Charles Dunstone: „the pirates will always win“

Charles Dunstone ist Gründer und Vorstandsvorsitzender von The Carphone Warehouse, des weltweit größten unabhängigen Filialisten für Telekommunikation. Er hat zum Thema File Sharing eine klare Meinung:

If you try speed humps or disconnections for peer-to-peer, people will simply either disguise their traffic or share the content another way. It is a game of Tom and Jerry and you will never catch the mouse. The mouse always wins in this battle and we need to be careful that politicians do not get talked into putting legislation in place that, in the end, ends up looking stupid.

If people want to share content they will find another way to do it. … It is more about education and allowing people to get content easily and cheaply that will make a difference. This idea that it is all peer to peer and somehow the ISPs can just stop it is very naive.

via: Techdirt, Guardian
Bild: Wikipedia

14 Kommentare

  1. @ Martin
    gerade die Oerholzer/Strumpf ist doch sehr transparent. Zwar sind die Daten schon etwas älter, “beobachtet” wurden Open Napster User, aber sie ist meines Wissens die einzige Studie die direkt aus einem Filesharing Netzwerk runtergeladene Lieder mit der Entwicklung deren Chartpositionirung vergleicht. Ich sehe keinen Grund warum deren Erkenntnisse heute keine Gültigkeit mehr haben sollten. Zuvor erwähnter Dr. Tschmuck merkt zu dieser Studie an: “Die Oberholzer-Gee/Strumpf-Studie ist trotz gegenteiliger Behauptungen von Industrievertretern immer noch gültig und ist methodisch einwandfrei erstellt worden. Die ökonometrischen Tests beziehen sich auf ein hochwertiges Datenmaterial, zu dem man als Wissenschaftler ansonsten keinen Zugriff hat. Noch dazu sind die Ergebnisse repräsentativ und zwar für das File-Sharing insgesamt und für den Untersuchungszeitraum auch weltweit. Allerdings gelten die Ergebnisse nicht für alle Zeiten, sondern nur für September bis Dezember 2002. Über diesen Zeitabschnitt hinaus muss man sich mit Plausibilitätsvergleichen helfen, die wiederum sehr leicht anfechtbar sind. Die Studie müsste in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, um die Ergebnisse auch auf einen längeren Zeitraum beziehen zu können.”Auch die holländische Studie wird von Prof. Dr. Tschmuck “gelobt”: “Von kleinen Unsauberkeiten bei der Fragestellung und der Auswertung einmal abgesehen, ist diese Studie der derzeit vertrauenswürdigste und wissenschaftlich fundierteste Beitrag zur Diskussion rund um die Wirkungen von File-Sharing.”Deine Ansicht “Konsumenten kommen nun kostenlos an Musik, deshalb können sie es sich leisten, bisher weniger priorisierten Kategorien wie DVDs oder Spiele mehr von ihrem Medienbudget zu geben” teile ich nicht, da die Ausgaben für Medien insgesamt von Jahr zu Jahr steigen. 2008 war das bisher Umsatzstärkste Jahr seit 1995. Siehe BVV Businessreport 2008/ 2009 Seite 12

    Träfe deine Annahme zu, leuchtete mir nicht ein, warum die “Downloader” mehr für Spiele und DVDs ausgeben als sie durch die “kostenlose” Musik per Fileharing sparen.

    Mir leuchtet auch nicht ein, warum Musik aufgrund Filesharing nicht mehr gekauft werden sollte, von DVDs jährlich aber mehr als 10 Millioen verkauft werden, und das obwohl sie exorbitant aus Fileharingnetzen bezogen werden. Auch die meisten Spiele kann man per Flesharing bekommen. Siehe http://thepiratebay.org/top/all

    Ein gutes Beisiel ist die TV Serie Battlestar Galactica. Eine British/US-amarikanische Coproduction, die in UK um einiges früher startete. Natürlich haben zahlreiche amerikanische Fans die Serie vor dem US Start per BitTorrent bezogen, was dem Erfold der Serie allerdings keinerlei Schaden zufügte. Siehe mindjack.com

