Angebliche verbreitete Meinung: Man darf im Internet für Arbeit kein Geld verlangen

Falls das Börsenblatt die Aussagen richtig wiedergibt, hat René Strien, Geschäftsführer des Aufbau Verlages und neuer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Publikumsverlage, Folgendes geäußert:

„Wir haben alle ein paar Grundprobleme, die sollen hier verhandelt werden“ (…) Zu diesen Problemen gehöre das mangelnde Verständnis in der europäischen Politik für das Verlagsgeschäft. Die Buchbranche dürfe sich nicht ausruhen auf einer traditionell hohen Wertschätzung der Branche. Insbesondere müsste mit dem Vorurteil von der „Verwertungsmafia“ aufgeräumt werden. Dieses böse Wort unterstelle, das Verlage ja gar nicht die eigentlichen Urheber seien und auch nicht deren, sondern nur eigene Interessen verträten. Es herrsche im übrigen ein sehr eingeschränkter Begriff von der „Freiheit des Internets“ vor, beklagte Strien: Ein Begriff nämlich, der die Freiheit, im Internet für Arbeit Geld zu verlangen nicht mit einschließe.

Interessant finde ich vor allem den letzten Punkt:

Ein Begriff nämlich, der die Freiheit, im Internet für Arbeit Geld zu verlangen nicht mit einschließe.

Ich bin ja seit einiger Zeit recht aktiv im Internet. Ich habe aber noch niemand getroffen – nicht mal unter den Filesharern -, der einen solchen Freiheitsbegriff nutzt. Sonst irgendjemand?

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  • Sandra, Dryas Verlag

    Ist mir bisher auch nicht untergekommen – aber sehr spannende Perspektive!

  • Eine ziemlich engstirnige Perspektive. Dass Nutzer nicht bereit sind, online Geld auszugeben, ist Unsinn. Sie sind nur nicht bereit, viel zu viel Geld für Produkte auszugeben, die sie anderswo umsonst bekommen können. Ich kenne genug im Filesharing Involvierte, die bereit wären, kleine Beträge für Medieninhalte auszugeben – nur bieten die Content-Verwerter (und „Verwertermafia“ ist häufig kein falscher Ausdruck) keine sinnvollen Portale, verlangen zu hohe Preise und sind nicht aktuell (jetzt mal bezogen auf TV-Serien, besonders amerikanische).

    Einmal ganz abgesehen davon, dass Filesharer und Streaming-Nutzer nach meiner Erfahrung ganz gute Kunden der DVD-Industrie sind, denn sie sind Liebhaber und Fans. Es ist eher ein Mangel an Modellen als eine falsche Grundeinstellung – und die liegt wenn dann auch eher bei den Unternehmen. Kindle-Bücher für 5-10$ sind ein guter Weg, Verlagscontent kundengerecht zu verkaufen.

    Reden wir erst gar nicht von Dienstleistungen, die ohne Zahlungen ja gar nicht erbracht werden.

  • Pingback: Aktuelles 20. Januar 2012()

  • Sascha

    Kopf -> Tisch.

  • Arthurking

    Hallo? Leute, die E-Books cracken, einstellen und sich dafür von anderen Geiz-ist-Geil Typen feiern lassen vertreten doch genau diese Meinung. Alles frei, umsonst und Geld zu verlangen ist *pfui* Und das alles unter dem Deckmäntelchen des freien Zugang zu Bildung.
    Ha! Die hat jeder, der einen Biblitheksausweis besitzt. Die Herrschaften sind doch nur zu bequem, ihren Hintern mal zu bewegen um Wikipedia-Einträge gegenzuprüfen. Den Appeal, Recherche in Originalquellen zu betreiben werden diese vollgefressen Leistungschmarotzer niemals erleben.