Schlagwort: Ich mach was mit Marketing

Marketing-Interview: Thomas Zorbach, Geschäftsführender Gesellschafter, vm-people GmbH

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Thomas Zorbach vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Mein Name ist Thomas Zorbach; ich bin Gründer und Geschäftsführer der vm-people GmbH (seit 2004). Wir verstehen uns als Fanbeauftragte unserer Kunden und haben uns auf die Frage spezialisiert wie Unternehmen und Marken wahre Fans für sich gewinnen können. Das „vm“ im Firmennamen steht für Virales Marketing. Die Theorie und Praxis dieser Disziplin bildet den Hintergrund unserer Arbeits- und Vorgehensweise.

Wer „was mit Büchern macht“, hat vielleicht schon von einigen unserer Projekte gehört. Wir sind unter anderem für zahlreiche Publikums- und Fachverlage, aber auch für den Buchhandel tätig. Teilweise arbeiten wir auch direkt mit Autoren zusammen, zum Beispiel mit Sebastian Fitzek oder Zoë Beck. Bekannt geworden sind wir in der Buchbranche durch unsere Alternate Reality Games (ARG), die von Verlagen gerne im Rahmen von Vermarktungsmaßnahmen für Spitzentitel eingesetzt werden. Bei einem ARG handelt es sich um eine transmedial erzählte Geschichte mit hohem Fanaktivierungspotenzial, die sich über mehrere Wochen hinzieht und die über viele Plattformen hinweg inszeniert wird.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Mit unseren Maßnahmen versuchen wir, Menschen zu begeistern, die ihre passive Konsumentenrolle zumindest in Teilen abgestreift haben und die mit Leib und Seele die partizipative Kultur leben, die das Web geschaffen hat. Wie man sie nennt, „Nerds“ oder „Digital Natives“, spielt keine Rolle, aber man muss lernen, ihnen zuzuhören und zu begreifen, was sie wollen – also genau das, was Unternehmen von Haus aus eher schwer fällt.

Dieses neue Publikum erwartet, dass es sich interaktiv mit Medieninhalten auseinandersetzen kann und will nicht mehr nur berieselt werden. Es will keine Werbebotschaften um die Ohren gehauen, sondern Geschichten erzählt bekommen. Diese Menschen haben keine Scheu vor Marken, solange sie unterhaltsam sind und das Unternehmen respektiert, wie man sich im „Ökosystem Social Media“ benehmen muss. Vor allem aber wollen sie nicht für dumm verkauft, sondern als mündige, aufgeklärte Dialogpartner behandelt werden.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Fans sind ein Wirtschaftsfaktor. Ihr Wert für die Unternehmen ist durch Studien wie „The One Number You Need to Grow“ (Harvard Business Review) belegt. Wie man Markenfans kreiert, darüber gibt es bislang jedoch nur wenige Erkenntnisse. Was man weiß ist, dass emotionale Schlüsselerlebnisse bei der Fan-Werdung von entscheidender Bedeutung sind. Genau das ist es, was wir für unsere Auftraggeber bewirken. Wir schaffen Plattformen für intensive Markenerlebnisse, um die herum sich eine Fancommunity entwickeln kann. Ein Alternate Reality Game beispielsweise ist eine solche Plattform. Im Verlauf einer solchen Maßnahme bildet sich in kürzester Zeit eine, zwar zahlenmäßig kleine (ca. 300 – 500), dafür aber umso verschworenere Fangemeinde rund um einen Autor.

Wichtig dabei ist die Unterscheidung, dass es sich hier nicht um gewöhnliche Facebook-Fans oder Twitter-Follower handelt. Nein, es geht um Menschen, die WIRED-Mitgründer Kevin Kelly „Wahre Fans“ nennt und von denen zum Beispiel ein Autor nach seiner Rechnung insgesamt nicht mehr als 1.000 braucht, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Menschen, deren Engagement weit über das normale Maß hinaus geht. Unser Job als Fanbeauftragte ist es, diesen harten Kern der Fangemeinde aufzubauen und unsere Kunden in die Lage zu versetzen, sie zu managen.

Wie messen Sie Erfolg?

Fanmanagement ist in erster Linie „people’s business“. Qualität geht vor Quantität, Kundennähe vor Reichweite und Klasse vor Masse. Dementsprechend messen wir den Erfolg unserer Maßnahmen vor allem daran, wie viele persönliche Beziehungen unser Auftraggeber zu den Menschen knüpfen kann. Oder, anders ausgedrückt: Eine Marketingmaßnahme, die 10.000 neue Facebook-Fans generiert oder 50.000 Views auf Youtube, bringt nach unserem Verständnis überhaupt nichts, wenn das Unternehmen gleichzeitig nicht ein paar Dutzend wahre Fans namentlich kennengelernt und einen Draht zu ihnen aufgebaut hat.

Um den Erfolg unserer Maßnahmen auch zu quantifizieren, nutzen wir ein Pyramidenmodell, das verschiedene „Levels of Involvement“ beschreibt. Die einzelnen Ebenen unterteilen das erreichte Publikum in Segmente, die jeweils den Grad der Anteilnahme markieren. An der Spitze dieser Pyramide, also auf den ersten beiden Ebenen, befindet sich die Keimzelle der aufgebauten Fancommunity. Dieser innere Fan-Zirkel, sowohl seine Größe als auch der Grad des Involvements seiner Mitglieder, entscheiden über den Erfolg.

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Gerade Buchverlage beurteilen den Erfolg unserer Maßnahmen nach verschiedenen Kriterien. Oft werden wir zu Projekten hinzugezogen, bei denen es darum geht, einen noch unbekannten Autor beim Handel und beim Publikum durchzusetzen. Neben kommunikativen Zielen, wie dem Aufbau der Autorenmarke und der Erhöhung der Frequenzzahlen und des Engagements des Verlags in Social Media, geht es am Ende aber vor allem um Ein- und Abverkaufszahlen.

Ein Projekt, bei dem sich die Erwartungen des Verlags nicht nur erfüllt haben, sondern bei dem sie übertroffen wurden, war unsere Kampagne für das Thriller-Debüt „Der Regler“ von Max Landorff (Scherz Verlag). Mit einem Alternate Reality Game ist es uns gelungen, bereits im Vorfeld des Erscheinungstermins eine frühe Fancommunity aufzubauen, durch deren Mundpropaganda der Titel in Wechselwirkung mit klassischen Werbemitteln an die Spitze der Bestsellerliste katapultiert wurde. Vor kurzem wurde die Kampagne auf der Leipziger Buchmesse mit dem BuchMarkt-AWARD in Silber in der Kategorie Bestsellermarketing ausgezeichnet.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Je mehr Unternehmen ins Social Web einziehen und je mehr es darum geht, in diesen Medien Markenwelten erlebbar zu machen und Fans für sich zu gewinnen, desto mehr wird der Werber zum Geschichtenerzähler und Communitymanager. Ich habe zwar Anfang der 1990er Jahre den Beruf des Werbekaufmanns erlernt und ein Studium zum Diplomkommunikationswirt an der Hochschule der Künste Berlin hinter mich gebracht. Was ich jedoch heute mache, hat oft nur noch recht wenig mit meinen damaligen Ausbildungsinhalten zu tun. Einige Kollegen nennen sich „Transmedia Storyteller“. Um ehrlich zu sein: Ich weiß noch nicht, ob mir der Begriff gefällt.

Fakt ist: Mein Jobprofil weist inzwischen immer mehr Tätigkeiten auf, die man gemeinhin eher einem Autor, einem Journalisten, einem Filmregisseur oder einem Spieleentwickler zuschreiben würde, als einem Marketingmenschen. An einem typischen Tag werde ich in allen Bereichen und in noch einigen mehr gefordert.

Die Süddeutsche Zeitung hat kürzlich einen solchen Tag beschrieben.

Wo finden wir Sie im Internet?

