Schlagwort: Innovationen

Jeff Bezos: Auch gutmeinende Gatekeeper behindern Innovationen

Das nenne ich ein klares Statement vom Amazon-Chef Jeff Bezos:

I am emphasizing the self-service nature of these platforms because it’s important for a reason I think is somewhat non-obvious: even well-meaning gatekeepers slow innovation. When a platform is self-service, even the improbable ideas can get tried, because there’s no expert gatekeeper ready to say “that will never work!” And guess what – many of those improbable ideas do work, and society is the beneficiary of that diversity.

Dazu passt die Feststellung von Roger Martin, dass die „Beweispflicht“ in Unternehmen ein Innovationshemmnis sei:

Most companies try to be innovative, but the enemy of innovation is the mandate to „prove it.“ You cannot prove a new idea in advance by inductive or deductive reasoning.

Da fügt es sich nur zu gut ins Bild, dass die Amazon-Tochter Audible aktuell „self-service“ für Hörbuch-Autoren erprobt und somit die Wertschöpfungskette weiter abdeckt: Amazon-owned Audible: Hey authors, want $20 million?

The Amazon-owned digital audiobooks site Audible.com is launching a new program, “Audible Author Services,” that pays audiobook authors $1 per sale through Audible.com, Audible.co.uk, and iTunes, out of a $20 million fund. The audiobook publishers do not receive any of the funds. To sign up, authors must make their titles available as audiobooks through Audible.com.

Olivia Fox: Innovationen erleichtern durch Überwindung von Selbstzweifeln (aka Impostor-Syndrom)

Anfang September hatte ich auf ein interessantes Kurz-Interview von Robert Scoble mit Olivia Fox hingewiesen, in welchem sie skizziert, dass das so genannte Impostor-Syndrom Innovationen behindert. Dieses Syndrom findet sich insbesondere bei hochqualifizierten Menschen, die oft das Gefühl beschleicht, dass sie noch nicht ganz an dem Punkt sind, sich auf Ihrem Arbeitsfeld so richtig gut auszukennen, und dass immer ein bisschen fehlt, um ihre Sicht ohne Sorge vor anderen vertreten zu können.

The impostor syndrome (…) is a psychological phenomenon in which people are unable to internalize their accomplishments. (…) Regardless of what level of success they may have achieved in their chosen field of work or study or what external proof they may have of their competence, those with the syndrome remain convinced internally they do not deserve the success they have achieved and are actually frauds. Proof of success is dismissed as luck, timing, or as a result of deceiving others into thinking they were more intelligent and competent than they believe themselves to be.

Nun hat Scoble ein ausführliches Interview mit Olivia Fox zum Thema geführt, das interessant anzusehen ist (s.u.). Besonders spannend finde ich den Aspekt, dass Menschen oft für den Bruchteil einer Sekunde das Gesicht verziehen, wenn sie etwas aus ihrer Sicht Dämliches gesagt haben. Da der Gesprächspartner aber die Innensicht des Gegenübers nicht kennt und nur das Verziehen des Gesichts wahrnimmt, bezieht er es oft auf sich. So kann sich fälschlicherweise auf einen selbst bezogenes negatives Feedback aufstauen und das Selbstbild einer Person beeinträchtigen. Interessante Zusammenhänge …

Sie spricht auch über erfolgreiches Scheitern:
Failing successfully sounds like an oxymoron—but it isn’t. „Innovation requires the willingness to risk that what you’re doing may not work out,“ explains Fox. „Otherwise, you’re only going to do things you know will work out, old things—rather than new things where you don’t know what the outcome’s going to be.“

Video (21 min.):

Das Impostor-Syndrom behindert Innovationen

„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

„Es ist ein Jammer, daß die Dummköpfe so selbstsicher sind und die Klugen so voller Zweifel.“ (Bertrand Russel)

Haben Sie auch das Gefühl, dass Sie noch nicht ganz an dem Punkt sind, sich auf Ihrem Arbeitsfeld so richtig gut auszukennen? Dass immer ein bisschen fehlt, um Ihre Sicht ohne Sorge vor anderen vertreten zu können? Dann leiden Sie vielleicht auch am Impostor-Syndrom, das angeblich nicht weniger als 70 % aller Leute haben sollen – insbesondere leistungsstarke Leute und Frauen allgemein. Was ist das Impostor-Syndrom?

The impostor syndrome (…) is a psychological phenomenon in which people are unable to internalize their accomplishments. (…) Regardless of what level of success they may have achieved in their chosen field of work or study or what external proof they may have of their competence, those with the syndrome remain convinced internally they do not deserve the success they have achieved and are actually frauds. Proof of success is dismissed as luck, timing, or as a result of deceiving others into thinking they were more intelligent and competent than they believe themselves to be.

Olivia Fox Cabane arbeitet für führende Unternehmen wie Google, deren exzellente Mitarbeiter dennoch oder gerade deshalb nicht gefeit zu sein scheinen gegen dieses Phänomen. Sie sagt, als Gegenmaßnahme sei eine Kultur wichtig, die ein Scheitern zulässt und nicht verdammt, sonst hindere man so manche Innovation am Entstehen. Das Thema scheint mir sehr interessant zu sein für die Diskussionen in Deutschland rund um das Internet. Wir neigen hier ja dazu, die Dinge stets sehr kritisch zu betrachten und oftmals eher die Risiken als die Chancen zu betonen. Scheitern ist quasi verboten, wenn man ohne Makel leben möchte. Es könnte also sein, dass solche Gefühlszustände, die mit dem Impostor-Syndrom beschrieben werden, bei uns eher gefördert als abgebaut werden, was uns insgesamt weniger innovationsfreudig sein lassen könnte. All das ist Spekulation, aber aus meiner Sicht als Gedanke dennoch spannend.

In diesem Video (6 min.) gibt Olivia Fox Cabane einen Einstieg ins Thema:

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