    Meiner Meinung nach konnte die Spiele- und Videobranche gestiegene Umsätze verzeichnen, da sie neue interessante Produkte entwickeln und auch neue Käuferschichten erschließen konnte. Spielgrafik wird generell immer realistischer, Nintendo konnte mit der Wii auch Mädchen als Kunden gewinnen. Die Spielebranche liefert immer wieder neue Gründe neue Hardware und Software zu kaufen. Die Musikbranche hat seit der Einführung der CD nichts hervorgebracht was es rechtfertigen würde neue “Medien” zu kaufen. Alle Nachfolger der CD, z.B. Minidisc, DAT oder die Audio DVD sind gefloppt. Die einzige Innovation war das MP3 Format, allerdings musste niemand ein neues Medium erwerben um in die Vorzüge des MP3 Formats zu kommen. Der Wechsel von LPs zu CDs verschaffte der Musikbranche einen unglaublichen Schub, der beim Wechsel von CD zu MP3 nicht stattfand, da die dazu benötigte Hardware Computer schon in jedem Haushalt vorhanden war und auch das neue Trägermedium “MP3″ kostenlos zu haben war.

    Geld kann man sicherlich dadurch sparen, dass nun in den legalen MP3 Shops (ITunes) jeder Song auch einzeln gekauft werden kann und man nicht mehr gezwungen ist, ein ganzes Album zu kaufen, obwohl eigentlich nur wenige Lieder interessant sind.

    Der Erfolg von DVDs und Spielen stellt eine positive Rückkopplung dar. Das heisst ihr eigener Erfolg sichert den weiteren Erfolg. DVDs, Spiele und CDs werden hauptsächlich über Großmärkte wie den Mediamarkt und Saturn verkauft. Deren Erfolg führte dazu, dass die Verkaufsflächen hierfür zu Lasten der CD erhöht wurde. Die Auswahl an DVDs steigt, was sicherlich positiv auf den Absatz wirkt, da die Verkaufsfläche der CDs somit kleiner wird, sinkt als Folge wahrscheinlich auch der Absatz. Gleiches gilt für Videospiele. Änlich sieht man das auch in der aktuellen Ausgabe der Brand Eins.

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  2. Wie gesagt – die Studien haben für mich keinerlei Relevanz, da sie uralt sind. Zudem gebe ich mich nicht damit zufrieden, dass ein einzelner Professor behauptet, sie wären korrekt. Deine Ansicht “Konsumenten kommen nun kostenlos an Musik, deshalb können sie es sich leisten, bisher weniger priorisierten Kategorien wie DVDs oder Spiele mehr von ihrem Medienbudget zu geben” teile ich nicht, da die Ausgaben für Medien insgesamt von Jahr zu Jahr steigen. 2008 war das bisher Umsatzstärkste Jahr seit 1995. Siehe BVV Businessreport 2008/ 2009 Seite 12
    Träfe deine Annahme zu, leuchtete mir nicht ein, warum die “Downloader” mehr für Spiele und DVDs ausgeben als sie durch die “kostenlose” Musik per Fileharing sparen.Weiter oben schreibst du, es wären konstant 10 Milliarden Euro pro Jahr. Nun sprichst du plötzlich von einem Anstieg. Aber selbst wenn die Ausgaben für Medien gestiegen sind, wäre dies nicht verwunderlich: Der Medienmarkt als solches wächst, es kommen immer neue Produktgattungen hinzu, die mit den klassischen Medien nicht mehr viel gemeinsam haben. Ein Spiel hat faktisch sehr wenig mit einem Musikalbum gemeinsam.Mir leuchtet auch nicht ein, warum Musik aufgrund Filesharing nicht mehr gekauft werden sollte, von DVDs jährlich aber mehr als 10 Millioen verkauft werden, und das obwohl sie exorbitant aus Fileharingnetzen bezogen werden. Auch die meisten Spiele kann man per Flesharing bekommen. Siehe http://thepiratebay.org/top/allWenn ich behaupte, dass sich Tauschbörsen auf den Medienkonsum ausgewirkt haben, heißt das doch nicht sofort, dass niemand mehr DVDs kauft. Natürlich gibt es noch genug Leute, die sich DVDs lieber kaufen, als sie zu saugen. Das variiert von Person zu Person. Schon weil es ein bisschen Know-how benötigt, einen Film in DVD-Qualität herunterzuladen und zu brennen. Und weil genug Menschen von ihrem Unrechtsbewusstsein daran gehindert werden.Ein gutes Beisiel ist die TV Serie Battlestar Galactica. Eine British/US-amarikanische Coproduction, die in UK um einiges früher startete. Natürlich haben zahlreiche amerikanische Fans die Serie vor dem US Start per BitTorrent bezogen, was dem Erfold der Serie allerdings keinerlei Schaden zufügte. Siehe mindjack.comIch habe auch noch nie gehört, dass eine TV-Serie unter illegalen Downloads gelitten hat. Ich denke, soweit sind wir noch nicht, und TV hat eine zu große Reichweite, um durch ein paar zehn- oder hundertausend Downloads Quoteneinbrüche zu erleiden.

