Schlagwort: Buchhandlung

Ein Grund, nicht in klassische Buchhandlungen zu gehen

Ich sehe klar die Notwendigkeit. Gerade deshalb bringt der Beitrag aber gut auf den Punkt, warum viele Leute klassische Buchhandlungen (zunehmend) meiden: In einem branchenspezifischen Fachmedium gibt ein darauf spezialisierter Berater Tipps, wie Buchhändler noch besser etwas verkaufen können, von dem sie keine Ahnung haben:

Der buchreport-Praxistipp: Verkauf in der Buchhandlung – Wie lassen sich Titel verkaufen, ohne sie gelesen zu haben, Herr Winter?

Nicken Sie und wiederholen Sie Wörter, die der Kunde spricht („Aktives Zuhören“).

Wenn Sie trotz Unkenntnis dem Kunden Wissen spüren zu lassen, lesen Sie ruhig Auszüge des Klappentextes vor. Schauen Sie dabei immer wieder in die Augen des Kunden.
(…)
Sprechen Sie Emotionen an: „Das verspricht spannend zu werden“ (bei einem Roman). „Ich denke, dass Sie damit das Richtige für Ihre Wünsche gefunden haben“ (Ratgeber, Reise). „Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihr Sohn damit gut klar kommt“ (Lernhilfe). Auch wenn das Allgemeinplätze sind, reicht das für viele Kunden aus.

Für meinen Geschmack gehen die zuletzt zitierten Vorschläge schon mindestens in einen Graubereich über. – Der Fehler liegt hier letztlich im System und wir haben dank des Internets immer bessere Alternativen. Kein Wunder, dass sie genutzt werden. Klagerufe und Kulturargumente hin oder her …

Die Buchhandlung des Jahres 2010 nutzt übergreifend wirksame Erfolgsfaktoren

Im Börsenblatt 50/2010 habe ich einen Bericht über die Riemann’sche Buchhandlung in Coburg gelesen. Sie ist eine der vom BuchMarkt ausgezeichneten unabhängigen Sortimentsbuchhandlungen des Jahres 2010 und in dem Börsenblatt-Beitrag werden ihre Erfolgsfaktoren benannt:

  • Kooperationen mit lokalen Unternehmen Riemann lässt sich von Coburger Firmen beliefern und hat sich etwa mit acht anderen Geschäften zur Initiative „Coburgs feine Häuser“ zusammengeschlossen
  • Menschen aus der Region einbinden Riemann lädt sie gezielt zu Lesungen ein, porträtiert sie in der Kundenzeitschrift oder lässt sie Buchtipps geben
  • Mit nichtkäuflichen Dingen locken Riemann bietet als eine Bonusprämie ein Frühstück zu zweit im Roten Salon, das sich zum Renner entwickelt hat – und Gesprächsstoff bietet
  • Kontakte zu Institutionen pflegen Riemann hat einen engen Draht zu Museen, Schulen, Kindergärten etc.
  • Vorteile für Partner herausstellen Riemann überlegt stets, was dem Partner nutzt
  • Gastgeber sein Riemann stellt den Kunden in den Mittelpunkt
  • Kundenbindung Riemann bietet potenziellen Käufern Aktivitäten wie Lesenächte („All you can read“), Sammler-Lesezeichen, Leseclub („Die Buchpicker„), Quiz („Die Fuffi-Frage„) etc. und besonderen Service
  • Überraschen Riemann hat stets neue Schaufenster, Dekos und Aktionen

Ich finde diese Auflistung deshalb interessant, weil sie gut zu dem passen, was wir im Web-Kontext ebenfalls als Erfolgsfaktoren bezeichnen. Nicht umsonst nennt das Börsenblatt diese Punkte „Netzwerkfaktoren“. Auch im Web geht es darum, den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen (Stichwort „social“), nah am Kunden und dessen Bedürfnissen zu sein, andere Player als Partner zu betrachten, ständig Win-Win-Situationen zu schaffen und knappe Güter/Mehrwerte zu bieten. All das scheint man bei Riemann zu tun.

Doch auch der Web-Auftritt von Riemann macht einen frischen und vorwärtsgewandten Eindruck. Neben den Präsenzen bei Facebook und Twitter nutzt die Buchhandlung die eigene Website, um Gesicht zu zeigen. Gut gefällt mir bspw., dass und wie das Team vorgestellt wird. Interessanterweise besteht das Team aus Frauen, was ja typisch ist für den Buchhandel. Erfreulicherweise ist bei Riemann aber nicht nur das Team, sondern auch die Chefin weiblich, was schon weniger selbstverständlich ist in der Buchbranche.

Doch nicht nur das Team, auch der Laden wird bildlich vor Augen geführt. Auffällig sind auch die originellen Ansätze bspw. eines Bücher-Überraschungs-Abos oder des LeseKoffers.

Letztlich zeigt das Beispiel Riemann einmal mehr, dass es auch im Web eben nicht darum geht, die Welt neu zu erfinden. Die richtigen Ideen und Gedankenansätze sind da. Es geht eher darum, den bewährten Kern der bisherigen Tätigkeiten auch mit den neuen Instrumenten, welche uns die Technik an die Hand gibt, künftig adäquat umzusetzen.