Website-Relaunch der S. Fischer Verlage als Beispiel für fehlende Abo-Möglichkeiten

Noch immer habe ich häufig den Eindruck, dass viele Unternehmen ihre Websites als eine Art Magazin gestalten, das zwar optisch ansprechend ist, aber nicht an jeder Stelle von der Mediennutzung der Zielgruppen her gedacht ist. Diese nutzen das Netz heute zunehmend als Abo-Service, um so effizient und zeitsparend Informationen zu beziehen, welche sie zuvor häufig noch über Social-Media-Systeme (vor-)filtern lassen.

Aufgefallen ist mir das wieder beim Ansehen der neuen Website des bekannten Publikumsverlages S. Fischer. Thomas Reisch, Marketingleiter der S. Fischer Verlage, dazu:
„Das Portal ist nicht nur schön, übersichtlich und frisch geworden, es wartet auch mit zahlreichen neuen Features auf. Es ist bestimmt nicht übertrieben zu behaupten: Unter den Verlagswebsites ist unsere Site derzeit ‚state of the art“

Erstem Teil stimme ich zu. Aber ist die Website wirklich „state of the art“?

Es gibt dort etliche statische Seiten, die Informationen zu den Autoren, Büchern, S.-Fischer-Verlagen und etlichem mehr bieten. Es gibt einen Service-Bereich, wo man bspw. Info-Material herunterladen kann. Weiterhin findet sich Buchverlagstypisches wie Unterseiten zum Handel und zu den Rechten. Natürlich lassen sich Bücher über die Website auch kaufen, was ja neben der Informations-Funktion ein sinnvolles Ziel der Website ist.

Doch bekanntlich interessiert sich ansich niemand für Unternehmens-Websites. Dieses Interesse muss erst geschaffen werden. Sehr geeignet dafür sind dynamische Informationen zu den Interessensgebieten der Stakeholder, über die sie auf die Website gelockt werden können. Was dynamische Seiten oder Inhalte-Quellen betrifft, habe ich auf der Website einen sehr verlags-typischen Newsletter-Bereich und einen Presse-Newsletter gefunden. Im Newsletter-Bereich können sogar PLZ-spezifisch Informationen zu Veranstaltungen bezogen werden – via E-Mail. Das ist zwar der wichtigste Kanal, aber hier wäre es schön, als Nutzer anderer Abo-Kanäle als E-Mail auch Alternativen geboten zu bekommen. Bei Random House bspw. kann man diese Informationen auch via RSS-Feed beziehen. Darüber hinaus könnten diese Informationen auch via Twitter, Facebook, Google+ etc. angeboten werden, sodass man auch jene erreicht, die diese Kanäle bevorzugen, wovon es ja immer mehr Leute gibt.

Ein weiterer Bereich mit dynmischen Inhalten sind die Termine. Hier finde ich prima, dass die Adress-Daten direkt mit Google Maps verknüpft sind. Ebenso wäre es aber praktisch, wenn man die Termin-Daten gleich exportieren und in das jeweilige genutzte Terminplanungs-Tool importieren könnte. So müssten Interessierte die Termine nicht abtippen. Außerdem wäre es praktisch, die Veranstaltungen auf den Social Networks wie Facebook und Xing angelegt zu sehen. Das hätte den Vorteil, dass Verknüpfungen mit anderen Diensten einfach genutzt werden könnten. Beispiel: In Facebook angelegte Veranstaltungen, an denen man teilnimmt, werden auf Wunsch automatisch von anderen beliebten Plattformen wie Plancast übernommen.

Weitere wichtige Bereiche mit dynamischen Inhalten auf der neuen Website von S. Fischer sind die Reiter Aktuelles und Aktuelle Meldungen. Hier sucht man als Besucher wahrscheinlich zuerst nach Neuigkeiten. Doch hier bietet der Verlag gar keine Möglichkeit, die Nachrichten zu abonnieren – nicht einmal den E-Mail-Kanal. Das heißt aber, dass man jeden Tag auf die Website gehen und schauen müsste, ob es neue Nachrichten gibt. Das macht man vielleicht bei Spiegel Online, aber nicht auf der Website eines Verlages. Insofern wird hier aus meiner Sicht Potenzial verschenkt. Zumindest ließe sich hier (mangels Alternativen) nochmal explizit auf den Newsletter hinweisen.

