Brauchen Literaturverlage bald wie Theater eine Art Crowdfunding, um existieren zu können?

Wenn von neuen Geschäfsmodell-Ansätzen wie Crowdfunding die Rede ist, wird oft eingewendet, man wolle doch keine Almosen. Zum einen geht es beim Crowdfunding um mehr als um Almosen. Zum anderen nähern sich aber interessanterweise Teile des Buchmarktes einem Bereich an, wo es ebenfalls um freiwillige Zahlungen geht, wie es das WAZ-Interview mit dem Verleger der Frankfurter Verlagsanstalt, Joachim Unseld, zeigt:

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Braucht die Literatur heute Subvention?

Unseld: Wir sind eigentlich auf dem Weg dahin, dass die Kulturverlage, wie ich sei nenne, wie die Theater sich nicht mehr selbst halten können werden. Die Renditen sind auf null; ich weiß gar nicht, ob es noch einen Verlag gibt, der wirklich Gewinne macht. Es gab immer die hauseigene Quersubventionierung der Verlage, dass man mit dem einen Unterhaltungsbestseller die literarischen Bücher bezahlt. Aber dadurch, dass diese absoluten Spitzentitel rar sind, funktioniert das auch nicht mehr. Andere Länder subventionieren bereits literarische Verlage und Buchhandlungen. In Amerika gibt es die Einrichtung der University Press. In Österreich bekommt jeder Kleinverlag noch seine 50.000 Euro im Jahr vom Staat. Frankreich hat seinen Verlagen die Digitalisierung seiner Backlist finanziert.
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Interview komplett lesen.

  • Um den Zusammenhang zum Theater ziehen zu können, wäre es vielleicht hilfreich das weiter auszuführen. :)

  • Daniel

    stimmt das mit der förderung in österreich? weiß das jemand?

  • Crowdfunding bietet für Verlage nur Chancen. Sicherlich kann man auf diese Art keinen ganzen Verlag am Leben erhalten, aber bestimmte kostenintensive Buchprojekte für spezielle Zielgruppen können dadurch bereits weit vor dem Buchverkauf gezielt beworben und seine potentiellen Käufer stark an das Produkt gebunden werden. Crowdfunding ermöglicht es, nicht nur im Vorfeld notwendiges Geld für Projekte einzuspielen, sondern mehr denn je den Kunden an das Buch (und mit Glück auch an den Verlag) zu binden.

  • Flo

    Literatur ist bereits subventioniert, mit einem niedrigeren Mehrwertsteuersatz von 7%. Bei einem Buchpreis von 20 Euro sind das immerhin 1,88 Euro pro Buch Subvention durch den Steuerzahler.

    „Freiwillige Zahlungen“? Ich würde sagen, die 300 Kunden, die ein Buch kaufen, leisten doch bereits eine freiwillige Zahlung.

    Die Antwort muss lauten: Macht weniger Bücher, und erwartet weniger Umsatz. Schickt die Autoren zum Selfpublishing.

    Die Antwort lautet nicht: Steckt Steuermillionen in die Verlage, damit sie wie das Theater überleben, ohne dass sich jemand für sie interessiert.

  • Flo

    Haha, Crowdfounding. Seit Jahrhunderten heißt das in der Buchbranche „Subskription“.

  • Allerweltsbelletristik wird es auch über Crowdfunding nicht schaffen. Es geht beim Crowdfunding gerade nicht einfach darum, mehr Bücher zu machen. Vielmehr bietet es die Möglichkeit, Buchprojekte zu unterstützen, bevor das fertige Buch im Laden steht (wenn es überhaupt dort hingestellt wird) und im Berg an Neupublikationen untergeht. Independent-Verlage haben über CF die Möglichkeit, den Kunden für ihre Bücher von Anfang an zu erreichen und haben damit eine höhere Chance, ihre Buchprojekte umzusetzen. Was kann es schaden, wenn ein Leser sagt: „Ja. Das Buch will ich. Ich finanziere seine Produktion mit, damit es auch tatsächlich entsteht.“