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Interview: Emily Bold über ihre Vermarktungs-Erfahrungen als Self-Publishing-Autorin

Wer sind Sie und was machen Sie?

Mein Name ist Emily Bold. Ich schreibe seit 2008 historische Liebesromane und Jugendbücher. Im Mai 2011 habe ich mit „Gefährliche Intrigen“ meinen Debüt-Roman über Amazons Kindle Direct Publishing (KDP) veröffentlicht und damit einen der Kindle-Bestseller 2011 gelandet. Mittlerweile habe ich 3 weitere Bücher sowie einen englischsprachigen Titel publiziert. Meine Bücher sind in fast allen großen Buchhandelsshops als eBooks erhältlich und seit Anfang Juni dank Amazons Create-Space-Programm nun auch als Taschenbücher.

Lässt sich Ihr Erfolg in Zahlen ausdrücken?

  • 4 Romane in 1 Jahr veröffentlicht, über 300.000 Worte pure Leidenschaft ;)
  • 1 Übersetzung ins Englische
  • Insgesamt 25.000 verkaufte eBooks
  • Mehrere hundert Taschenbuchverkäufe in der kurzen Zeit, die diese nun erhältlich sind.

Mein größter Erfolg ist aber JEDER EINZELNE LESER, der sich von meinen Geschichten gut unterhalten fühlt und dem ich mit meinen Protagonisten Logan und Emma, Payton und Sam, Drew und Julia oder Adam und Josie einige romantische Stunden bescheren darf.

Stichwort Vermarktung: Wo sehen Sie die wichtigen Ursachen für Ihren Erfolg?

Als Amazon mit KDP startete, war ich fast von Anfang an dabei. Dabei konnte ich viel lernen. Als Indie-Autor hat man alle Fäden in der Hand, und tatsächlich mache ich alles selbst. Das beginnt beim Cover über Formatierung bis hin zur Konvertierung meiner Bücher in die entsprechenden Formate. Das schafft Glaubwürdigkeit. Außerdem pflege ich sehr engen Kontakt zu meinen Lesern und nehme mir Lob, aber natürlich auch Kritik sehr zu Herzen. Daran kann man wachsen und sich weiterentwickeln.

Welche konkreten Vermarktungsmaßnahmen waren besonders erfolgreich und warum?

Hierauf eine Antwort zu geben ist schwierig, denn der Buchmarkt reagiert nicht immer so, wie man es erwarten würde. Einen tollen Schub habe ich nach einem TV-Beitrag von RTL 2 über mich und die Frankfurter Buchmesse bekommen, auch Zeitungsartikel sind natürlich positiv für die eigene PR. Allerdings sind dies Dinge, die man selbst kaum steuern kann. Absolut wichtig sind für mich die Social-Media-Kanäle, allen voran Facebook, gefolgt von Twitter und Google +. Besonders auf Facebook herrscht reger Austausch mit meinen Lesern, die ich auch immer wieder durch kleine Gewinnspiele oder Anderes zu „belohnen“ versuche – ich denke, dies bindet langfristig und scheint mir am geeignetsten, sich erfolgreich zu vermarkten.

Welche konkrete Vermarktungsmaßnahme hat wider Erwarten gefloppt und warum?

KDP Select war für mich nicht so erfolgreich, wie ich gehofft hatte. Ich habe dieses Angebot von Amazon für meine englische Übersetzung „The Curse-Touch of eternity“ wahrgenommen und hatte mir davon auf dem US-Markt mehr erwartet, allerdings ist es dort aufgrund der schieren Masse an Büchern extrem schwierig, vom Leser überhaupt wahrgenommen zu werden.

Was machen Sie selbst und was erledigen andere für Sie?

Im Prinzip mache ich alles selbst. Covergestaltung, Formatierung, Konvertierung in die verschiedenen Endformate bis hin zur Vermarktung. Nur das Lektorat für meine Bücher übernimmt ein externer Dienstleister. Auch die englische Übersetzung von „The Curse-Touch of eternity“ hat eine professionelle Übersetzerin übernommen. Außerdem habe ich einen Distributionspartner für die meisten großen Buchshops wie Buch.de, Thalia, Weltbild usw.

Was würde Ihnen bei der Vermarktung noch helfen, d.h., was ist ein typisches Problem?

Teilweise wird es einem als Selbstverleger nicht gerade leicht gemacht. Es gibt z. B. eine große deutsche Buchcommunity, die einen nur als Autor akzeptiert, wenn man für einen Verlag schreibt – ein wenig antiquiert, wie ich finde. Ein typisches Problem ist für mich sicherlich Zeitmangel. Als Mutter zweier Kinder kommen die natürlich zuerst, erst dann meine schriftstellerische Arbeit sowie deren Vermarktung. Ein weiterer Punkt ist die Distribution in andere Buchshops, die man als Autor nicht direkt beliefern kann. Hier gibt es eine mittlerweile sehr große Auswahl an Dienstleistern, unter denen es auszuwählen gilt. Dass jeder andere Konditionen anbietet und natürlich auch dass die Preise für die Distributionsleitsungen nur schwer vergleichbar sind, macht die Sache nicht gerade leichter. Sorgfältig zu vergleichen ist unabdingbar.

Welchen Vermarktungsansatz würden Sie wählen, wenn Sie heute neu starten würden?

Ich würde früher beginnen, mich Autor zu nennen. Denn erst, als ich mir dies zugestand, erkannte ich den Weg, den ich gehen wollte. Und damit konnte ich mich dann auch als Emily Bold darstellen. Mich nicht so lange hinter dem Roman verstecken, sondern gleich durchstarten.