Im Moment befinde ich mich auf einer Forschungsreise durch die USA und Europa, gemeinsam mit meinem kleinen Gefährten, dem weißen Kaninchen. Unsere Erkenntnisse und Erlebnisse halte ich regelmäßig in unserem vm-blog fest. Darin geht es um Markenfans und um die Techniken, mit denen man sie gewinnen kann.

Wer möchte kann vm-people und mir auch auf Twitter, Facebook, LinkedIn, Youtube und Slideshare folgen. Wir würden uns freuen!

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Thomas Zorbach

Marketing-Interview: Alain Egli, Manager PR & Communications, Gottlieb Duttweiler Institut (GDI)

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Alain Egli vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Ich bin für die Kommunikation des Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) verantwortlich, des ältesten Think-Tanks der Schweiz. In einem früheren Leben war ich Journalist.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Seine Vielfalt. Unser Institut betreibt zum einen Trendforschung, zum anderen vermieten wir unsere Räumlichkeiten an Kunden – zwei gänzlich verschiedene Geschäftsfelder: Wer für seine Tagung einen Konferenzsaal sucht, ist nur selten an unseren Studien interessiert. Und wer einen unserer Referenten bucht, braucht nur im Ausnahmefall auch eine Event Location. Das GDI ist klein, gleichzeitig aber hochkomplex.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Dass wir uns vom klassischen Marketing verabschieden, Schritt für Schritt. Bekanntlich misstrauen immer mehr Menschen Werbebotschaften. Zudem lassen sich Informationen – eines unserer beiden Standbeine – nur noch schlecht verkaufen, das meiste findet man ohnehin kostenfrei im Netz. Wir wissen alle, die Umwälzungen in der Musikindustrie waren erst der Anfang, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert, und was geteilt werden kann, wird geteilt. Vertrauensschwund und Technologie zwingen uns also, «Marketing» anders zu denken. Unser Weg besteht darin, Geschichten zu erzählen, als Forscher haben wir dafür ja genügend Rohstoff – im Gegensatz zu Anbietern von Konsumgütern, die sich für ihre Produkte oft irgendwelche Marketingfabeln aus den Fingern saugen müssen. Für uns ist jedes Referat, jede Studie, gleichzeitig auch ein Marketingmittel, im allerbesten Fall verbreiten sich unsere «Inhalte» sogar ohne unser Zutun. Meine Aufgabe ist, den Prozess zu orchestrieren, meinetwegen – Achtung, Buzzword! – zu «kuratieren»: Welche Aspekte einer Studie stellen wir in den Vordergrund, auf welchem Kanal erzählen wir welche Geschichte? Dadurch funktioniert unser Marketing zunehmend wie eine Redaktion.

Wie messen Sie Erfolg?

Konsequent und illusionslos. Zwar können wir Twitter-Folger und Website-Besucher und Klout-Rang und Seitenaufrufe und Medien-Erwähnungen und und und messen – und wir tun das auch. Doch häufig vermitteln solche Werte ja nur vermeintlich Kontrolle. Die wirklich relevante Messgrösse ist am Ende des Tages der Umsatz, und der hängt von mehr ab als nur vom Marketing. (Darum konnten ich und meine Redaktionskollegen für schlechte Abverkäufe unseres Magazins ohne Risiko die Verlagsleute verantwortlich machen und für gute Verkaufszahlen die eigenen tollen Geschichten.)

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Keine Einzelmassnahme, sondern der gesamte Prozess der Umorientierung. Wir befinden uns hier in einem Zustand des permanenten Experiments, sozusagen in Dauer-Beta. Mit Twittern zum Beispiel haben wir einfach mal begonnen, ohne einen Projektplan zu erstellen. Wir wussten nur, dass wir Leute erreichen wollen, die uns noch nicht gut kennen. Und wir wussten, dass wir bei ihnen als vertrauenswürdig und relevant wahrgenommen möchten. Da scheinen wir jetzt auf keinem schlechten Weg zu sein, zumindest die Zahlen stimmen. Doch wie schaffen wir es jetzt, Konversionen zu erzielen? Ein vergleichbares Thema sind Mailings: Werden wir den Postversand in absehbarer Zeit ganz durch E-Mailings ersetzen können? Und geht statt sporadischen Kunden-Mails auch ein regelmässig versandter Newsletter? Da befinden wir uns überall in einem Prozess der kleinen Schritte, bei dem uns weder Handbücher oder Kurse, noch Case-Studies wirklich helfen können. Denn das veraltet alles viel zu rasch.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Eher länger.

Wo finden wir Sie im Internet?

Google findet mich zum Beispiel bei Linkedin, Google+ und Twitter – aber nicht bei Facebook (ich bin ein anderer). Auch meine Profile auf Xing und Foursquare werden von der Suchmaschine offensichtlich nicht erfasst.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Alain Egli

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Marketing-Interview: Johannes Lachermeier, Online-Kommunikation, Bayerische Staatsoper

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Johannes Lachermeier vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Mein Name ist Johannes Lachermeier. Seit Oktober 2008 betreue ich die Online-Kommunikation der Bayerischen Staatsoper in München, d.h. ich kümmere mich um Konzepte, Inhalte und Content Management unserer Auftritte im Netz. Ich bewege mich also irgendwo im Spannungsfeld zwischen Kunst, Marketing und Kommunikation.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Ich glaube, es ist die hohe Begeisterungsfähigkeit von Opernbesuchern. Unser Metier zeichnet sich ja dadurch aus, dass das „Produkt“ immer kollektiv rezipiert wird: 2.100 Menschen sehen gemeinsam eine Vorstellung, und am Ende des Abends ist alles unwiederbringlich vorbei. Ein solches Erlebnis setzt im Idealfall Emotionen frei – seien sie nun positiv oder negativ. Und das Münchner Publikum ist ein sehr emotionales!

So sehr dem Genre Oper im Allgemeinen und der Bayerischen Staatsoper im Besonderen das Klischee des Elitären und Hochpreisigen anhaften mag, so sehr versuchen wir, uns allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen zu öffnen – gerade der Bereich Social Media sei hier als prägend genannt.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Wichtig ist uns in erster Linie Authentizität. Wenn man enthusiastisch hinter seinem „Produkt“ steht, vermittelt sich dieser Enthusiasmus im Idealfall genauso in der Kommunikation. Unsere verschiedenen Kanäle unterscheiden sich allerdings sehr in ihrer Funktion und der Tonalität, in der kommuniziert wird: Unsere Homepage www.staatsoper.de ist zentrales Kommunikationsorgan und Mittelpunkt des Online-Kartenvertriebs der Bayerischen Staatsoper. Sie finden dort alle Informationen zum Haus, unseren Spielplan, Fotogalerien, Trailer und unser Videomagazin Opern.TV zu jeder Neuproduktion. Unsere Kommunikation dort ist auf Service ausgerichtet und eher neutral gehalten.

Unsere Social-Media-Angebote wie das Blog www.blog.staatsoper.de, unsere Facebook-Seite, unsere Präsenz bei Twitter, oder Google+ schlagen dagegen einen anderen Ton an: Dort steht nicht die umfassende Information im Mittelpunkt, auch Vertriebsaspekte sind eher sekundär. Stattdessen versuche ich dort, einen leichten, weniger marketingorientierten Ton anzuschlagen. Dem Zuschauer auf Augenhöhe zu begegnen und ihm einen Blick ins Haus zu gewähren, ist hier erklärtes Ziel.

Wie messen Sie Erfolg?

Wir überprüfen die Zugriffszahlen von Website und Blog über die Auswertungssoftware Urchin. Natürlich schauen wir auch auf Likes und Retweets oder Views auf unserem YouTube-Kanal. Bloße Zahlen allerdings sind nicht immer hilfreich: Am interessantesten wird es meist erst, wenn sich spannende, inhaltliche Diskussionen ergeben!

