Juli Zeh und Ilija Trojanow über Einkommensverhältnisse von Buchautoren

Aus einem FAZ-Artikel, gefunden bei Marcel:

Der ökonomische Alltag eines Autors zeichnet ein anderes Bild, denn kaum einer lebt vom Buchverkauf. Ein paar Zahlen zur Aufklärung: Ein belletristisches Werk, das sich dreitausend Mal verkauft, ist in Deutschland kein Flop. Fünftausend verkaufte Exemplare sind ein Achtungserfolg, zehntausend ein richtiger Erfolg. Mit zwanzigtausend verkauften Büchern wird man bereits als „Bestsellerautor“ tituliert. Bei branchenüblichen Tantiemen von zehn Prozent und einem Ladenpreis von rund 20 Euro liegt der Gesamtverdienst eines „normal“ erfolgreichen Autors also zwischen 6.000 und 40.000 Euro – vor Steuern. Geht man von zwei bis drei Jahren Arbeitszeit für die Fertigstellung eines Romans aus, kommt man auf ein Monatsgehalt zwischen „fast nicht vorhanden“ und „äußerst bescheiden“. Mit dem Internet oder Raubkopierern hat diese missliche Lage überhaupt nichts zu tun.

Es wird querfinanziert:

Trotzdem leben in Deutschland Tausende freiberuflicher Autoren. Der Grund liegt in einem Subventionssystem, das aus Literaturpreisen (etwa 1500), Arbeits- und Aufenthaltsstipendien, Sozialleistungen (Künstlersozialkasse), Auftragsarbeiten von Theatern und öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern, Poetikvorlesungen und Gastprofessuren der Universitäten sowie den weit verbreiteten Lesungen besteht, die meist ebenfalls von der öffentlichen Hand oder Stiftungen gefördert werden.

Der FAZ-Beitrag ist insgesamt lesenswert.

4 comments

  1. Peter Bramboeck says:

    Die  Angabe „leben in Deutschland Tausende freiberuflicher Autoren“ wage ich zu bezweifeln. Na gut, sie leben hier, aber sie leben nicht von ihrem Beruf, sondern vom Einkommen eines/r Partners/in bzw. von Einkünften, die nichts mit Literatur zu tun haben. Die bei der KSK gemeldeten Monatseinkünfte liegen irgendwo um die 1000 Euro. Widersprechen möchte ich auch, dass die Lesungen „meist ebenfalls von der öffentlichen Hand oder Stiftungen gefördert werden“ – dies verkennt total die Risikobereitschaft  des Buchhandels als Hauptveranstalter. Wer seine Existenz untergräbt, gefährdet auch die der AutorInnen. Denn Amazon zB sieht seine Rendite nicht im Veranstalten von Lesungen …

  2. Thomas Elbel says:

    Der Artikel war auch für mich als nebenberuflichen Schriftsteller sehr interessant, auch wenn ich die daraus gezogenen Konsequenzen nicht teile. Ich habe auch das Gefühl, dass Frau Zeh und Herr Trojanow hier ein bisschen zu sehr von ihrer eigenen Welt der feuilletonrelevanten Literatur auf den größeren Teil des Marktes schließen. Ich kennen jedenfalls keinen Autor von reiner Unterhaltungsliteratur, der sich mit Preisen und öffentlicher Förderung durchschlagen kann. 

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