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3sat-Kulturzeit-Bericht: „Vom Schreiben kann niemand leben“

Dass Schriftsteller schlecht verdienen, ist keine Neuigkeit. Dass es ihnen jedoch im Zuge der Digitalisierung immer schlechter geht, ist alarmierend. Verlage investieren weniger, es gibt weniger Stipendien, weniger Lesungen finden statt, große Lesefestivals konzentrieren sich gerne auf die bekannten Bestseller-Autoren. Keine gute Zeit, um Schriftsteller zu werden, oder?

„Vom Schreiben kann niemand leben“ – Wie es ist, heutzutage Schriftsteller zu sein

Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig über ihre Tätigkeiten, ihre Einnahmequellen und ihre Einnahmen

Die freie Autorin und Journalistin Kathrin Passig gibt uns einen interessanten Einblick und nennt auch harte Zahlen – ihr Beitrag zur Debatte über Urheberrechte:

Kathrin Passig: Und dann ist da noch mein T-Shirt-Shop

Seit Anfang 2006 lebe ich überwiegend von klassischen Buchvorschüssen.
(…)
Ein weiteres Standbein ist mein T-Shirt-Shop zufallsshirt.de, ein selbstgebauter Motivgenerator, der bei jedem Reload ein neues T-Shirt mit Zufallsbild und Zufallsaufschrift erzeugt. Die Shirts haben im letzten Jahr ungefähr 3000 Euro eingebracht
(…)
Am Ende kommen dabei im Jahr ungefähr 20 000 bis 25 000 Euro vor Steuern heraus.

Jeff Jarvis über ungeeignete Geschäftsmodell-Ansätze

Jeff Jarvis hat hier u.a. sechs Geschäftsmodell-Ansätze benannt, die in allen Branchen denkbar ungeeignet sind:

  • Tradition is not a business model. The past is no longer a reliable guide to future success.
  • „Should“ is not a business model. You can say that people „should“ pay for your product but they will only if they find value in it.
  • Virtue is not a business model. Just because you do good does not mean you deserve to be paid for it.
  • Business models are not made of entitlements and emotions. They are made of hard economics. Money has no heart.
  • Begging is not a business model. It’s lazy to think that foundations and contributions can solve news‘ problems. There isn’t enough money there.
  • No one cares what you spent. Arguing that news costs a lot is irrelevant to the market.

via: Techdirt

Oft ist mangelnde Vorstellungskraft das Problem

Bei Sätzen, die so beginnen, bin ich immer misstrauisch:

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Nutzer bei kommerziellen Angeboten in großem Stil anfangen, freiwillig zu zahlen.“

Häufig liegt das Problem nämlich nicht in der Unmöglichkeit des Angesprochenen, sondern vielmehr in der mangelnden Vorstellungskraft des Betreffenden …

Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass Nutzer bei kommerziellen Angeboten in großem Stil anfangen, freiwillig zu zahlen. Ich glaube jedoch nicht, dass sie das tun werden, wenn ihnen austauschbare und fälschlicherweise als Qualitätsinhalte etikettierte Angebote gemacht werden. Zudem glaube ich nicht, dass die Nutzer freiwillig bereit sind, Medienunternehmen riesige Prachtbauten zu finanzieren, während andere Anbieter wie bspw. Sascha Pallenberg in der Summe in vielen Bereichen ebenso gut ein breites Qualitätsangebot schaffen können und dies zudem von kleinen Butzen oder von Co-Working-Plätzen aus tun.

Bildquelle: CAMPUS OF EXCELLENCE (Namensnennung 2.0 US-amerikanisch)

Verlage spielen “Wünsch Dir was” – Jedem seinen “fairen Anteil” an den Werbeerlösen von Facebook?

Wie beim Netzökonom nachzulesen ist, wollen die deutschen Verlage gerne an den Werbeumsätzen von Facebook beteiligt werden:

„Bei Facebook wollen wir über eine Monetarisierung und einen fairen Anteil an den Werbeumsätzen mit unseren Inhalten oder Anwendungen frühzeitig mitsprechen. Wir wollen den Fehler wie bei Google, nur auf Vorschläge des Unternehmens zu warten, nicht wiederholen“, sagte Christoph Schuh von Tomorrow Focus und Sprecher des Arbeitskreises Digitale Medien im VDZ.