    Die restlichen Schilderungen finde ich schlüssig. Und trotzdem halte ich es für gut, zu schauen, was der eigentliche Grund für die z.B. verringerte Verkaufsfläche von Musik war – das Aufkommen anderer Mediengattungen, oder die gesunkene Nachfrage als Folge einer verstärkten Verfügbarkeit illegaler und legaler Downloadmöglichkeiten?!

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  3. @Martin

    Die Studie ist von 2004, aber was ändert dies an deren Aussagekraft? Damals Napster heute Bittorrent. Die beiden anderen Studien sind von 2007 und 2009. Und damit definitiv nicht “uralt”. Gerade die Studie aus 2004 musste sich
    einiges an Kritik gefallen lassen, alle Punkte wurden in der finalen Version berücksichtigt, was aber zu keinem anderen Ergebnis führte. Alle drei Studien sind frei verfügbar.

    Dr. Tschmuck hält die Studien für belastbar. Nenne du bitte eine glaubwürdige Person die sie für nicht belastbar hält!

    Meine Frage an dich, was ist konkret an diesen Studien falsch? Ich traue es mir nicht zu dies zu beurteilen. Wie gesagt finde auch nur eine gut begründete Kritik an einer der Studien!

    Die Zahl 10 Milliarden zu dem Medienbudget variiert natürlich von Jahr zu Jahr. Lass uns sagen der Wert beträgt durchschnittlich 9,5 mrd und schwankt zwischen 9 und 10 mrd Euro. Seltsamerweise ändern sich diese Zahlen von einer GFK Veröffentlichung zur nächsten. Im GFK Consumer Report von 2006 sind die Zahlen generell höher als die Zahlen der GFK im BVV Bericht. Im letzeren ist der generelle Anstieg auszumachen. Demnach war 2008 mit 9,67 mrd Euro das erfolgreichste Jahr zwischen 1999 und 2008.

    – GFK 2006
    – GFK 2009“Schon weil es ein bisschen Know-how benötigt, einen Film in DVD-Qualität herunterzuladen und zu brennen. Und weil genug Menschen von ihrem Unrechtsbewusstsein daran gehindert werden.”Das gleiche Unrechtsbewußtsein sollte dann doch auch die Menschen davon abhalten Musik illegal runterzuladen, oder nicht?. Ich gehe davon aus, das der größte Teil der illegal bezogenen Filme direkt am Computer angeschaut werden und somit kein weiteres Wissen notwendig ist diese als DVD zu brennen. Und selbst wenn, die Brennsoftware macht doch alles notwendige.

    Zumal sehe ich keine neuen Medienkategorien. Gestern VHS heute DVD, ein Film bleibt ein Film egal ob auf Kassette oder auf einer Scheibe. Gleiches gilt für Spiele, gestern Diskette heute DVD. Der Datenträger ändert sich, das Medium bleibt gleich.

