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Ein Job mit Zukunft: Social-Media-Ghostwriter

Man darf ja nicht glauben, dass heute alle Promis ihre Autobiografien und sonstigen Bücher selbst schreiben. Ein ganzes Heer von Ghostwritern kommt hier zum Einsatz. Da wir im Social Web nun aber alle zumindest zu Mikro-Promis werden und tagein tagaus Content produzieren und unser Leben mehr oder weniger gezielt inszenieren (Stichwort Selfseeding) – nicht zuletzt, um uns unsterblich zu machen -, dürfte die Profession der Ghostwriter einen ungeheuren Aufschwung erfahren. Auch Tools wie Hootsuite & Co., mit denen wir Tweets, Facebook-Postings u.ä. vorprogrammieren können, sind ja gewissermaßen Ghostwriter-Tools.

Ein Feature des WDR hat sich ebenfalls diesem Thema gewidmet. Leider ist es nicht komplett abrufbar, wahrscheinlich aufgrund der verwendeten Musik. Aber der Anreißer zeigt, worum es geht und das Manuskript ist auch abrufbar:

Seit der Pop in den Journalismus eingewandert ist, wird nicht mehr ausschließlich im Literaturbetrieb das eigene Leben von anderen geskriptet. Im Dienst des Entertainments wird in den Medien ein Etikettenschwindel praktiziert, der die Beteiligten zum Versteckspiel zwingt. Die Multi-Medienpräsenz lässt sich nur durch einen kleinen Hofstaat realisieren. Die Generation ‚Copy&Paste’ gewährleistet die Weiterverbreitung. Während der Star auf seiner Yacht an der Cote d’Azur weilt, beantwortet der Ghostwriter die Interviews zu Hause am Schreibtisch, twittert Kurznachrichten und frischt den Status auf Facebook auf. Dabei hat er seinen Chef noch nie zu Gesicht gekommen. Wie viel Künstler steckt in seinen Interviews? Und wie viel Kunst beherrscht die digitale Bohème?

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von striatic

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Immer mehr Services wie UberCab funktionieren nach dem Concierge-Prinzip

Wir sehen immer mehr Dienste, die sich wie das vor kurzem von Apple aufgekaufte Siri nicht als Suchmaschine verstehen, sondern als „do engine„. Konkret heißt das, dass man bei solchen Diensten weniger auf die klassische Weise mit einem Problem aktiv auf einen einzelnen Dienstleister zutritt, den man vorher eigenhändig ausgewählt hat. Vielmehr formuliert man sein Anliegen und stellt Kriterien auf, die erfüllt werden müssen. Der Dienst hilft dann wie ein Concierge dabei, das Problem zu lösen. In der Folge werden also Anbieter herausgefiltert, die den Anforderungen gerecht werden können und wollen.

In diese Richtung geht auch die iPhone-App UberCab, die sich auf Taxi-Services bezieht. Man teilt hier nur mit, von wo man wohin will und um den Rest kümmert sich der Dienst. Man muss noch nicht mal bezahlen, auch das wird im Hintergrund erledigt:

 

Ich könnte mir vorstellen, dass wir immer mehr Dienste dieser Art sehen werden. Interessant finde ich, dass bspw. auch bei UberCap ein Bewertungssystem integriert ist. Nach der Taxi-Fahrt bewertet der Taxi-Fahrer den Fahrgast und der Fahrgast den Taxi-Fahrer. Es liegt also nahe, dass künftig bei solchen Diensten die Reputationswerte der Anbieter und Nachfrager vielerorts direkt in das „Matchmaking“ einbezogen werden. So könnte der potenzielle Fahrgast nicht nur den Start- und Zielpunkt festlegen, sondern auch eingrenzen, dass er nur Taxis mit einer bestimmten durchschnittlichen Kundenbewertung wünscht. Oder ein Taxifahrer ignoriert Anfragen von Fahrgästen, die häufiger als unfreundlich bewertet wurden. Hier könnte man zahlreiche so genannte „game mechanics“ einbauen, sodass man Vergünstigungen bekommt, wenn man die Reputation für ein bestimmtes gewünschtes Verhalten aufgebaut hat.

Verlag as a service (VaaS): Mehr Transparenz und Einblick werden gewünscht

Inzwischen gibt es ja bspw. „Software as a service“ (SaaS), „Platform as a service“ (PaaS) und „Infrastructure as a service“ (IaaS). Warum also nicht auch „Verlag as a Service“ – zumindest im übertragenen Sinne?

