Verlag as a service (VaaS): Mehr Transparenz und Einblick werden gewünscht

Inzwischen gibt es ja bspw. „Software as a service“ (SaaS), „Platform as a service“ (PaaS) und „Infrastructure as a service“ (IaaS). Warum also nicht auch „Verlag as a Service“ – zumindest im übertragenen Sinne?

Ich halte das sogar für notwendig, weil sich die Welt gewandelt hat. Vor dem Aufkommen des Internets hatten bspw. Buchverlage wie viele andere Medienunternehmen auch eine Sonderstellung, die schon oft beschrieben wurde. Es war so aufwändig, Inhalte zu transportieren, dass die Markteintrittshürden für Wettbewerber sehr hoch gewesen sind. Das hat sich geändert. Heute kann sich quasi jeder Autor unabhängig von Verlagen mithilfe diverser (oft kostenloser) Internet-Plattformen an sein Publikum wenden. (Ob er es auch erreicht, ist eine andere Frage …) Entsprechend müssen Verlage nun immer besser begründen, welche attraktive Dienstleistung sie dem Autor bieten können und warum sie besser als andere Verlage oder ähnliche Dienstleister im Internet sind. Diese Fragen werden umso drängender, je schwächer der traditionelle Vertriebsweg wird.

Bei Dienstleistungen hat man immer das Problem, dass jener, der sie in Anspruch nehmen könnte, deren Qualität nicht so genau kennt wie jener, der sie anbietet. In manchen Fällen, kennt man die Qualität, wenn man die Dienstleistung einmal in Anspruch genommen hat – quasi aus der Erfahrung heraus. Manche Dienstleistungen wie die von Ärzten kann man in vielen Fällen sogar nie kompetent beurteilen. Hier muss man darauf vertrauen, dass sie hält, was versprochen wurde. So oder so liegt das Risiko zunächst auf der Seite des Nachfragers.

Egal, wo man solche Dienstleistungen, die die Verlage erbringen, nun einordnen mag, ist Transparenz in jedem Falle wichtig. Doch gerade daran mangelt es. Das geht schon los bei den Verlags-Webseiten, die vielfach nur sehr begrenzt Informationen über die Verlage und deren Mitarbeiter preisgeben. Natürlich ist das nachvollziehbar. Schließlich werden viele Verlage noch immer mit Manuskripten zugeschüttet. Doch es stellt sich schon die Frage, ob die Verlage sich nicht stärker öffnen müssten? Schließlich sind gerade die Mitarbeiter eine Chance für Unternehmens-Websites.

Interessant finde ich, dass eben diese mangelnde Transparenz häufig kritisiert wird. So führe ich seit ein paar Wochen im Rahmen der Aktion Ich mach was mit Büchern Interviews mit Leuten aus der Buchbranche. Eine Frage ist stets, welches Problem sie haben, für das sie sich eine Lösung wünschen würden. Hier wird auffallend häufig die Außendarstellung der Verlage bemängelt. Autoren wie Bettina Belitz können die Internet-Auftritte vieler Verlage nicht überzeugen:

… wünsche ich mir, dass die Verlagswelt in Zukunft etwas mehr Wert auf ihre Online-Präsenzen legt. In diesem Bereich besteht teilweise noch Nachholbedarf; manche Seiten wirken leider etwas altbacken und verschlossen. Das muss nicht sein!

Ärgerlich sei insbesondere das Fehlen wichtiger Kontaktangaben, wie Sara Jakob feststellt:

Im Bereich Programm und Lektorat geben Verlage oft nicht die Ansprechpartner preis.

Jürgen Brück sieht das ganz ähnlich:

Trotz der guten Recherche- und Kommunikationsmöglichkeiten fällt es bisweilen schwer, in einem Verlag den richtigen Ansprechpartner zu finden. Da helfen dann auch die Internetauftritte der Verlage häufig nicht weiter. Es ist natürlich verständlich, dass die Lektoren nicht mit noch mehr unaufgeforderten Manuskripten konfrontiert werden möchten, für professionelle Autoren ist es jedoch manchmal ärgerlich, mit einem spannenden Thema nicht einmal bis zur geeigneten Stelle vordringen zu können. Außerdem ist es natürlich immer wieder ein wenig unbefriedigend, überhaupt kein Feedback zu bekommen.

Auch Annette Schwindt hat so ihre Erfahrungen gemacht:

Die Rückmeldungen von Verlagen dauern z.T. einfach viel zu lange. Das ist oft sehr frustrierend… (…) Online ist oft nur schwer ersichtlich, wer der richtige Ansprechpartner ist. (Man muss Personen erst lange suchen. Dann sind Zuständigkeiten nicht genau erklärt oder die direkte Mailadresse fehlt.) Nicht jeder erklärt schon auf der Website, wie eine Anfrage konkret aussehen sollte, damit man überhaupt bei einem Lektor auf dem Schreibtisch landet. (…) Generell wäre mehr Transparenz und Präsenz online schön.

