Barack Obama scheint Blogs für unseriös und rein meinungsgetrieben zu halten

Barack Obama, der sich selbst als „big newspaper junkie“ beschreibt, hat vor wenigen Tagen den Zeitungen Pittsburgh Post-Gazette und The Blade im Oval Office ein gemeinsames Interview gegeben. Darin zeigte er sich zu Recht besorgt über die derzeitige wirtschaftliche Situation der Zeitungen und des Journalismus:

Journalistic integrity, you know, fact-based reporting, serious investigative reporting, how to retain those ethics in all these different new media and how to make sure that it’s paid for, is really a challenge. But it’s something that I think is absolutely critical to the health of our democracy.

Von Blogs scheint er in diesem Zusammenhang keine allzu hohe Meinung zu haben, obwohl sie es ja u.a. waren, die seinen Aufstieg befördert haben:

I am concerned that if the direction of the news is all blogosphere, all opinions, with no serious fact-checking, no serious attempts to put stories in context, that what you will end up getting is people shouting at each other across the void but not a lot of mutual understanding.

Hilfsmaßnahmen für Zeitungshäuser mit gestrigen Geschäftmodellen scheinen im Bereich des Denkbaren zu liegen:

I haven’t seen detailed proposals yet, but I’ll be happy to look at them.

Wir dürfen also gespannt sein, was genau er mit dieser Aussage meint bzw. wie stark und in welcher Form er dem Verstehen ggf. nachhelfen würde:

What I hope is that people start understanding if you’re getting your newspaper over the Internet, that’s not free and there’s got to be a way to find a business model that supports that.

Bildquelle: DavidAll06 (CC-Lizenz)

  • Meiner Meinung nach schert Obama nicht alle Blogs über einen Haufen. Obama sagt deutlich, dass er sich besorgt zeigt über alle jene Blogs, in denen „Nachrichten“
    gepostet werden, die zuvor nicht sorgfältig recherchiert wurden (no serios fact checking) und die „Nachrichten“ wiedergeben, die aus dem Zusammenhang gerissen wiedergegeben werden (no serious attempts to put stories in context). Was laut Obama in einem wirren Durcheinander enden kann, in dem sich die Leute Dinge zurufen, ohne eigentlich den anderen zu verstehen. (what you will end up getting is people shouting at each other across the void but not a lot of mutual understanding.)

    Ich kann mich dem nur anschließen.
    Blogs, die dafür verwendet werden, Menschen mit falschen oder schlecht/nicht recherchierten Tatsachen aufzuhetzen, gibt es schon genug. DERARTIGE Blogs sind durchaus eine Entwicklung, die einem Kopfzerbrechen machen können. Im Zeitungsdschungel haben wir die BILD Zeitung, im Internet dagegen gibt es an jeder Ecke Blogs, die ein BILD Niveau aufweisen.

    Nimm’s nicht persönlich, aber daraus resultierend finde ich die Überschrift Deines Artikels „unseriös und meinungsgetrieben“, um Dich zu zitieren … ;o)

    • Kein Problem, mit konstruktiver Kritik kann ich gut leben, danke dafür :)

      Die Beurteilung solcher Statements ist natürlich immer schwer, wenn man nicht den Originaltext vor sich liegen hat oder sehen kann, wie er das genau gesagt hat. Die vorliegenden Zitate klingen für mich jedoch etwas zu sehr nach Pauschalisierung. Da wird schon eine Beziehung hergestellt zwischen Blogosphäre und mangelnder Seriosität und Faktenbezogenheit. Natürlich gibt es das, aber es gibt auch eine Menge Gegenteiliges. Gleiches gilt auch für den Bereich der Zeitungen – auch dort sind beide Pole vorhanden.

      Zweifelsohne stellt der Niedergang der Zeitungen aber einen Verlust dar, der durch neue Geschäftsmodelle aufgefangen werden sollte. Diese zu finden, mahnt Obama ja berechtigterweise an. Hier wünschte ich mir aber Staatsferne, die durch Hilfsmaßnahmen verloren gehen könnte.

  • If the business model that works is government subsidy or protective legislation (and that really is what he is alluding to), then that is the end of a free and unbiased press. If the papers cannot remain viable without government assistance, then so be it. Quality journalism will survive their demise and simply take other forms.

    • Ich denke auch, dass andere Formen gefunden werden. Allerdings könnte bis dahin ein Tal der Tränen vor uns liegen, was ja auch Clay Shirky erwartet: http://bit.ly/Yd2j8