Schlagwort: hollywood

Jerry Bruckheimer über die Bedeutung neuer Technologien für das Filmgeschäft

Bei Spiegel Online ist heute ein lesenswertes Interview mit dem US-Filmproduzent Jerry Bruckheimer erschienen, in dem er über die Entwicklung des Filmgeschäfts aus der Hollywood-Perspektive spricht. Interessant ist u.a. seine Sicht auf die Rolle neuer Technologien und den Umgang mit ihnen. Auch er spricht über Chancen durch das Anbieten von Mehrwerten bzw. Nicht-Kopierbarem:

SPIEGEL ONLINE: Mr. Bruckheimer, in seiner hundertjährigen Geschichte hatte Hollywood einige schwere Krisen zu überstehen und sah sich ständig mit neuen Konkurrenten wie dem Fernsehen oder dem Internet konfrontiert. Warum hat Hollywood dennoch immer mehr an Einfluss und Macht gewonnen?

Bruckheimer: Weil es seine Konkurrenten zu Geschäftspartnern gemacht hat. Das Fernsehen war in den fünfziger Jahren eine große Bedrohung für die Filmindustrie und nahm den Kinos Zuschauer weg. Heute erzielt Hollywood viele Milliarden mit dem Verkauf seiner Ausstrahlungsrechte an TV-Sender. Auch die Einführung der VHS-Kassette hat die Einnahmen nicht vermindert, wie anfangs befürchtet, sondern gewaltig erhöht. Hollywood hat sich immer wieder neue Einnahmequellen erschlossen, jetzt das Internet.

SPIEGEL ONLINE: Das Internet schwächt Hollywood nicht? Was ist mit den illegalen Downloads?

Bruckheimer: Ja, die sind ein Problem. Aber die legalen Downloads nehmen immer mehr zu. Bald wird jeder Mensch, der einen Computer hat, jeden Film, der je gedreht wurde, jederzeit sehen können. Momentan ist das noch mühselig, weil es so viel Zeit kostet, die Filme herunterzuladen. Aber das wird sich bald ändern.

SPIEGEL ONLINE: Ist das denn gut fürs Geschäft? Warum sollten die Menschen noch ins Kino gehen?

Bruckheimer: Weil es ein Ereignis ist. Vergessen Sie nicht, dass es viele Menschen gibt, die zwar gerne Filme gucken, aber nicht gerne ins Kino gehen. Die werden zu Hause auf der Couch zu Clint-Eastwood-Fans und raffen sich dann eines Tages vielleicht sogar auf, um ihn auf der großen Leinwand zu sehen.

(…)

Auch Film-Filesharer sind potenziell attraktive Kunden

Vor ein paar Tagen hatte ich auf eine norwegische Studie hingewiesen, die nahelegt, dass Musik-Filesharer auch oder gerade attraktive Kunden sein können. Nun bin ich bei der Los Angeles Times auf einen Beitrag gestoßen, der diesen Schluss auch für den Filmbereich nahelegt:

BitTorrent users spend money, too

Vuze — the company that’s trying to sell licensed, high-def videos to users of the BitTorrent file-sharing software — has spent much of the past two years trying to persuade Hollywood that its users are customers, not thieves. So far, however, the major studios have entrusted little to Vuze beyond movie trailers and other promotional videos. Now Vuze is trying to prod Hollywood with some eye-opening data about its clientele’s buying habits and purchasing power: in addition to being copyright infringers, they spend a lot of money on movies and movie-watching gear. Said Vuze CEO Gilles BianRosa, „Those users are actually Hollywood’s best customers.“

Yes, that’s a self-serving comment. But BianRosa’s assertion is supported by a survey by media consulting firm Frank N. Magid Associates of about 1,300 Internet users between the ages of 18 and 44, nearly 700 of whom use Vuze … (weiterlesen lohnt sich)

Die Befragung:

Introducing Hollywood’s Best Customers – Vuze User vs. General Internet: Comparative Data (PDF, 300 KB)

Ergebnisse der Befragung:

  • Vuze Users Skew Single, Male, Fully Employed, With No Children.
  • Vuze users are Hollywood’s best customers.
  • Vuze users are early adopters building the connected living room of the future.
  • Bad news for liveTV–good news for online distribution: Vuze users are spending a lot of time in front of their HDTVs… but they’re watching more than just TV.
  • Vuze users are more socially connected, ahead of the curve on technology purchases, and influence the purchase decisions of others.