Schlagwort: film

Autoren und Regisseure von Dokumentarfilmen werden miserabel bezahlt

Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) hat untersucht, was Dokumentarfilmer verdienen und das ist nicht allzu viel:

Mit ernüchterndem Ergebnis: das durchschnittliche Netto-Einkommen von Dokumentarfilmregisseuren liegt bei 1380 Euro im Monat – rund 18 Prozent der Befragten bleiben sogar unter 636 Euro. Lediglich 15 Prozent gaben an, dass sie allein von ihrer Autorentätigkeit und der Regiearbeit leben können – der weitaus größere Teil -nämlich 85 Prozent- müssen in teilweise berufsfremden Jobs Geld hinzuverdienen oder sie werden von ihren Angehörigen finanziell unterstützt.

Das ist schon herb:

Unter Einbeziehung der besonders arbeitsintensiven „programmfüllenden“ 90-Minuten-Filme ergibt sich dabei im Durchschnitt aller untersuchten Projekte eine Tagesgage von 99 Euro – oder, unter Berücksichtigung der branchenüblichen Arbeitszeit, ein Stundensatz von 9,91 Euro – brutto!

Damit sprechen wir über ähnliche Größenordnungen wie allgemein bei Autoren.

Die komplette Untersuchung kann man hier nachlesen (PDF).

via: irights.info

Francis Ford Coppola freute sich schon 1991 über die Demokratisierung der Medienwelt

Die kleinen fetten Mädchen aus Ohio werden bei den allgemeinen Diskussionen oft vergessen. Was wir nicht sehen, können wir auch nicht als Verlust empfinden. Aber ist es nicht toll, dass jetzt jeder solche Chancen hat? Natürlich wird nicht jeder ein Mozart. Aber wenn es nur 1 oder 2 schaffen, dann wäre das schon Gewinn genug … Und wer weiß, wie viele Mozarts in der Vergangenheit durch die ungünstigen Umstände verhindert wurden.

(Video, 30 Sekunden)

Francis Ford Coppola weiter:

This idea of Metallica or some rock n’ roll singer being rich, that’s not necessarily going to happen anymore. Because, as we enter into a new age, maybe art will be free. Maybe the students are right. They should be able to download music and movies. I’m going to be shot for saying this. But who said art has to cost money? And therefore, who says artists have to make money?

In the old days, 200 years ago, if you were a composer, the only way you could make money was to travel with the orchestra and be the conductor, because then you’d be paid as a musician. There was no recording. There were no record royalties. So I would say, “Try to disconnect the idea of cinema with the idea of making a living and money.” Because there are ways around it.

via: Dirk von Gehlen, neunetz.com

Ein Schaufenster als lebendige Werbung für einen Pandemie-Kinofilm

Wie macht man eindrücklich Werbung für einen Film wie Steven Soderberghs Contagion über den weltweiten Ausbruch einer Seuche, der bald auch in die deutschen Kinos kommt …?

(Video, 2:30 min.)

… am besten, indem man die Bedrohlichkeit lebendig vor Augen führt:

Building on its reputation for always being ahead of the curve, Warner Bros. Pictures Canada created a unique outdoor installation merging science and advertising that is guaranteed to leave movie lovers, science buffs and art enthusiasts in ‚awe‘ or ‚eww‘.

In support of Academy Award ® winner Steven Soderbergh’s latest film „Contagion“ — in theatres September 9th, Warner Bros. Pictures Canada teamed up with microbiologists and immunologists from around the world to create a one-of-a-kind bacteria message board located at 409 Queen Street West in an abandoned store-front window. On August 28th, two large Petri dishes were inoculated with live bacteria including penicillin, mold and pigmented bacteria and almost overnight have revealed the true Contagion — an artistic interpretation of the spread of a virus as depicted in the film.

(Video, 1:30 min.)

via filmpromo.de

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Der Medienwandel als Blütezeit der hinkenden Vergleiche

Vergleiche hinken bekanntlich immer. Manche liegen aber schon förmlich am Boden – oder man selbst nach der Lektüre … ;)

Besonders hübsch finde ich den von Ralf Frenzel, Verleger des Tre Torri Verlages, der mir in der Oktober-Ausgabe des buchreport.magazin über den Weg gelaufen ist:

Ohne die Gewürze Bits und Bytes geht es also nicht …
Ja, aber das gedruckte Buch wird immer die Herleitung sein. Es gab in den 70er-Jahren die Schlagzeile „Das Kino ist tot, es lebe das Video“. Wo ist denn heute das Video und wo ist die DVD? Das Kino ist immer noch das wichtigste Medium, um einen großen Film wirklich in den Markt zu heben. Dass die Verwertungsstufen schneller aufeinander folgen, ist eine andere Frage.

