Vielleicht sollte sich Dr. Bernd Buchholz mehr Zeit für Social Media nehmen?

Dr. Bernd Buchholz ist Vorstandsvorsitzender von Gruner + Jahr, dem größten Zeitschriftenverlag in Europa. Auf der dmexco antwortete er kurz (Video: 1 min.) auf folgende Frage: „Welche Rolle spielt Social Media in der Vermarktung?“

 

Dr. Bernd Buchholz trennt die Geschäfte von Gruner + Jahr und Facebook & Co. recht klar. Er sieht sich in der Rolle, in Social Networks relevante Inhalte bereitzustellen. Andererseits beschäftigt er sich selbst kaum aktiv mit diesen Plattformen, wenn man seinen Worten Glauben schenken darf:

Einfach nur Communities zu organisieren, wäre nicht unsere Kernleistungsfähigkeit – das können sicherlich andere auch besser. Und wenn Sie danach fragen, was Facebook und MySpace und viele andere für mich für eine Rolle spielen, dann sage ich ganz ehrlich: Bei meinen Kindern spielt das eine wesentliche Rolle und ich selber habe dankenswerterweise zu wenig Zeit, um mich wirklich in einer solchen Community aktiv einzubringen und deshalb spielen sie ehrlich gesagt für mich eine untergeordnete Rolle.

Ich bin mir nicht so sicher, ob sich die Geschäftswelten von Gruner + Jahr und Facebook & Co. so einfach trennen lassen. Auch Facebook hat aus meiner Sicht u.a. das Ziel, relevante Inhalte bereitzustellen. Es wählt jedoch einen technischen Ansatz, indem es den Nutzern die Möglichkeit gibt, selbst die Relevanz von Inhalten individuell zu bestimmen, indem diese Inhalte bspw. durch den Social Graph gefiltert werden. Vielleicht sollte sich Dr. Buchholz aber auch einfach mehr Zeit für diese für ihn neuen Kommunikationsformen nehmen, um besser nachvollziehen zu können, wie seine „Zielgruppen“ heute für sie relevante Inhalte finden?

Besonders interessant finde ich Dr. Buchholz‘ Standpunkt vor dem Hintergrund der derzeitigen Verluste seines Hauses und der Tatsache, dass er selbst bekennt: „Es geht uns nicht gut“. Eine wichtige Ursache sind sicherlich die konjunkturellen Einflüsse. Ich denke aber, dass strukturelle Veränderungen einen mindestens ebenso großen Einfluss haben, in deren Rahmen das Thema Social Media eine sehr wichtige Rolle spielt.

UPDATE: Hier finden Sie noch ein paar Gedanken zum Thema Social Networks ≠ Communities.

9 comments

  1. blaugraufrau says:

    wenn dr. buchholz auf die frage nach vermarktung mit social media gleich an eigene applikationen denkt, nimmt er da nicht gleich zwei schritte auf einmal? zunächst interessiert doch eigentlich, welche potentiale er in der nutzung bestehender strukturen für die vermarktung sieht…

    wie auch immer, „relevante inhalte“ klingt natürlich toll und auf jeden fall besser als „nur“ vernetzung. aber auch wenn die g+j sozialen netzwerke kleiner sind als etwa die vz-e, auch wenn sie (bis auf ausnahmen) eher in sich geschlossen sind, finden sich von neon.de bis, bym.de, brigitte.de, chefkoch.de, eltern.de etc. doch einige social networks und communities unter dem g+j-dach. (zahlen sind u.a. auf der g+j-website zu finden). ich verstehe nicht ganz, warum er das so abtut.

  2. Anonymous says:

    Bei G&J sind die Redaktionen (!) für die facebook Seiten zuständig, nicht das Marketing. Das ist das Problem. Die Brigitte Seite kommt auf ganze 140 Fans …

      • Anonymous says:

        Nun, das hat noch in keinem Medienunternehmen geklappt, wenn die Redaktion das Marketing übernimmt. Da hat eben jeder seine Denke und Schwerpunkte.
        Es ist sicherlich sinnvoll und bei Social Media auch notwendig, die Redaktion einzubeziehen !
        Aber vorantreiben wird das kaum ein Redakteur.

        • Ich könnte mir vorstellen, dass ein Social Media Marketing ohne die Redakteure kaum umzusetzen ist, wie Sie ja auch anmerken. Es wird in vielen Häusern sicher einen Mix geben aus Engagement der Einzelnen und Koordination an zentraler Stelle im Unternehmen.

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