Schlagwort: Geschäftsmodell

Romantische Verklärung schadet Unternehmen am meisten – Gary Vaynerchuk bringt es auf den Punkt

Gary Vaynerchuk trifft es genau in dem 5-Sekunden-Ausschnitt unten (s.u.). Beispiele für so eine Verklärung fallen sicher nicht nur mir sofort viele ein. – Der ganze Vortrag ist übrigens sehenswert. Er vertritt exakt meine Meinung und meinen Denkansatz. Titel: Storytelling in 2013 (19 min.). Dabei erzählt er zwar nichts wirklich Neues, macht die Zusammenhänge aber wie immer extrem gut greifbar. Und: umgesetzt wird die Denke nach wie vor selten.

Cleveres Geschäftsmodell: Kaffeesatzlesen über das Web

Im Best-Practice-Blog bin ich auf ein sehr cleveres Geschäftsmodell gestoßen: Wahrsagen als Service über das Netz:

Eine Weberfolgsstory ist das Wahrsagerportal AuntyBinnaz, das 2011 von dem türkischstämmigen Ernst&Young-Consultant Sertac Tasdelen online gestellt wurde und von Singapore aus betrieben wird. Der jährlich Umsatz beträgt mehr als 1 Mio USD und wird vorwiegend mit türkischen Kunden gemacht. Topseller ist die Kaffeesatzleserei, die umgerechnet 6 USD kostet. Dafür darf der Kunde zwischen knapp 20 Kaffeesatzlesern auswählen, ein Foto vom Kaffeesatz machen, ein Formular ausfüllen, das Foto anhängen und die Bezahlung durchführen. Anschliessend gibt es das Ergebnis.

Das Ganze funktioniert kinderleicht und der Umsatz wird geteilt zwischen Portalbetreiber und Wahrsager – perfekt:

Der Crowdfunding-Trend verstärkt sich immer weiter

Ende 2010 wurde ich von t3n nach drei Trend-Prognosen für 2011 gefragt. Eine meiner Prognosen lautete:

Crowdfunding – Neue Plattformen wie startnext und Flattr zeigen, wie sich durch kleine Beiträge vieler Menschen Projekte und Inhalte realisieren lassen, die es sonst nicht gäbe. 2011 dürften wir viele erfolgreiche Anwendungsbeispiele sehen, die zu einer Breitenwirkung der Crowdfunding-Idee führen.

Tatsächlich ist mein Gefühl, dass sich der Crowdfunding-Trend immer weiter verstärkt und auch entsprechend wahrgenommen wird. Dazu passt, dass nun auch die VDI nachrichten auf das Crowdfunding-Modell und dabei auch auf meine Liste der über 100 Crowdfunding-Plattformen hinweisen:

„Crowdfunding wird Gründerszene stark verändern“

Die Internetgemeinde öffnet immer öfter die Schatullen, um Projekte zu finanzieren. Schon 113 Crowdfunding-Plattformen hat der aufs Social Web spezialisierte Unternehmensberater Leander Wattig weltweit aufgespürt – natürlich mit Hilfe der „Community“. Besucher seiner Webseite hinterlassen immer neue Links zu Plattformen, auf denen ein Jeder sein Erspartes kreativ arbeiten lassen kann. (…)

Interessante Crowdfunding-Projekte gibt es auch im Buchbereich immer öfter. So versucht Andrea Kamphuis derzeit, ein Sachbuch über die Evolutionsbiologie der Autoimmunkrankheiten mittels Crowdfunding zu finanzieren und hat schon die Hälfte des benötigten Geldes eingeworben.

Projektvorstellungs-Video, 5 min.:

Andere interessante Beispiele haben Marcel Weiß und ich jüngst in Berlin auf der re:publica vorgestellt. Dort fand auch eine ganze Konferenz zum Thema Crowdfunding statt: die co:funding. Es tut sich was.

Warum der Crowdfunding-Ansatz, freiwillig auch für Inhalte Geld zu geben, einen sehr rationalen Hintergrund hat, hatte ich auf der Frankfurter Buchmesse 2010 versucht darzulegen.

Social Shopping: Mit ‚Friends with Benefits‘ übersetzt Lockerz soziale Interaktion in Geld

Was ist Lockerz?

