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Leipziger Autorenrunde – Konferenz der #lbm15 für Autoren. Organisiert von Leander Wattig.

Leipziger Autorenrunde | 14.03.2015 | #lar15

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Autoren sind Storytelling-Profis – nutzen aber das Storytelling-Potenzial von Facebook & Co. zu selten

Jeder Autor startet irgendwann eine Facebook-Seite o.ä. in dem Bestreben, Leser(!) zu finden, die im Idealfall auch ihre Bücher kaufen(!). Doch spätestens nach einer Weile fragen sich viele von ihnen, was sie egtl. posten sollen. Nicht selten gehen sie dann über zu lustigen (Bücher-)Bildern u.ä., weil das ja stets ein paar Likes bringt. Ich finde das immer schade, weil wir alle langfristig das sind, was wir im Netz veröffentlichen. Und wenn wir wie die anderen 10 Millionen Leute lustige Bilderchen ohne Zusammenhang veröffentlichen, sind wir austauschbar. Vor allem finden Autoren so keine Leser.

Die Geschichten, die Autoren auf Facebook & Co. mit ihren Postings erzählen, sollten vielmehr schon bestmöglich die Geschichten aus den Büchern bzw. die Herangehensweise der Autoren an solche Geschichten transportieren. Daran musste ich wieder mal denken, als ich heute das hier für den Musikbereich las:

I’ve been writing about music for over 10 years and, along the way, have seen a large number of pitches for coverage of new artists. One of the biggest failings I’ve seen is the lack of connection between the artists primary biographical backstory and their music.

Viele Autoren haben einfach noch eine falsche Trennung im Kopf. Das eine sind die Bücher, das andere Marketing-Plattformen oder so. Dabei ist alles eins. Das Storytelling sollte im Social Web beginnen. Die Leute, die man auf diese Weise erreicht, sind dann auch wahrscheinliche Buchkäufer.

Print ist sticky

Was Mark Coker, Gründer von Smashwords, im Rahmen einer Analyse äußert, deckt sich genau mit meinen Erfahrungen und bringt viele noch immer geführte Diskussionen auf den Punkt:

Für Verlage werde es deshalb schwieriger, ihre Autoren zu halten, so Coker. Sie sollten „beten, dass Print sich weiterhin gut verkauft und die stationären Buchhandlungen nicht mehr so viele Läden schließen“. Bisher sei der Print-Vertrieb für viele Autoren der ausschlaggebende Grund, bei einem Verlag zu bleiben. In einer Welt, die von E-Books dominiert werde, müssten die Verlage versuchen, mit den günstigen Preisen mitzuhalten – und gleichzeitig die Honorare für Autoren erhöhen. Das werde schwierig, weil sie einen viel zu großen Kostenapparat hätten, so Coker.

Print kauft Verlagen nach wie vor Zeit. Fast immer, wenn man mit Autoren spricht, ist der Ausblick, in den klassischen Print-Vertrieb zu kommen, neben dem Reputationseffekt das stärkste Argument pro Verlag. Der Rest lässt sich verhältnismäßig leicht als Dienstleistung hinzukaufen, wenngleich gute Verlage nicht nur reine Dienstleister, sondern Partner in der Inhalte-Erstellung sind.

Stichwort Kostenapparat – genau deshalb finde ich Modelle wie buch & netz spannend.

Aktive Vermarktung bedeutet nicht, dass die Inhalte minderwertig sind

Sascha Lobo bringt das bei Christoph Koch gut auf den Punkt:

Vielleicht gehört das zu einer deutschen Eigenart, die sich gelegentlich auch spiegelt in einer seltsamen, weit verbreiteten Antimarketing-Haltung: “Wenn das Produkt gut ist, dann braucht man keine schöne Verpackung oder gar Werbung dafür! Ausrufezeichen!” Daraus spricht auch die Überheblichkeit der einigermaßen Erfolgreichen, weil diese Äußerung transportiert: gut ist nur, wer erfolgreich ist, und wer unerfolgreich ist, also zum Beispiel keine vielgelesenen und vieldiskutierten Texte schreibt, bei dem muss es am Inhalt liegen. Und nicht an der Kommunikation drum herum. Und das ist Unsinn.

Diesen Zusammenhang beobachte ich u.a. in der Buchbranche auch öfter. Wer aktiv und geschickt vermarktet, setzt sich tendenziell dem Verdacht aus, keine inhaltliche Substanz bieten zu können, es also daher „nötig zu haben“. Das ist natürlich bedauerlich in Zeiten, da sich fast alle Autoren immer stärker selbstständig vermarkten müssen, weil es Hemmschwellen erzeugt und Chancen verstreichen lässt. Aktives Verkaufen wird schnell mit einem Sich-Verkaufen gleichgesetzt. Hier braucht es einen noch stärkeren Kulturwandel, weil in Sachen Vermarktung heute offensives und neugieriges Ausprobieren gefragt ist.