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Ein riesiger Erfolg waren unsere beiden Live-Streams von zwei Opernaufführungen aus dem Nationaltheater im vergangenen Januar: An zwei Terminen konnte man auf unserer Website Gaetano Donizettis „L’elisir d’amore“ und Giuseppe Verdis „Don Carlo“ sehen – und das völlig kostenlos. Die Reaktionen waren immens: Bei „Don Carlo“ konnten wir über 459.000 Klicks auf den Stream verzeichnen, bei „L’elisir d’amore“ auf Grund einer technischen Panne „nur“ 77.000 Klicks. Ein Projekt, das wir in Zukunft dringend fortsetzen möchten!

Sehr am Herzen liegt mir auch unsere neue Website Ring-Motive, die die Grenzen zwischen Kunst und Marketing aufhebt. Als wir über eine neue Plattform zur aktuellen Neuproduktion von Wagners „Ring des Nibelungen“ nachdachten, wurde schnell klar, dass wir keine weitere Service-Seite wollten, sondern ein eigenständiges künstlerisches Projekt im Netz. Gemeinsam mit der Medienkünstlerin Manuela Hartel und dem Komponisten Felix Leuschner entstand so eine sehr freie, interaktive Version von Wagners Tetralogie.

Mein Lieblingsprojekt ist allerdings nach wie vor unser Blog. Hier findet man seit mittlerweile fast zwei Jahren Neuigkeiten aus dem Haus abseits der ausgetretenen Marketing-Pfade. Von Proben-Fotogalerien über Backstage-Reportagen bis hin zu gepflegtem Nonsens findet sich dort allerhand Material. Paradigmatisch für unsere Kommunikationslinie dort mag dieses Willkommensvideo sein.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Schwierig zu beschreiben. Nach einigen morgendlichen Regulars (Besetzungszettel des Vorabends ins Online-Archiv stellen, neue Beiträge im Forum freischalten etc.) stehen jeden Tag neue Dinge auf der Agenda. Im Idealfall ist es eine gute Mischung aus Schreiben, neuen Ideen, Organisieren und Datenpflege.

Wo finden wir Sie im Internet?

Mich als Johannes Lachermeier findet man auf Facebook und Xing. Im Namen der Bayerischen Staatsoper bin ich ausführlicher unterwegs, und zwar auf Facebook, Twitter, Google+, YouTube und natürlich auf unseren offiziellen Seiten www.staatsoper.de und www.blog.staatsoper.de.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Johannes Lachermeier

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Marketing-Interview: Alina Lauchart, Online & Social Media Managerin, MuseumsQuartier Wien

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Alina Lauchart vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Mein Name ist Alina Lauchart, ich bin seit 2006 beim MuseumsQuartier Wien tätig und dort Online- und Social Media Managerin. Dazu gehört die Betreuung der MQ Websites und der offiziellen Social Media Kanäle, aber auch Online-Marketing und -Kooperationen.

Das MuseumsQuartier Wien ist eines der größten Kulturareale der Welt. Neben rund 70 Einrichtungen für zeitgenössische Kunst und Kultur bietet das MQ großzügige Freizeit- und Ruhezonen, Innenhöfe, Cafés und Shops und ist damit eine Oase der Kultur und Erholung im Zentrum der Stadt. Bei 3,8 Mio Besuchern pro Jahr haben wir auch online eine große Community, die gehört und betreut werden will.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Unsere Zielgruppe ist so besonders wie das MQ selbst ;) Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen zwei Untergruppen: Den Touristen, die das MQ bereits besucht haben bzw in Zukunft besuchen wollen und dem Stammpublikum, das aktiv an dem „größten Wohnzimmer der Stadt“ mitgestalten möchte. Weiters gliedern sich diese zwei Gruppen noch in die kulturinteressierten Besucher, die aktiv Museen und Ausstellungen besuchen, und jene, die das kulturelle Umfeld genießen und das MQ als Erholungsoase nutzen. So unterschiedlich die Zielgruppen, so unterschiedlich nutzen wir auch die Möglichkeiten mit ihnen in Kontakt zu treten.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Eine unserer erfolgreichsten Marketing-Aktivität vor Ort ist mit Sicherheit die Belebung des Areals, sei es mit der beliebten Hofmöblierung oder den frei zugänglichen Außenflächenprogrammen „Sommer im MQ“ und „Winter im MQ“. Vom Open Air Literaturfestival über das Independent-Freiluftkino im Sommer bis hin zum Eisstockschießen und den Eispavillons im Winter. Diese werden online mit Gewinnspielen und Hintergrundinfos erweitert, was vor allem vom Stammpublikum aus Wien und Umgebung honoriert wird.

Wie messen Sie Erfolg?

Für die Erfolgsmessung im Online-Bereich gibt es fast unendliche Möglichkeiten, von Google Analytics für Websites bis zu bewährten Monitoring-Tools im Social Web. Aber gerade bei Social Media ist für mich der ehrlichste Weg den Erfolg zu messen, der Community zuzuhören und mit ihr in Kontakt zu bleiben. Dann stellt sich der „Erfolg“ von selbst ein.

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Die „Online“-Aktivitäten des MQ haben sich bis vor kurzem noch auf Website und Newsletter beschränkt. Besonders erfolgreich war hier das jährlich stattfindende Farb-Voting der beliebten MQ Hofmöblierung, bei der sich immer eine große Zahl an Fans beteiligt hat. Die Community konnte so das Erscheinungsbild des MQ mitbestimmen, was vor allem bei den Stammbesuchern des Areals großen Anklang fand.

Vor kurzem haben wir zB auf Facebook die „MQ Textaufgaben“ gestartet. Eine wöchentliche Aktion, bei der wir der Community Textrechnungen zum Lösen geben und die kreativste richtige Antwort küren bzw auch beschenken. Mit diesen Textaufgaben transportieren wir interessante Insights zum MQ, wie etwa die Größe einer der Kulturinstitutionen oder die Menge der Objekte in einer der aktuellen Ausstellungen. Diese Aktion kommt sehr gut an und wir werden mit unglaublich kreativen Antworten belohnt.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Mein Tag beginnt – wahrscheinlich genauso wie bei meiner Online-Community – mit einem Blick in´s Social Web. Nachdem ich mir ein Stimmungsbild – sozusagen eine TagCloud – gemacht habe, informiere ich mich intern bei den anderen Abteilungen über Neuigkeiten und Änderungen. Ich erarbeite Online-Kampagnen und -Kooperationen, aktualisiere die Social Media Kanäle und bin immer auf der Suche nach Insights zum Areal, die die Fans des MQ interessieren könnten. Beim Community-Management geht es um Menschen und daher ist auch, wie die Bedürfnisse derer nie gleich sind, kein Tag wie der andere – das liebe ich an meinem Job. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung!

Wo finden wir Sie im Internet?

Beinahe überall ;) aber vor allem auf Facebook, Twitter, Google+ und Xing.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Alina Lauchart

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Marketing-Interview: Anne-Mette Noack, Leitung Marketing und Kommunikation im Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Anne-Mette Noack vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Ich leite den Bereich Marketing & Kommunikation im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Als Soziologin bin ich davon überzeugt, dass Kultur & Konsum sich nicht ausschließen, sondern befruchten können.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Die Vielfältigkeit! Unser Verband vertritt die Interessen von Buchhändlern, Verlegern und Zwischenbuchhändlern. Diese Gruppen sind in sich sehr heterogen, zum stationären Sortiment gehören zum Beispiel unabhängige Sortimenter ebenso wie Filialisten. Aber auch bei neuen Marktteilnehmern, Politikern und Endverbrauchern soll Interesse für unsere Themen geweckt werden. Deshalb bespielen wir unterschiedlichste Kommunikationsmittel und -kanäle. Dazu gehören unter anderem Print- und Online-Anzeigen, Broschüren, Filme, Fotostrecken, Plakate, Flyer, …

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Die Überzeugungsarbeit! Ansprechend verpackter und interessant kommunizierter Inhalt wird vom Adressaten häufiger, wohlwollender, nachhaltiger … aufgenommen, dies sollte gerade ein Verband für sich nutzen und nicht als notwendiges Übel verstehen.

