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Verlagsautoren haben ein Problem, wenn die Verlage selbst ihre Endkunden nicht kennen

Die US-Autorin Penelope Trunk hat einen kontroversen Beitrag geschrieben, in dem sie viel Diskussionswürdiges äußert, wenngleich es letztlich primär um einen behaupteten Einzelfall geht („How I got a big advance from a big publisher and self-published anyway„). Wichtig ist sicherlich ihre Anmerkung, dass viele Verlage zumindest in den USA aufgrund der Marktmacht von Amazon & Co. ihre Endkunden selbst nicht gut kennen und demzufolge auch ihren Autoren wenig Infos geben können. Das ist tatsächlich ein Problem, das sich in ähnlicher Form auch andernorts wiederfindet:

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More than 85% of books sales are online, mostly at Amazon. It used to be that a print publisher could look at the data about which stores are selling the book and which are not, and then they’d have a good handle on who is buying the book. Suburban people or city people. Northern people or Southern people. Business book stores or gay and lesbian bookstores. It was decent demographic data. But Amazon tells the publishers nothing. So the publishers have no idea who is buying their books. Amazon, meanwhile, is getting great at understanding who is buying which book. The person who has the relationship with the customer is the one who owns the business.
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Das zeigt einmal mehr: Direktmarketing ist sowohl für Autoren als auch für Verlage eine große Chance …

Über diesen Passus könnte man interessant diskutieren:

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The old ways that publishers promote books, like TV spots and back-of-book blurbs are over. They don’t sell books in an online world. Those offline marketing tactics have no accountability, whereas online marketing is a metrics game. If you tell people to buy something, you have very good data on what caused them to buy. You know the marketing message that drove them. You know the community you were talking to, you know how many sales happened. Print publishers have been too arrogant to learn how to run a grassroots, metrics-based publicity campaign online. They cannot tell which of their online efforts works and which doesn’t because they can’t track sales. They don’t know how many people they reach.
(…)

Penelope Trunk hat ihr Buch dann über Hyperink selbst verlegt, das ich hier im Vortrag mit vorgestellt hatte.

Interview: Emily Bold über ihre Vermarktungs-Erfahrungen als Self-Publishing-Autorin

Wer sind Sie und was machen Sie?

Mein Name ist Emily Bold. Ich schreibe seit 2008 historische Liebesromane und Jugendbücher. Im Mai 2011 habe ich mit „Gefährliche Intrigen“ meinen Debüt-Roman über Amazons Kindle Direct Publishing (KDP) veröffentlicht und damit einen der Kindle-Bestseller 2011 gelandet. Mittlerweile habe ich 3 weitere Bücher sowie einen englischsprachigen Titel publiziert. Meine Bücher sind in fast allen großen Buchhandelsshops als eBooks erhältlich und seit Anfang Juni dank Amazons Create-Space-Programm nun auch als Taschenbücher.

Lässt sich Ihr Erfolg in Zahlen ausdrücken?

  • 4 Romane in 1 Jahr veröffentlicht, über 300.000 Worte pure Leidenschaft ;)
  • 1 Übersetzung ins Englische
  • Insgesamt 25.000 verkaufte eBooks
  • Mehrere hundert Taschenbuchverkäufe in der kurzen Zeit, die diese nun erhältlich sind.

Mein größter Erfolg ist aber JEDER EINZELNE LESER, der sich von meinen Geschichten gut unterhalten fühlt und dem ich mit meinen Protagonisten Logan und Emma, Payton und Sam, Drew und Julia oder Adam und Josie einige romantische Stunden bescheren darf.

Stichwort Vermarktung: Wo sehen Sie die wichtigen Ursachen für Ihren Erfolg?

