Marketing-Interview: Alain Egli, Manager PR & Communications, Gottlieb Duttweiler Institut (GDI)

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Alain Egli vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Ich bin für die Kommunikation des Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) verantwortlich, des ältesten Think-Tanks der Schweiz. In einem früheren Leben war ich Journalist.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Seine Vielfalt. Unser Institut betreibt zum einen Trendforschung, zum anderen vermieten wir unsere Räumlichkeiten an Kunden – zwei gänzlich verschiedene Geschäftsfelder: Wer für seine Tagung einen Konferenzsaal sucht, ist nur selten an unseren Studien interessiert. Und wer einen unserer Referenten bucht, braucht nur im Ausnahmefall auch eine Event Location. Das GDI ist klein, gleichzeitig aber hochkomplex.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Dass wir uns vom klassischen Marketing verabschieden, Schritt für Schritt. Bekanntlich misstrauen immer mehr Menschen Werbebotschaften. Zudem lassen sich Informationen – eines unserer beiden Standbeine – nur noch schlecht verkaufen, das meiste findet man ohnehin kostenfrei im Netz. Wir wissen alle, die Umwälzungen in der Musikindustrie waren erst der Anfang, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert, und was geteilt werden kann, wird geteilt. Vertrauensschwund und Technologie zwingen uns also, «Marketing» anders zu denken. Unser Weg besteht darin, Geschichten zu erzählen, als Forscher haben wir dafür ja genügend Rohstoff – im Gegensatz zu Anbietern von Konsumgütern, die sich für ihre Produkte oft irgendwelche Marketingfabeln aus den Fingern saugen müssen. Für uns ist jedes Referat, jede Studie, gleichzeitig auch ein Marketingmittel, im allerbesten Fall verbreiten sich unsere «Inhalte» sogar ohne unser Zutun. Meine Aufgabe ist, den Prozess zu orchestrieren, meinetwegen – Achtung, Buzzword! – zu «kuratieren»: Welche Aspekte einer Studie stellen wir in den Vordergrund, auf welchem Kanal erzählen wir welche Geschichte? Dadurch funktioniert unser Marketing zunehmend wie eine Redaktion.

Wie messen Sie Erfolg?

Konsequent und illusionslos. Zwar können wir Twitter-Folger und Website-Besucher und Klout-Rang und Seitenaufrufe und Medien-Erwähnungen und und und messen – und wir tun das auch. Doch häufig vermitteln solche Werte ja nur vermeintlich Kontrolle. Die wirklich relevante Messgrösse ist am Ende des Tages der Umsatz, und der hängt von mehr ab als nur vom Marketing. (Darum konnten ich und meine Redaktionskollegen für schlechte Abverkäufe unseres Magazins ohne Risiko die Verlagsleute verantwortlich machen und für gute Verkaufszahlen die eigenen tollen Geschichten.)

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Keine Einzelmassnahme, sondern der gesamte Prozess der Umorientierung. Wir befinden uns hier in einem Zustand des permanenten Experiments, sozusagen in Dauer-Beta. Mit Twittern zum Beispiel haben wir einfach mal begonnen, ohne einen Projektplan zu erstellen. Wir wussten nur, dass wir Leute erreichen wollen, die uns noch nicht gut kennen. Und wir wussten, dass wir bei ihnen als vertrauenswürdig und relevant wahrgenommen möchten. Da scheinen wir jetzt auf keinem schlechten Weg zu sein, zumindest die Zahlen stimmen. Doch wie schaffen wir es jetzt, Konversionen zu erzielen? Ein vergleichbares Thema sind Mailings: Werden wir den Postversand in absehbarer Zeit ganz durch E-Mailings ersetzen können? Und geht statt sporadischen Kunden-Mails auch ein regelmässig versandter Newsletter? Da befinden wir uns überall in einem Prozess der kleinen Schritte, bei dem uns weder Handbücher oder Kurse, noch Case-Studies wirklich helfen können. Denn das veraltet alles viel zu rasch.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Eher länger.

Wo finden wir Sie im Internet?

Google findet mich zum Beispiel bei Linkedin, Google+ und Twitter – aber nicht bei Facebook (ich bin ein anderer). Auch meine Profile auf Xing und Foursquare werden von der Suchmaschine offensichtlich nicht erfasst.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Alain Egli

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