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Marketing-Interview: Ralf Biesemeier, Geschäftsführer von readbox publishing

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Ralf Biesemeier vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Zuerst die „harten“ Fakten? Ralf Biesemeier, 40 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder, Diplom-Betriebswirt (FH Dortmund) und BA (Honours) Business Studies (University of Abertay Dundee, Schottland), seit 13 Jahren in verschiedenen Positionen für Marketing verantwortlich – u.a. als VP Marketing eines Herstellers
biometrischer Identifikationssysteme und Director Product Innovation eines Bodenbelagherstellers. Seit 2008 Hauptgesellschafter und Geschäftsführer von readbox publishing (technologische Verlagsdienstleistungen für eBook-Herstellung und digitale Auslieferung).

Mein Berufsleben war also relativ fokussiert auf Marketing – immer aber mit der starken Philosophie, dass Marketing ein Werkzeug der Unternehmensführung ist, nicht nur eine Unternehmensfunktion. So versuche ich auch mein eigenes Unternehmen zu führen. Jeder im Unternehmen, egal ob Softwareentwickler oder Vertriebsleiter, braucht das „Marketing“-Gen, eine starke Kundenorientierung. Und das liegt in einem selbst – man hat es oder man hat es nicht, ich muss dafür sorgen, es aus den Mitarbeitern herauszuholen. Das in sich selbst ist ein enormer – und nachhaltiger – Wettbewerbsvorteil.

Meine Hauptaufgabe im Unternehmen ist, in diesem enorm dynamischen eBook-Markt den Überblick zu behalten und die Organisation so gut es geht aufzustellen. Eine sehr strategische Marketingaufgabe, die aber viel Spaß macht.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Die größte Besonderheit ist wohl, dass die Digitalisierung nicht nur neue Möglichkeiten schafft. Bei allem Wachstum, der der gesamten Branche gut tut, haben wir es hier mit einem Phänomen zu tun, das mit dem schönen Marketingbegriff „disruptive innovation“ wohl am besten beschrieben ist. Das Gesicht des Buchmarktes verändert sich durch die neuen Technologien und Möglichkeiten. Unternehmen spielen hier plötzlich eine große Rolle und bestimmen die Spielregeln, mit denen noch vor 2 Jahren keiner gerechnet hat (Beispiel Apple) und viele Verleger (sowie verständlicherweise auch Buchhändler) sind mit dieser Entwicklung überfordert. Hier liegt aber auch die große Chance für Unternehmen wie readbox, die schnell und mit viel Know-how (durchaus aus zunächst branchenfremden Gebieten) von den Veränderungen und der Unsicherheit im Markt profitieren.

Die große Herausforderung ist der immense Hype, mit dem das Thema einhergeht. Das Marktsegment ist noch sehr klein, wenn auch stark wachsend, aber so viele neue Player, Ideen, Produkte kommen auf dem Markt, die dieser eigentlich gar nicht aufnehmen kann. Es gibt da von der Gartner Group dieses schöne Modell des „IT Hype Cycles„, der trifft meiner Meinung nach die Entwicklung auf den Kopf. eBooks (in Deutschland) befinden sich ganz sicher zur Zeit irgendwo auf dem Weg vom „Peak of Inflated Expectations“ zum „Trough of Disillusionment“ (eigentlich würde ich das gerne in deutsch beschreiben, aber die englischen Originalbegriffe sind so passend …).

Hier wird noch eine Menge passieren. Anbieter werden verschwinden, es wird auf allen Ebenen ganz sicher eine Konsolidierung einsetzen (die ersten Anzeichen sieht man schon). Auch hier gilt es, marketingtechnisch die richtigen Voraussetzungen zu schaffen (in Hinblick auf die strategische Positionierung z.B.), um auch diese Marktbereinigung zu bestehen.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Das Besondere an unseren Marketingaktivitäten ist, glaube ich, dass sie sehr vertriebsorientiert sind. Ich denke auch, dass sich klassische Werbung in diesem Marktumfeld und dieser Marktsituation auch nicht rechnet. Hier geht es eher um Empfehlungsmarketing – besonders dort, wo eine noch große Unsicherheit im Markt vorherrscht, vertraut man doch den Vorreitern, die sich schon mal getraut haben und die erfolgreich sind. Hier haben wir mit unseren Verlagen wie CORA, Frankfurter Allgemeine Buch, Pendragon, Ubooks und vielen anderen mehrfach bewiesen, dass wir die Erwartungen der Kunden übererfüllen. Das spricht sich dann auch rum.

Ansonsten ist es auch hier wieder sehr strategisch. Wir überprüfen ständig unser Businessmodell und unsere Zielgruppen und sind immer auf der Suche nach profitablen Nischen, die wir bedienen können.

Wie messen Sie Erfolg?

