Schlagwort: erfolg

Verbessert „Fifty Shades of Grey“ den Ruf von Fan-Fiction?

Fifty Shades of Grey“ ist nicht nur unfassbar erfolgreich, sondern auch Fan-Fiction (von „Twilight“), die ja zumindest in professionellen Kreisen nicht den besten Ruf hat. Ich bin gespannt, ob sich die Wahrnehmung nun zumindest ein Stück weit ändern wird. Zu wünschen ist es, denn Fan-Fiction ist für alle Beteiligten eine große Chance …

Zum Fan-Fiction-Zusammenhang bei Fifty „Shades of Grey“:

(Video, 5 min. – Achtung, am Ende kommt Werbung.)

via: pbsarts.tumblr.com

Ein paar „Regeln“ von Chuck D für wirtschaftlichen Erfolg als Musiker

Chuck D von Public Enemy gibt via Twitter ein paar kurze Hinweise bzw. „Regeln“ für wirtschaftlichen Erfolg als Musiker, die einige simple, aber übergreifend wichtige Punkte recht genau treffen:

via: Boing Boing

Self-Publishing-Erfolge werden kleingeredet – oft ohne sie in Relation zum Status quo des Buchmarkts zu setzen

Die Diskussionen rund um das so genannte Self-Publishing, das als Begriff mindestens so unglücklich ist wie der Begriff Social Media, findet oft im luftleeren Raum statt. Sprich: Es werden Daten rund um das Self-Publishing gewertet, ohne sie zum Status quo des klassischen Buchmarkts direkt in Relation zu setzen. Dabei ist dieser, also die heutige wirtschaftliche Situation vieler Autoren, nicht allzu berauschend.

In dieser Präsentation habe ich mal ein paar Infos dazu festgehalten:







Wir sehen also: Sogar das Jahreseinkommen professioneller Autoren ist im bestehenden System recht gering. Wir reden hier über Durchschnittsbeträge von weit unter 20.000 Euro, das häufig sogar Erfolgsautoren nicht allzu weit überschreiten. Hinzu kommt, dass nicht nur der Durchschnittswert gering ist, sondern dass wir auch eine starke Ungleichverteilung der Einkommen selbst unter professionellen Autoren vorfinden, welche einer Long-Tail-Verteilung ähnelt. Die Erfolgreichsten greifen den größten Teil des Kuchens ab. Dieser Status-quo-Befund ist aus meiner Sicht der relevante Vergleichsmaßstab, an dem sich neue Modelle messen lassen müssen.

Dann aber lese ich Beiträge über Untersuchungen wie die von Taleist.com, bei der ca. 1.000 Self-Publisher zu ihren Erfolgen befragt wurden. Die Untersuchung selbst habe ich nicht gelesen. Die oft zu findenden impliziten Negativ-Wertungen in Beiträgen über solche Untersuchungen finde ich aber unglücklich, denn sie prägen ein negatives Bild.

Buchreport.de schreibt – die Fettmarkierung stammt von mir:

  • (…) einer Befragung von rund 1000 Self-Publishing-Autoren durch den australischen Autoren-Dienstleister Taleist, nach der nur rund 10% der Autoren von ihren Schreib-Einkünften leben können.

The Bookseller schreibt – die Fettmarkierung stammt von mir:

  • On average, the respondents earned just over US $10,000 from their self-published books in the year.
  • In fact, half the respondents failed to reach $500 in royalties in 2011 (…)
  • (…) a small group of self-publishing authors were earning about 75% of the reported revenue.

(Ganz am Ende nennt The Bookseller immerhin noch kurz das UK-Durschnittseinkommen.)

Jetzt kenne ich die genaue Zusammensetzung der Befragten nicht, was die Bewertung schwierig macht. Wenn man aber bedenkt, dass jeder von uns sofort zum Self-Publisher werden und an so einer Befragung teilnehmen kann, finde ich einen 10% -Anteil derer, die davon leben können, nicht enttäuschend, sondern sogar sehr beachtlich. Vor allem auf einem so neuen Feld. Wenn man ferner bedenkt, dass selbst professionelle Autoren in einem Buch-Land wie Deutschland nur ca. 17.000 Euro im Jahr verdienen, finde ich ein durschnittliches Jahreseinkommen der Self-Publisher von 10.000 Dollar positiv unterstreichenswert. Auch die Ungleichverteilung ist wenig überraschend, da sie im klassischen Buchmarkt in fast ebenso starker Ausprägung vorliegt, wie oben zu sehen ist.

Insgesamt finde ich es schade, dass solche negativen Wertungen in der Wahrnehmung der Autoren die Chancen schmälern, welche im Bereich Self-Publishing liegen – gerade auch für Verlagsautoren, wie ich in der Präsentation gezeigt habe. Meinem Eindruck nach wissen zudem viele nachstrebende Autoren gar nicht, wie vergleichsweise wenig attraktiv der Autoren-Job im Status quo des klassischen Buchmarkts ist und denken dann beim Lesen der Self-Publishing-Zahlen samt Negativ-Betonung, dass dieser Bereich völlig aus dem Rahmen falle. Dem ist aber nicht so.