Als Amazon mit KDP startete, war ich fast von Anfang an dabei. Dabei konnte ich viel lernen. Als Indie-Autor hat man alle Fäden in der Hand, und tatsächlich mache ich alles selbst. Das beginnt beim Cover über Formatierung bis hin zur Konvertierung meiner Bücher in die entsprechenden Formate. Das schafft Glaubwürdigkeit. Außerdem pflege ich sehr engen Kontakt zu meinen Lesern und nehme mir Lob, aber natürlich auch Kritik sehr zu Herzen. Daran kann man wachsen und sich weiterentwickeln.

Welche konkreten Vermarktungsmaßnahmen waren besonders erfolgreich und warum?

Hierauf eine Antwort zu geben ist schwierig, denn der Buchmarkt reagiert nicht immer so, wie man es erwarten würde. Einen tollen Schub habe ich nach einem TV-Beitrag von RTL 2 über mich und die Frankfurter Buchmesse bekommen, auch Zeitungsartikel sind natürlich positiv für die eigene PR. Allerdings sind dies Dinge, die man selbst kaum steuern kann. Absolut wichtig sind für mich die Social-Media-Kanäle, allen voran Facebook, gefolgt von Twitter und Google +. Besonders auf Facebook herrscht reger Austausch mit meinen Lesern, die ich auch immer wieder durch kleine Gewinnspiele oder Anderes zu „belohnen“ versuche – ich denke, dies bindet langfristig und scheint mir am geeignetsten, sich erfolgreich zu vermarkten.

Welche konkrete Vermarktungsmaßnahme hat wider Erwarten gefloppt und warum?

KDP Select war für mich nicht so erfolgreich, wie ich gehofft hatte. Ich habe dieses Angebot von Amazon für meine englische Übersetzung „The Curse-Touch of eternity“ wahrgenommen und hatte mir davon auf dem US-Markt mehr erwartet, allerdings ist es dort aufgrund der schieren Masse an Büchern extrem schwierig, vom Leser überhaupt wahrgenommen zu werden.

Was machen Sie selbst und was erledigen andere für Sie?

Im Prinzip mache ich alles selbst. Covergestaltung, Formatierung, Konvertierung in die verschiedenen Endformate bis hin zur Vermarktung. Nur das Lektorat für meine Bücher übernimmt ein externer Dienstleister. Auch die englische Übersetzung von „The Curse-Touch of eternity“ hat eine professionelle Übersetzerin übernommen. Außerdem habe ich einen Distributionspartner für die meisten großen Buchshops wie Buch.de, Thalia, Weltbild usw.

Was würde Ihnen bei der Vermarktung noch helfen, d.h., was ist ein typisches Problem?

Teilweise wird es einem als Selbstverleger nicht gerade leicht gemacht. Es gibt z. B. eine große deutsche Buchcommunity, die einen nur als Autor akzeptiert, wenn man für einen Verlag schreibt – ein wenig antiquiert, wie ich finde. Ein typisches Problem ist für mich sicherlich Zeitmangel. Als Mutter zweier Kinder kommen die natürlich zuerst, erst dann meine schriftstellerische Arbeit sowie deren Vermarktung. Ein weiterer Punkt ist die Distribution in andere Buchshops, die man als Autor nicht direkt beliefern kann. Hier gibt es eine mittlerweile sehr große Auswahl an Dienstleistern, unter denen es auszuwählen gilt. Dass jeder andere Konditionen anbietet und natürlich auch dass die Preise für die Distributionsleitsungen nur schwer vergleichbar sind, macht die Sache nicht gerade leichter. Sorgfältig zu vergleichen ist unabdingbar.

Welchen Vermarktungsansatz würden Sie wählen, wenn Sie heute neu starten würden?

Ich würde früher beginnen, mich Autor zu nennen. Denn erst, als ich mir dies zugestand, erkannte ich den Weg, den ich gehen wollte. Und damit konnte ich mich dann auch als Emily Bold darstellen. Mich nicht so lange hinter dem Roman verstecken, sondern gleich durchstarten.

Welcher andere Kreative – den vielleicht noch nicht jeder kennt – fällt Ihnen ein, der in der Vermarktung Vorbildhaftes leistet?