Ich halte das sogar für notwendig, weil sich die Welt gewandelt hat. Vor dem Aufkommen des Internets hatten bspw. Buchverlage wie viele andere Medienunternehmen auch eine Sonderstellung, die schon oft beschrieben wurde. Es war so aufwändig, Inhalte zu transportieren, dass die Markteintrittshürden für Wettbewerber sehr hoch gewesen sind. Das hat sich geändert. Heute kann sich quasi jeder Autor unabhängig von Verlagen mithilfe diverser (oft kostenloser) Internet-Plattformen an sein Publikum wenden. (Ob er es auch erreicht, ist eine andere Frage …) Entsprechend müssen Verlage nun immer besser begründen, welche attraktive Dienstleistung sie dem Autor bieten können und warum sie besser als andere Verlage oder ähnliche Dienstleister im Internet sind. Diese Fragen werden umso drängender, je schwächer der traditionelle Vertriebsweg wird.

Bei Dienstleistungen hat man immer das Problem, dass jener, der sie in Anspruch nehmen könnte, deren Qualität nicht so genau kennt wie jener, der sie anbietet. In manchen Fällen, kennt man die Qualität, wenn man die Dienstleistung einmal in Anspruch genommen hat – quasi aus der Erfahrung heraus. Manche Dienstleistungen wie die von Ärzten kann man in vielen Fällen sogar nie kompetent beurteilen. Hier muss man darauf vertrauen, dass sie hält, was versprochen wurde. So oder so liegt das Risiko zunächst auf der Seite des Nachfragers.

Egal, wo man solche Dienstleistungen, die die Verlage erbringen, nun einordnen mag, ist Transparenz in jedem Falle wichtig. Doch gerade daran mangelt es. Das geht schon los bei den Verlags-Webseiten, die vielfach nur sehr begrenzt Informationen über die Verlage und deren Mitarbeiter preisgeben. Natürlich ist das nachvollziehbar. Schließlich werden viele Verlage noch immer mit Manuskripten zugeschüttet. Doch es stellt sich schon die Frage, ob die Verlage sich nicht stärker öffnen müssten? Schließlich sind gerade die Mitarbeiter eine Chance für Unternehmens-Websites.

Interessant finde ich, dass eben diese mangelnde Transparenz häufig kritisiert wird. So führe ich seit ein paar Wochen im Rahmen der Aktion Ich mach was mit Büchern Interviews mit Leuten aus der Buchbranche. Eine Frage ist stets, welches Problem sie haben, für das sie sich eine Lösung wünschen würden. Hier wird auffallend häufig die Außendarstellung der Verlage bemängelt. Autoren wie Bettina Belitz können die Internet-Auftritte vieler Verlage nicht überzeugen:

… wünsche ich mir, dass die Verlagswelt in Zukunft etwas mehr Wert auf ihre Online-Präsenzen legt. In diesem Bereich besteht teilweise noch Nachholbedarf; manche Seiten wirken leider etwas altbacken und verschlossen. Das muss nicht sein!

Ärgerlich sei insbesondere das Fehlen wichtiger Kontaktangaben, wie Sara Jakob feststellt:

Im Bereich Programm und Lektorat geben Verlage oft nicht die Ansprechpartner preis.

Jürgen Brück sieht das ganz ähnlich:

Trotz der guten Recherche- und Kommunikationsmöglichkeiten fällt es bisweilen schwer, in einem Verlag den richtigen Ansprechpartner zu finden. Da helfen dann auch die Internetauftritte der Verlage häufig nicht weiter. Es ist natürlich verständlich, dass die Lektoren nicht mit noch mehr unaufgeforderten Manuskripten konfrontiert werden möchten, für professionelle Autoren ist es jedoch manchmal ärgerlich, mit einem spannenden Thema nicht einmal bis zur geeigneten Stelle vordringen zu können. Außerdem ist es natürlich immer wieder ein wenig unbefriedigend, überhaupt kein Feedback zu bekommen.

Auch Annette Schwindt hat so ihre Erfahrungen gemacht:

Die Rückmeldungen von Verlagen dauern z.T. einfach viel zu lange. Das ist oft sehr frustrierend… (…) Online ist oft nur schwer ersichtlich, wer der richtige Ansprechpartner ist. (Man muss Personen erst lange suchen. Dann sind Zuständigkeiten nicht genau erklärt oder die direkte Mailadresse fehlt.) Nicht jeder erklärt schon auf der Website, wie eine Anfrage konkret aussehen sollte, damit man überhaupt bei einem Lektor auf dem Schreibtisch landet. (…) Generell wäre mehr Transparenz und Präsenz online schön.

Nicole Maalouf nimmt eine prinzipielle Unsicherheit bei den Verlagen wahr, was das Internet betrifft:

Bei der Arbeit mit Verlagen fällt mir oft auf, dass eine große Unsicherheit zum Thema Internet herrscht.

Für viele (Buch-)Verlage wird es sicherlich ein Kulturwandel sein, sich zunehmend als Dienstleister verstehen zu müssen. Für viele wird dieser Wandel ein Prozess sein, der Zeit benötigt. Dass die Entwicklung für das Gros der Verlage in diese Richtung geht, scheint mir aber sicher zu sein.

Bildquelle: EduardoZ (CC-Lizenz)