Über Amanda Palmers Crowdfunding-Erfolg

Über Amanda Palmers Crowdfunding-Erfolg wurde in letzter Zeit viel geschrieben. Interessant finde ich diesen aktuellen Beitrag bei The Economist, der ein paar aus meiner Sicht wichtige Punkte unterstreicht. Gleich zu Beginn:

Amanda Palmer learned everything she needed to know to raise nearly $1.2m for her latest album as a street performer. Ms Palmer says that six years of busking, often as a living statue called „The Eight-Foot Bride“, led her to realise that people willing to toss money in a hat do so according to their means and interest rather than in response to a specific reward.

Das ist sehr treffend. Mir stößt bei Artikeln über das Crowdfunding oft auf, dass dort die Bedeutung der Belohnungs-Gimmicks häufig überbetont wird. Natürlich ist es nett, eine signierte CD o.ä. als besondere Gabe zu erhalten. Wichtiger aber ist, dass das Crowdfunding-Projekt so aufgesetzt ist, dass es die Kerninteressen der Unterstützer berührt, was oben ja explizit erwähnt wird. Denn freiwillig Geld zu geben, mag zunächst merkwürdig erscheinen, folgt aber sehr rationalen Gedanken. Letztlich funktioniert auch Crowdfunding nach den Gesetzen der Marktwirtschaft, in der wir für knappe Dinge Geld bezahlen, was ich schon 2010 in diesem Vortrag versucht habe zu betonen:

Die Menschen wollen primär etwas ermöglicht und verwirklicht sehen, was es sonst nicht gäbe, und sich das zueigen machen (können). Das ist das knappe Gut, für das sie in den meisten Fällen Geld geben. Der Rest ist nett, aber doch eher Beiwerk. Es muss auch immer ein klarer Sachzusammenhang gegeben sein, weshalb Crowdfunding kein Modell zum Reichwerden, sondern zur Realisierung des Notwendigen ist. Nicht umsonst wurde auch bei Amanda Palmer die Höhe der erbetenen Summe hinterfragt. Bei Verlagen, wo ein funktionierendes Geschäftsmodell existiert, ist ein Scheitern solcher Modelle daher auch nachvollziehbar.

Der Economist-Artikel zeigt aber auch auf, wie aufwändig es ist, den richtigen Ansatz zu finden und dass Crowdfunding keine schnelle Erlösquelle ist:

Her effort (…) took years to plan. She experimented with self-releasing three boutique efforts first, and then she and her husband, the genre-bending novelist and comics writer Neil Gaiman with 1.7m Twitter followers, floated a more modest Kickstarter outing last October. Ms Palmer then met with Kickstarter to dissect that project and learn from the most successful efforts (like an electronic-paper watch, the Pebble, which passed $10m).

Es wird auch etwas über ihre Motivation gesagt:

Ms Palmer is the latest musician to turn to devotees directly, disintermediating media gatekeepers. Ms Palmer and Brian Viglione started their group, The Dresden Dolls, a Weimar-styled „punk cabaret“ act, in 2000 and signed with a subsidiary of Warner Music Group in 2004. Yet despite releasing a successful album and several singles, Ms Palmer felt constrained. When she approached her label with new ideas, drawing from a background in performance and art, they were slapped down. „I used to be punished for my enthusiasm,“ she recalls.

Typisch weibliche Eigenschaften sind wirtschaftliche Erfolgsfaktoren in unserer Netzwerk-Welt

John Hagel fasst die Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft immer sehr erhellend zusammen. Ich hatte Anfang 2010 hier mal auf ein interessantes Interview verwiesen. Nun hat Jochen Krisch einen TEDx-Vortrag von ihm gefunden, der seine Zeit wieder absolut wert ist (s.u.):

Im Prinzip spricht er darüber, welche Eigenschaften es für den wirtschaftlichen Erfolg in einer von Netzwerken geprägten Welt braucht, in der frei fließende Informationen und nicht Informationssilos entscheidend sind und in der es gilt, das implizite Wissen aus den Köpfen der Menschen zu locken. Zu Ersterem passt das überall im Internet zu beobachtende Abo-Prinzip und zu Letzterem die Beobachtung, dass überall (informelle) Treff- und Austauschpunkte wie unser Frankfurter Publishing-Stammtisch entstehen. Hagel sagt, es brauche hier v.a. eher weibliche Eigenschaften, Kommunikation, Vertrauensbildung und das Zulassen von Angreifbarkeit und Verletzlichkeit. Es braucht weniger eine typisch männliche Attitüde des „jeder gegen jeden“, der Vorteilssuche auf Kosten anderer und der Abgrenzung. Ich denke auch, dass v.a. jene, die es auf diesem Wege schaffen, Verbindungen in unserer Netzwerk-Welt aufzubauen und zu unterhalten, langfristig Erfolg haben werden.

(Video, 13 min.)

Zur Person:
John Hagel is an author and former McKinsey consultant who specializes in the intersection of business strategy and information technology. In 2007, Hagel, along with John Seely Brown and Lang Davison, founded the Deloitte Center for Edge Innovation. Hagel is also involved with a number of other organizations, including the World Economic Forum, Innovation Exchange with John Seely Brown and Henry Chesbrough, the International Academy of Management, and the Aspen Institute.

Bildquelle: superde1uxe (CC-Lizenz, BY)

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