Wie Forbes-Autor Shel Israel das klassische Verlagsmodell aus Autorensicht zusammenfasst

Etwas zugespitzt, aus Sicht vieler Autoren aber durchaus treffend formuliert von Shel Israel, wie ich finde:

Traditional publishing, which gives authors a steadily diminishing amount of upfront money for a book in exchange for loss of control over our property. The publisher’s two strongest assets in a changing market are the ability to get products onto bookstore shelves and the ability to get reviews in traditional publications. Both of these are becoming less relevant than they used to be. As Rick Smolan described the situation he faced “Even the FedEx guy delivering the book would make more money” than the author.

Bestseller-Autor Andreas Eschbach über Autoren-Karrieren

Andreas Eschbach im Buchreport-Interview:

Nein, es fehlt nicht an Talenten, aber es fehlt an Leuten, die sich anstrengen, um aus ihren Talenten das Beste zu machen. (…) Man will hingetragen werden und nur das Nötigste dafür tun. Es mangelt an dem grundsätzlichen Verständnis, dass Schriftsteller kein Beruf ist wie, sagen wir, Personalsachbearbeiter, sondern eine Karriere: Eher zu vergleichen mit Tennisspielen. Dass es da harte Konkurrenz gibt und man nichts erreicht, wenn man nicht alles tut, was man kann. Wobei selbst das keine Garantie ist für irgendwas. Und man muss es trotzdem tun, weil man es eben muss.

Daher sind Schreibschulen und das Erlernen und Vermitteln von (schreib-)handwerklichen Fähigkeiten aus seiner Sicht wichtig.

Autoren und Regisseure von Dokumentarfilmen werden miserabel bezahlt

Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) hat untersucht, was Dokumentarfilmer verdienen und das ist nicht allzu viel:

Mit ernüchterndem Ergebnis: das durchschnittliche Netto-Einkommen von Dokumentarfilmregisseuren liegt bei 1380 Euro im Monat – rund 18 Prozent der Befragten bleiben sogar unter 636 Euro. Lediglich 15 Prozent gaben an, dass sie allein von ihrer Autorentätigkeit und der Regiearbeit leben können – der weitaus größere Teil -nämlich 85 Prozent- müssen in teilweise berufsfremden Jobs Geld hinzuverdienen oder sie werden von ihren Angehörigen finanziell unterstützt.

Das ist schon herb:

Unter Einbeziehung der besonders arbeitsintensiven „programmfüllenden“ 90-Minuten-Filme ergibt sich dabei im Durchschnitt aller untersuchten Projekte eine Tagesgage von 99 Euro – oder, unter Berücksichtigung der branchenüblichen Arbeitszeit, ein Stundensatz von 9,91 Euro – brutto!

Damit sprechen wir über ähnliche Größenordnungen wie allgemein bei Autoren.

Die komplette Untersuchung kann man hier nachlesen (PDF).

via: irights.info

Interview: Bastei-Entertainment-Cheflektor über Autoren-Castings als Weg der Autorengewinnung für Buchverlage

Jan F. Wielpütz ist Cheflektor bei Bastei Entertainment, der „Digital-Content-Schmiede“ von Bastei Lübbe. Bastei Lübbe ist der größte konzernunabhängige Belletristik- und Sachbuchverlag in Deutschland. Ein erstes Highlight-Produkt von Bastei Entertainment ist der digitale Serienroman APOCALYPSIS, der dem Leser auf alle Devices und Plattformen folgt. Für diesen wurde mit dem Autoren-Casting ein Ansatz der Autorengewinnung gewählt, den ich persönlich sehr interessant finde, weil ich glaube, dass er stark an Bedeutung gewinnen wird für Buchverlage, da sie auf diesem Wege gezielt Content-Marken aufbauen können, die dann auch ihnen gehören. Das sieht anders aus, wenn ein Verlag „nur“ Stoffe von/für Autoren umsetzt. Für Bastei Lübbe ist der Erfolg seiner Webnovel inkl. Autoren-Casting der Startschuss für ein ganzes „Digital-First“-Programm.

Jan F. Wielpütz, der als Stefan Bonner selbst auch Erfahrung als Bestseller-Autor hat, war so freundlich, mir einige Fragen zum Autoren-Casting für APOCALYPSIS zu beantworten:

Wattig: Wie sieht der klassische Weg aus, auf dem Bastei Lübbe Autoren gewinnt?

Wielpütz: Das normale Buchlektorat akquiriert seine Stoffe aus verschiedenen Quellen: Die meisten Autoren kommen über literarische Agenturen, die sich auf die Vermittlung von Buchstoffen spezialisiert haben und so eine Art Vorauswahl für Verlage treffen. Daneben lizensieren wir die Stoffe ausländischer Verlage, die im Publikumsbereich überwiegend aus England und Amerika kommen. Last but not least gibt es natürlich noch die unverlangt eingesandten Manuskripte, die uns direkt von Autoren zugeschickt werden.