Das schöne am B2B-Marketing ist ja, dass es grundsätzlich viel besser messbar ist als stark streuende Konsumentenkampagnen. All unsere Aktivitäten werden bei uns am vertrieblichen Erfolg gemessen. Das gilt für Mailings, Messeauftritte, PR und alle anderen Maßnahmen gleichermaßen. Momentan investieren wir nicht in reine Image-Kampagnen. Auch hierfür ist der Markt noch nicht „reif“.

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Wir haben schon einige Marketing-Maßnahmen durchgeführt, die sehr erfolgreich waren. Wobei man den Erfolg durch eine entsprechend gute Vorbereitung natürlich auch beeinflussen kann. Wir machen uns im Vorfeld unserer Aktionen sehr viele Gedanken über Zielgruppen und Segmentierung, damit die Maßnahmen und Botschaften, die wir platzieren wollen, auch möglichst gut ankommen. Immer alles an alle kommunizieren, halte ich nicht für sonderlich zielführend. Ich glaube, das führt eher zu einer „Taubheit“ bei denen, die uns ja eigentlich zuhören sollen (das ist wahrscheinlich auch die Gefahr bei der Nutzung von Social Media). Ganz grundsätzlich muss ich sagen, dass die „klassischen“ Maßnahmen (Mailings, Messeauftritte, PR/Medienarbeit) in unserer Hauptzielgruppe überdurchschnittlich gut funktionieren. In letzer Zeit zahlt sich mehr und mehr vor allem unsere Presse- und Medienarbeit aus, die wir seit Anfang des Jahres kontinuierlich ausgebaut haben.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Mein typischer Tag beginnt mit Angst – vor der Inbox. Ich bekomme unfassbar viele E-Mails am Tag, meist beginne ich deshalb meinen Tag mit Projekten oder Aktivitäten, die ich in Ruhe beende, bevor ich zum ersten Mal in meine E-Mails schaue. Ich bemühe mich, mir feste E-Mail-Regeln aufzuerlegen, das klappt aber leider noch nicht so recht (darf ich hierzu einen Lesetipp loswerden? –> „Vielen Dank für Ihre E-Mail“ von Christoph Moss).

Ansonsten: Viele Telefonate, möglichst viel direkter Kontakt mit Kunden und Interessenten – auch persönlich. Deshalb bin ich recht viel unterwegs. Typischerweise enden meine (Arbeits-)tage, wenn meine Frau schon längst auf dem Sofa eingeschlafen ist ;-).

Das schöne an readbox allerdings ist, dass wir eine sehr flexible Organisation sind. Mir ist wichtig, dass die Ziele erreicht werden und meine Mitarbeiter Ihren Job mit hoher Qualität und so gut wie möglich erledigen. Spaß an der Arbeit und möglichst viel Selbstbestimmung sind Grundvoraussetzungen dafür. So sind wir dann auch organisiert – und das gilt auch für mich. Ich nehme mir schon zwischendurch mal die Zeit, eine Stunde mit den Kindern zu spielen, auch wenn meine Aufgabenliste sehr laut nach mir ruft …

Wo finden wir Sie im Internet?

Zu allererst mal kann man unter b2b.readbox.net mehr über unsere Verlagsdienstleistungen erfahren. Unter www.readbox.net betreiben wir außerdem noch einen Shop, mit dem die Geschichte des Unternehmens 2008 auch angefangen hat. Ich persönlich blogge auch noch in unserem Blog (blog.readbox.net), twittere unter „@readbox“ (viel zu selten in letzter Zeit). Eine readbox-Fanpage bei Facebook gibt’s zwar, die liegt aber ziemlich brach – das ist eine der Marketing-Aktivitäten, die wir viel besser machen müssten.

Ich persönlich bin aber auf Facebook – unter Xing und LinkedIn bin ich auch zu finden.

Danke!

Bildquelle: Ralf Biesemeier

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Abo + Austausch: Feed, E-Mail, Facebook, Google+, Twitter, Xing, LinkedIn

Wenn aus Tweets ein Buch entsteht

Drüben bei UPLOAD habe ich mir gestern Gedanken über diese Frage gemacht:

Was sind Bücher in einer digitalen Welt?

Ich finde die Frage interessant – vor allem dann, wenn man sich konkrete Beispiele anschaut. So gibt es beispielsweise den Twitter-Account @thefrenchrev, auf dem seit dem 14. Juli ein kompletter Roman über die französische Revolution veröffentlicht wird. Der Autor Matt Stewart hat diesen Weg schlicht deshalb gewählt, weil er keinen Verlag gefunden hatte. So dachte er sich wohl, Tweeting the Revolution – The first novel released on Twitter könnte ein guter Weg sein, um doch noch einen Verlag für sich und sein Werk zu interessieren:

My agent submitted The French Revolution to all the major publishing houses. Many of them loved it, but none were willing to buy what they viewed as a „risky“ novel–vivid language, elements of fantasy and farce, raunchy humor. What better place to take risks than Twitter?