Welcher andere Kreative – den vielleicht noch nicht jeder kennt – fällt Ihnen ein, der in der Vermarktung Vorbildhaftes leistet?

Da fällt mir sofort Tom Schopper ein, der mit seinem Runa-Epos neue / besondere Wege in der Buch-Vermarktung geht. Tom ist wirklich toll und jemand, mit dem ich hoffentlich mal irgendwann einen Milchkaffee in Wien trinken werde ;)

Wo finden wir Sie im Internet?

http://emilybold.de
http://facebook.com/emilybold.de
http://www.youtube.com/user/EmilyBoldTV
http://twitter.com/emily_bold

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Emily Bold

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Geschäftsmodelle vom Ergebnis her denken: Publikums-Verlage als Erlebnis-Agenturen

Viele Geschäftsmodelle, die ich interessant finde, sind vom Ergebnis her gedacht. Siri versteht sich nicht als Suchmaschine, bei der die Recherchelast bei mir als Nutzer liegt, sondern als „do engine„, die über APIs gesteuert mein Problem direkt löst. Ich sage einfach, dass ich ein gutes Restaurant für 3 Personen an Ort x zur Zeit y suche und Siri erledigt die Sache. Auch Apps wie MyTaxi funktionieren so ähnlich. Gewissermaßen als „do engines“ fungieren auch zunehmend Fachverlage wie Haufe und andere, die sich mittlerweile weniger als Verlage denn als Problemlöser verstehen, die Softwarehäusern gleichen. Auf welchem Wege und mit welchen Mitteln das Problem des Kundens gelöst wird, ist dabei absolut zweitrangig.

Was aber ist mit Publikumsverlagen, die weniger Nutzwertiges verlegen? Bei ihren Kunden, den Buchkäufern, gibt es meist kein so leicht sachlich abgrenzbares Problem, das zu lösen wäre. Doch geht es hier wirklich um das Buch ansich? Ich glaube nicht. Im Endeffekt erzeugen gute Bücher bei der Lektüre besondere Erlebnisse, welche die Kundenerfahrung prägen. Genau diesen Ansatz kann man ebenfalls vom Ergebnis her denken. Daher muss ich in diesem Zusammenhang immer wieder an einen Film denken, den ich vor ca. 10 Jahren gesehen habe: „The Game“ mit Michael Douglas in der Hauptrolle. Dort gibt es ein Unternehmen, welches seinen Kunden anbietet, Personen in Spiele zu verwickeln, bei denen die Grenzen zwischen der Spiele- und der normalen Alltagswelt verschwimmen, wodurch sie umso stärker wirkende Erlebnisse erzeugen:

(…) ein geheimnisvolles Geschenk: ein Spiel, das von der Firma Consumer Recreation Services (CRS) angeboten wird und sein Leben verändern soll. (…) Auf der anschließenden Geburtstagsparty von Nicholas stellt sich heraus, dass die gefährlichen Abenteuer von CRS bis ins kleinste Detail geplant waren. Auch die Waffe, mit der Nicholas auf seinen Bruder geschossen hatte, war manipuliert. Sein Vermögen ist nach wie vor unangetastet – das schreckliche Geschehen war tatsächlich nur ein Spiel.

Das wäre sicher ein interessantes und attraktives Modell für etliche Publikumsverlage. Wenn man ein Geschäftsmodell von dieser Warte aus entwickelt, wird auch sofort deutlich, dass es nicht um bestimmte Medienarten wie Bücher geht, sondern um alles, was im konkreten Fall notwendig ist, um ein angestrebtes Erlebnis zu erzeugen.

Belletristik-Verlage wie Hoffmann und Campe setzen ja schon heute auf Spiel-Effekte, bisher aber primär, um gedruckte Bücher zu bewerben, die nach wie vor die wichtigste Erlösquelle sind. So hat die Agentur vm-people vor kurzem im Auftrag des Verlages ein ARG (Alternate Reality Game) names „Unberührbar“ entwickelt, mit dem ein weitgehend unbekannter Titel ins Gespräch gebracht werden sollte:

Bei einem ARG haben die Teilnehmer die Möglichkeit, mit Haut und Haaren in eine Geschichte einzutauchen und die Figuren aus einem Buch live zu erleben. (…) Anders als bei konventioneller Ankündigungswerbung über Printanzeigen und Plakate, sollte „Cagot“ über die Verbreitungswege von Social Media den Weg zum Leser finden. Frei nach dem Motto: eine Geschichte mit einer Geschichte vermarkten!

Ich könnte mir vorstellen, dass das Geschäftsmodell des heutigen Verlagsdienstleisters vm-people zukunftsträchtiger ist als das vieler Verlage selbst, deren Produkte heute auf diesem Wege noch beworben werden.

Neu ist das ja alles nicht. Vor gut einem Jahr wurde bspw. im Filmbereich auf sehr interessante Weise versucht, den Kinobesucher direkt in die Geschichte einzubeziehen und dadurch dessen Erlebnis zu intensivieren:

(Video, 3 min.)

Der Gedanke wurde auch hier weiterentwickelt, um Kinoerlebnisse als Real-Life-Spiel auf die Straße – ins „Outernet“ – zu transportieren:

(Video, 1:20 min.)

Ich meine auch, dass ich irgendwann mal etwas von einer Agentur gelesen hätte, bei der man für andere Leute Erlebnisse im Alltag buchen konnte – in verschiedenen Extremheitsgraden. Kennt da jemand einen Anbieter? Wer kennt andere interessante Beispiele für Real-Life-Games?

UPDATE – interessante Plattformen:

needaproblem.com (via Kerstin Hoffmann)
Gidsy (via Joerg Leupold)

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