Schlagwort: frauen

Typisch weibliche Eigenschaften sind wirtschaftliche Erfolgsfaktoren in unserer Netzwerk-Welt

John Hagel fasst die Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft immer sehr erhellend zusammen. Ich hatte Anfang 2010 hier mal auf ein interessantes Interview verwiesen. Nun hat Jochen Krisch einen TEDx-Vortrag von ihm gefunden, der seine Zeit wieder absolut wert ist (s.u.):

Im Prinzip spricht er darüber, welche Eigenschaften es für den wirtschaftlichen Erfolg in einer von Netzwerken geprägten Welt braucht, in der frei fließende Informationen und nicht Informationssilos entscheidend sind und in der es gilt, das implizite Wissen aus den Köpfen der Menschen zu locken. Zu Ersterem passt das überall im Internet zu beobachtende Abo-Prinzip und zu Letzterem die Beobachtung, dass überall (informelle) Treff- und Austauschpunkte wie unser Frankfurter Publishing-Stammtisch entstehen. Hagel sagt, es brauche hier v.a. eher weibliche Eigenschaften, Kommunikation, Vertrauensbildung und das Zulassen von Angreifbarkeit und Verletzlichkeit. Es braucht weniger eine typisch männliche Attitüde des „jeder gegen jeden“, der Vorteilssuche auf Kosten anderer und der Abgrenzung. Ich denke auch, dass v.a. jene, die es auf diesem Wege schaffen, Verbindungen in unserer Netzwerk-Welt aufzubauen und zu unterhalten, langfristig Erfolg haben werden.

(Video, 13 min.)

Zur Person:
John Hagel is an author and former McKinsey consultant who specializes in the intersection of business strategy and information technology. In 2007, Hagel, along with John Seely Brown and Lang Davison, founded the Deloitte Center for Edge Innovation. Hagel is also involved with a number of other organizations, including the World Economic Forum, Innovation Exchange with John Seely Brown and Henry Chesbrough, the International Academy of Management, and the Aspen Institute.

Bildquelle: superde1uxe (CC-Lizenz, BY)

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Wer Transparenz von Staat und Unternehmen fordert, muss auch privat mit ihr leben

Die durch das Internet ermöglichte Transparenz gutzuheißen, ist ja fast schon eine Plat­ti­tü­de. Die meisten bejahen sofort deren Nutzen – v.a. wenn die Transparenz gegenüber eher abstrakten Gebilden wie Staaten und Unternehmen eingefordert wird. Doch wie steht es um unsere Transparenz-Euphorie, wenn wir plötzlich selbst betroffen sind?

Die Plattform wen-datet-er-noch.de soll Frauen unterstützen und all den „Fremdgehern, Parallel-Datern und Online-Casanovas“ das Leben schwer machen. So funktioniert’s:

Sie geben den Vor- und Zunamen bzw. Nicknamen und den Wohnort des Mannes sowie die optionalen Suchkriterien (wenn bekannt) in die Suchmaske ein. Hat eine andere Frau genau diese Angaben bereits im Portal hinterlegt, war Ihre Suche erfolgreich. In diesem Fall wird Ihnen automatisch der Nickname derjenigen Frau, die ihn bereits online zur Suche gestellt hat, angezeigt. Sie können mit dieser Frau nun in Kontakt treten, indem Sie ihr eine Nachricht übersenden.

Es lässt sich auch ein regelrechtes Fremdgeher-Monitoring einrichten:

Wenn Ihre Suche (noch) keinen gewünschten Treffer ergab, so können Sie den Namen bzw. Nickname des jeweiligen Mannes sowie den Wohnort und weitere optionale Angaben im Portal hinterlegen. Sie werden umgehend informiert, wenn eine andere Frau genau diesen Namen sucht und können dann in Kontakt zu dieser Frau treten.

Unabhängig vom Geschäftsmodell und den Erfolgsaussichten der Plattform finde ich interessant, dass hier der Transparenz-Gedanke im unmittelbaren Lebensumfeld der Menschen wirksam wird. Und das ist ja nur ein Beispiel, wie sich sowas aufziehen lässt. Ich denke aber, dass wir mit allen Arten solcher Plattformen künftig werden leben müssen. Das sollten wir vielleicht bedenken, wenn wir das nächste Mal die Transparenz hochleben lassen und sie von den großen Organisationen wie selbstverständlich einfordern.

