an anderer Stelle beschrieben, dass ich Versuche in diese Richtung für sinnvoll halte.

Solche Enriched eBooks umfassen bei Harlequin heute u.a. folgende Extras:

  • links to background information
  • material from author: photos, recipe, author note, cast of characters, background information
  • photos from Second Life event
  • excerpt for sequel
  • incorporate reader feedback

Darüber hinaus ist natürlich vieles denkbar. Ich stelle mir vor, dass sich Romaninhalte langfristig auch mithilfe virtueller Welten darstellen lassen. Oder dass manche Romanschriftsteller zu Drehbuchschreibern für weiterentwickelte Formen von Filmen und Computerspielen werden, die sogar verschiedene Verläufe zulassen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das kurzfristig Naheliegende ist natürlich die Integration von Informationen und Inhalten, die verlags- und/oder autorenseitig ohnehin schon vorliegen.

Wichtig ist für Harlequin auch das Thema der Bundles. Hier werden u.a. Pakete aus verschiedenen Romanen geknüpft und teilweise werden die Grenzen zwischen den Romanen auch fließend. Ein Trend ist hier sicherlich, dass die kleinsten Inhalteeinheiten im Buchmarkt tendenziell kleiner als ein Roman oder eine Erzähung werden. Ich stelle mir vor, dass einzelne Buchkapitel eine URL haben könnten, was auch deren Sichtbarkeit dank Verlinkbarkeit unterstützen würde. Mancher „Roman“ wird vielleicht gar kein Ende haben, so wie sich ein Miki im Gegensatz zur Zeitschrift auch potenziell ewig weiterblättern lässt. Letztlich nähert man sich damit in Teilbereichen wie dem der Sachbücher auch Formen an, wie wir sie bei Blogs schon sehen können.

Interessant ist auch zu wissen, dass bei Harlequin nur 5 Leute im sogenannten „Digital Content Team“ arbeiten. Es lässt sich also auch mit wenigen Leuten eine Menge bewegen. Eine Mitarbeiterin benennt die Herausforderungen: Not cost, time for experimenting …

Die Präsentation (33 min.):

Informationen zu den Personen:

Aideen O’Leary-Chung is the Manager, Digital Commerce for Harlequin Enterprises Ltd. Following 6 years in Marketing at Harlequin, she moved to the digital side of things in 2007. She currently manages Sales and Marketing for eBooks and other digital product

Amy Wilkins is a graduate of the University of Toronto, earning a BA in History and English, as well as Centennial College’s Book and Magazine Publishing program. After starting at Harlequin Enterprises as a summer student in 2006, and following an internship at Penguin Group (Canada) in Editorial Services, Amy returned to Harlequin as Digital Production Coordinator in May, 2008. She currently manages Harlequin’s eBook program and official blogs.

via: Book Oven blog, jakobfricke