Neben diesen offensichtlichen Punkten wäre es aus meiner Sicht zudem sinnvoll, wenn Verlage wie S. Fischer, die ja ein sehr breites Programm haben, nicht alle News über einen Kanal schleusen würden, sondern das Informations-Abonnement-Angebot thematisch aufbrechen würden. Schließlich wollen sie auch die Leser erreichen, welche sich aber nicht für alle Bereiche des Verlagsprogrammes interessieren, sondern primär für ihre eigenen Interessen. Ähnlich wie S. Fischer also separate Info-Abos zu Veranstaltungen in einzelnen Postleitzahlgebieten anbietet oder Newsletter speziell zu wichtigen Autoren wie Carlos Ruiz Zafón und Cecilia Ahern könnte der Verlag ja auch Newsletter, RSS-Feeds, Twitter-Accounts etc. zu einelnen Themengebieten anbieten, sodass sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, überhaupt Abonnenten zu gewinnen. Die Erfahrung lehrt, dass Informationsangebote gar nicht relevant genug sein können angesichts der unzähligen Informationsströme, in welche die Internet-Nutzer heute eintauchen können.

Also: Warum nicht direkt auf der jeweiligen Autoren-Seite eine Abo-Möglichkeit über alle relevanten Kanäle bieten für die Infos, Neuerscheinungen, Events etc. zu diesem Autor? Warum nicht direkt auf jeder Themenseite wie bspw. hier die entsprechenden Abo-Möglichkeiten bieten zu den genau dem Themenbereich? Warum nicht direkt auf der Themenseite zudem andere Abos bieten, die zum Themeninteresse des Nutzers passen? Bei S. Fischer böte sich das Mitangebot von Newslettern etc. der anderen Holtzbrinck-Verlage wie Rowohlt an. Warum nicht Multimedia-Material wie Videos direkt auf der Website durch die Nutzung von YouTube o.ä. abonnierbar machen? …

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5 Kommentare

  1. Deinen Artikel kann man auch gut als Argument „pro“ kleinteilige Social Media Accounts nehmen. Auch in meiner Firma diskutieren wir natürlich, ob man jetzt für Produkt / Thema XY einen eigenen Twitter-Account, eine eigene Fanpage einrichten soll. Oder ob es eben zu kleinteilig und Aufmerksamkeit zerstreut wird. 

  2. Für einzelne Bücher würde ich’s auch nicht machen. Man muss halt die
    „richtige“ Mischung finden. Kleinteiliger als „Alles“ ist aber schon
    sinnvoll, vermute ich :)

  3. Grundsätzlich gebe ich dir in fast allen Punkten Recht, nur eines sollte man imho noch bedenken. Dieses Umleiten von Information in x Kanäle kann schnell zu einem Überdruß führen – erst Recht, wenn bestimmte Kanäle gemischt – also sowohl zum Dialog als auch zur reinen Informationsübermittlung – verwendet werden. Ich bin da nicht so dogmatisch und behaupte, dass automatisiertes Posten grundsätzlich des Teufels ist. Ich denke aber, dass ganz klar gestellt werden sollte, dass Kanal A automatisiert befüttert wird, während Kanal B zum Beispiel dialogisch aufgesetzt wurde.

    Und was die Kleinteiligkeit angeht, hat Frank nicht ganz Unrecht: Die Diversifizierung der Kanäle führt ja auch zu einem Aufbrechen der Zielgruppen. Das ist nicht notwendigerweise etwas Schlechtes, aber als Unternehmen muss man sich dann auch bewußt sein, dass jeder Kanal auch als Rückkanal benutzt werden kann, was zu einem deutlichen Mehraufwand und damit zu höheren Kosten führt.

  4. Übrigens fnde ich die Seite ansonsten sehr gelungen. Relativ klare Nutzerführung (was bei einem solchen Verlag nicht ganz einfach ist), klares zum CD passendes Design, genügend Weißraum. Die Schrift hätte aber locker noch größer sein dürfen.

    Und was ich gerade sehe: Leider nicht für mobil optimiert.

  5. Am Ende kommt man nicht um ein abgestimmtes Gesamtkonzept herum, das sich an klaren und messbaren Zielen ausrichtet. Alles andere ergibt sich daraus – v.a. die Tool-Wahl und -Ausgestaltung.

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