Datenschutz im Internet: Brauchen wir eine gesellschaftlich vereinbarte Schweigepflicht?

Wenn sich heute Menschen in der Öffentlichkeit wie bspw. auf der Straße oder im Zug unterhalten, hören oft irgendwelche anderen Menschen mit. Diese könnten auch heute das Gehörte aufnehmen oder mitschreiben, Fotos der Unterhaltungspartner (sicherheitshalber mit genug Menschen im Hintergrund) machen, deren Identität ermitteln und das Ganze anschließend weiterverbreiten. Doch selbst wenn es im konkreten Fall nicht strafbar wäre, so würde dies doch ein ungutes Licht auf denjenigen werfen, der solche privaten Dinge aktiv weiterträgt. Auch heute ist also nicht alles, was technisch machbar ist, auch sozial akzeptiert. Das wiederum ist oft ein sehr wirkungsvoller Schutz.

Inzwischen finden aber viele private Gespräche im Internet statt. Dort ist es technisch viel leichter möglich, diese privaten Informationen weiterzuverbreiten. Um das zu verhindern, wird meist nach technischen Maßnahmen gerufen, welche den Zugang zu solchen Daten verhindern sollen. Es stellt sich aber die Frage, ob es in jedem Fall möglich und auch wünschenswert ist, den Zugang zu blockieren? Oder ob es nicht vielmehr darum geht, wie wir mit solchen uns zugänglichen privaten Daten umgehen? Vor diesem Hintergrund finde ich folgenden Beitrag von Bob Blakley sehr lesenswert:

Gartner Gets Privacy Dead Wrong

Seine Grundthese:

Privacy is the problem you have after you share sensitive information.

Die Privatsphäre und der Datenschutz bedeuten also nicht eine komplette Kontrolle und Abschottung unserer privaten Daten und Informationen. Die Frage ist vielmehr, was mit unseren Daten und Informationen passiert, nachdem wir sie bestimmten Personen/Personenkreisen zugänglich gemacht haben:

That’s how privacy works; it’s not about secrecy, and it’s not about control: it’s about sociability. Privacy is a social good which we give to one another, not a social order in which we control one another.

Hier sieht Blakley ein grundsätzliches Problem, da häufig versucht wird, das Thema „Privacy“ mit technischen Mitteln zu lösen.

We technologists have tried to solve the privacy problem in this technology frame for about a decade now, and, not surprisingly (information wants to be free!) we have failed.

Er schlägt einen anderen Ansatz vor:

Privacy is a social problem; the solution is to ensure that people use sensitive personal information only in ways that are beneficial to the subject of the information.

Blakley plädiert eher für zwischenmenschliche Vereinbarungen, die es ja auch auf vielen anderen Feldern gebe, welche durch die technischen Rahmenbedingungen ermöglicht werden sollten. Technik könne also vielfach nur die Voraussetzungen schaffen:

Society can and routinely does solve the privacy problem in the social frame, by getting the vast majority of people to behave sociably. Privacy isn’t a new problem. It’s existed in all human societies for as long as there have been human societies. Lawyers have solved it. Doctors have solved it. Priests have solved it. Friends have solved it. They’ve solved it by creating social structures which discourage monstrous behavior.

Wichtig sei jedoch auch und gerade, dass technische Lösungsansätze die Situation nicht verschlimmerten:

For example, if we accept the „privacy is defined as control of secrecy“ frame, then we will start to believe (perhaps as a society, and perhaps even as a matter of law) that as soon as someone learns a piece of information about us, that information is no longer private, and we lose subsequent protections.

Bildquelle: jeffschuler (CC-Lizenz)

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