Da fällt mir sofort Tom Schopper ein, der mit seinem Runa-Epos neue / besondere Wege in der Buch-Vermarktung geht. Tom ist wirklich toll und jemand, mit dem ich hoffentlich mal irgendwann einen Milchkaffee in Wien trinken werde ;)

Wo finden wir Sie im Internet?

http://emilybold.de
http://facebook.com/emilybold.de
http://www.youtube.com/user/EmilyBoldTV
http://twitter.com/emily_bold

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Emily Bold

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weitere Interviews mit Kreativen über ihre Vermarktungs-Erfahrungen
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Interview: Self-Publishing-Millionärin Tina Folsom über ihre Vermarktungs-Erfahrungen

Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin Tina Folsom und schreibe seit 2008 paranormale Liebesromane. Mitte 2010 habe ich angefangen, die selbst zu verlegen, sowohl als eBooks als auch als Taschenbücher. Mittlerweile habe ich 15 englischsprachige Titel herausgegeben sowie 5 in deutscher, 6 in spanischer und 2 in französischer Sprache. Meine Scanguards-Vampirserie ist ein internationaler Bestseller.

Lässt sich Ihr Erfolg in Zahlen ausdrücken?

In den letzten 2 Jahren habe ich über 400.000 Exemplare verkauft (99% davon eBooks) und dabei über 1 Million US-Dollar verdient, das Meiste davon auf dem amerikanischen Markt. Seit Anfang dieses Jahres habe ich allerdings auch einige meiner Bücher ins Deutsche übersetzen lassen und da ich jetzt mittlerweile schon 4 Romane und eine Kurzgeschichte auf dem deutschen Markt habe, haben sich meine Verkaufszahlen dementsprechend verbessert. Mittlerweile ist Deutschland für 20 % meiner Umsätze verantwortlich. Das dürfte sich noch steigern, wenn alle 15 Titel auf Deutsch erhältlich sind und sich die deutschen Leser mehr und mehr eReader zulegen.

Stichwort Vermarktung: Wo sehen Sie die wichtigen Ursachen für Ihren Erfolg?

Ja, wo soll ich da anfangen? Es gibt so viele Sachen, die für meinen Erfolg wichtig waren. Zum Ersten: Ich schreibe Serien. Da baut man sich ganz automatisch Anhänger auf. Die Leser sind von den Charakteren eingenommen und wollen wissen, wie es weitergeht. Einen großen Teil meines Erfolges verdanke ich den Bloggern, die geholfen haben, mich und meine Bücher bekannter zu machen. Ich habe anfangs viele Blogs angeschrieben und sie gebeten, meine Bücher zu rezensieren.

Welche konkreten Vermarktungsmaßnahmen waren besonders erfolgreich und warum?

Ich habe viele Giveaways gemacht: also Bücher und auch eReader verschenkt, z.B. einen Kindle und einen Nook. Das brachte viel Aufmerksamkeit und hat mich vielen neuen Lesern vorgestellt. Auch die Interaktion auf Facebook mit meinen Fans finde ich sehr positiv. Die Leser fühlen sich einbezogen und das schafft Loyalität. Ein Newsletter ist auch ein absolutes „Muss“, deshalb habe ich immer hinten in meinen Büchern einen Link drin, über den die Leser meinen Newsletter abonnieren können. Das ist sehr wichtig, wenn ich ein neues Buch heraus bringe, denn so kann ich den Verkaufslink zu Amazon in meinen Newsletter einbauen und meine loyalen Leser kaufen dann das Buch gleich nach Erscheinen. Das hilft sehr, um bei Amazon einen super Verkaufsrang zu erhalten und das wiederum schafft Sichtbarkeit.

Welche konkrete Vermarktungsmaßnahme hat wider Erwarten gefloppt und warum?

Bezahlte Anzeigen auf Facebook haben relativ wenig eingebracht. Ich habe da kaum einen Anstieg meiner Verkaufszahlen gesehen. Ich denke, dass viele Leute einfach die Anzeigen satt haben. Sie hören viel lieber auf ihre Peers, also auf andere Leser und nehmen sich deren Empfehlungen zu Herzen.