Warum lief es bei APOCALYPSIS anders?

Bei APOCALYPSIS hatten wir von Beginn an eine klare Vorstellung, wie das Produkt aussehen sollte. Wir wollen die weltweit erste digitale E-Book-Serie produzieren, die verschiedene Medienformen zusammenbringt und Text mit Film, Spiel, Audio und Animation verbindet. Das inhaltliche Story-Konzept dazu stammte aus dem Lektorat selber. Das bedeutet: Wir hatten die Geschichte und brauchten jemand, der sie umsetzt. Wir konnten also nicht wie gewöhnlich darauf warten, dass ein Autor an uns herantritt, sondern mussten ihn aktiv suchen.

Was musste der Autor hier konkret mitbringen, um in Frage zu kommen?

APOCALYPSIS war eine Art Auftragsarbeit. Wir brauchten einen Autor, der es gewohnt war, einen Stoff dramaturgisch nach gewissen Vorgaben zu entwickeln und diesen Rahmen nicht zu verlassen. Außerdem musste er ein absoluter Teamplayer sein: Wir haben APOCALYPSIS in Zusammenarbeit mit App-Entwicklern, Spiele-Programmierern, Art Designern und Filmemachern produziert, die natürlich alle eigene Vorstellungen für ihr jeweiliges Gebiet mitbrachten. Darauf musste der Autor eingehen und die Story oft dahingehend abändern, dass sie den zu integrierenden Medienformen gerecht wurde. Am besten passte auf diese Anforderungen das Profil eines Drehbuchautors, der von Filmproduktionen solche Arbeitsabläufe gewohnt ist.

Wie lief das Autoren-Casting konkret ab?

Wir haben rund zwei Monate lang nach Autoren gesucht, deren Profil mit unseren Anforderungen grundsätzlich übereinstimmt. Anschließend haben dann rund zwei Dutzend Autoren ein Probekapitel für APOCALYPSIS geschrieben. Die Leseproben hat ein Lektoratsteam ausgewertet und sich für letztlich für einen Autor entschieden: Mario Giordano, der als Kinder- und Jugendbuchautor über belletristische Erfahrung verfügt und als Drehbuchschreiber für Serien wie Tatort arbeitet und auch das Skript zum Film DAS EXPERIMENT mit Moritz Bleibtreu verfasst hat.

Gibt es für die Autoren hier andere Konditionen als beim klassischen Weg?

Nein. Die Konditionen entsprechen grundsätzlich den üblichen Vereinbarungen, die wir auch im Buchbereich treffen. Wichtig ist für uns als Verlag, dass wir über möglichst viele Verwertungsrechte verfügen, damit wir den Stoff in zahlreichen Produktformen anbieten können: So gibt es APOCALYPSIS zum Beispiel nicht nur als multimediale App, sondern auch als herkömmliches E-Book, Audio-Download, Taschenbuch, Hörbuch CD sowie als Read&Listen-Fassung, die Text und ungekürzte Audiospur enthält und Ihnen als Leser jederzeit den Wechsel zwischen Lesen und Hören erlaubt.

Wie sehen Sie die künftige Bedeutung solcher Autoren-Castings als Weg zur Autoren-Gewinnung im Verhältnis zu klassischen Wegen?

Ein Autoren-Casting oder -Wettbewerb ist organisatorisch sehr anspruchsvoll. Daher kann eine solche Maßnahme immer nur eine Ergänzung zu den üblichen Wegen sein, diese aber nicht ersetzen.

Was können Autoren ganz praktisch tun, um für solche Publikationsprojekte eher in Frage zu kommen?

Es ist schwierig, die Anforderungen zu verallgemeinern. Wichtig ist natürlich, dass die Autoren ihr grundsätzliches Handwerkszeug beherrschen: Dramatugie, Szenenaufbau, Charakterführung, Dialoge, Stil, oder auch die Spielarten des Genres, in dem sie schreiben. Für multimediale Projekte wie APOCALYPSIS muss der Autor außerdem in den Medien „zuhause sein“, die bespielt werden. Er muss sich also vorstellen können, wie der jeweilige Stoff zum Beispiel als Film oder Spiel umgesetzt werden könnte. Es schadet daher nicht, wenn man sich als Autor professionalisiert und sich auf verschiedene Medienformen spezialisiert. Ich habe als Autor sicher mehr Chancen auf spannende Projekte, wenn ich nicht nur Belletristik schreiben kann, sondern mich zum Beispiel auch im Bereich Drehbuch oder Computerspiel auskenne.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Olivier Favre