Da passt aus meiner Sicht einiges nicht zusammen: Die Zeit seit den 1970ern ist nur bedingt vergleichbar mit der durch das Internet dominierten Zeit. Ich glaube auch nicht, dass das E-Book zum papiernen Buch im gleichen Verhältnis steht, wie die DVD zum Kino. Da gibt es ganz grundlegende technische Unterschiede. Ich glaube weiterhin nicht, dass das gedruckte Buch immer die Herleitung für digitale Bücher sein wird, sondern eher anders herum. Das besonders Erfolgreiche wird auch künftig zu Papier gebracht werden. Dafür muss es sich aber im digitalen Raum bewährt und eine Nachfrage aufgezeigt haben. Außerdem bleibt noch die Frage, wie groß dieser Markt für Gedrucktes sein wird im Vergleich zu heute. Nur dass einer existieren wird, heißt ja noch nicht, dass sich alle heutigen Akteure auch zukünftig dort werden betätigen können.

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Jerry Bruckheimer über die Bedeutung neuer Technologien für das Filmgeschäft

Bei Spiegel Online ist heute ein lesenswertes Interview mit dem US-Filmproduzent Jerry Bruckheimer erschienen, in dem er über die Entwicklung des Filmgeschäfts aus der Hollywood-Perspektive spricht. Interessant ist u.a. seine Sicht auf die Rolle neuer Technologien und den Umgang mit ihnen. Auch er spricht über Chancen durch das Anbieten von Mehrwerten bzw. Nicht-Kopierbarem:

SPIEGEL ONLINE: Mr. Bruckheimer, in seiner hundertjährigen Geschichte hatte Hollywood einige schwere Krisen zu überstehen und sah sich ständig mit neuen Konkurrenten wie dem Fernsehen oder dem Internet konfrontiert. Warum hat Hollywood dennoch immer mehr an Einfluss und Macht gewonnen?

Bruckheimer: Weil es seine Konkurrenten zu Geschäftspartnern gemacht hat. Das Fernsehen war in den fünfziger Jahren eine große Bedrohung für die Filmindustrie und nahm den Kinos Zuschauer weg. Heute erzielt Hollywood viele Milliarden mit dem Verkauf seiner Ausstrahlungsrechte an TV-Sender. Auch die Einführung der VHS-Kassette hat die Einnahmen nicht vermindert, wie anfangs befürchtet, sondern gewaltig erhöht. Hollywood hat sich immer wieder neue Einnahmequellen erschlossen, jetzt das Internet.

SPIEGEL ONLINE: Das Internet schwächt Hollywood nicht? Was ist mit den illegalen Downloads?

Bruckheimer: Ja, die sind ein Problem. Aber die legalen Downloads nehmen immer mehr zu. Bald wird jeder Mensch, der einen Computer hat, jeden Film, der je gedreht wurde, jederzeit sehen können. Momentan ist das noch mühselig, weil es so viel Zeit kostet, die Filme herunterzuladen. Aber das wird sich bald ändern.

SPIEGEL ONLINE: Ist das denn gut fürs Geschäft? Warum sollten die Menschen noch ins Kino gehen?

Bruckheimer: Weil es ein Ereignis ist. Vergessen Sie nicht, dass es viele Menschen gibt, die zwar gerne Filme gucken, aber nicht gerne ins Kino gehen. Die werden zu Hause auf der Couch zu Clint-Eastwood-Fans und raffen sich dann eines Tages vielleicht sogar auf, um ihn auf der großen Leinwand zu sehen.

(…)

Auch Film-Filesharer sind potenziell attraktive Kunden

Vor ein paar Tagen hatte ich auf eine norwegische Studie hingewiesen, die nahelegt, dass Musik-Filesharer auch oder gerade attraktive Kunden sein können. Nun bin ich bei der Los Angeles Times auf einen Beitrag gestoßen, der diesen Schluss auch für den Filmbereich nahelegt:

BitTorrent users spend money, too

Vuze — the company that’s trying to sell licensed, high-def videos to users of the BitTorrent file-sharing software — has spent much of the past two years trying to persuade Hollywood that its users are customers, not thieves. So far, however, the major studios have entrusted little to Vuze beyond movie trailers and other promotional videos. Now Vuze is trying to prod Hollywood with some eye-opening data about its clientele’s buying habits and purchasing power: in addition to being copyright infringers, they spend a lot of money on movies and movie-watching gear. Said Vuze CEO Gilles BianRosa, „Those users are actually Hollywood’s best customers.“

Yes, that’s a self-serving comment. But BianRosa’s assertion is supported by a survey by media consulting firm Frank N. Magid Associates of about 1,300 Internet users between the ages of 18 and 44, nearly 700 of whom use Vuze … (weiterlesen lohnt sich)

Die Befragung:

Introducing Hollywood’s Best Customers – Vuze User vs. General Internet: Comparative Data (PDF, 300 KB)

Ergebnisse der Befragung:

  • Vuze Users Skew Single, Male, Fully Employed, With No Children.
  • Vuze users are Hollywood’s best customers.
  • Vuze users are early adopters building the connected living room of the future.
  • Bad news for liveTV–good news for online distribution: Vuze users are spending a lot of time in front of their HDTVs… but they’re watching more than just TV.
  • Vuze users are more socially connected, ahead of the curve on technology purchases, and influence the purchase decisions of others.