Gilt auch für Verleger: Erfolgreiches Bloggen erfordert Überzeugung und Leidenschaft

Richard Branson (Virgin) ist ja beileibe kein unbekannter und es ist wenig überraschend, dass er auch für das Thema „Social Media“ ein Händchen hat: Why Richard Branson Always Makes Time for Social Media

Gefragt nach seinem Rat für andere Unternehmen, die die Social-Media-Tools für sich nutzen möchten, sagt er: Be authentic and organic. It can’t be forced or it won’t work. And most importantly, have fun.

Behalten wir das im Hinterkopf.

Im jüngsten Heft des buchreport.magazin, das ich vom Verlag freundlicherweise jeden Monat kostenlos zugeschickt bekomme, habe ich nun ein Interview mit Michael Krüger, dem Verleger des Carl Hanser Verlages, gelesen. Dieser war im September 2011 sehr präsent im Social Web, weil er im ersten Video der YouTube-Reihe „Michael Krüger spricht“ zu sehen war. Dort spricht er einmal im Monat über den Literaturbetrieb. Das wurde in der Branche und auch von mir selbst überaus positiv aufgenommen. Umso erstaunter war ich dann, im buchreport.magazin Folgendes von Krüger zu lesen:

Müssen Verleger mehr Gesicht zeigen?
Ich bin nicht der Meinung, aber meine Kollegen sind der Ansicht, dass es lustig oder interessant sei, diese Textmassen, die wir jährlich herausgeben, mit meinem Gesicht zu verbinden. Jetzt ist es erst einmal mein Gesicht, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass ein Lektor oder jemand aus dem Marketing etwas erzählt.

Dann kommt die Frage nach dem Nutzen, die er ebenfalls mit erstaunlicher Offenheit beantwortet:

Gewinnen Videos als Marketinginstrument an Bedeutung?
Das meint man hier im Verlag in der Tat. Was mich betrifft, habe ich aber kaum Zeit, mir Videos anzuschauen. Was ich, offen gesagt, auch nicht bedaure.

Es kann Michael Krüger also niemand vorwerfen, dass er nicht authentisch wäre. Ganz im Gegenteil. Er bringt sehr gut auf den Punkt, warum solche Themen in vielen Buchverlagen nur schwer voran kommen. Es besteht bei den führenden Personen häufig kein Interesse, vielfach fehlt es auch an Kenntnis (was ja oft daraus folgt) und der Nutzen wird bezweifelt. Das führt mangels Angeboten zu einem Vakuum auf dem Aufmerksamkeitsmarkt, sodass sogar Ansätze, bei denen der Akteur nicht wirklich hinter der Sache steht, sehr stark wahrgenommen werden. Dabei hilft natürlich, dass der Hanser Verlag und sein Verleger im Buchmarkt sehr starke Marken sind. Krüger selbst stellt überrascht fest:

… die Reaktionen sind erstaunlich gut. Man muss ja davon ausgehen, dass da ein alter Mann sitzt, der eigentlich keinerlei Bezug zu diesem Medium hat, und keine Charlotte Roche.

Ich bezweifele aber sehr, dass sich mit dieser Einstellung als (Video-)Blogger, der Krüger ja hiermit geworden ist, allzu viel gewinnen lässt, weil sich die Überzeugungstäter langfristig auf jeden Fall durchsetzen werden, selbst wenn deren Marke zu Beginn nicht so zugkräftig ist. Es gilt also tatsächlich, was Branson sagt: It can’t be forced or it won’t work. And most importantly, have fun.

Umso größer sind die Chancen für jene (Video-)Blogger in den Verlagen, die innerlich getrieben sind und Spaß daran haben, das bestehende Vakuum zu füllen. Ich bin gespannt, wer sich vorwagt. Ich persönlich freue mich über jede Initiative und unterstütze auch im Rahmen von „Ich mach was mit Büchern“ immer gern neue Ansätze.

Witzig finde ich, dass Michael Krüger im gleichen Interview beklagt, dass die „wirklich interessanten“ Autoren und auch die Buchschaffenden kaum je in eine Talkshow eingeladen werden. Warum wohl …? ;)

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6 Kommentare

  1. Richard Branson hat natürlich recht. Und obwohl Michael Krüger im Interview ein wenig den Skeptiker gibt, hat er sowohl die (frühen) Social-Media-Aktivitäten von Hanser und jetzt die Interviewreihe wohl zumindest unterstützt. Also alles prima, oder?

  2. „Ich persönlich freue mich über jede Initiative und unterstütze auch im Rahmen von “Ich mach was mit Büchern” immer gern neue Ansätze.“
    Komm gib´s zu: Du willst aus IMWMB einen Video Podcast machen. ;O) Falls ja, wäre die #fbm11 doch das passende Ambiente für den Start. :)

  3. Mir scheint, es braucht im Buchbereich – wie im Kulturbereich generell – einfach noch mehr Zeit zur Gewöhnung an die „neuen“ Medien. Das Telefon ist auch nicht sofort von allen leidenschaftlich benutzt worden, hat sich letztlich aber doch als Kommunikationsmedium durchgesetzt ;-) 

  4. Cschwenke

    Ich denke es braucht auch noch seine Zeit bis das Medium „Blog“ vom Literaturbetrieb angenommen wird. Ich selbst war schon froh eine modern denkende Professorin für Literaturwissenschaft zu haben, als ich meine Magisterarbeit mit dem Thema „Literatur im Netz- Das Phänomen Blog“ verfasst habe.

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