    Das Serien im TV unter den Downloads leiden glaube ich auch nicht, allerdings sollte dann doch gemäß deiner Aussage “vom Kauf eines Musikstückes oder Buches abzusehen, wenn man bereits auf einem anderen Weg kostenlos in den Besitz der digitaler Version gelangt ist” auch der DVD Markt unter illegalen Downloads leiden, was er offensichtlich nicht macht. Das einzig neue Medium das ich sehe ist das Handy, und ich glaube kaum, dass das Handy deshalb so erfolgreich ist, da die Menschen Geld was sie durch illegale Downloads von Musik sparen nun zum telefonieren verwenden.

    Die große Frage ist, ersetzten illegale Downloads gekaufte CDs? Ich glaube nicht, wenn dann nur zu einem geringen Teil. Denn nicht alles was man umsonst bekommt würde man ansonsten auch kaufen. Bekomme ich einen Flug nach Australien geschenkt, würde ich ihn antreten, bekomme ich ich ihn nicht geschent, trete ich ihn nicht an.

    Filesharing ist für viele Mensche eine weitere Option geworden. Dürfte ich kostenlos bei McDonalds essen, würde ich wahrscheinlich oft bei McDonalds essen, meine Besuche in meinem Liebligsrestaurant würden dadurch nicht weniger werden.

    Den sinkenden Umsatz von Musik wird man nie verstehen wenn man versucht ihn lediglich mit Filesharing zu erklären da somit Drittvariablen und Rückkopplungen unberücksichtigt werden.

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  4. Leider fehlt mir die Zeit, um jetzt hier bis in kleinste Detail mit dir über die Studien zu diskutieren, zumal die Länge deiner Kommentare und die Art der Argumentation darauf schließen lässt, dass du ein ganz Hartnäckiger bist, weshalb wir sonst hier noch wochenlang diskutieren könnten.

    Ich denke, ich kann die Entwicklung der letzten Jahren im Medienbereich gut genug beurteilen, um sagen zu können, dass mir Argumentationen, die Zusammenhänge zwischen der Digitalisierung, illegalen Downloads und Verkäufen komplett von der Hand weisen, suspekt sind. Dass man Rückkopplungen berücksichtigen muss, stimmt – aber in beide Richtungen. Was du auch nicht machst, denn du willst die Rückkopplungen als einzigen Grund für verändertes Kaufverhalten anbringen, was bei mir den Eindruck hinterlässt, dass du keineswegs objektiv an das Thema herangehst. Du bist nicht zufällig Mitglied bei der Piratenpartei?

    Und mal ehrlich: zwischen dem illegalen Download eines Musikstücks und einer abspielbaren DVD liegen in den Augen der meisten “herkömmlichen” User Welten. Das eine dauert 30 Sekunden, das andere Stunden in beinhaltet Kenntnis über Formate, Konvertierungen etc. Dass du das völlig ausblendest und stattdessen beides vergleichst, zeugt nicht gerade von einer wirklichkeitsgetreuen Sicht.

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  5. Warum es mir geht ist, für die Krise der Musikwirtschaft wird in der öffentlichen Diskussion in der Regel lediglich Filesharing verantwortlich gemacht.

    Es gibt ernstzunehmende Studien die keinen Zusammenhang zwischen Filesharing und den Rückläufigen Umsätzen sehen. Diese werden übergangen da sie wenn sie nicht der eigenen Meinung entsprechen. Ist man der Meinung, diese Ergebnisse würden nicht stimmen, dann bringt es nichts, diese als Märchen abzutun, sondern muss sich konstruktiv mit diesen auseinandersetzen.

    Es gibt “Phänomene” die widersprüchlich sind, aber auch gerne übergangen werden. Was man kostenlos bekommt, kauft man angeblich nicht. Selbst wenn dies auf CDS zutreffen sollte, warum trifft es auf Filme und Serien nicht zu? Die unterschiedlichen Videoformate sehe ich nicht als großes Problem. Ich gehe davon aus, dass der Großteil der Videos als avi/divx Datei runtergeladen werden und nicht in eine DVD umzuwandeln angeschaut wird. Zumal mittlerweile die meisten Geräte auch avi/divx Dateien abspielen können. Wahrscheinlich kann heute schon jeder Zehnjährige avi Dateien als DVD brennen.

