Aktive Vermarktung bedeutet nicht, dass die Inhalte minderwertig sind

Sascha Lobo bringt das bei Christoph Koch gut auf den Punkt:

Vielleicht gehört das zu einer deutschen Eigenart, die sich gelegentlich auch spiegelt in einer seltsamen, weit verbreiteten Antimarketing-Haltung: “Wenn das Produkt gut ist, dann braucht man keine schöne Verpackung oder gar Werbung dafür! Ausrufezeichen!” Daraus spricht auch die Überheblichkeit der einigermaßen Erfolgreichen, weil diese Äußerung transportiert: gut ist nur, wer erfolgreich ist, und wer unerfolgreich ist, also zum Beispiel keine vielgelesenen und vieldiskutierten Texte schreibt, bei dem muss es am Inhalt liegen. Und nicht an der Kommunikation drum herum. Und das ist Unsinn.

Diesen Zusammenhang beobachte ich u.a. in der Buchbranche auch öfter. Wer aktiv und geschickt vermarktet, setzt sich tendenziell dem Verdacht aus, keine inhaltliche Substanz bieten zu können, es also daher „nötig zu haben“. Das ist natürlich bedauerlich in Zeiten, da sich fast alle Autoren immer stärker selbstständig vermarkten müssen, weil es Hemmschwellen erzeugt und Chancen verstreichen lässt. Aktives Verkaufen wird schnell mit einem Sich-Verkaufen gleichgesetzt. Hier braucht es einen noch stärkeren Kulturwandel, weil in Sachen Vermarktung heute offensives und neugieriges Ausprobieren gefragt ist.

One comment

  1. spoxx says:

    Vergleichbares Zitat:

    „As artists, entrepreneurs, and creators of various kind, it’s important that we show people we’re worth believing in, that they can take a chance on us and what we’re looking to accomplish with our projects and not be disappointed. This begins with an innovative idea for a film, a product, or business, and from there we build up a core audience around the initial belief that the end result will make their lives better,
    easier, or more enjoyable. But we also have to evangelize our project, the same way the Angel in ActRaiser flutters two and fro carrying out The Master’s bidding and firing arrows at any agents of darkness that seek to keep our ideas in the dark.“

    Quelle:
    CrowdRaiser: How a Video Game Taught Me All I Know About Belief, by John T. Trigonis – http://johntrigonis.com/2013/02/25/crowdraiser-how-a-video-game-taught-me-all-i-know-about-belief/

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