Wie messen Sie Erfolg?

Das ist je nach Projekt ganz unterschiedlich, mal sind es Medienauswertungen, Teilnehmerzahlen auf Veranstaltungen oder Kommentare und Kritiken zu unseren Maßnahmen.

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Mein Team und ich haben innerhalb eines halben Jahres ein neues Corporate Design für den Börsenverein entwickelt und umgesetzt, inklusive der Neukonzeption der Website und dem Erscheinungsbild unserer Preise, wie Deutscher Buchpreis oder Friedenspreis. Die Herausforderung bestand neben Budget und Timing in der Aufgabe, dem Börsenverein und seinen Töchtern (Frankfurter Buchmesse und mvb) ein neues, modernes Gesicht zu geben, ohne dabei die Tradition des ältesten deutschen Wirtschaftsverbandes zu vergessen.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Der Tag im Büro beginnt meistens mit einem Kaffee und einer Teambesprechung. Danach werden Konzepte entwickelt und abgestimmt, Werbemittel gestaltet, Texte geschrieben und viel diskutiert.

Wo finden wir Sie im Internet?

Facebook, Xing, boersenverein.de, flickr und youtube

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Alexander Vieß

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Marketing-Interview: Andreas Auth, Geschäftsführender Direktor der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Andreas Auth vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Ich bin Geschäftsführender Direktor der WBG (Wissenschaftlichen Buchgesellschaft), eines unabhängigen Verlags in der recht seltenen Rechtsform eines wirtschaftlichen Vereins mit rund 130.000 Mitgliedern. In dieser Position verantworte ich sowohl alle verlegerischen Aktivitäten als auch die betriebswirtschaftliche Entwicklung der WBG. Als Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der WBG hafte ich zudem persönlich für die Ergebnisse der WBG bzw. ihrer Tochterverlage, dem Konrad Theiss Verlag, dem Philipp von Zabern Verlag sowie dem Primus Verlag.

Die WBG selbst hat viele Facetten, was sie einzigartig im deutschsprachigen, vielleicht sogar im internationalen Markt macht: Sie ist auf der einen Seite ein ganz „normaler“ Verlag, der eine Vielzahl von gedruckten und elektronischen Werken herausgibt, mit einem starken Programm in den Geistes- und Geowissenschaften. Außerdem erscheinen Hörbücher im verlagseigenen Imprint-Hörbuchverlag auditorium maximum. Auf der anderen Seite ist sie eine Buchgemeinschaft, die ihren Mitgliedern neben den verlagseigenen Publikationen eine Vielzahl an Lizenzausgaben anderer renommierter Verlage anbietet, welche die Mitglieder deutlich günstiger beziehen können. Dafür müssen sie gemäß der dt. Buchpreisbindung einen jährlichen Mitgliedsbeitrag (€ 11,– bzw. 5,50) zahlen und pro Jahr einen Artikel beziehen. Außerdem bietet die WBG ihren Mitgliedern hochwertige Non-Book-Artikel an, wie z. B. Kunstgegenstände, Büchermöbel sowie ein ausgewähltes Musikprogramm. In den vergangenen Jahren hat sich die WBG zu einer mittelständischen Verlagsgruppe entwickelt, die unterschiedliche Tochterverlage und Imprintverlage unter ihrem Dach angesiedelt hat.

In meiner täglichen Arbeit achte ich darauf, dass sich die WBG sehr stark auf die inhaltlichen und vertrieblichen Bedürfnisse ihrer Kunden und Mitglieder einstellt, entsprechende Bücher realisiert und diese – vor allem im Rahmen des Versand- und Internethandels – anbietet. Da die WBG nicht kommerziell ausgerichtet ist und ihre Gewinne satzungsgemäß in die Förderung von Wissenschaft, Bildung und Kultur reinvestiert, ist dies immer wieder eine besondere, sehr schöne Herausforderung.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Das Besondere ist, dass wir aufgrund der Programmbreite und -tiefe eine Vielzahl von Zielgruppen differenziert ansprechen. Die WBG hat mehr als 20 Programmbereiche, die schwerpunktmäßig in den Geisteswissenschaften angesiedelt sind, und über 4500 lieferbare Titel. Abhängig davon, welches Unterscheidungskriterium wir heranziehen, kommen wir zu ganz unterschiedlichen Sichtweisen: Wir sprechen Buchhandelskäufer oder Versandhandelskunden an; Mitglieder oder Nichtmitglieder; Buch-, Hörbuch- oder Non-Book-Käufer; Studenten, Fachwissenschaftler oder den berühmten „interessierten Laien“, um nur einige Merkmale zu nennen. In Abhängigkeit von der jeweiligen Zielgruppe müssen unsere Werke auf die dazugehörigen inhaltlichen, haptischen oder vertrieblichen Wünsche zugeschnitten sein. Allen Kunden ist gemein, dass sie einen sehr hohen Qualitätsanspruch haben und an qualifizierten Informationen bzw. fundiertem Wissen interessiert sind. WBG-Mitglieder sind zudem die wichtigsten Ideengeber bzw. Berater, wenn es um die Herausgabe neuer Publikationen geht. Ohne sie würde es einen Großteil unserer Publikationen nicht geben! Deshalb lautet unser Claim „Wissen verbindet“.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Ziel aller Marketingaktivitäten der WBG ist es, einen wirklichen Dialog mit dem Kunden aufzubauen und die Wünsche unserer Mitglieder zu 100% zu befriedigen. Nur dadurch gelingt es uns, sie langfristig an die WBG zu binden. Im Gegensatz zu den großen Marktteilnehmern, wie z. B. Weltbild oder dem Buchclub Bertelsmann, sind wir ein Nischenanbieter, der die vorhandenen Nischen sowohl in der Breite wie auch der Tiefe möglichst vollständig ausfüllen sollte. Aus diesem Grund kommt unseren Marketing- und Servicemitarbeitern eine sehr wichtige Aufgabe zu: Da sie schriftlich und mündlich im Dialog mit unseren Mitgliedern stehen, müssen sie auf die Wünsche adäquat reagieren und quasi herausfiltern, wo es inhaltliche, programmatische oder vertriebliche Defizite gibt bzw. neue Anforderungen vom Markt, die umgesetzt werden sollten.

Wie messen Sie Erfolg?

Natürlich nutzen auch wir die üblichen Kennzahlen, wie z. B. Umsatz und Deckungsbeiträge von Produkten oder Programmbereichen. Daneben arbeiten wir mit allen relevanten Kennzahlen aus dem Mailorder- bzw. Direktmarketingbereich. Da uns die Kundenbindung sehr wichtig ist, überprüfen wir u. a. die durchschnittliche Mitgliedsdauer unserer Mitglieder, die derzeit bei 17,6 Jahren liegt – ein vergleichsweise sehr hoher Wert. Regelmäßige Kundenumfragen zeigen, ob wir für unsere Kunden ein wichtiger Partner sind.

