Marketing-Interview: Hans-Joachim Jauch, Geschäftsführer des Oldenbourg Industrieverlags und des Vulkan Verlags

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Hans-Joachim Jauch vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Wenn ich die aktuellen Rollen betrachte, dann bin ich Familienvater, Medienmanager, Buchautor, Info-Nerd, Community-Organizer, Reisender und Freizeit-Abenteurer. Hin und wieder gleichzeitig, meist sequenziell. Als Frühaufsteher und Zeitmanager kann ich einiges in den Tag packen.

Im Hauptberuf fungiere ich als Geschäftsführer der verbundenen Medienunternehmen Oldenbourg Industrieverlag (OIV) und Vulkan Verlag (VV). Wir sind Anbieter von hochwertigen Fachinformationen für Ingenieure, Techniker und das technische Management. Zu den Schwerpunkten gehören die Automatisierungstechnik, der Anlagenbau, die industrielle Nutzung von Energien sowie die Ver- und Entsorgungstechnik.

Für mich bedeutet Marketing ganzheitliche Unternehmens- und Produktführung. Somit bin ich als Geschäftsführer oberster Marketingverantwortlicher.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Unser Kerngeschäft ist die Wissensvermittlung durch das Bearbeiten und Verkaufen von hochwertigen, fundierten und verlässlichen Informationen für die Branchen. Diese Informationen zeichnen sich in allen wichtigen Medienformen durch hohen Nutzwert, Praxisrelevanz und gute Verständlichkeit aus.

Besonders ist unsere Nähe zu den Zielgruppen. Wir erstellen kaum eigenen Content. Wir motivieren jedoch auf sehr persönliche Art Ingenieure und Wissenschaftler, uns Fachinhalte zu liefern. Beim OIV gibt es seit über 150 Jahren „User Generated Content“. Aus den Branchen kommen selbstverständlich auch die Anzeigen sowie die Leser. Damit ergibt sich ein Funktionsdreieck: Jeder Kunde kann Leser, Inserent und Autor sein. Wir als Medienunternehmen bieten passende Kommunikationsplattform (Bücher, Zeitschriften, Veranstaltungen, Web etc.).

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Die Teilhabe der Zielgruppen an der Produktentwicklung ist sehr stark verankert. Unsere Zeitschriften haben Herausgeber-, Beirats- und Schriftleiter-Gremien, die in regelmäßigen Abständen tagen. Die Blätter sind den wichtigen Gesellschaften, Hochschulen und Verbänden z.B. über Organschaften verbunden. Viele Artikel müssen sich zur Qualitätssicherung dem Peer-review-Verfahren, also einer Experten-Bewertung, unterziehen.

Wir sind in Nischen tätig. Marktaktiv zu sein, bedeutet für OIV/VV fast immer Direktmarketing. Oft sogar mit hochrangigen Entscheidungsträgern im Vier-Augen-Gespräch. Natürlich nutzen wir ein CRM-System. Jeder persönliche Kontakt sollte sympathisch und imagefördernd sein, denn wir wollen in unseren Schwerpunktbranchen der bevorzugte deutsche Medienpartner national und international agierender Unternehmen sein.

Wie messen Sie Erfolg?

Keine Zweifel, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, dessen Erfolg am betriebswirtschaftlichen Ergebnis gemessen wird. Darüber hinaus hat sich OIV und VV auf den Fahne geschrieben, den Wissenstransfer für die globale Industrialisierung und Versorgung zu fördern. Da ist es ein Erfolg, wenn man uns, wie kürzlich geschehen, auf europäischer Ebene bittet, eine Kommunikationsplattform einzurichten.

Persönlich messe ich den Erfolg am Freiheitsgrad, den ein Unternehmen hat. Nur erfolgreiche Unternehmen können das tun, was sie für richtig halten und manches testen. Fehlt der Erfolg, fahren an allen Ecken Schranken hoch.

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Unsere Kunden haben nicht zu wenig Information. Im Gegenteil, sie werden überhäuft und abgelenkt. Aufgabe von OIV/VV ist es, für exquisiten User Generated Content zu sorgen. Dafür sind die Leser auch bereit zu zahlen. Ingenieure sind konservativer als man annehmen könnte. Papier spielt noch die primäre Rolle. Webseiten und HTML-Newsletter stehen teils im Ruf, Minderwertiges zu bieten. Wir steuern mit werbefinanzierten, elektronisch verteilten Qualitäts-ePapers im PDF-Format gegen. Und positionieren Print bewusst für die Entscheider im hochpreisigen Premiumsektor. Ein solches Premium-Druckerzeugnis muss auch ein haptisches Erlebnis sein.

2010 haben wir das sehr erfolgreich in der Automatisierungssparte umgesetzt. Mit einem radikalen Relaunch wurde die Zeitschrift „atp edition“ in allen Belangen -inhaltlich, vom Layout und der Ausstattung her – hochwertig durchgestaltet und der Abopreis auf 490,- Euro verdreifacht. Über 80 Prozent der Bezieher haben diese Preiserhöhung 2010 akzeptiert. Über 90 Prozent bezahlten die Abo-Rechnung für 2011 und es kommen stetig Neuabonnenten hinzu. Das atp-Modell ist inspiriert vom Freemium-Konzept, das der WIRED-Chefredaktuer Chris Anderson ausführlich in seinem Buch „Free“ vorstellt. Wie haben die Marketingaktion mit allen Beteiligten, auch Teilen der Zielgruppe, generalstabsmäßig geplant und durchgezogen. Das war eine sehr schöne Erfahrung für das Team.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Früh aufstehen. Täglich mindestens 45 Minuten Sport. Anständig frühstücken. Fahrt ins Büro oder zum Flughafen. Menschen treffen. Planen, kommunizieren, delegieren, motivieren, kontrollieren und bewerten. Sich informieren und weiterbilden. Heimfahrt. Abendessen. Infos aus dem Familennetzwerk aufnehmen und kommentieren. Physischer oder digitaler Kontakt zu Freunden. Lesen und unter Pseudonym schreiben (siehe zum Beispiel amzn.to/jl0edh). Noch vor 24 Uhr ins Bett.

Wo finden wir Sie im Internet?

Mich persönlich finden Sie bei Facebook, Twitter, Xing und Google+. Ich habe eine bescheidene private Webseite. Und das ganze Programm dann nochmals für mein Autoren-Pseudonym „Maximilian Buckstern“. Der schreibt auch ein Blog unter ebookstern.blogspot.com. Buckstern wurde für meinen persönlichen eBook-Selbstversuch geboren. Inzwischen führt er ein beträchtliches Eigenleben. Dazu gehört die gedruckte Version von „Bücher gratis für iPhone, Kindle und Co.“, die im August durch Wiley-VCH in den Buchhandel kommt. Und Buckstern hat jetzt einen kleinen Bruder, dessen Name und Werk aber noch nicht verraten wird. Nur soviel: Sein Ratgeber ist in diesen Tagen bei Amazon/Kindle in der Rubrik „Lebensführung“ veröffentlicht worden und gut eingestiegen. Damit geht ein weiterer eBook-Marketing-Selbstversuch an den Start. Diesmal für eine andere Zielgruppe.

Danke!

Bildquelle: Hans-Joachim Jauch

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