Über Gemeinsamkeiten von iranischen Geldscheinen, Graffiti und Werbung

Mehr oder weniger jeder, der im Netz aktiv ist, versucht Botschaften auszusenden. Vielen ist es dabei wichtig, dass diese Botschaft eine möglichst hohe Reichweite erzielen. Doch auch offline bedient man sich der verfügbaren Netzwerke, um Botschaften auszusenden. So nutzen Regimegegner im Iran beispielsweise Geldscheine, um ihre Nachrichten abzusetzen und um ihnen eine hohe Reichweite zu bescheren:

 

Ähnliche Versuche mit Geldscheinen soll es auch hierzulande schon gegeben haben, als in den 1980ern gegen die Volkszählung protestiert wurde.

Man kann für seine Botschaften schnell zirkulierende Objekte wie Geldscheine nutzen. Vom Prinzip her ganz ähnlich verhält es sich mit Graffitis auf U-Bahnen oder anderen Verkehrsmitteln. Auch hier werden Botschaften auf einem Objekt fixiert, die durch dessen Bewegung die Chance haben, die Aufmerksamkeit vieler Menschen zu erregen.

 

Ein etwas anderer Ansatz ist das Aufbringen der Botschaften auf Objekte, die sich selbst nicht bewegen, die sich jedoch an Punkten befinden, wo sich viele Menschen aufhalten oder die von vielen Menschen passiert werden. Nicht umsonst befindet sich besonders viel Graffiti an Bahnhöfen und sonstigen Verkehrswegen.

 

Interessant ist es nun zu überlegen, wie man solche Ansätze auf das Marketing übertragen kann. Letztlich ähnelt Graffiti an Bahnhöfen ja sehr der Display-Werbung auf Webseiten. Wenn man es geschafft hat, eine Webseite mit hoher Reichweite aufzubauen, sodass wie an einem Bahnhof viele Menschen dort vorbeikommen, versieht man sie mit Werbebannern. Je beliebter eine Website ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dort Werbebanner zu finden. Ganz ähnlich ist es auch bei Bahnhöfen. Je größer der Bahnhof und die umgebende Stadt ist, desto mehr Graffiti findet sich in der Regel auch an den umliegenden Gebäuden.

Doch wie schafft man es nun, das andere Prinzip der bemalten Geldscheine und Züge im Marketing zu nutzen? Eine Möglichkeit ist sicher das Product Placement. Zum anderen kann man Viren programmieren und losschicken, die die gewünschte Botschaft verbreiten. Wenn wir von solch fragwürdigen Maßnahmen absehen, bleibt die Möglichkeit, das Produkt oder die Inhalte selbst möglichst attraktiv (bzw. „viral“) zu machen, sodass sie sich quasi von selbst verbreiten. Ein erfolgreicher Ansatz dafür ist seit Jahrtausenden erprobt und heißt Storytelling (Ira Glass gibt Tipps).

Dennoch werden kreative Köpfe noch weitere Ansätze finden. Beispielsweise lassen sich die Profilbilder der Mitglieder in Social Networks einsetzen. Gary Vaynerchuk hat sich diese bei der Werbung für sein Buch Crush It zunutze gemacht, indem er Fans bat, das Cover in ihr Profilbild zu integrieren. Vorgemacht worden war dies im Zuge der Proteste im Iran, wo von Unterstützern allerorten die Farbe Grün eingesetzt wurde. Auch während der Studentenproteste in Österreich wurden Twitter-Profilbilder mit Symbolen markiert.

Ich habe ebenfalls schon versucht, mir ähnliche Effekte bei der Aktion Ich mach was mit Büchern zunutze zu machen. Die Idee hierbei ist, dass alle, die sich Büchern z.B. über ihre Arbeit verbunden fühlen, diese Grafik auf ihrer Website, ihrem Blog o.ä. einbinden und so für ihre Aktivitäten und für das Buch ansich Werbung machen.

Welche weiteren Beispiele solcher Effekte kennen Sie?

via: Payvand.com, Nerdcore
Bildquellen: aeroSoul (CC-Lizenz), urbanartcore.eu (CC-Lizenz)

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