Was macht den Buch-Besonderheits-Status aus?

Es stellt sich ja die Frage, was die Perspektive des Buchhandels in Zeiten der Digitalisierung und des Social Webs ist. Der Fokus auf das Lokale kann helfen, ist aber mit Sicherheit kein Allheilmittel. Nonbooks sind hier ein großer Hoffnungsträger, dem immer Platz in den Geschäften eingeräumt wird. Die Stuttgarter Zeitung widmet sich daher dem Nonbook-Trend: Non-Books sind die Hoffnung der Buchbranche

Der Ausblick:
(…)
Wird aus dem Buchhandel also der Handel mit Lifestyleartikeln? Leute, die sich damit auskennen, warnen davor. Denn noch sind Non-Books etwas anderes als Geschenkartikel. „In der Buchhandlungen lassen sich nur Produkte verkaufen, die im Anspruch dem Buch entsprechen. Sie müssen den Eindruck machen, etwas Besonderes zu sein. Nur dann kaufen die Leute, ohne allzu sehr auf den Preis zu sehen“, weiß die Gründerin des Non-Book-Marktplatzes auf der Buchmesse, Angelika Niestrath. „Sobald die Kernkompetenz Buch und damit der Anspruch verloren geht, fangen die Leute an, die Preise mit Nanu-Nana oder Butlers zu vergleichen.“ Bücher, sagt sie, veredeln. Sogar Nicht-Bücher.

Interessant finde ich v.a. die Frage, was diesen durch Bücher erzeugten Besonderheits-Status im Kern ausmacht und wie man ihn an anderer Stelle neu erzeugen kann? Das wäre ein spannendes Themenfeld für vertiefende Diskussionen. Apple hat es ja zweifelsohne auch geschafft, so einen Besonderheits-Status zu erzeugen, für den die Leute viel Geld ausgeben. Ich glaube nicht daran, dass er ohne einen Buch-Bezug automatisch fehlen muss.

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5 comments

  1. Tja, gute Frage. Das Enhanced E-Book lebt jedenfalls ganz gut vom Buch-Nimbus, den ihm seine ISBN verschafft. Man kann es mit ca. 50–90% des P-Books bepreisen, und die Leute empfinden es immer noch als fair. Während dieselben Leute nur maximal 30% des P-Book-Preises für eine App ausgeben würden, auch wenn sie das Enhanced E-Book an Gimmicks und User Experience deutlich übertrifft. 

    Ich glaube, Buchpreise (und davon abgeleitete E-Book-Preise) sind ein gnädiger Anachronismus, an dem sich die Branche noch so lange weiden soll, wie sie es kann.

    In wenigen Jahren wird das Standard-Pricing für klassische Buch-Inhalte sich zwischen kostenlos, € 0,99 und € 5,90 abspielen. Eine Strategie der Verlage, um trotzdem auf die Kosten zu kommen,  wird Volumen (mehr billig verkaufen) und Flat-Rates (Abo, Buchclub) sein. 

    Die anderen Strategien werden besonders edle Produktion und Bundling sein. Edel produzierte Bücher werden weiterhin bei zwei- bis vierstelligen Auflagen hohe zweistellige Preise erzielen. Bundling-Angebote beinhalten z.B. eine Widmung (geschrieben oder im personalisiertern Buch eingesprochen), Nennung auf einer Subskribentenliste, vergünstigten Zugang zu einer Lesung, …

    Aber im Vergleich zum klassischen Buchmarkt und zum Volumenmarkt der Bestseller werden diese Sondermärkte so begrenzt sein wie der Vinylmarkt im Vergleich zum Musik-Massenmarkt. Insofern halte ich es zwar für denkbar, dass das klassische Buch und der Autor seinen Nimbus bewahrt, glaube aber nicht, dass im Literaturbereich massenhaft Premiumpreise für Premiuminhalte und -präsentationen gezahlt werden.

  2. frank krings says:

    Als ich meine Musik noch via CDs und Vinyl kaufte waren die sog. „Plattenläden“ für mich ein wichtiger Mikrokosmos. (Siehe Nick Hornbys Roman: „High Fidelity“) Das Personal war bestens mit der lokalen Konzert/Club/DJ-Szene vernetzt oder sogar oft selbst ein aktives Mitglied (Musiker /DJ). Wenn ich dort eintauchte, bekam ich im Small Talk viel von neuen Party-Reihen, neuen Bands und Trends mit. Offene „Gästelisten“-Plätze von neuen Parties wurden auch schon mal an Stammkunden vergeben. Ok, das war in den 90ern und ich weiss nicht genau was das hier jetzt hilft. #nurmalso

  3. In meiner Ausbildungszeit, war das Stichwort „Schwellenangst“ ein großes Thema und einer der Lösungsansätze dazu war, den Buchhandel weniger elitär zu gestalten. Was die großen Filialisten ja auch versuchen. Doch hat die kaufmännisch attraktiv gedachte Reaktionskette „Weniger Elite > mehr Kunden > mehr Umsatz“ einen Bummerangeffekt, der sich inzwischen wohl nicht mehr umkehren lässt.

  4. Ich finde schon interessant, was künftig diesen Kulturstatus übernehmen wird. Wenn Bücher diesbezüglich wegfallen/schwächer werden, muss ja irgendwas die Lücke füllen …

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