Da sieht man wieder mal, warum so viele Presseverlage keine nachhaltigen Geschäftsmodelle entwickeln können. Ihnen fehlt einfach die Zeit. Man kann den Eindruck gewinnen, dass sie sämtliche Zeitfonds darauf verwenden zu überlegen, welche der neuen und erfolgreichen Marktakteure sie mit ihrer Anspruchshaltung konfrontieren und von wem sie mal wieder Geld bzw. einen “fairen Anteil” fordern könnten.

Ich wünsche den Verlagen jedenfalls Erfolg. Sicherlich werden sie sich dann ja auch für uns alle einsetzen, die wir jeden Tag freiwillig und zum eigenen Reichweitenvorteil Inhalte auf Facebook einstellen. Zudem: Ohne Focus & Co. wäre Facebook doch sofort am Ende – aber sowas von …

Nina Paley über ihre Sicht auf das Urheberrecht

In The Revolution Will Be Animated, documentary filmmaker Marine Lormant Sebag presents multiple viewpoints on copyright in the digital age. The film’s main character is Nina Paley, an American animator who produced a feature film called Sita Sings the Blues. Nina encountered many copyright issues with the songs she used, from 1920s´ singer Annette Hanshaw. These experiences made her realize that she didn’t want the same thing to happen to her film. She finally used a Creative Commons Share Alike license in order to free her work and present it to the world.

Video (16 min.):

via: QuestionCopyright.org

Es geht nicht um Paid vs. Free Content – Irgendeiner muss immer zahlen

Häufig wird diskutiert, ob man Inhalte kostenlos abgeben sollte oder nicht. Selbst moralische Argumente werden bisweilen bemüht. Man dürfe doch nicht und man müsse doch … Clay Shirky dazu: “You’re gonna miss us when we’re gone!” has never been much of a business model.

Innovative Vermarktungsansätze von Personen wie Cory Doctorow werden oft selbst dann kleingeredet, wenn sie funktionieren. Letztlich geht es aber gar nicht um die Frage, ob Paid Content oder ob Free Content das Richtige ist. Es geht um funktionierende Geschäftsmodelle. Denn einer muss am Ende immer zahlen, wie Shelly Palmer treffend feststellt:

Free vs. Paid: The Wrong Debate

There are only three business models: I pay, you pay or someone else pays. That’s it. I pay means that I (the publisher of the content) am willing to fund the creation, production and distribution of the content for my own purposes. You pay means that you are willing to pay me for my content. Someone else pays means that a third party is willing to pay me so that you can consume my content. Some of my KPMG friends have pointed out that, from the content producer/publisher’s point of view, there are really only two models: I pay or I get paid. I like to include the idea of third-party involvement, because it is so common to the media business.

Die Frage ist, was unter dem Strich herauskommt, egal auf welche (indirekte) Art für den Inhalt bezahlt worden ist:

Can you frame this conversation as free vs. paid? No. Not if you are trying to get someone to pay you cash directly for something that is ubiquitously available for free. Free vs. Paid is not the great debate, it’s a no-brainer — free wins! Valueless vs Valuable, Scarce vs Ubiquitous, Demanding of attention vs Commanding of attention are the debates and the winners will be the individuals and organizations that can most effectively translate the value of content into wealth.

via: Techdirt
Bildquelle: Simon Blackley (CC-Lizenz)

„Nine Inch Nails“ verschenken Musik und verdienen dennoch Millionen damit

Vor ein paar Tagen hatte ich einen Artikel von Mike Masnick aus dem Jahr 2007 zitiert, in dem er sich Gedanken darüber macht, wie künftig basierend auf Inhalten Geld verdient werden könnte. Sein Vorschlag:

  1. Redefine the market based on the benefits
  2. Break the benefits down into scarce and infinite components.
  3. Set the infinite components free, syndicate them, make them easy to get — all to increase the value of the scarce components
  4. Charge for the scarce components that are tied to infinite components