    Den wahren Grund für den Rückgang der CD Verkäufe kenne ich selbstverständlich auch nicht, ich bin nur der Meinung, dass eine Reduzierung des Problems auf “Filesharing” ein absoluter Holzweg ist.

    Ein Beispiel bei dem auch ich sage, hier kann nur Filesharing schuld sein, ist der kollabierende Markt für Anme DVDs in Deutschland. Siehe http://www.animey.net/specials/87

    Und nein, ein Mitglied der Piratenpartei bin ich nicht. Zumal ich von Aussagen “alle Information muss frei sein” auch nichts halte. Künstler müssen von ihrem Output leben können. Auf Seiten der Filesharingbefürworter gibt mindetens genau so viele dumme Aussagen wie von Seiten der Musikbranche. Gerne wird der zu hohe Preis angeführt. Wer findet CDs seien in Deutschland zu teuer, der soll doch mal nach Holland oder in die Schweiz fahren. Auch hört man gerne es werden doch nur nicht mehr erhältliche Veröffentlichungen runtergeladen. Das dies natürlich totaler Quatsch ist, sieht man auf den ersten Blick auf den “Top 100″ Rubriken der Bittorrent Seiten.

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  6. Martin

    Und wieso, Martin, kommst du erst jetzt dazu “Tacheles” zu reden?
    Den Quatsch das Napster dazu führt das mehr Musik gekauft wird wurde schon 2000 als Argument von den Saugern vorgeschoben.
    Mir reichen schon die Youtube Videos in meiner Playlist für Audio und wenn ich High Quality Streams zur Verfügung habe kaufe ich mir sicher keine DVD.
    Ich gebe es aber zumindest zu.

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  7. Oliver

    “Und nein, ein Mitglied der Piratenpartei bin ich nicht. Zumal ich von Aussagen “alle Information muss frei sein” auch nichts halte. Künstler müssen von ihrem Output leben können.”Die Piratenpartei ist keineswegs der Meinung, dass Künstler ihre Werke gratis zur Verfügung stellen sollen. Wer das glaubt, liegt einem Vorurteil auf und sollte sich nochmal näher mit ihren Positionen auseinandersetzen, bevor er sie pauschal aburteilt. Verteidigt werden dagegen zum Beispiel das (eigentlich selbstverständliche) Recht auf Privatkopie und die gesunde Entwicklung von neuen Verteilungsmodellen von Künstler zu Endverbraucher – Entwicklungen, die von einer Industrie, die gerade vom Überleben und Dominieren der alten Modelle lebt, bisher aggressiv bekämpft und kriminalisiert werden.

    Dass hier Verkäufe zurückgehen, ist nichts weiter als das normale Symptom eines sich verändernden Marktes – würden die Menschen wieder mehr Audio-CDs kaufen, würden automatisch die Umsätze bei Filmen und Spielen nachlassen und diese Industriezweige würden (noch mehr) anfangen über Kopierer zu jammern. Fakt ist, dass die Leute nicht mehr Geld für Medien ausgeben können als sie haben, weil niemand anfangen wird zu hungern oder in eine kleinere Wohnung zieht, damit er sich 10 Alben pro Monat kaufen kann. Wer wirklich gute Musik macht, die die Leute erreicht, der wird trotzdem weiterhin verkaufen – ein Gesund-Schrumpfen der total überzogen großen Populärmusiksparte kann ich nicht mit den Armageddonsposaunen in Einklang bringen, die bei dem Thema gezückt werden. Marktsättigung ist nichts Ungewöhnliches.

