Social Media und Social Software als Chance für Frauen

Wir haben ein Problem. Noch immer und trotz aller Bemühungen sind Frauen in Führungspositionen weit unterrepräsentiert. Der Frauenanteil in deutschen Vorständen hat sich laut einer Studie des Instituts für Unternehmensführung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) von 1998 bis 2008 zwar von 1,2 Prozent auf 2,4 Prozent verdoppelt, befindet sich aber nach wie vor auf sehr niedrigem Niveau. Seit 2005 ist der Anteil der Studie zufolge sogar leicht rückläufig.

Woran könnte das liegen? Der Frage ist die HU Berlin in einer Studie nachgegangen. Die Ursachenforschung von Prof. Dr. Hildegard-Maria Nickel, Sozialwissenschaftlerin an der Universität, am Beispiel einer Bank ergab, dass viele Frauen gerne im Team arbeiten, was Managerinnen davon abhalte, in die Führungsspitzen aufzusteigen:

Die Frauen arbeiteten in ihren bisherigen Positionen viel und gerne im Team. In der nächsten Stufe wären sie Chef geworden. Sie hätten als Entscheider allein im Büro sitzen und auf die Zahlen schauen sollen, ohne sich mit anderen rückkoppeln zu können. Die Frauen fühlten sich von dieser Vorstellung jedoch abgestoßen, erläutert Nickel in der Zeitschrift ‚emotion‘. Im Unternehmen sei eine Art der Führungsqualität erwartet worden, mit der sich die Frauen nicht identifizieren wollten.

Das Fazit von Prof. Dr. Hildegard-Maria Nickel lautet daher, dass sich in den Unternehmen etwas an den Strukturen ändern müsse, damit mehr Frauen in Führungspositionen arbeiten, ohne zugleich zur Einzelkämpferin werden zu müssen. Und tatsächlich tut sich ja dank der digitalen Medien und der „sozialen“ Software eine Menge in den Unternehmen. Vieles wird unter dem Stichwort Enterprise 2.0 diskutiert, das in diesem Kontext aufhorchen lässt:

Enterprise 2.0 bezeichnet den Einsatz von Sozialer Software zur Projektkoordination, zum Wissensmanagement und zur Innen- und Außenkommunikation in Unternehmen. Diese Werkzeuge fördern den freien Wissensaustausch unter den Mitarbeitern, sie erfordern ihn aber auch, um sinnvoll zu funktionieren. Der Begriff umfasst daher nicht nur die Tools selbst, sondern auch eine Tendenz der Unternehmenskultur – weg von der hierarchischen, zentralen Steuerung und hin zur autonomen Selbststeuerung von Teams, die von Managern eher moderiert als geführt werden.

Insofern denke ich, dass diese neuen Techniken gerade Frauen zugute kommen werden. Generell bewegen wir uns ja auf eine Gesellschaft zu, in der Aspekte wie das Netzwerken und die Kommunikation auf allen Ebenen immer wichtiger werden. Der Typus des „Lonely Wolf“ wird künftig weniger gefragt sein. So bleibt nur zu hoffen, dass dieser Trend sich letztlich auch positiv in den Zahlen niederschlägt und wir uns 2018 nicht mehr im einstelligen Prozentbereich bewegen werden.

Bildquelle: Engine People Blog (CC-Lizenz)

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