Das passt nicht nur gut zu den Gedanken, die ich mir vor einiger Zeit zu ähnlichen Fragen in der Buchbranche gemacht hatte. Es ähnelt auch dem Ansatz, welchen Gerd Leonhard im Jahr 2008 als Weg zum Erfolg für Inhalte-Ersteller im Internet vorgeschlagen hatte:

Creator

Exposure

Discovery

Pull/Community

Revenues

Nun bin ich auf ein Video gestoßen (s.u.), in dem besagter Mike Masnick den Erfolg der Band Nine Inch Nails und ihres Frontmanns Trent Reznor beleuchtet. Warum sind die Nine Inch Nails eine Erörterung wert? Wikipedia weiß Genaueres:

Am 16. Februar 2008 veröffentlichte Trent Reznor auf seiner Website einen Nachrichtenartikel mit der Überschrift „2 Weeks“ („2 Wochen“). Zwei Wochen später schließlich, am 2. März 2008, wurde überraschend ein komplett neues Studio-Doppelalbum mit dem Titel Ghosts I–IV, welches insgesamt 36 Stücke beinhaltet, unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht.

Trotz der Creative-Commons-Lizenzierung des Albums und der dadurch legal möglichen kostenlosen Weiterverbreitung der Musik u.a. über Tauschbörsen durch die Fans entwickelte sich „Ghosts I-IV“ zum meistverkauften MP3-Album des Jahres 2008 bei Amazon:

Bestselling Albums of 2008

    1. Ghosts I-IV by Nine Inch Nails
    2. Viva La Vida by Coldplay
    3. Narrow Stairs by Death Cab For Cutie
    4. Juno – Music From The… by Various Artists
    5. 3 Doors Down by 3 Doors Down
    6. Vampire Weekend by Vampire Weekend
    7. Sleep Through The Static by Jack Johnson
    8. A Hundred Million Suns by Snow Patrol
    9. Modern Guilt by Beck
    10. Perfect Symmetry by Keane

Der Trick war, dass die Nine Inch Nails eben nicht nur Content verschenkt haben oder das Verschenken ermöglichten, sondern darüber hinaus interessante Optionen mit einem Mehrwert anboten:

Man hat die Wahl zwischen einer kostenfreien Download-Version, welche nur die ersten 9 Stücke beinhaltet, und des kompletten Albums, wahlweise im MP3-, FLAC- oder Apple Lossless-Format. Zusätzlich hat man die Möglichkeit, physische Datenträger zu erwerben. Zur Auswahl stehen eine normale Audio-CD-Box, die „Deluxe Edition“ mit einer Blu-Ray Disc sowie einer DVD, welche die Titel als Multitrack-Dateien beinhaltet, und die „Ultra Deluxe Limited Edition“ – begrenzt auf 2500 Stück insgesamt und ein Stück pro Person – welche zusätzlich ein Artbook, persönlich unterschrieben von Trent Reznor, vier 180-Gramm Vinyls und zwei hochwertige Giclée-Drucke enthält und bereits innerhalb eines Tages ausverkauft war.

In der Summe hat es sich für die Band sehr gelohnt, indem sie in kürzester Zeit Millionen mit Musik verdiente, die immer auch kostenlos zur Verfügung stand. Konkrete Zahlen:

According to the band, 800,000 transactions generated $1.6 million in sales revenue in the first week of the album’s availability, despite the fact that the 36-song version of the album is widely available on torrent sites.

In dem Video bringt Masnick das Geschäftsmodell der Nine Inch Nails auf den Punkt und formuliert eine Erfolgsformel, die übergeordnete Bedeutung hat:

CwF + RtB = $$$
Connect with Fans + Reason to Buy = The Business Model

Das Video (10 min.)


via: Gerd Leonhard

 

Darüber hinaus hat sich Chris Brogan vor einiger Zeit Gedanken zu den Aktivitäten der Nine Inch Nails gemacht:
What Nine Inch Nails Knows About Tribes

Trent Reznor and Nine Inch Nails have it figured out. Empower fan-to-fan interaction. They’ve had that with their message boards, with their nin.com mail service, with all their other actions over the last years.