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Interview: Branchenanalyst Jochen Krisch über seine Vermarktungs-Erfahrungen als Blogger

Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin Jochen Krisch, habe Informatik studiert und dann – Mitte der 90er Jahre – sehr schnell meine Leidenschaft für den Handel entdeckt, erst als Daten- und Businessanalyst im TV bei HSE24, dann online. Seit 2005 betreibe ich Exciting Commerce als Branchenblog für den Online-Handel. Gestartet habe ich das Blog, um über alternative Verkaufsmodelle zu schreiben. Inzwischen hat es sich zu einem der führenden Branchendienste entwickelt und ist die Basis für jährlich zwei große Fachkonferenzen mit 500 bzw. 1.000 Teilnehmern.

Lässt sich Ihr Erfolg in Zahlen ausdrücken?

Eine regelmäßige Leserschaft im fünfstelligen Bereich, die uns in den Lesercharts kontinuierlich nach oben bringt, Einnahmen im mittleren sechsstelligen Bereich. Um einnahmenseitig nicht zu abhängig zu werden von ein paar wenigen Werbepartnern und Sponsoren, finanzieren wir uns inzwischen zu einem guten Teil durch Veranstaltungen wie die Exceed– oder die K5-Konferenz. So können auch die Leser ihren Beitrag leisten.

Stichwort Vermarktung: Wo sehen Sie die wichtigen Ursachen für Ihren Erfolg?

Vornehmlich in der Relevanz. Wir versuchen trotz wachsendem Team, täglich nicht mehr als 2 bis 3 Beiträge zu bringen. Und legen extremen Wert auf kurze, kompakte Beiträge und Analysen, die die Orientierung erleichtern. Exciting Commerce hat sich unter Brancheninsidern zwar relativ schnell herumgesprochen, wir hoffen aber, dass wir noch möglichst lange als Geheimtipp wahrgenommen werden. Eine ständige Herausforderung ist es, nicht beliebig zu werden, sondern mit jedem neuen Beitrag das eigene Profil zu schärfen – als unabhängige Stimme für den Online-Handel.

Welche konkreten Vermarktungsmaßnahmen waren besonders erfolgreich und warum?

Ein Angebot wie Exciting Commerce lebt von seinen Fürsprechern. Wir versuchen immer, alle relevanten Gruppen gleichermaßen zu bedienen – die Brancheninsider aus dem Handel genauso wie die Unternehmensgründer, aber auch die Fachpresse, die für uns in den Zeiten vor Facebook und Twitter ein wesentlicher Multiplikator war, weil sie exklusive Infos, spannenden Themen und pointierte Einschätzungen gerne aufgreift und weiterträgt.

Welche konkrete Vermarktungsmaßnahme hat wider Erwarten gefloppt und warum?

Im Prinzip floppt alles, was seiner Zeit voraus ist. Wir testen immer wieder Vermarktungsmodelle, die auf Relevanz statt auf Reichweite setzen, stellen aber fest, dass Unternehmen 1.000 minderwertige Kontakte lieber haben als 10 extrem hochkarätige. Solange das so ist, können wir unser Vermarktungspotenzial nicht ausspielen, da unsere Stärke ganz klar in letzterem liegt.

Was machen Sie selbst und was erledigen andere für Sie?

Ich versuche, möglichst viel abzugeben in vertrauensvolle Hände. Die Blog- und Eventvermarktung haben wir nach langer Suche seit letztem Jahr komplett ausgelagert, was uns einen richtigen Schub gebracht hat. Auch viele andere Vertriebs- und Businessthemen überlasse ich gerne anderen, die das weitaus besser können. Wichtig ist mir, dass Exciting Commerce sein Profil behält und ich mich weiter inhaltlich engagieren kann und die Linie vorgeben kann.

Was würde Ihnen bei der Vermarktung noch helfen, d.h., was ist ein typisches Problem?

Gute Leute, die wissen, wie man Relevanz statt Reichweite vermarktet.

Welchen Vermarktungsansatz würden Sie wählen, wenn Sie heute neu starten würden?

Ich würde sehr viel früher und sehr viel konsequenter auf Veranstaltungen setzen. Die richtigen Menschen zusammenzubringen und zu vernetzen, schafft einen enormen Mehrwert. Viele sind inzwischen genervt von Fachkonferenzen, die nicht mehr sind als billige Verkaufsshows. Für eine anspruchsvolle Szene qualitativ hochwertige Veranstaltungen auf die Beine zu stellen und zu vermarkten, ist allerdings nicht ganz ohne. Wir haben früh Erfahrungen mit Roundtables gesammelt und uns dann im Lauf der Jahre gesteigert, eigene Formate entwickelt und denken, wir sind da inzwischen auf einem ganz guten Weg.