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Nachdem wir in den vergangen Jahren in vielen Fachbereichen unsere Studienliteratur stark ausgebaut haben, war es an der Zeit, Studenten verstärkt von unserem Angebot zu überzeugen. Ziel war es dabei, sie vorrangig für eine WBG-Mitgliedschaft zu begeistern. Für Studierende ist die WBG-Mitgliedschaft mit einem Jahresbeitrag von € 5,50 zudem besonders günstig. Mit Unterstützung verschiedener Partner war die WBG deshalb an allen einschlägigen Universitäten in Deutschland vor Ort präsent. Diese Aktionen wurden auf vielfältige Weise begleitet, sowohl mit unterschiedlichen Print- und Online-Medien, als auch durch persönliche Empfehlungen von Professoren, die seit Jahren Mitglied und/oder Autor der WBG sind. Die Resonanz war und ist überdurchschnittlich positiv. Cross-Media-Kampagnen bestimmen zunehmend den Alltag unserer Marketingarbeit im Mitglieder- und Produktbereich. Die bewusste Verzahnung von Print- und Onlinewerbung sowie Social-Media-Aktivitäten führt dazu, dass unsere Kunden die jeweiligen Botschaften auf ganz unterschiedliche Art und Weise aufnehmen und reagieren.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Den typischen Arbeitstag mit einem ganz bestimmten Ablauf gibt es eigentlich nicht. Allerdings sind meine Arbeitswochen relativ stark durchgetaktet. Beim morgendlichen Kaffee lese ich Zeitung, checke meine Mails und schau mal bei Facebook vorbei. Um 9.00 Uhr bin ich dann im Büro. Wenn es die Zeit erlaubt, besuche ich unsere Versandabteilung und freue mich, wenn Novitäten angeliefert wurden und viele Kundenbestellungen versendet werden. Im Lauf des Tages habe ich verschiedene Sitzungen und Besprechungen, in denen ich mit den Beteiligten auf Augenhöhe Aufgaben und Ziele bespreche, kreative Lösungen erarbeite und natürlich Entscheidungen treffe. Ansonsten absolviere ich das normale Programm einer Führungskraft: motivieren, delegieren und überprüfen der Ergebnisse. Verschiedene repräsentative Verpflichtungen und Ehrenämter, u. a. beim Börsenverein, runden die Arbeitswochen ab.

Wo finden wir Sie im Internet?

Persönlich bin ich auf Facebook und XING unterwegs. Die WBG hat natürlich den obligatorischen Internetauftritt und ist auch auf Facebook aktiv.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Andreas Auth

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Marketing-Interview: Ulrike Langer, freie Journalistin

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Ulrike Langer vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Ich bin freie Journalistin ohne Pauschalvertrag mit einem Medienunternehmen. Ich muss also jeden einzelnen Beitrag vermarkten, den ich einer Redaktion anbiete. Und zwar unter den Aspekten: Was ist interessant an diesem Thema? Was ist der Aufhänger, der aktuelle Anlass? Für welches Magazin könnte das interessant sein? Wer hat eventuell sonst noch etwas drüber geschrieben? Welchen Aufwand kann ich in die Recherche investieren, damit es sich wirtschafltich für mich lohnt?

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Es ist ein Markt, der sich momentan rasant und radikal verändert. Das Internet, vor allem sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter und neuerdings Google+, kollaborative Plattformen wie Wikipedia oder Guttenplag, oder mobile Applikationen stellen, wie wir Medien nutzen, radikal auf den Kopf. Viele Journalisten sehen in der digitalen Medienrevolution vor allem eine Bedrohung ihre Berufsstandes. Journalisten sind keine Gatekeeper der Nachrichten mehr und sie müssen heute viel mehr als früher mit den Nutzern kommunizieren. Ich gehöre zu denen, die in der Veränderung vor allem die Marktchancen sehen. Freie Journalisten haben es heute leichter als früher, sich unabhängig von etablierten Medienhäusern selbst einen Namen zu machen. Wir sind eine sich neu entwickelnde Spezies ganz freier Journalisten, wir sind Unternehmerjournalisten.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Sie kosten nichts. Ich nutze vor allem mein Blog, Twitter, Facebook und zunehmend auch Google+, um auf meine Themen, meine Recherchen und meine Interessen aufmerksam zu machen. Mein Blog ist meine geistige Heimat im Netz, auf der ich Themen ausführlicher präsentiere. Der Austausch mit anderen Nutzern findet zunehmend in den sozialen Netzwerken statt, was natürlich die unmittelbare Vermarktbarkeit schmälert, wenn weniger Besucher auf das Blog kommen. Das finde ich allerdings nicht weiter schlimm, weil ich auch nie erwartet habe, mit dem Blog selbst nennenswert Geld zu verdienen. Die Gesamteinnahmen durch Mikrospenden (Flattr, Kachingle), Google Adsense und gelegentliche Affiliate-Links (Amazon) liegen bei mir in den meisten Monaten unter 100 Euro.

Entscheidend ist ein anderer Punkt: Mein Blog ist ein Marketinghebel für gut bezahlte Aufträge. Durch das Bloggen (und Twittern und Facebooken) sind meine Bekanntheit im Netz und mein Marktwert gestiegen. Ich kann höhere Honorare und Tagessätze verlangen als früher, bzw. mit besserem Gefühl als früher leisten, unrentable oder zu uninteressante Aufträge abzulehnen. Ich halte mittlerweile auch Vorträge, diskutiere auf Podien und halte Workshops. Das bedingt allerdings zwingend eine Themenspezialisierung. Man muss ein Alleinstellungsmerkmal haben.

Ich halte viel von der Freemium-Theorie des „Wired“-Chefredakteurs Chris Anderson: Kostenlose kleinere Inhalte an eine breite Zielgruppe verschenken, um aus dieser Zielgruppe zahlende Kunden für Premiumangebote zu gewinnen. Deshalb stelle ich jedesmal, wenn meine Vortrags- und Seminarfolien nennenswert neue Inhalte haben, die kompletten Folien zum Download bei Slideshare ein und bette sie in mein Blog ein, ich „verschenke“ sie also. Und häufig melden sich daraufhin zahlende Kunden mit neuen Anfragen für Vorträge oder Workshops.

Wie messen Sie Erfolg?

An meiner persönlichen und beruflichen Zufriedenheit. Vor drei Jahren, als ich noch als klassische freie Journalistin gearbeitet habe, ohne die sozialen Netzwerke selbst aktiv zu nutzen – ich war damals eine Karteileiche bei Xing und LinkedIn und bei Facebook rein privat unterwegs – hatte ich oft das Gefühl, in einer Tretmühle zu stecken, die nicht von mir betrieben wird. Seit ich mich stärker spzialisiert habe und mein Spezialwissen besser vermarke, ist dieses Gefühl verschwunden. Ich kann wesentlich autonomer und selbstbewusster entscheiden, was ich wirklich will. Mitte Juli habe ich sogar einen langgehegten Wunsch erfüllt und bin mit meiner Familie als freie Journalistin nach Seattle gezogen, um in meiner Traumstadt zu leben und zu arbeiten. Dieser Schritt ist sicherlich nicht ohne berufliches Risiko, aber ich bin zuversichtlich, dass es der richtige Schritt ist.

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Auf jeden Fall das Buchprojekt „Universalcode„, dessen Entstehung und Vermarktung allerdings in erster Linie auf dem unermüdlichen Einsatz von Christian Jakubetz beruhen. Gemeinsam mit ihm und Ralf Hohlfeld bin ich Co-Herausgeberin und Autorin mehrerer Kapitel. Es ist ein Lehrbuch über den neuen Journalismus in digitalen Zeiten. Das Ungewöhnliche daran ist, dass wir nicht einen Cent für Marketingmaßnahmen ausgegeben haben.  Und obwohl wir zur Zeit mangels Einnahmen kein Autorenhonorar auszahlen können, war schon wenige Wochen nach dem ersten Brainstorming auf dem Blog von Christian Jakubetz fast das gesamte Autorenteam komplett. Die meisten Autoren haben sich selbst bei uns gemeldet und wollten ehrenamtlich über ein Thema schreiben, das sie fasziniert. Die Autoren haben dann auch wie echte Evangelisten im sozialen Netz leidenschaftliches Marketing für das Buch betrieben. Das hat sich einfach herumgesprochen, per Mundpropaganda, wobei der kollaborative und transparente Entstehungsprozess des Buches ebenso Thema war wie der Inhalt des Buches, der offensichtlich eine Marktlücke füllt.

