Dallas Morning News: Redakteure sind Werbeverkäufern künftig direkt unterstellt

Zeitungshäuser schreiben sich gern und oft Qualitätsjournalismus auf die Fahnen. Doch die Krise macht es immer schwerer, diesem Bild gerecht zu werden. Inzwischen wird selbst Grundlegendes hinterfragt. So geschehen bei den Dallas Morning News. Deren Redakteure erhielten am 2. Dezember ein Schreiben von Herausgeber Bob Mong und von Cyndy Carr, die Senior Vice President of Sales ist. Darin heißt es:

To better align with our clients‘ needs, we will be organized around eleven business and content segments with similar marketing and consumer profiles including: sports, health/education, entertainment, travel/luxury, automotive, real estate, communications, preprints/grocery, recruitment, retail/finance, and SMB/Interactive.

Each segment will be led by a General Manager (GM), a newly-defined role, each reporting to Cyndy Carr, charged with analyzing and growing the business by developing solutions that meet consumer needs and maximize results for our clients. Their responsibilities will include sales and business development. They will also be working closely with news leadership in product and content development.

In the Sports and Entertainment segments, the senior news editors will report directly to the GM while retaining a strong reporting relationship to the editor and managing editor.

(…)

The segment restructure is one of several key strategies we have implemented this year to better serve our advertising clients

 

Konkret bedeutet das, dass etliche Redakteure künftig an diejenigen berichten werden, die für den Werbeverkauf verantwortlich sind. Zudem sollen die Inhalte auf die Bedürfnisse der Werbekunden hin ausgerichtet werden. Ob das die richtige Reaktion auf die Krise ist? In gewisser Weise ist es ja nur konsequent, könnte man sagen …

In dem Schreiben wird witizgerweise gleich zu Beginn ein Vertrauensgewinn prognostiziert – jedoch nicht gegenüber den Lesern:

Today we are launching a new business segment structure as the next step toward becoming the most comprehensive and trusted partner for local businesses in attracting and retaining customers and continuing to generate important, relevant content for our consumers.

via: Techdirt

4 Kommentare

  1. Der Artikel „Deutschland, entblättert“ der Zeit ist auch interessant. Sehr lange, aber umfangreich und erzählt zu den Umbrüchen eine Menge Dinge. Da stand etwas ähnliches, wie oben von Dir zitiertes:

    Den Rest gegeben habe ihm dieses Meeting mit einer Beraterfirma, die eine Strategie für die Verlagsgruppe Handelsblatt entwerfen wollte. Da warfen Mittdreißiger PowerPoint-Präsentationen an die Wand, deren Kernvorschlag es war, die Redaktion mit der Anzeigenabteilung zu verzahnen.

    Mehr dazu im Artikel unter http://www.zeit.de/2009/49/DOS-Medien?page=all

    Wirklich lesenswert und umfangreich mit vielen spannenden O-Tönen. Auch wenn mir das unterschwellige Gejammer ein wenig aud den Keks geht. Es werden zB. keine Vorteile für den investigativen Journalismus genannt, wie zB. Projekte wie http://www.amerika21.de, in welchen Journalisten darüber schreiben, was Ihnen am Herzen liegt. Auch investigativ ;)

  2. Spannende Sache, Leander:
    Ob das wohl die Lösung für den ewigen, in manchen Häusern erbittert ausgetragenen Konflikt bzw. die Hassliebe zwischen Werbeplatzverkäufern und den auf Unabhängigkeit pochenden Journalisten in den Redaktionen sein soll?
    Wäre eigentlich schade, wenn die Häuser sich das nicht mehr leisten können – ich habe früher die kleinen Reibereien meist als nützlich für die Weiterentwicklung eines Titels empfunden.
    Und aus Lesersicht: Bei Journalisten weiß man zumindest, dass sie von Werbeeinnahmen und Vertriebserlösen ihres Verlags bezahlt werden. Bei Bloggern (oft beschworen als Nachfolger der klassischen Journalisten) ist ja leider nicht immer so sichtbar, wer ihnen Laptop, Essen und Dach über dem Kopf finanziert, und ob sie das beeinflusst.

    • Ich fürchte, man weiß manchmal auch bei Journalisten weniger als bei Bloggern, von wem sie (teil-)finanziert werden, da diese heute noch weniger von der persönlichen Reputation und mehr von der Reputation der Blätter leben, für die sie schreiben. Daher ist der Druck, transparent zu sein, auch heute oft noch nicht so hoch. Natürlich hat keine Seite exklusive Probleme.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.