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  8. Danke für’s Tacheles Reden, Martin Weigert! Lass Dich nicht kleinkriegen. Natürlich ist es Quatsch, alle illegalen Downloads als entgangenen Umsatz der Musikindustrie zu werten. Aber ebenso selbstverständlich ist es doch, dass es durchaus gegenseitige Beeinflussungen gibt.
    Ich bin seit einigen Monaten auf den legalen Musikerwerb umgestiegen. Ich habe früher nie Musik gekauft, die ich umsonst im Netz bekommen konnte und ich glaube auch nicht, dass das viele Leute getan haben.
    Was mich bei der ganzen Filesharing-Diskussion (u.a. an einigen Kommentaren oben) so sehr stört, ist auch die Kurzsichtigkeit der Filesharing-Befürworter. Sie reden immer von Musikindustrie und meinem damit ca. 5 Major-Labels. Dabei haben diese ca. 5 Major-Labels schon immer die uninterssantesten Produkte im Angebot gehabt. Ich bin einfach traurig, dass immer nur von den großen Haien gesprochen wird, aber wer denkt denn mal an die kulturelle Vielfalt, für die 10000 kleine Independent-Labels sorgen, denen man keine Profitgier vorwerfen kann, die keine Lobby haben, und denen bei einer Aufweichung des Urheberrechts genauso die Überlebensgrundlage entzogen würde wie den Großen?

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  9. Ich glaube, gerade für kleinere Labels und unabhängige Acts verändert sich wenig. Zwar sind auch diese von illegalen Downloads betroffen, aber gleichzeitig können sie mit Hilfe des Webs eine globale Hörerschaft erreichen. Früher war das unmöglich bzw. äußerst teuer. Zudem haben gerade Independents häufig einen sehr loyalen Anhang, der gerne bereit ist, für Tonträger (ob physisch oder digital), Merchandising etc zu bezahlen.

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  10. Kai

    Danke für die vielen Infos. Klar, ich beobachte inzwischen auch mit Interesse die Entwicklung von kleinen, unabhängigen, oft von KünstlerInnen selbst betriebenen Weblabels und öffne auch gerne hier und da mal meine Geldbörse.
    Was ich aber nicht so ganz nachvollziehen ist, ist die moralische Seite der Argumente der Filesharing-Befürworter. Ich höre da immer wieder, die Künstler sollten halt auf Konzerten Geld verdienen. Mit einer Legalisierung des derzeitigen Filesharing-Status-Quo würde man das dann offiziell machen. Ich finde, ein System muss einen produktiv Tätigen insofern schützen, als er/sie eine gewisse Entscheidungsfreiheit hat, wie er/sie mit seinem Produkt seinen Lebensunterhalt sichern kann.
    Meine Probleme mit den Filesharing-Befürwortern und den wissenschaftlichen Studien, die positive Effekte des Filesharing bestätigen, ist auch nur, dass ich sie leider nicht empirisch bestätigen kann. Zum einen habe ich selbst eine Weile als “Musikschmarotzer” gelebt, bin ziemlich plötzlich von ca. 50 CD-Käufen pro Jahr in den 90ern auf 0 CD-Käufe pro Jahr gefallen, ohne dass ich deswegen öfters auf Konzerte gegangen wäre – und Videospiele habe ich nie gekauft. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis bestätigt sich diese Selbstbeobachtung. Nun frage ich mich, wie es sein kann, dass ich und mein Bekanntenkreis so viel asozialer sein sollen als der Rest der Menschheit.
    Mich jedenfalls hat es inzwischen angekotzt, dass ich für alles mögliche Geld ausgegeben habe, aber nicht für Musik, obwohl ich in jeder freien Minute Musik höre. Seitdem kaufe ich nicht nur selbst wieder Musik, sondern ich versuche auch, andere dazu zu überreden. Mit Reaktionen wie: Ich kaufe mir nur Second Hand-CDs; für digitale Bits und Bytes würde ich nie Geld ausgeben; an mir verdienen die Künstler halt nix.
    Was mich bewegt ist halt: Angesichts diese von mir als desolat erfahrenen Lage, wie soll diese Gesellschaft in Zukunft Qualität und Quantität von Kunstproduktion sicherstellen?

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  11. Ich möchte an dieser Stelle mal die Preisdifferenzierung mit in die Diskussion einbringen, da diese viel zu selten beachtet wird.