Sehr schnell meldete sich dann auch Marion Schwehr mit ihrer Crowdfunding-Buchplattform Euryclia mit sehr fairen Konditionen bei uns. Auf dieser Verlagsplattform können Interessenten zum Subskriptionspreis Bücher vorbestellen, die erst noch produziert werden sollen. Euryclia hat natürlich auch eine Menge zur Vermarktung des noch unfertigen Buchs beigetragen, zum Beispiel mit Leseproben im Netz und einem Vermarktungswidget, dass man in Blogs einbinden kann. Für diese Idee hat Euryclia mit dem Referenzprojekt „Universalcode“ den Virenschleuderpreis erhalten. Inzwischen gibt es fast 900 verbindliche Vorbestellungen, was für ein Sachbuch, das noch nicht einmal auf dem Markt ist, enorm viel ist. Im Spätsommer wird „Universalcode“ in Buchform und als E-Book erscheinen, eine Webseite ist noch in der Entwicklungsphase.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Den typischen Tag gibt es gar nicht. Ich arbeite normalerweise zuhause im Dachbüro, war in den letzten zwölf Monaten aber auch extrem viel auf Reisen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Jetzt, wo ich in Seattle wohne, muss ich die Vortrags- und Seminartermine natürlich bündeln, damit sich die weiten Reisen nach Europa lohnen. Das plane ich zur Zeit drei- bis viermal im Jahr für zwei bis drei Wochen ein. Meine Arbeit in meiner neuen Heimat – wieder im heimischen Dachbüro – hat sich kaum verändert, außer, dass ich hier noch daran arbeite, ein neues Kontaktnetzwerk zu knüpfen. Dadurch, dass ich im Netz über Netzthemen recherchiere und publiziere, kann ich eigentlich an jedem Ort der Welt arbeiten. Hauptsache, es gibt schnelles WLAN und gute Flugverbindungen. Allerdings kommt es mir sehr entgegen, dass ich ein Frühaufstehertyp bin, denn wenn ich gegen 7 Uhr, meistens nach einem Lauf am Strand, am Schreibtisch sitze, ist es in Deutschland immerhin schon 16 Uhr. So bleiben wenigstens ein paar Stunden für Skype-Telefonate oder das Echtzeitnetz, bevor sich ein großer Teil meiner Twitter-Timeline schon wieder für den Tag verabschiedet.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter anderem hier:

Danke!

Bildquelle: Ulrike Langer

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Marketing-Interview: Alessandro Panella, Managing Director & Head of Strategic Planning, Grey Worldwide

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Alessandro Panella vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Mein Name ist Alessandro Panella und leite die strategische Planung bei GREY Worldwide in Düsseldorf. Als strategischer Planner habe ich das große Glück, das Bindeglied zwischen Konsumenten und Kreativen in der Agentur zu sein.

Gute Planner schaffen es, die Rolle eines Produktes oder einer Marke im Leben der Menschen so gut zu verstehen, dass sie überraschende Insights daraus ziehen können, die sie dann in Form eines Briefings an die Kreation weiterleiten. Gute Planner begleiten aber auch den kreativen Prozess und versuchen die unterschiedlichsten Inspirationsquellen anzuzapfen, um die Kreation bei der Entwicklung einer Idee zu unterstützen (wenn die Planner nicht selber schon Ideen entwickeln, was auch ganz gut sein kann ;).

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Das Besondere an der strategischen Planung ist, dass für uns nicht der Kunde (also das Unternehmen, welches uns brieft), sondern vor allem der Konsument im Vordergrund steht. Wir haben es immer wieder mit neuen Menschen/Zielgruppen und Produkten zu tun.

Es ist faszinierend zu verstehen, was für eine Beziehung zwischen Menschen und Produkten/Marken existiert und wie Kommunikation dazu beitragen kann, diese Beziehung zu intensivieren.

Was viel Spaß macht, ist, dass Planner sehr oft für verschiedene Kunden arbeiten. Also muss man neugierig und flexibel sein, um sich in neuen Industrien/Märkte hineindenken zu können und schnell ein Verständnis für die Herausforderungen dieser Märkte zu entwickeln.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Für Agenturen trifft der Begriff „Marketing-Aktivitäten“ nur bedingt zu, denn im Unterschied zu unseren Kunden, können wir Elemente wie Preis/Packaging und Produkt nicht wirklich beeinflussen.

Ich sage „nicht wirklich“, weil wir schon für einige Kunden Produktideen entwickelt und auch zum Teil umgesetzt haben. Unser Produkt im engeren Sinn sind kreative Ideen. Das Besondere an diesen Ideen ist, dass sie die Marken, für die sie entwickelt werden, „Famously Effective“ machen. Damit sagen wir, dass Ideen auf der einen Seite (Famous) Menschen und unsere Kunden überraschen, begeistern und berühren sollen und sie dazu bringen, darüber zu reden. Gleichzeitig müssen sie auch Menschen zum Kauf bewegen, Markenpräferenz schaffen und Loyalität erzeugen (so verstehen wir Effective).

Wie messen Sie Erfolg?

Es gibt viele Wege Erfolg zu messen. Auf der einen Seite nutzen viele unserer Kunden Marktforschungen und Werbetrackings, die den Beweis für die Effektivität und Effizienz unserer Ideen liefern. Auf der anderen Seite verfolgen wir natürlich auch, welche Konversationen Menschen im Social Media Bereich über unsere Ideen führen. Zuletzt führen wir auch selbst qualitative Marktforschungen durch und schauen, wie Menschen auf unsere Ideen reagieren und ob wir damit die Wahrnehmung der Marke positiv beeinflussen können.

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Ein Beispiel finde ich besonders spannend. Vor wenigen Wochen startete unsere Kampagne für die Einführung des neuen Lenor Waschmittels. So eine Produkteinführung ist eine große Herausforderung, denn wenn wir ehrlich sind, ist ein neues Waschmittel das Letzte, was die Menschen brauchen. Deswegen haben wir uns bewusst von der etablierten Waschmittel-Kommunikation distanziert und erst mal ein Kino-Trailer Spot entwickelt, der die Spannung für die bevorstehende Produkteinführung aufbaut. Es wurde viel in der Presse und auf Facebook über den Spot diskutiert. Viele fanden ihn sehr gut, weil er mit den etablierten Klischees bricht, andere waren nicht überzeugt weil kein Bezug zum Produkt vorhanden war. Aber die Tatsache, dass sich Menschen mit Waschmittel-Werbung auseinander setzen, sehen wir schon als ein Erfolgszeichen. Wir wissen auch, dass das Produkt sehr gut bei den Konsumenten ankommt! Wieder ein Beispiel für „Famously Effective“ Kommunikation.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Das Schöne an meinem Beruf ist, dass kein Tag wie der andere abläuft. Mal fängt der Tag damit an, eine Marktforschung vorzubereiten und das Ganze mit dem Kunden über eine Telefonkonferenz oder in einem Meeting abzustimmen. Als nächstes steht ein Termin mit den Kreativen an, wo es darum geht, über das kreative Briefing für ein Neugeschäft zu sprechen. Kundentermine prägen auch meinen Alltag. Oft geht es darum, eine Idee so überzeugend und leidenschaftlich wie möglich zu verkaufen. Und abends gibt es auch manchmal Konsumenten-Gruppen, die von einem Planner moderiert werden müssen, um sogenannte Insights zu generieren. Es kann aber auch gut sein, dass ich den ganzen Tag auf einem Kongress bin, wo ich die Agentur repräsentiere, in dem ich einen Vortrag über eine unserer aktuellen Studien halte wie z.B. die Food-Trends oder den Homo Connectus.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf dem GREY Blog, bei LinkedIn, XING und Facebook. Ich bin zwar auch bei Twitter, aber ehrlicherweise muss ich zugeben, ich komme nicht zum twittern.

Danke!