Welcher andere Kreative – den vielleicht noch nicht jeder kennt – fällt Ihnen ein, der in der Vermarktung Vorbildhaftes leistet?

Ich bin von jungen Selbstdarstellern wie Sami Slimani oder Rob Vegas genauso fasziniert wie von Menschen, die ohne großen Aufhebens einfach ihr Ding machen. Einen tollen Job machen Peter Posztos und Hardy Prothmann bei der Lokalen Stimme, denn gerade kommunale Blogs sind nicht ganz einfach zu vermarkten.

Wo finden wir Sie im Internet?

Exciting Commerce: www.excitingcommerce.de
@jkrisch: twitter.com/jkrisch

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Jochen Krisch

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„Social Reading“ – Lesekreise als Direktmarketing-Chance für Verlage und Buchhandel

Der Tagesspiegel widmet sich aktuell dem Thema Lesekreise, wo ja letztlich in vielfacher Hinsicht das stattfindet, was wir im Digitalen gern mit „Social Reading“ umschreiben: In der Buchtanzgruppe:

Es wird gescherzt, durcheinandergeredet und gelacht. Diese soziale Komponente von Lesekreisen ist in England und den USA viel anerkannter als in Deutschland. In Amerika, wo es über eine halbe Million Lesekreise gibt, veranstalten Arbeitgeber Zirkel, damit die Mitarbeiter einmal im Monat miteinander ins Gespräch kommen – quer durch alle Hierarchien. So werden Orte geschaffen, an denen nicht jede Unterhaltung von Konkurrenzdruck begleitet ist.
(…)
Dem Autor würde gefallen, wie lebensnah hier mit seinem Buch umgegangen wird. Ganz persönlich wird etwa darüber gesprochen, wie der eigene Blick auf Amerika aussieht, private Reiseerinnerungen werden berichtet, jemand erzählt von einer anderen gemeinsamen Buchlektüre. Von derart idealen Lesern träumt der Buchhandel geradezu. In den USA hat sich die Verlagskultur darum schon längst umfangreich auf Lesekreise spezialisiert: Buchhändler bieten Räume für die Diskussionen an, Verlage bereiten Empfehlungslisten mit Buchtiteln vor. Und die berühmte Sendung „Oprah’s Book Club“ der TV-Moderatorin Oprah Winfrey war nicht nur einem Lesekreis nachempfunden, sondern stellte grundsätzlich Materialien zur weiteren Beschäftigung mit den Büchern bereit.

Hier wirkt wieder einmal das, was ich vor Jahren mit „Community First“ zu beschreiben versucht habe: Erst muss man die Menschen zusammen führen, was die eigentliche Herausforderung ist, dann erst kann man erfolgreich sein. Der Tagesspiegel-Autor Florian Kessler spricht daher ganz richtig von notwendiger Rudelbildung:

Auch in Deutschland geben Verlage seit Neuestem besondere Romanausgaben für Lesekreise heraus. Im Anhang finden sich dann etwa Interviews mit den Autoren, Werklisten und mögliche Fragestellungen für die Diskussion. In der taumelnden Buchbranche mit ihren fast 100 000 Veröffentlichungen pro Jahr kann so etwas vielleicht ein Unterscheidungsmerkmal sein. Vor allem ermutigt es zu einem Leben mit Büchern: Bildet Banden! Rudelbildung stützt den Buchmarkt!

Nicht nur aus meiner, sondern auch aus der Sicht des E-Commerce-Experten Jochen Krisch sind Lesekreise eine große Chance für das Direktmarketing, über das wir ja auch häufig sprechen, wenn es um das so genannte „Social Media Marketing“ geht:

http://twitter.com/#!/jkrisch/status/140210494232469504

 

Jochen Krisch sieht Shopping-Parties generell als ein Zukunftsthema:

Das Thema „Shopping Parties“ in seinen mannigfaltigen Ausprägungen sehen wir als eines der großen Zukunftsfelder für den neuen E-Commerce. (…) Am bezeichnendsten und am sichtbarsten ist der Wandel bei den branchenprägenden Tupperparties (PDF), mit denen Tupper hierzulande jährlich rund 230 Mio. Dollar (160 bis 170 Mio. Euro) oder etwa 10% des Gesamtumsatzes von 2,3 Mrd. Dollar erzielt. Siehe auch das Interview in der FAZ („Frauenversteher Rick Goings“) oder den Bericht über das boomende Frankreich-Geschäft von Tupperware.

Es gibt natürlich auch schon Buchhandlungen, die aktiv sind, wie bspw. die Buchhandlung Riemann in Coburg mit den „Buchpickern„. Meinem Eindruck nach sollten es aber viel mehr sein und diese könnten noch offensiver sein. – Wer kennt gute Beispiele?

Update 28.11.2011: Ein tolles Beispiel: Bücher zum Tuppern (via Patricia Schütz)

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