Über das Fan-Sein bei Facebook

Es ist auffällig, dass sich Facebook bisweilen allein schon deshalb in Deutschland schwer getan hat, weil die Leute die auf der Plattform verwendeten Begriffe als nicht passend empfinden. So heißen die Kontakte dort Freunde, sodass immer wieder gern Diskussionen geführt werden, an deren Ende oft die wenig überraschende Feststellung steht, dass es sich vielfach tatsächlich nicht um „echte“ Freunde, sondern einfach nur um Kontakte handelt, zu denen lockere Verbindungen hergestellt werden.

Ein ebenso beliebtes Thema war bis vor kurzem der Begriff „Fan“ bei den Facebook-Seiten. Warum sollte ich Fan eines Unternehmens sein, wenn ich mich einfach nur für deren Neuigkeiten interesse? Bin ich deshalb schon ein Fan? Und wollen die Unternehmen eigentlich, dass ihre Kunden Fans sind oder sollten nicht andere Arten von Beziehungen angestrebt werden? Inzwischen hat sich dieses Thema insofern entschärft, als dass jetzt von Personen gesprochen wird, denen etwas gefällt. Das klärt allerdings nicht die Frage, wie man diese Personen nun nennen soll? In den „Gefällt-mir“-Feldern bzw. Like Boxes wird noch immer der Begriff Fan verwendet.

An diese Begriffsverwirrung musste ich jedenfalls denken, als ich heute begonnen hatte, dieses interessante Buch zu lesen: Fans. Soziologische Perspektiven. Beim Verlag heißt es: „Fans systematisch analysiert: Der erste grundlegende Band zu einem weit verbreiteten Phänomen

Zu Beginn des Buches (S. 12) wird eine Nominaldefinition des Begriffes Fan geliefert. Folgt man dieser, sind Fans „Menschen, die längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für sie externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen oder abstrakten Fanobjekt haben und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Zeit und/oder Geld investieren.

Ich finde diese Definition interessant, weil sie mögliche Gründe offenbart, warum so viele Leute bei Facebook den Begriff Fan für sich abgelehnt haben, wenn es darum geht, Seiten bspw. von Unternehmen zu abonnieren. In den meisten Fällen dürfte es schon daran scheitern, dass keine leidenschaftliche Beziehung vorliegt. Ich kann mich auch für die Informationen eines Anbieters interessieren, ohne diese gleich leidenschaftlich zu verfolgen. Indem ich die Nachrichten aber dennoch abonniere, deute ich eine Beziehungsintensität an, die in der Form gar nicht vorliegt.

Weiterhin wird betont, dass das Fan-Sein zwingend mit Handlungen verbunden sei, bei welchen Fans Zeit und/oder Geld investieren. Hier könnte man kritisch hinterfragen, wieviele „Fans“ in Rankings wie diesen auch tatsächlich Zeit in Form von Aufmerksamkeit für die Nachrichten der Unternehmen aufwenden. Die reine „Fan“-Zahl sagt über das tatsächliche Fan-Sein noch nicht viel aus.

Interessant finde ich aber auch den Definitionsbestandteil „extern“, der eine gewisse Distanz ausdrückt. Im Buch heißt es hinsichtlich der Abgrenzung der Fan-Beziehungen von anderen Arten von Beziehungen: „Das Fanobjekt ist dem Fan extern. Damit lässt sich das Fan-Sein abgrenzen von Freizeitaktivitäten, bei denen die Menschen selbst aktiv sind.“ Ist es das, was bspw. Unternehmen heute bei Facebook anstreben? Wollen sie nicht zunehmend Kunden, die Teil einer involvierten Community sind, die die Unternehmens-Produkte aktiv mitgestaltet, sodass es sich dabei nicht mehr nur um ferne Fan-Objekte handelt?

Unabhängig von der vielleicht etwas akademischen Beschreibung des „Fan“ finde ich es interessant, welche unterschwelligen Gedanken man mit einer solchen Begriffswahl u.U. auslösen kann.

Bildquelle: Photocapy (Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 US-amerikanisch)

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  • Was für ein Dilemma. Wenn ich jetzt hier auf „Gefällt mir“ klicke, wäre ich ja schon Fan. Ergo: Der Flattr-Button fehlt. ;-)

  • Im Zug der allgemeinen Verkürzung, in der nur noch möglichst plakative Schlagzeilen zählen, ist das nur eine folgerichtige Konsequenz.

    ‚Freund‘ impliziert das Vorhandensein eines kuscheligen fast-intimen, jedenfalls in einem scheinbar geschützten Raum stattfindenden Miteinanders. ‚Fan‘ setzt auf Verleidenschaftlichung durch den stetig wiederholten Gebrauch eines Kurzworts, das sich besser im Mund führt als ’sich für etwas interessieren‘. So verflacht man Sprache.

    Ich wollte immer mal zählen, wie viele Worte und Umschreibungen es für ’schön‘ im Deutschen gibt. Anscheinend nur eine: ‚geil‘.