Bildquelle: Alessandro Panella

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Marketing-Interview: Hans-Joachim Jauch, Geschäftsführer des Oldenbourg Industrieverlags und des Vulkan Verlags

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Hans-Joachim Jauch vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Wenn ich die aktuellen Rollen betrachte, dann bin ich Familienvater, Medienmanager, Buchautor, Info-Nerd, Community-Organizer, Reisender und Freizeit-Abenteurer. Hin und wieder gleichzeitig, meist sequenziell. Als Frühaufsteher und Zeitmanager kann ich einiges in den Tag packen.

Im Hauptberuf fungiere ich als Geschäftsführer der verbundenen Medienunternehmen Oldenbourg Industrieverlag (OIV) und Vulkan Verlag (VV). Wir sind Anbieter von hochwertigen Fachinformationen für Ingenieure, Techniker und das technische Management. Zu den Schwerpunkten gehören die Automatisierungstechnik, der Anlagenbau, die industrielle Nutzung von Energien sowie die Ver- und Entsorgungstechnik.

Für mich bedeutet Marketing ganzheitliche Unternehmens- und Produktführung. Somit bin ich als Geschäftsführer oberster Marketingverantwortlicher.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Unser Kerngeschäft ist die Wissensvermittlung durch das Bearbeiten und Verkaufen von hochwertigen, fundierten und verlässlichen Informationen für die Branchen. Diese Informationen zeichnen sich in allen wichtigen Medienformen durch hohen Nutzwert, Praxisrelevanz und gute Verständlichkeit aus.

Besonders ist unsere Nähe zu den Zielgruppen. Wir erstellen kaum eigenen Content. Wir motivieren jedoch auf sehr persönliche Art Ingenieure und Wissenschaftler, uns Fachinhalte zu liefern. Beim OIV gibt es seit über 150 Jahren „User Generated Content“. Aus den Branchen kommen selbstverständlich auch die Anzeigen sowie die Leser. Damit ergibt sich ein Funktionsdreieck: Jeder Kunde kann Leser, Inserent und Autor sein. Wir als Medienunternehmen bieten passende Kommunikationsplattform (Bücher, Zeitschriften, Veranstaltungen, Web etc.).

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Die Teilhabe der Zielgruppen an der Produktentwicklung ist sehr stark verankert. Unsere Zeitschriften haben Herausgeber-, Beirats- und Schriftleiter-Gremien, die in regelmäßigen Abständen tagen. Die Blätter sind den wichtigen Gesellschaften, Hochschulen und Verbänden z.B. über Organschaften verbunden. Viele Artikel müssen sich zur Qualitätssicherung dem Peer-review-Verfahren, also einer Experten-Bewertung, unterziehen.

Wir sind in Nischen tätig. Marktaktiv zu sein, bedeutet für OIV/VV fast immer Direktmarketing. Oft sogar mit hochrangigen Entscheidungsträgern im Vier-Augen-Gespräch. Natürlich nutzen wir ein CRM-System. Jeder persönliche Kontakt sollte sympathisch und imagefördernd sein, denn wir wollen in unseren Schwerpunktbranchen der bevorzugte deutsche Medienpartner national und international agierender Unternehmen sein.

Wie messen Sie Erfolg?

Keine Zweifel, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, dessen Erfolg am betriebswirtschaftlichen Ergebnis gemessen wird. Darüber hinaus hat sich OIV und VV auf den Fahne geschrieben, den Wissenstransfer für die globale Industrialisierung und Versorgung zu fördern. Da ist es ein Erfolg, wenn man uns, wie kürzlich geschehen, auf europäischer Ebene bittet, eine Kommunikationsplattform einzurichten.

Persönlich messe ich den Erfolg am Freiheitsgrad, den ein Unternehmen hat. Nur erfolgreiche Unternehmen können das tun, was sie für richtig halten und manches testen. Fehlt der Erfolg, fahren an allen Ecken Schranken hoch.

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Unsere Kunden haben nicht zu wenig Information. Im Gegenteil, sie werden überhäuft und abgelenkt. Aufgabe von OIV/VV ist es, für exquisiten User Generated Content zu sorgen. Dafür sind die Leser auch bereit zu zahlen. Ingenieure sind konservativer als man annehmen könnte. Papier spielt noch die primäre Rolle. Webseiten und HTML-Newsletter stehen teils im Ruf, Minderwertiges zu bieten. Wir steuern mit werbefinanzierten, elektronisch verteilten Qualitäts-ePapers im PDF-Format gegen. Und positionieren Print bewusst für die Entscheider im hochpreisigen Premiumsektor. Ein solches Premium-Druckerzeugnis muss auch ein haptisches Erlebnis sein.

2010 haben wir das sehr erfolgreich in der Automatisierungssparte umgesetzt. Mit einem radikalen Relaunch wurde die Zeitschrift „atp edition“ in allen Belangen -inhaltlich, vom Layout und der Ausstattung her – hochwertig durchgestaltet und der Abopreis auf 490,- Euro verdreifacht. Über 80 Prozent der Bezieher haben diese Preiserhöhung 2010 akzeptiert. Über 90 Prozent bezahlten die Abo-Rechnung für 2011 und es kommen stetig Neuabonnenten hinzu. Das atp-Modell ist inspiriert vom Freemium-Konzept, das der WIRED-Chefredaktuer Chris Anderson ausführlich in seinem Buch „Free“ vorstellt. Wie haben die Marketingaktion mit allen Beteiligten, auch Teilen der Zielgruppe, generalstabsmäßig geplant und durchgezogen. Das war eine sehr schöne Erfahrung für das Team.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Früh aufstehen. Täglich mindestens 45 Minuten Sport. Anständig frühstücken. Fahrt ins Büro oder zum Flughafen. Menschen treffen. Planen, kommunizieren, delegieren, motivieren, kontrollieren und bewerten. Sich informieren und weiterbilden. Heimfahrt. Abendessen. Infos aus dem Familennetzwerk aufnehmen und kommentieren. Physischer oder digitaler Kontakt zu Freunden. Lesen und unter Pseudonym schreiben (siehe zum Beispiel amzn.to/jl0edh). Noch vor 24 Uhr ins Bett.

Wo finden wir Sie im Internet?

Mich persönlich finden Sie bei Facebook, Twitter, Xing und Google+. Ich habe eine bescheidene private Webseite. Und das ganze Programm dann nochmals für mein Autoren-Pseudonym „Maximilian Buckstern“. Der schreibt auch ein Blog unter ebookstern.blogspot.com. Buckstern wurde für meinen persönlichen eBook-Selbstversuch geboren. Inzwischen führt er ein beträchtliches Eigenleben. Dazu gehört die gedruckte Version von „Bücher gratis für iPhone, Kindle und Co.“, die im August durch Wiley-VCH in den Buchhandel kommt. Und Buckstern hat jetzt einen kleinen Bruder, dessen Name und Werk aber noch nicht verraten wird. Nur soviel: Sein Ratgeber ist in diesen Tagen bei Amazon/Kindle in der Rubrik „Lebensführung“ veröffentlicht worden und gut eingestiegen. Damit geht ein weiterer eBook-Marketing-Selbstversuch an den Start. Diesmal für eine andere Zielgruppe.

Danke!

Bildquelle: Hans-Joachim Jauch

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Marketing-Interview: Ralf Biesemeier, Geschäftsführer von readbox publishing

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Ralf Biesemeier vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Zuerst die „harten“ Fakten? Ralf Biesemeier, 40 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder, Diplom-Betriebswirt (FH Dortmund) und BA (Honours) Business Studies (University of Abertay Dundee, Schottland), seit 13 Jahren in verschiedenen Positionen für Marketing verantwortlich – u.a. als VP Marketing eines Herstellers
biometrischer Identifikationssysteme und Director Product Innovation eines Bodenbelagherstellers. Seit 2008 Hauptgesellschafter und Geschäftsführer von readbox publishing (technologische Verlagsdienstleistungen für eBook-Herstellung und digitale Auslieferung).

