Brauchen wir einen Social-Media-Kodex?

Früher war es sehr teuer, Informationen an die breite Öffentlichkeit zu bringen. Daher war dies nur relativ wenigen Unternehmen möglich. Diese Unternehmen trugen ob ihres Einflusses aber auch eine besondere Verantwortung. Aus diesem Grunde wurde für sie ein Regelwerk erarbeitet: der Pressekodex. Darin heißt es u.a.:

(…)

Ziffer 7 – Trennung von Werbung und Redaktion
Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken. Bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar sein.

(…)

Ziffer 15 – Vergünstigungen
Die Annahme von Vorteilen jeder Art, die geeignet sein könnten, die Entscheidungsfreiheit von Verlag und Redaktion zu beeinträchtigen, sind mit dem Ansehen, der Unabhängigkeit und der Aufgabe der Presse unvereinbar. Wer sich für die Verbreitung oder Unterdrückung von Nachrichten bestechen lässt, handelt unehrenhaft und berufswidrig.

(…)

Heute finden wir eine veränderte Situation vor. Dank des Internets ist der Zugang zur Öffentlichkeit sehr billig geworden, sodass er potenziell Jedem offen steht. Doch wie verhält es sich mit den Gefahren, welche durch den Pressekodex vermieden werden sollten? Bedarf es heute eines Regelwerkes, das auch Privatleuten und Hobby-Schreibern ähnliche Vorgaben macht? Brauchen wir einen Social-Media-Kodex? Das könnte aber heißen, dass künftig sehr viele im Netz Aktive einen Teil ihrer Einkommensverhältnisse offen legen müssten …

In den USA hat sich nun die Handelsaufsicht Federal Trade Commission (FTC) der Fragestellung angenommen und verpflichtet u.a. Blogger dazu, Verbindungen zu Anzeigenkunden offen zu legen. Das gilt auch für Sachleistungen, die sie gratis empfangen. So sollen bezahlte positive Darstellungen transparent gemacht und letztlich die Leser der betreffenden Blogger geschützt werden. Das Ganze wird im Dezember wirksam und ist verbindlich, sodass bei Zuwiderhandlung Strafen bis zu 11.000 Dollar drohen.

Das komplette Dokument der FTC finden Sie hier (PDF, 380 KB). Folgende Nachrichtenseiten berichten darüber:

via: Bigtrends
Bildquelle: mangpages (CC-Lizenz)

4 comments

  1. D Askey says:

    Mir fällt nur die Frage ein, welche Lobby hat die FTC bewegt, diese Veränderung vorzunehmen? Zu einem solchen Entschluss ist sie sicherlich nicht ohne einen gewaltigen Anstoß gekommen. Man sieht hier die Hand von großen Medienkonzernen, die jetzt auf dieser Ebene einen ruhigen Krieg gegen Blogger führen.

    Ich finde aber eine solche Regelung aber eigentlich nicht gar so schlecht. Zuerst verdienen nur recht wenige Blogger Geld für ihre Arbeit, also es sind wenige getroffen. Aber es stört mich schon, wenn ich auf einen „Blog“ stoße, der nichts mehr als ein Sprachrohr für eine Firma ist.

    Leider kann ich mir aber nicht vorstellen, daß diese Regelung etwas bewirkt.

  2. Anonymous says:

    Lieber Leander Wattig,

    ich finde es stellt sich die Frage, wie wir insgesamt mit dem Thema Transparenz umgehen – gerade auch in Blogs.

    Einerseits droht so einiges in die PR-Kiste zu rutschen, andererseits ist es ein beliebter Sport geworden, Autoren gerne auch schnell eine Verstricktheit vorzuwerfen.

    Ich glaube, wir bräuchten einen Blog- und Sozial-Media-Kodex, der wie die CC funktioniert – in verschiedenen Abstufungen.

    Das Bekenntnis dazu wäre aber immer freiwillig.

    Hast Du gelesen, was Jeff Jarvis dazu geschrieben hat.

    Ich fände dies ein spannendes Thema auch für Carta – hättest Du Lust, diesen Text noch etwas in diese Richtung auszuarbeiten?

    Gruss,

    Robin

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