Lockerz is an invitation–only website created to connect members through commerce, content and social networking. Once invited, you’ll be able to watch exclusive video, buy great products, discover new music, play games, and connect with friends. You’ll be able to do this all in one place, AND you’ll get rewarded for just doing the things you love. When you watch a video, play a game, or even log in, you’ll earn Pointz (or “PTZ”) Lockerz own form of currency. Turn around and redeem your PTZ for incredible merchandise, unique experiences and exclusive deals and sales.

Jetzt wurde für nächste Woche ‚Friends with Benefits‘ angekündigt, das aus meiner Sicht interessant klingt, weil soziale Interaktion direkt in Geld bzw. Preisnachlässe übersetzt wird:

Video (2 min.):

 

Nachtrag:
Ich hatte den Beitrag etwas fix runtergeschrieben heute Nacht. Jochen Krisch von Exciting Commerce, wo ich das Video gefunden habe, weist völlig zu Recht auf den Punkt hin, dass die eigentliche Leistung von Lockerz die Art der Herstellung von Interaktion ist und weniger die Übersetzung in Geldwertes. Ohne Ersteres nutzt Letzteres schließlich gar nichts:

Guardian gibt seine „Open Platform“ frei

Andere Zeitungen schotten sich von ihren Lesern ab in der Hoffnung, Geschäftsmodelle der Vergangenheit zu konservieren. Ein häufig genanntes Gegenbeispiel ist der britische Guardian, der kürzlich seine „Open Platform“ freigegeben hat (via GigaOM):

The Guardian newspaper in Britain, which has been providing content to developers through its Open Platform project for a little over a year on an experimental basis, took the beta label off the project today and launched it as a full-fledged business venture. Chris Thorpe, its developer advocate, says the paper wants to use its open API to partner with developers and companies to create sustainable businesses based in part on Guardian content, by licensing and sharing in ad revenue. “The Open Platform is now open for business,” he said in an interview in Toronto in advance of the launch.

Es gibt 3 Arten von Angeboten:

Tier 1 – Keyless: Free access to Guardian headlines, tags and meta data. No registration or key required. Partners can keep any associated revenue earned using Guardian content on their own applications.

Tier 2 – Approved: License to publish Guardian articles in full. The Guardian embeds ads, performance tracking and a watermark within the articles we make available. Partners can keep any associated revenue earned. Registration and access key required.

Tier 3 – Bespoke: Custom solutions for licensing content and integrating rich applications directly within the Guardian network. We offer sponsorship, licensing, revenue sharing, and other custom commercial programs.

Chris Thorpe beschreibt im Interview die Hintergründe:

Video (5 min.):

Clay Shirky und Jay Rosen unterhalten sich über die Zukunft des Journalismus

Bei den Blogpiloten (Jörg Wittkewitz) bin ich auf ein sehr interessantes Gespräch zwischen Clay Shirky (shirky.com) und Jay Rosen (pressthink.org) gestoßen, das sich um die Zukunft des Journalismus dreht. Beide sind ja führende Köpfe auf diesem Feld und insbesondere Shirky hat sich in diesem Jahr mit Beiträgen wie Newspapers and Thinking the Unthinkable weithin Gehör verschafft.

Das Gespräch ist in fünf YouTube-Videos aufgesplittet und dauert insgesamt eine knappe Stunde:

 

Teil 1, 9 min.

 

Teil 2, 17 min.

 

Teil 3, 8 min.

 

Teil 4, 14 min.

 

Teil 5, 5 min.

Bildquellen: Joi (CC-Lizenz), Joi (CC-Lizenz)

A Story Before Bed: interessantes Geschäftsmodell für das Vorlesen von Büchern

Derzeit bekommen die Jungs von PaperC viel Aufmerksamkeit – zu Recht. Das liegt aber nicht nur an deren Produkt, sondern auch daran, dass sie im Verlagsbereich für einen neuen Weg stehen. Sonst wird ja immer über Free vs. Paid Content gestritten. PaperC geht einen anderen Weg. Dort wird das reine Lesen von Fachbüchern kostenlos ermöglicht. Nur, wer mit den Texten arbeiten will, muss zahlen. Sie bezeichnen sich daher auch als Copyshop im Internet. Zudem haben sie das Glück, dass Fachbücher häufig aktualisiert werden und der Zugang zu einer solchen Plattform somit einen hohen Wert hat. Letztlich schaffen sie einen Win-Win, der Verlage dazu führt, sich an der Plattform zu beteiligen, sodass PaperC keine Urheberrechtsprobleme fürchten muss.