Mein Berufsleben war also relativ fokussiert auf Marketing – immer aber mit der starken Philosophie, dass Marketing ein Werkzeug der Unternehmensführung ist, nicht nur eine Unternehmensfunktion. So versuche ich auch mein eigenes Unternehmen zu führen. Jeder im Unternehmen, egal ob Softwareentwickler oder Vertriebsleiter, braucht das „Marketing“-Gen, eine starke Kundenorientierung. Und das liegt in einem selbst – man hat es oder man hat es nicht, ich muss dafür sorgen, es aus den Mitarbeitern herauszuholen. Das in sich selbst ist ein enormer – und nachhaltiger – Wettbewerbsvorteil.

Meine Hauptaufgabe im Unternehmen ist, in diesem enorm dynamischen eBook-Markt den Überblick zu behalten und die Organisation so gut es geht aufzustellen. Eine sehr strategische Marketingaufgabe, die aber viel Spaß macht.

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Die größte Besonderheit ist wohl, dass die Digitalisierung nicht nur neue Möglichkeiten schafft. Bei allem Wachstum, der der gesamten Branche gut tut, haben wir es hier mit einem Phänomen zu tun, das mit dem schönen Marketingbegriff „disruptive innovation“ wohl am besten beschrieben ist. Das Gesicht des Buchmarktes verändert sich durch die neuen Technologien und Möglichkeiten. Unternehmen spielen hier plötzlich eine große Rolle und bestimmen die Spielregeln, mit denen noch vor 2 Jahren keiner gerechnet hat (Beispiel Apple) und viele Verleger (sowie verständlicherweise auch Buchhändler) sind mit dieser Entwicklung überfordert. Hier liegt aber auch die große Chance für Unternehmen wie readbox, die schnell und mit viel Know-how (durchaus aus zunächst branchenfremden Gebieten) von den Veränderungen und der Unsicherheit im Markt profitieren.

Die große Herausforderung ist der immense Hype, mit dem das Thema einhergeht. Das Marktsegment ist noch sehr klein, wenn auch stark wachsend, aber so viele neue Player, Ideen, Produkte kommen auf dem Markt, die dieser eigentlich gar nicht aufnehmen kann. Es gibt da von der Gartner Group dieses schöne Modell des „IT Hype Cycles„, der trifft meiner Meinung nach die Entwicklung auf den Kopf. eBooks (in Deutschland) befinden sich ganz sicher zur Zeit irgendwo auf dem Weg vom „Peak of Inflated Expectations“ zum „Trough of Disillusionment“ (eigentlich würde ich das gerne in deutsch beschreiben, aber die englischen Originalbegriffe sind so passend …).

Hier wird noch eine Menge passieren. Anbieter werden verschwinden, es wird auf allen Ebenen ganz sicher eine Konsolidierung einsetzen (die ersten Anzeichen sieht man schon). Auch hier gilt es, marketingtechnisch die richtigen Voraussetzungen zu schaffen (in Hinblick auf die strategische Positionierung z.B.), um auch diese Marktbereinigung zu bestehen.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Das Besondere an unseren Marketingaktivitäten ist, glaube ich, dass sie sehr vertriebsorientiert sind. Ich denke auch, dass sich klassische Werbung in diesem Marktumfeld und dieser Marktsituation auch nicht rechnet. Hier geht es eher um Empfehlungsmarketing – besonders dort, wo eine noch große Unsicherheit im Markt vorherrscht, vertraut man doch den Vorreitern, die sich schon mal getraut haben und die erfolgreich sind. Hier haben wir mit unseren Verlagen wie CORA, Frankfurter Allgemeine Buch, Pendragon, Ubooks und vielen anderen mehrfach bewiesen, dass wir die Erwartungen der Kunden übererfüllen. Das spricht sich dann auch rum.

Ansonsten ist es auch hier wieder sehr strategisch. Wir überprüfen ständig unser Businessmodell und unsere Zielgruppen und sind immer auf der Suche nach profitablen Nischen, die wir bedienen können.

Wie messen Sie Erfolg?

Das schöne am B2B-Marketing ist ja, dass es grundsätzlich viel besser messbar ist als stark streuende Konsumentenkampagnen. All unsere Aktivitäten werden bei uns am vertrieblichen Erfolg gemessen. Das gilt für Mailings, Messeauftritte, PR und alle anderen Maßnahmen gleichermaßen. Momentan investieren wir nicht in reine Image-Kampagnen. Auch hierfür ist der Markt noch nicht „reif“.

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Wir haben schon einige Marketing-Maßnahmen durchgeführt, die sehr erfolgreich waren. Wobei man den Erfolg durch eine entsprechend gute Vorbereitung natürlich auch beeinflussen kann. Wir machen uns im Vorfeld unserer Aktionen sehr viele Gedanken über Zielgruppen und Segmentierung, damit die Maßnahmen und Botschaften, die wir platzieren wollen, auch möglichst gut ankommen. Immer alles an alle kommunizieren, halte ich nicht für sonderlich zielführend. Ich glaube, das führt eher zu einer „Taubheit“ bei denen, die uns ja eigentlich zuhören sollen (das ist wahrscheinlich auch die Gefahr bei der Nutzung von Social Media). Ganz grundsätzlich muss ich sagen, dass die „klassischen“ Maßnahmen (Mailings, Messeauftritte, PR/Medienarbeit) in unserer Hauptzielgruppe überdurchschnittlich gut funktionieren. In letzer Zeit zahlt sich mehr und mehr vor allem unsere Presse- und Medienarbeit aus, die wir seit Anfang des Jahres kontinuierlich ausgebaut haben.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Mein typischer Tag beginnt mit Angst – vor der Inbox. Ich bekomme unfassbar viele E-Mails am Tag, meist beginne ich deshalb meinen Tag mit Projekten oder Aktivitäten, die ich in Ruhe beende, bevor ich zum ersten Mal in meine E-Mails schaue. Ich bemühe mich, mir feste E-Mail-Regeln aufzuerlegen, das klappt aber leider noch nicht so recht (darf ich hierzu einen Lesetipp loswerden? –> „Vielen Dank für Ihre E-Mail“ von Christoph Moss).

Ansonsten: Viele Telefonate, möglichst viel direkter Kontakt mit Kunden und Interessenten – auch persönlich. Deshalb bin ich recht viel unterwegs. Typischerweise enden meine (Arbeits-)tage, wenn meine Frau schon längst auf dem Sofa eingeschlafen ist ;-).

Das schöne an readbox allerdings ist, dass wir eine sehr flexible Organisation sind. Mir ist wichtig, dass die Ziele erreicht werden und meine Mitarbeiter Ihren Job mit hoher Qualität und so gut wie möglich erledigen. Spaß an der Arbeit und möglichst viel Selbstbestimmung sind Grundvoraussetzungen dafür. So sind wir dann auch organisiert – und das gilt auch für mich. Ich nehme mir schon zwischendurch mal die Zeit, eine Stunde mit den Kindern zu spielen, auch wenn meine Aufgabenliste sehr laut nach mir ruft …

Wo finden wir Sie im Internet?

Zu allererst mal kann man unter b2b.readbox.net mehr über unsere Verlagsdienstleistungen erfahren. Unter www.readbox.net betreiben wir außerdem noch einen Shop, mit dem die Geschichte des Unternehmens 2008 auch angefangen hat. Ich persönlich blogge auch noch in unserem Blog (blog.readbox.net), twittere unter „@readbox“ (viel zu selten in letzter Zeit). Eine readbox-Fanpage bei Facebook gibt’s zwar, die liegt aber ziemlich brach – das ist eine der Marketing-Aktivitäten, die wir viel besser machen müssten.

Ich persönlich bin aber auf Facebook – unter Xing und LinkedIn bin ich auch zu finden.

Danke!

Bildquelle: Ralf Biesemeier

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