Eine Plattitüde ist übrigens auch, dass Überwachung durch den Staat oder durch Unternehmen nicht unbedingt wünschenswert ist. Die Überwachung durch die „Crowd“ wird für so manchen unter uns aber mindestens ebenso unangenehm werden oder ist es schon. Stichwort Rottenneighbor.com & Co.

Ergänzung/Erläuterung (siehe Kommentare):
Ich wollte Unternehmen/Staaten nicht mit (Privat-)Personen gleichsetzen. Dass es da Unterschiede gibt, ist ja klar. Beide bewegen sich aber im gleichen Umfeld mit dessen technischen Möglichkeiten. Mein Eindruck ist, dass nicht wenige Leute die Nutzung dieser Möglichkeiten sehr schnell bejahen, wenn es eben um die Transparenz von Staaten/Unternehmen geht, aber nicht immer im Blick haben, dass sie selbst schnell in den Fokus geraten können. Das erscheint mir manchmal etwas unkritisch, wobei das natürlich subjektiv ist. – Ob der Einsatz der Technik dann im Einzelfall auch sinnvoll/wünschenswert ist, ist eine andere Frage.

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Social Media und Social Software als Chance für Frauen

Wir haben ein Problem. Noch immer und trotz aller Bemühungen sind Frauen in Führungspositionen weit unterrepräsentiert. Der Frauenanteil in deutschen Vorständen hat sich laut einer Studie des Instituts für Unternehmensführung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) von 1998 bis 2008 zwar von 1,2 Prozent auf 2,4 Prozent verdoppelt, befindet sich aber nach wie vor auf sehr niedrigem Niveau. Seit 2005 ist der Anteil der Studie zufolge sogar leicht rückläufig.

Woran könnte das liegen? Der Frage ist die HU Berlin in einer Studie nachgegangen. Die Ursachenforschung von Prof. Dr. Hildegard-Maria Nickel, Sozialwissenschaftlerin an der Universität, am Beispiel einer Bank ergab, dass viele Frauen gerne im Team arbeiten, was Managerinnen davon abhalte, in die Führungsspitzen aufzusteigen:

Die Frauen arbeiteten in ihren bisherigen Positionen viel und gerne im Team. In der nächsten Stufe wären sie Chef geworden. Sie hätten als Entscheider allein im Büro sitzen und auf die Zahlen schauen sollen, ohne sich mit anderen rückkoppeln zu können. Die Frauen fühlten sich von dieser Vorstellung jedoch abgestoßen, erläutert Nickel in der Zeitschrift ‚emotion‘. Im Unternehmen sei eine Art der Führungsqualität erwartet worden, mit der sich die Frauen nicht identifizieren wollten.

Das Fazit von Prof. Dr. Hildegard-Maria Nickel lautet daher, dass sich in den Unternehmen etwas an den Strukturen ändern müsse, damit mehr Frauen in Führungspositionen arbeiten, ohne zugleich zur Einzelkämpferin werden zu müssen. Und tatsächlich tut sich ja dank der digitalen Medien und der „sozialen“ Software eine Menge in den Unternehmen. Vieles wird unter dem Stichwort Enterprise 2.0 diskutiert, das in diesem Kontext aufhorchen lässt:

Enterprise 2.0 bezeichnet den Einsatz von Sozialer Software zur Projektkoordination, zum Wissensmanagement und zur Innen- und Außenkommunikation in Unternehmen. Diese Werkzeuge fördern den freien Wissensaustausch unter den Mitarbeitern, sie erfordern ihn aber auch, um sinnvoll zu funktionieren. Der Begriff umfasst daher nicht nur die Tools selbst, sondern auch eine Tendenz der Unternehmenskultur – weg von der hierarchischen, zentralen Steuerung und hin zur autonomen Selbststeuerung von Teams, die von Managern eher moderiert als geführt werden.

Insofern denke ich, dass diese neuen Techniken gerade Frauen zugute kommen werden. Generell bewegen wir uns ja auf eine Gesellschaft zu, in der Aspekte wie das Netzwerken und die Kommunikation auf allen Ebenen immer wichtiger werden. Der Typus des „Lonely Wolf“ wird künftig weniger gefragt sein. So bleibt nur zu hoffen, dass dieser Trend sich letztlich auch positiv in den Zahlen niederschlägt und wir uns 2018 nicht mehr im einstelligen Prozentbereich bewegen werden.

Bildquelle: Engine People Blog (CC-Lizenz)