Was machen Sie selbst und was erledigen andere für Sie?

Ich mache fast alles selbst. Ich beschäftige allerdings die folgenden Freiberufler:

  • eine Grafikerin, die mir die Cover macht (aber die Fotos suche ich selbst aus und mache auch Vorschläge, was ich auf dem Cover haben will),
  • einen Lektor, der jedes Buch korrigiert,
  • für die fremdsprachigen Bücher: Übersetzer, Lektoren und Korrekturleser,
  • und für mein erstes Audiobuch, das bald herauskommt (auf Englisch): einen professionellen Synchronsprecher.

Alles andere mache ich selbst. Deshalb arbeite ich auch meistens 60-80 Stunden pro Woche und nehme mir selten mal ein Wochenende frei.

Was würde Ihnen bei der Vermarktung noch helfen, d.h., was ist ein typisches Problem?

Ein typisches Problem beim Vermarkten ist ganz einfach der Zeitmangel. Ich kann leider nicht ständig auf Facebook oder Twitter sein, um dort meine Follower-Zahlen zu erhöhen und immer etwas Interessantes zu finden, das ich dort sagen kann. Ich kann leider nicht jeden Blog selbst anschreiben oder jedes Interview annehmen oder viele Gastbeiträge schreiben. Ebenso nimmt es viel Zeit in Anspruch, einen Giveaway zu organisieren. Also beim Vermarkten geht es oft nicht ums Geld, sondern um den Zeitaufwand, der damit verbunden ist. Denn viele Promo-Möglichkeiten sind ja kostenlos. Aber man muss halt Zeit haben, sie zu finden und sie dann einzusetzen.

Welchen Vermarktungsansatz würden Sie wählen, wenn Sie heute neu starten würden?

Ich würde mich sofort auf Social Media stürzen und nicht so lange warten, wie ich das getan habe. Ich fing damit erst wirklich ein Jahr nach der Veröffentlichung meines ersten Romans an. Also: Facebook aufbauen, Twitter anfangen. Sofort eine Autorenseite auf Goodreads.com erstellen. Und dann die Blogs: alle Blogs meines Genres anschreiben und Giveaways anbieten.

Welcher andere Kreative – den vielleicht noch nicht jeder kennt – fällt Ihnen ein, der in der Vermarktung Vorbildhaftes leistet?

Ganz eindeutig meine Freundin Bella Andre. Sie hat einfach immer super Ideen und führt sie auch glänzend aus. Von ihr habe ich wahnsinnig viel gelernt.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.tinawritesromance.com
authortinafolsom.blogspot.com
www.facebook.com/TinaFolsomFans
www.twitter.com/Tina_Folsom

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Tina Folsom

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weitere Interviews mit Kreativen über ihre Vermarktungs-Erfahrungen
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Seltene Offenheit einer Erfolgs-Autorin: Kathrin Passig schlüsselt ihre Bucheinnahmen auf

Ergänzend und vertiefend zu ihrem Beitrag im Tagesspiegel, in dem Kathrin Passig Einblick in ihre Tätigkeiten, ihre Einnahmequellen und ihre Einnahmen gegeben hat …

Seit Anfang 2006 lebe ich überwiegend von klassischen Buchvorschüssen.
(…)
Ein weiteres Standbein ist mein T-Shirt-Shop zufallsshirt.de, ein selbstgebauter Motivgenerator, der bei jedem Reload ein neues T-Shirt mit Zufallsbild und Zufallsaufschrift erzeugt. Die Shirts haben im letzten Jahr ungefähr 3000 Euro eingebracht
(…)
Am Ende kommen dabei im Jahr ungefähr 20 000 bis 25 000 Euro vor Steuern heraus.

… hat sie nun in den Kommentaren auf Facebook ihre Bucheinnahmen noch weiter aufgeschlüsselt. Auf so eine Offenheit trifft man selten und daher ist das sehr interessant: