Wir sind selbstloser als man denken könnte und maximieren dadurch unseren Eigennutzen

Bei Karrierebibel.de habe ich gerade ein interessantes Video-Interview gefunden (s.u.), das sehr gut zu der Auseinandersetzung mit Flattr, Kachingle & Co. passt. WirtschaftsWoche-Redakteur Daniel Rettig beruft sich auf Studien, die aussagen, dass wir Menschen von Natur aus selbstloser sind als man denken könnte. Soziale Anerkennung sei ein bestimmender Antriebsfaktor.

Gut finde ich die Frage am Ende, ob das Streben nach Anerkennung nicht auch etwas Egoistisches ist. Rettig sagt, es sei zumindest kein bewusst auf Eigennutz ausgerichteter Prozess, der dahinter steht.

Ich persönlich glaube schon, dass das Streben nach sozialer Anerkennung ein zumindest unbewusst und evolutionär gesteuerter Prozess ist. Wenn im Zuge der Evolution das Beitragen zum Gemeinwohl nicht vorteilhaft gewesen wäre, hätte sich dieses kaum durchgesetzt und dann würde es dieses als dominante Strategie heute auch nicht mehr geben. Wir merken ja nicht zuletzt im Arbeitsalltag, dass wir in der Gruppe einfach „überlebensfähiger“ sind. Letztlich unterscheidet uns diese Art von Gruppendenken ja auch von engen Verwandten wie den Affen, was dieser ZDF-Beitrag sehr schön zeigt.

Video (2 min.):

 

Nachtrag: Die Überlegungen habe ich hier fortgeführt.

 

  • Pingback: Die Verleihung von sozialer Anerkennung bzw. Reputation als Chance für Flattr, Kachingle & Co. | Leander Wattig()

  • Der Mensch ist ein soziales Tier und definiert sich über Anerkennung, Aufmerksamkeit und Reaktionen seiner Mitmenschen. Dies als Egoismus (im Sinne von Eigennutz) zu bezeichnen ist falsch, wie Lese Precht in seinem neuen Buch „Die Kunst kein Egoist zu sein“ erklärt. Nach dieser Auffassung wäre nämlich jeder Mensch ein „Egoist“.

    • Klar, jeder Mensch ist Egoist – der eine mehr und der andere weniger. Wer nicht auch zum Gutteil egoistisch ist, wird’s schwer haben im Leben …

      Aber eigentlich müsste man erstmal klären, was sich jeder unter den Begriffen vorstellt, um nicht aneinander vorbei zu reden.

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  • @Leander: Zuerst einmal vielen Dank für den Beitrag samt Hinweis auf das Video. Zum Punkt „Begriffe erklären“: Das ist der springende Punkt. Egoismus bedeutet ursprünglich ja erstmal nur so viel wie „Eigennützigkeit“. Das Problem ist meiner Ansicht nach: Heute verstehen darunter alle eher „Selbstsucht“. Bloß: Egoismus alleine ist noch nicht unbedingt schlecht – denn nur weil ich an mich denke, schade ich ja noch keinem anderen. Genau so wenig wie Altruismus immer „gut“ ist…

    • Das sehen wir also ähnlich. Ich verstehe ich Egoismus auch eher im Sinne einer auch und nicht ausschließlich auf Eigennutz orientierten Vorgehensweise – die eben das Gemeinwohl mit einschließt. Wer nur auf sich selbst schaut, ist schnell isoliert und hat am Ende nichts gewonnen.

      Danke jedenfalls für das interessante Interview!