A Story Before Bed

PaperC zeigt also auf, dass es darum geht, Mehrwerte rund um den Inhalt von Büchern zu schaffen. Ich bin nun auf eine neue Plattform mit dem schönen Namen A Story Before Bed gestoßen, die einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt. Dort können aufgrund von Verträgen mit Verlagen ebenfalls die kompletten Buchinhalte bereitgestellt werden, in diesem Fall jene von Kinder-/Bilderbüchern mitsamt allen Illustrationen und Grafiken. Diese Bücher können Eltern und Großeltern ihren Kindern und Enkeln dann virtuell vorlesen, was eine schöne Idee ist:

A Story Before Bed lets parents and grandparents who can’t be there at bedtime record video of themselves reading stories to their children. The kids can watch the recording synchronized to the pages of the book on screen any time they like, as often as they like. Kids can also show off their reading skills to their parents and grandparents.

Ein sehr detailliertes Demo-Video auf der Startseite zeigt, wie das Ganze funktioniert. Gezahlt wird jedenfalls erst, wenn die betreffende Aufnahme gefällt, sodass kein Risiko der Geld-Verschwendung besteht und der Mehrwert bzw. die Zahlungsbereitschaft entsprechend groß ist. Der Ablauf ist folgendermaßen:

  • Preview the first few pages of any book in our growing library.
  • Record a video of yourself reading the book into your webcam.
  • Pay for your book only once you’re happy with the recording.
  • E-mail the link to your book to a special child in your life.
  • They can play back the book with your narration as many times as they like.

Hier sehen Sie Beispiele für die Nutzung der Plattform durch Großeltern und Kinder:

Video (9 min.):

Video (3 min.):

via: O’Reilly Radar

Verkehrte Welt: Verlage wollen E-Books später als P-Books vermarkten

Einige große Buchverlage scheinen eine neue Strategie beim Umgang mit den Chancen der digitalen Medien zu haben:

Two Major Publishers To Hold Back E-Books

Simon & Schuster is delaying by four months the electronic-book editions of about 35 leading titles coming out early next year, taking a dramatic stand against the cut-rate $9.99 pricing of e-book best sellers. A second publisher, Lagardere SCA’s Hachette Book Group, said it has similar plans in the works.

Dieses Zitat sollte man Carolyn Reidy, CEO von Simon & Schuster, in 10 Jahren nochmal vorlegen und fragen, ob sie das noch genauso sieht: „The right place for the e-book is after the hardcover but before the paperback“

An den Leser denkt Caroly Reidy auch, aber leider nur im Dienste ihres angestammten Geschäftsmodells: „We believe some people will be disappointed. But with new [electronic] readers coming and sales booming, we need to do this now, before the installed base of e-book reading devices gets to a size where doing it would be impossible.“

David Young, chief executive der Hachette Book Group, sagt es wenigstens frei heraus: „We’re doing this to preserve our industry,“ Mr. Young said. „I can’t sit back and watch years of building authors sold off at bargain-basement prices. It’s about the future of the business.“

 

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Beitrag von Seth Godin:

The magic of dynamic pricing

Er mahnt an, dass man vielmehr im Bereich der Preispolitik ansetzen sollte und Schnelligkeit des Zugangs zum Content, die durchaus einen Wert hat, über dynamische Preise abbilden sollte. Den digitalen Content dem Leser jedoch vorenthalten zu wollen, sei eine schlechte Idee.

So, for example, you could charge $24 for the Kindle edition for the first two weeks, then $15 for the next two weeks and then $9 for the year after that. Once it’s a backlist classic, it could cost $2…

Or, thinking about how you might create launch excitement, you could reverse it. $2 the first day, $5 the first week, then $9 later. Better hurry!

Or, to get more sophisticated, you could reward the market for getting excited. What if the price for everyone drops if enough people pre-order it?