Nicole Maalouf nimmt eine prinzipielle Unsicherheit bei den Verlagen wahr, was das Internet betrifft:

Bei der Arbeit mit Verlagen fällt mir oft auf, dass eine große Unsicherheit zum Thema Internet herrscht.

Für viele (Buch-)Verlage wird es sicherlich ein Kulturwandel sein, sich zunehmend als Dienstleister verstehen zu müssen. Für viele wird dieser Wandel ein Prozess sein, der Zeit benötigt. Dass die Entwicklung für das Gros der Verlage in diese Richtung geht, scheint mir aber sicher zu sein.

Bildquelle: EduardoZ (CC-Lizenz)

6 comments

  1. Olaf says:

    Der Verlag als Dienstleister des Autoren? Nette Überlegung, da kann bestimmt kontrovers drüber diskutiert werden.
    Ich kann nur feststellen: Solange der Online-Verkauf von Büchern mehrheitlich über die Buchhändler abgewickelt wird, nutzt das Internet dem Verlag vor allem aus Imagegründen. Große Häuser sind geradezu gezwungen, Präsent zu sein, junge Verlage sind gewungen irgendwie netter und anders zu sein und tradionelle Häuser dürfen die Zeichen der Zeit nicht verschlafen.
    Der wahre Nutzen den das Internet bieten könnte wird in den seltensten Fällen voll ausgeschöpft, außer vielleicht bei Technikspezialisten wie o’Reilly. Die haben aber den Belletristikern eines voraus: Sie haben Autoren, die das nutzen ;-)

    • Es gibt immerhin auch schon heute Beispiele, die zeigen, dass und wie es geht. Vor allem kommt es künftig auch darauf an, zu experimentieren und zu probieren. Dazu braucht es Mut, den man in kleinen Organisationen häufig leichter aufbringt.

  2. steffenmeier says:

    Das ist eben die Problematik, sich online direkt mit der Zielgruppe auseinandersetzen zu können (seien es Autoren oder Leser) – man muss es auch wollen – fairerweise muss man ergänzen: auch wollen dürfen.
    Viele Verlage/Verlagskollegen sehen sich noch immer in ihrem „Elfenbeintürmchen“ und es erschreckt mich, wie Kollegen/innen, die teilweise deutlich jünger sind als ich, bei Themen wie Xing oder Facebook oder anderen Möglichkeiten der Kommunikation und Diskussion, regelrecht zusammenzucken.
    Diese abgeschottete Denkweise zieht sich dann letzten Endes durch heftiges Rühren im immer gleichen eigenen Sumpf bis zu den fertigen Produkten hin und führt zumindest bei mir dazu, dass ich immer öfters sarkastisch von „Die können nur Holz“ rede bzw. mehr und mehr der Meinung bin, dass echte Innovation eher aus Garagen als aus Verlagshäusern kommt.

  3. PvC says:

    Unter Dienstleistungsverlagen versteht man gemeinhin sogenannte … (siehe Fairlag) – wollen wir seriöse Verlage, die ihre Autoren bezahlen (und nicht umgekehrt) wirklich in die Nähe einer solchen Ecke rücken? Wenn ich „Dienstleistung“ auf einer Verlagswebseite lese, kehre ich ganz schnell um.

    Ich denke, die Webseiten von Verlagen wenden sich vornehmlich an Leser – Autoren wissen in der Regel, warum sie sich einen Verlag suchen. Da wäre eine Selbstbeschreibung der Programmstruktur und inneren Philosophie viel hilfreicher, weil Manuskripte darauf passen müssen. Viele Verlage machen das. Noch mehr Autoren senden trotzdem völlig unpassende Manuskripte ein.

    Als professionelle Autorin kann ich das „Geheimnis“ um Ansprechpartner aus mehreren Gründen verstehen:
    1. Arbeiten die meisten Profi-Autoren ohnehin mit Agentur, haben also einen sehr direkten Draht.
    2. Weiß ein Profi, wie man die Namen recherchiert (und Autoren geben sich die Tipps auch untereinander weiter).
    3. Wechseln vor allem in großen Verlagen die Leute oft sehr schnell ihren Arbeitsplatz, manchmal sogar während der Bewerbung – da bräuchte es dann bei Transparenz ja irgendwann Erklärungen…

    • Was Sie schreiben, beschreibt die Verlagswelt sehr genau. Nur wandelt sich genau diese Welt meinem Eindruck nach zusehends. Auf diesen Wandel habe ich mich versucht zu beziehen und meinte daher auch nicht die klassischen Dienstleistungsverlage. Hätte ich noch besser erklären sollen …

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