Marketing-Interview: Johannes Lachermeier, Online-Kommunikation, Bayerische Staatsoper

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Johannes Lachermeier vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Mein Name ist Johannes Lachermeier. Seit Oktober 2008 betreue ich die Online-Kommunikation der Bayerischen Staatsoper in München, d.h. ich kümmere mich um Konzepte, Inhalte und Content Management unserer Auftritte im Netz. Ich bewege mich also irgendwo im Spannungsfeld zwischen Kunst, Marketing und Kommunikation.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Ich glaube, es ist die hohe Begeisterungsfähigkeit von Opernbesuchern. Unser Metier zeichnet sich ja dadurch aus, dass das „Produkt“ immer kollektiv rezipiert wird: 2.100 Menschen sehen gemeinsam eine Vorstellung, und am Ende des Abends ist alles unwiederbringlich vorbei. Ein solches Erlebnis setzt im Idealfall Emotionen frei – seien sie nun positiv oder negativ. Und das Münchner Publikum ist ein sehr emotionales!

So sehr dem Genre Oper im Allgemeinen und der Bayerischen Staatsoper im Besonderen das Klischee des Elitären und Hochpreisigen anhaften mag, so sehr versuchen wir, uns allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen zu öffnen – gerade der Bereich Social Media sei hier als prägend genannt.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Wichtig ist uns in erster Linie Authentizität. Wenn man enthusiastisch hinter seinem „Produkt“ steht, vermittelt sich dieser Enthusiasmus im Idealfall genauso in der Kommunikation. Unsere verschiedenen Kanäle unterscheiden sich allerdings sehr in ihrer Funktion und der Tonalität, in der kommuniziert wird: Unsere Homepage www.staatsoper.de ist zentrales Kommunikationsorgan und Mittelpunkt des Online-Kartenvertriebs der Bayerischen Staatsoper. Sie finden dort alle Informationen zum Haus, unseren Spielplan, Fotogalerien, Trailer und unser Videomagazin Opern.TV zu jeder Neuproduktion. Unsere Kommunikation dort ist auf Service ausgerichtet und eher neutral gehalten.

Unsere Social-Media-Angebote wie das Blog www.blog.staatsoper.de, unsere Facebook-Seite, unsere Präsenz bei Twitter, oder Google+ schlagen dagegen einen anderen Ton an: Dort steht nicht die umfassende Information im Mittelpunkt, auch Vertriebsaspekte sind eher sekundär. Stattdessen versuche ich dort, einen leichten, weniger marketingorientierten Ton anzuschlagen. Dem Zuschauer auf Augenhöhe zu begegnen und ihm einen Blick ins Haus zu gewähren, ist hier erklärtes Ziel.

Wie messen Sie Erfolg?

Wir überprüfen die Zugriffszahlen von Website und Blog über die Auswertungssoftware Urchin. Natürlich schauen wir auch auf Likes und Retweets oder Views auf unserem YouTube-Kanal. Bloße Zahlen allerdings sind nicht immer hilfreich: Am interessantesten wird es meist erst, wenn sich spannende, inhaltliche Diskussionen ergeben!

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Ein riesiger Erfolg waren unsere beiden Live-Streams von zwei Opernaufführungen aus dem Nationaltheater im vergangenen Januar: An zwei Terminen konnte man auf unserer Website Gaetano Donizettis „L’elisir d’amore“ und Giuseppe Verdis „Don Carlo“ sehen – und das völlig kostenlos. Die Reaktionen waren immens: Bei „Don Carlo“ konnten wir über 459.000 Klicks auf den Stream verzeichnen, bei „L’elisir d’amore“ auf Grund einer technischen Panne „nur“ 77.000 Klicks. Ein Projekt, das wir in Zukunft dringend fortsetzen möchten!

Sehr am Herzen liegt mir auch unsere neue Website Ring-Motive, die die Grenzen zwischen Kunst und Marketing aufhebt. Als wir über eine neue Plattform zur aktuellen Neuproduktion von Wagners „Ring des Nibelungen“ nachdachten, wurde schnell klar, dass wir keine weitere Service-Seite wollten, sondern ein eigenständiges künstlerisches Projekt im Netz. Gemeinsam mit der Medienkünstlerin Manuela Hartel und dem Komponisten Felix Leuschner entstand so eine sehr freie, interaktive Version von Wagners Tetralogie.

Mein Lieblingsprojekt ist allerdings nach wie vor unser Blog. Hier findet man seit mittlerweile fast zwei Jahren Neuigkeiten aus dem Haus abseits der ausgetretenen Marketing-Pfade. Von Proben-Fotogalerien über Backstage-Reportagen bis hin zu gepflegtem Nonsens findet sich dort allerhand Material. Paradigmatisch für unsere Kommunikationslinie dort mag dieses Willkommensvideo sein.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Schwierig zu beschreiben. Nach einigen morgendlichen Regulars (Besetzungszettel des Vorabends ins Online-Archiv stellen, neue Beiträge im Forum freischalten etc.) stehen jeden Tag neue Dinge auf der Agenda. Im Idealfall ist es eine gute Mischung aus Schreiben, neuen Ideen, Organisieren und Datenpflege.

Wo finden wir Sie im Internet?

Mich als Johannes Lachermeier findet man auf Facebook und Xing. Im Namen der Bayerischen Staatsoper bin ich ausführlicher unterwegs, und zwar auf Facebook, Twitter, Google+, YouTube und natürlich auf unseren offiziellen Seiten www.staatsoper.de und www.blog.staatsoper.de.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Johannes Lachermeier

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