 

Bildquelle: Muffet (CC-Lizenz)

Unabhängige Musiker sollten wie Unternehmer denken und handeln

Andrew Dubber hat in diesem Kommentar sehr Treffendes über das Musik-Geschäft geschrieben. Zunächst spricht er den Punkt an, dass niemand das Anrecht auf Bezahlung für künstlerische Leistungen hat. Das ist 1:1 übertragbar auf verwandte Bereiche wie bspw. die Buchbranche und steht den Anspruchshaltungen entgegen, die auf manchen Seiten in den aktuellen Diskussionen erkennbar sind:

Making music is not (usually) a job of work. It is a creative act. You don’t have the RIGHT to make money from your music. You only have the opportunity.

Wer dennoch als unabhängiger Musiker Geld verdienen möchte, muss nicht nur ein guter Musiker, sondern auch ein guter Unternehmer sein – es geht nur mit beiden Fähigkeiten:

If you make music speculatively – that is, you create it in the hopes of making money from it, then you are a music entrepreneur. As such, entrepreneurship rules apply. You may invest a good deal of energy, effort and expense in your creative ideas. You may make a lot of money. You will probably make none. But nobody OWES you money just because you put the work in.

Wem aber ein garantiertes Einkommen wichtig ist, der suche sich einen festen Job:

If you wish to be reliably rewarded for your music, then get employed to make music as your job.

Als unabhängiger Musiker jedoch sollte man sich auf den Markt ausrichten und sich nicht über die Realitäten beklagen:

But the simple fact is that you don’t become a successful entrepreneur by making things that people will not pay for, insisting that they should, and then complaining that their morals are to blame. They may not share your morals, but that’s not even the point. It’s not their job to understand your needs. It’s your job to understand theirs.

Für Musiker, die auch Unternehmer sind, gelten die gleichen Regeln, wie für jeden anderen Unternehmer auch:

You become a successful entrepreneur by meeting people’s needs and wants, solving a problem for them and doing it in a way that allows you to make money. (…) Even if it was true that all the people you wish to target with your art are immoral thieves who you would never invite into your home – why would you insist on trying to change their behaviour as part of your business strategy?

via: Techdirt
Bildquelle: Jingles the Pirate (CC-Lizenz)

Gemeinsamkeiten der Pharma- und Medienbranche: „Erfindungen“ beleben das Geschäft

Derzeit wird ja der Fall des Medikaments „Regividerm“ heiß diskutiert. Es geht um finanzielle Interessen und mutmaßlich erfundene Geschichten, die auch Teile der Medien schlecht aussehen lassen.

Vor diesem Hintergrund ist ein Beitrag des Ärzteblattes über Marcia Angell, eine Ärztin und Kritikerin des US-amerikanischen Medizinbetriebs, lesenswert:

Das Problem ist das Streben nach Profit

(…)
Furore machte Angell 2004 mit ihrem Buch The Truth About the Drug Companies: How They Deceive Us and What to Do About It. Darin wirft sie der Industrie vor, sich ihre Märkte regelrecht zu erschaffen, sprich: die Existenz von Krankheiten zu propagieren, bis der eigene Umsatz die Milliardengrenze übersteigt. So wurde Angell zufolge aus natürlicher menschlicher Schüchternheit ein klinisches Leiden, dass dank geschickter Public Relations (PR) inzwischen zur Volkskrankheit geworden ist. 1980 tauchte im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders erstmals der Begriff „social phobia“ auf, die als eher selten bezeichnet wurde. Bis Mitte der 1990er-Jahre mutierte das Leiden zur „social anxiety disorder“, das ungemein häufig sein soll. Als Ursache für diese wundersame Progression macht Angell die PR-Bemühungen der Firma Glaxosmithkline aus, die ihr Antidepressivum Paxil® (Paroxetin) mit dieser Kampagne an Millionen unter pathologischer Schüchternheit leidende Amerikaner zu bringen suchte – mit Erfolg.
(…)

Sowohl bei Pharma- als auch bei Medienunternehmen ist das Profitstreben der Hauptantrieb. Die Verbesserung der Gesundheit der Menschen bzw. die möglichst objektive Information der Menschen sind nachgelagerte Ziele. Entsprechend ist es theoretisch natürlich nie auszuschließen, dass es auch in der Medienbranche zu ähnlichen „Erfindungen“ von Themen kommt …

Bildquelle: Wikipedia (Public domain)