Derweil nutzt Stewart die verfügbaren Mittel, um seinen Roman zu vermarkten:

For a mere $1.99 you can read The French Revolution via a PDF on Scribd or on Kindle (which you can also read on iPhone).
Sign up via email or text to be first to find out when the paperback is available (soon!) – you might win a free copy.
And if you’re a publisher who wants to do cool stuff like this all the time, let’s talk.

Stewart zeigt uns nicht nur eine pfiffige Marketing-Aktion. Auch vor dem Hintergrund meines UPLOAD-Beitrags ist sie interessant. Darin habe ich versucht, mögliche Gesichtspunkte bei der Beantwortung der Frage, was Bücher in einer digitalen Welt eigentlich sind, zu skizzieren. Vielleicht ließe sich auch dieser Twitter-Account als Buch bezeichnen, da dort ein längerer und in sich abgeschlossener Text veröffentlicht wird, der eben nur nicht auf Papier gedruckt, sondern in Form vieler Tweets erscheint:

In blasts of 130 characters or so (leaving room for hashtags and links), it will take approximately 3700 tweets to transmit the 480,000 characters in my novel.

Als Inspirationsquelle für (angehende) Autoren ist die ganze Aktion auf jeden Fall geeignet …

via: TechCrunch

Beispiel für schwer nachvollziehbare eBook-Preise

Vor ein paar Tagen habe ich hier im Blog über die aus meiner Sicht hohe Bedeutung der Kundenperspektive bei der Festlegung von eBook-Preisen geschrieben:

eBooks: Preis-Sünden werden bestraft

In dem Beitrag habe ich gezeigt, dass die Preise für eBooks bei Libri.de heute teilweise denen von pBooks gleichen. Falls der Kunde sich darüber nicht wundern sollte, so wundert er sich spätestens bei eBook-Preisen, die über denen von inhaltlich identischen pBooks liegen. Auf ein solches Beispiel hat mich heute Hugo E. Martin hingewiesen. Dort bietet Amazon im buchpreisbindungsfreien Raum ein pBook für $ 8.37 an, während das eBook $ 9.99 kostet. Derek Powazek dürfte nicht der einzige Buchleser sein, der darüber etwas erstaunt ist:

So lemme get this straight. It costs $8.37 for me to get a book made of paper, laboriously printed on dead trees, shipped across an ocean, put on trucks and planes and delivered to my door. But for me to download an endlessly copied digital file, it costs a $1.62 more. In what universe does this make sense?

 

Update:

Buchreport Online berichtet heute: „Kunden monieren zu hohe Preise“:

Auf die Frage nach den Hürden beim E-Vertrieb und Erfahrungen im Gespräch mit Kunden nennen die Buchhändler folgende Punkte:

Pricing: Bei libri.de sei deutlich zu spüren, dass Kunden den Hardcoverpreis für ein E-Book nicht zahlen wollten, sondern maximal einen um 20% reduzierten Preis (…)

FLEPia von Fujitsu: eBook-Reader mit Farbdisplay in Japan bald auf dem Markt

Am 20. April 2009 kommt in Japan ein eBook-Reader mit Farbdisplay auf den Markt. Er heißt FLEPia, wird von Fujitsu hergestellt und soll umgerechnet ca. 775 Euro kosten. Ein Starttermin für Europa ist noch nicht bekannt.

Der FLEPia misst 8 Zoll und soll 260.000 Farben in HD-Auflösung darstellen können. Er ist 12,5 Millimeter dick, wiegt 385 Gramm und bietet einen Touchscreen mit einer Auflösung von 768 x 1.024. Der Content kann via Bluetooth, WLAN oder SD-Speicherkarten geladen werden. Die eingesetzte hauseigene ePaper-Technologie von Fujitsu erlaubt 2400-faches Umblättern, ehe der Akku leer ist.

Wenn ich mir das Video unten anschaue, sieht das noch sehr nach einem Produkt für Geeks aus. Für die alltägliche Benutzung scheinen es mindestens die Ladezeiten ungeeignet zu machen. Diese lassen sich zwar reduzieren, indem man die Farbtiefe mindert, doch die ist ja der eigentliche USP des Geräts. Allerdings haben Geek-Geräte auf dem japanischen Markt bekanntlich ganz gute Chancen.

Außerdem steht der FLEPia ja nicht nur für sich, sondern für einen größeren Trend. Von daher finde ich es prima, dass wir nun in Sachen eBook-Reader schon im Farbzeitalter angekommen sind:

via: Die Presse, Buchreport