Foursquare für Toiletten-Häuschen und Tabledance-Bars? – Den einen Orts-Empfehlungsdienst wird es nicht geben

Die Nutzung von Social-Media-Plattformen hat unmittelbare Rückwirkungen auf die eigene Reputation, denn immer häufiger nutzen wir sie unter Klarnamen. Reputationseffekte spielen ja nicht zuletzt in den Belohnungsystemen der Plattformen eine große Rolle und sind oft wichtiger als monetäre Anreize, die bspw. im Rahmen von Gewinnspielen geboten werden. Genau diese Reputationseffekte sind aber auch Ursache dafür, dass wir gewisse Dinge nicht oder zumindest weniger häufig tun.

Foursquare wird von Experten wie Marcel Weiss zu Recht als der Dienst gesehen, welcher den Plattformgedanken für Ortsempfehlungen am konsequentesten und am erfolgreichsten umsetzt:

Ob Prag oder Provinz, Foursquare scheint das Henne-Ei-Problem des ortsbasierten Webs – man fängt in jeder Region wieder bei Null an – schneller zu lösen als alle anderen und damit schneller als alle anderen überall präsent zu sein. Und das ist das Fundament, auf dem die Plattform, die Community, die Empfehlungsmaschine, die Apps und die Kooperationen gedeihen können.

Ein Problem aber bleibt. Gewisse Dinge geben wir nicht so gern bekannt, weil es nur bedingt positiv auf uns zurückwirkt. Ich zum Beispiel checke mich nicht oft in aus meiner Sicht banale Alltagsorte wie Supermärkte o.ä. ein, weil ich das mehr oder weniger irrelevant und z.T. auch zu intim finde.

Noch stärker ist die allgemeine Hemmschwelle bei Orten, bei denen es ganz handfeste Gründe gibt, dass andere Leute es komisch finden könnten, wenn man sich dort eincheckt. Als Beispiel nenne ich mal Toiletten-Häuschen und Tabledance-Bars, wobei es da noch viele andere Beispiele gibt.

Nichtsdestotrotz gibt es auch bezüglich solcher Orte einen klaren Informationsbedarf von Menschen, die sie aufsuchen. Hier sind aber allgemein populäre und technisch führende Plattformen als Empfehlungsmaschine eher ungeeignet, einfach weil aufgrund dieser sozialen Mechanismen die notwendigen Daten fehlen, um relevante Empfehlungen geben zu können. Natürlich gibt es Tabledance-Bars wie das prominente Dollhouse in Hamburg, bei denen Besucher sich auch mal einchecken und vereinzelt sogar Empfehlungen aussprechen, wie in diesem Fall Inga S.:

Hierbei handelt es sich aber eher um Ausnahmen und die geringen Check-In-Zahlen von ähnlichen Etablissements sprechen für sich:

Den einen Empfehlungsdienst, der alles abdeckt, wird es aus meiner Sicht also nicht geben. In vielen Bereichen werden Spezialangebote gefragt sein, die bspw. ein alternatives anonymes Einchecken/Empfehlen ermöglichen oder über spezielle spielerische Ansätze Anreize dafür schaffen, sich auch in ganz banale und langweilige Alltagsorte einzuchecken. Wenn sich Dienste wie Foursquare wiederum wirklich als Plattform begreifen, könnten sie die Daten solcher Angebote dann auch auf ihrer Plattform integrieren.

Bildquelle: Arnoldius (CC-Lizenz: BY-SA)

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