    Im Gegensatz zu (z.B.) Konsumgütern gibt es bisher keine sinnvolle Preis- und Produktdifferenzierung für digitale Musik. Möchte/kann man sich kein Rinderfilet leisten, kann man sich statt dessen ja auch Schweinefilet kaufen. Möchte/kann man sich ein Musikstück nicht leisten, verzichtet man entweder ganz (”Luxusprodukt”) oder besorgt es sich kostenlos auf illegalem Weg.

    – DRM war ein Ansatz, welcher jedoch aufgrund der (berechtigten) mangelnden Akzeptanz schnell wieder vom Markt verschwunden war. Hier hätte man nacharbeiten können und den Nutzer in den Mittelpunkt stellen können, anstatt nur restriktive Kopierschutzmechanismen zu implementieren.

    – Die Qualität der neuen mp3-Codecs ist inzwischen so gut, das eine Differenzierung über die Bitrate für einen Großteil der potenziellen/tatsächlichen Kunden kaum von Bedeutung ist.

    – Die meisten Endgeräte unterstützen das unabhängige mp3-Format, weshalb eine Differenzierung über unterschiedliche Formate ebenfalls schwer fallen wird. Hier könnte man allerdings bei den verlustfreien Komprimierungsverfahren (z.B. FLAC) eine weitere Abschöpfung der Konsumentenrente realisieren, ohne weitere restriktive Maßnahmen implementieren zu müssen.

    Was hat aber nun die fehlende Produktdifferenzierung mit dem Raubkopierproblem zu tun ?

    Die fehlende Möglichkeit der Produktdifferenzierung in Verbindung mit der durch die Musikindustrie gewählten Hochpreisstrategie führt letztendlich zu einem Marktversagen. Als externen Effekt kann man hier die “kostenlose Alternative” in illegalen Tauschbörsen ansehen. Dies führt dazu, das man bei den zahlenden Kunden die maximale Rente abschöpft, aber auf der anderen Seite einen Großteil der potenziellen Kunden nicht in den Markt holt. Die Zahlungsbereitschaft der potenziellen Kunden ist geringer als die üblichen 1€/Musikstück, weshalb man hier auch nicht von entgangenem Umsatz für die Labels reden kann. Da es sich bei Musik um ein “Luxusprodukt” (im weiteren Sinne) handelt, ist die Preiselastizität der Nachfrage sehr hoch und führt zu einer überproportional stark abfallenden Nachfragekurve. Bei gleichbleibenden Bedingungen wird man durch die Hochpreisstrategie also niemals ein Marktoptimum erreichen können.

    Welche Lösungen gibt es?

    – Man könnte zum einen die “kostenlose Alternative” durch staatliche Eingriffe mit stärkeren Sanktionen belegen. Durch die starke Lobbyarbeit der Musikindustrie wurden hier bereits einige Sanktionen eingeführt. Ob eine weitere Kriminalisierung breiter Bevölkerungsschichten jedoch der richtige Ansatz ist, sei einmal dahingestellt.

    – Es sollten angereicherte Medien entwickelt werden, um den Kaufanreiz zu steigern und darüber hinaus eine Produkt- und Preisdifferenzierung zu ermöglichen.

    – Es könnten neue Geschäftsmodelle etabliert werden, welche dieser Problematik entgegenwirken. Ein Ansatz ist hier die sogenannte Flatrate, welche bei Streamingdiensten zunehmend zum Einsatz kommt. Jedoch entsteht hierbei wieder das Problem der selbstbestimmten Nutzung der Medien. Ferner widerspricht die Flatrate der Hochpreisstrategie der Musikindustrie. Auf der einen Seite macht man sich die Probleme durch hohe Preise (exakter: fehlende Preisdifferenzierung) selbst und auf der anderen Seite versucht man diese dann durch ein Modell zu lösen, welches die Abschöpfung der Rente weiter reduziert als dies überhaupt notwendig ist.

    Meiner Meinung nach ist der einzige richtige Lösungsansatz für das bestehende Problem eine dynamische Preisdifferenzierung.

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