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Marketing-Interview: Ulrike Langer, freie Journalistin

Die Interview-Reihe „Ich mach was mit Marketing“ soll dazu dienen zu zeigen, wie interessante Menschen in interessanten Märkten die (z.T. neuen) Möglichkeiten des Marketings für sich und ihr Unternehmen nutzen. Wer Lust hat, auch ein Interview beizusteuern, kann mich einfach kontaktieren oder mir direkt die Antworten und ein Foto von sich zusenden. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.) Die bisherigen Interviews finden Sie hier.

Heute stellt sich Ulrike Langer vor:

Wer sind Sie und „was machen Sie mit Marketing“?

Ich bin freie Journalistin ohne Pauschalvertrag mit einem Medienunternehmen. Ich muss also jeden einzelnen Beitrag vermarkten, den ich einer Redaktion anbiete. Und zwar unter den Aspekten: Was ist interessant an diesem Thema? Was ist der Aufhänger, der aktuelle Anlass? Für welches Magazin könnte das interessant sein? Wer hat eventuell sonst noch etwas drüber geschrieben? Welchen Aufwand kann ich in die Recherche investieren, damit es sich wirtschafltich für mich lohnt?

Was ist das Besondere an Ihrem Markt/Ihrer Zielgruppe?

Es ist ein Markt, der sich momentan rasant und radikal verändert. Das Internet, vor allem sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter und neuerdings Google+, kollaborative Plattformen wie Wikipedia oder Guttenplag, oder mobile Applikationen stellen, wie wir Medien nutzen, radikal auf den Kopf. Viele Journalisten sehen in der digitalen Medienrevolution vor allem eine Bedrohung ihre Berufsstandes. Journalisten sind keine Gatekeeper der Nachrichten mehr und sie müssen heute viel mehr als früher mit den Nutzern kommunizieren. Ich gehöre zu denen, die in der Veränderung vor allem die Marktchancen sehen. Freie Journalisten haben es heute leichter als früher, sich unabhängig von etablierten Medienhäusern selbst einen Namen zu machen. Wir sind eine sich neu entwickelnde Spezies ganz freier Journalisten, wir sind Unternehmerjournalisten.

Was ist das Besondere an Ihren Marketing-Aktivitäten?

Sie kosten nichts. Ich nutze vor allem mein Blog, Twitter, Facebook und zunehmend auch Google+, um auf meine Themen, meine Recherchen und meine Interessen aufmerksam zu machen. Mein Blog ist meine geistige Heimat im Netz, auf der ich Themen ausführlicher präsentiere. Der Austausch mit anderen Nutzern findet zunehmend in den sozialen Netzwerken statt, was natürlich die unmittelbare Vermarktbarkeit schmälert, wenn weniger Besucher auf das Blog kommen. Das finde ich allerdings nicht weiter schlimm, weil ich auch nie erwartet habe, mit dem Blog selbst nennenswert Geld zu verdienen. Die Gesamteinnahmen durch Mikrospenden (Flattr, Kachingle), Google Adsense und gelegentliche Affiliate-Links (Amazon) liegen bei mir in den meisten Monaten unter 100 Euro.

Entscheidend ist ein anderer Punkt: Mein Blog ist ein Marketinghebel für gut bezahlte Aufträge. Durch das Bloggen (und Twittern und Facebooken) sind meine Bekanntheit im Netz und mein Marktwert gestiegen. Ich kann höhere Honorare und Tagessätze verlangen als früher, bzw. mit besserem Gefühl als früher leisten, unrentable oder zu uninteressante Aufträge abzulehnen. Ich halte mittlerweile auch Vorträge, diskutiere auf Podien und halte Workshops. Das bedingt allerdings zwingend eine Themenspezialisierung. Man muss ein Alleinstellungsmerkmal haben.

Ich halte viel von der Freemium-Theorie des „Wired“-Chefredakteurs Chris Anderson: Kostenlose kleinere Inhalte an eine breite Zielgruppe verschenken, um aus dieser Zielgruppe zahlende Kunden für Premiumangebote zu gewinnen. Deshalb stelle ich jedesmal, wenn meine Vortrags- und Seminarfolien nennenswert neue Inhalte haben, die kompletten Folien zum Download bei Slideshare ein und bette sie in mein Blog ein, ich „verschenke“ sie also. Und häufig melden sich daraufhin zahlende Kunden mit neuen Anfragen für Vorträge oder Workshops.

Wie messen Sie Erfolg?

An meiner persönlichen und beruflichen Zufriedenheit. Vor drei Jahren, als ich noch als klassische freie Journalistin gearbeitet habe, ohne die sozialen Netzwerke selbst aktiv zu nutzen – ich war damals eine Karteileiche bei Xing und LinkedIn und bei Facebook rein privat unterwegs – hatte ich oft das Gefühl, in einer Tretmühle zu stecken, die nicht von mir betrieben wird. Seit ich mich stärker spzialisiert habe und mein Spezialwissen besser vermarke, ist dieses Gefühl verschwunden. Ich kann wesentlich autonomer und selbstbewusster entscheiden, was ich wirklich will. Mitte Juli habe ich sogar einen langgehegten Wunsch erfüllt und bin mit meiner Familie als freie Journalistin nach Seattle gezogen, um in meiner Traumstadt zu leben und zu arbeiten. Dieser Schritt ist sicherlich nicht ohne berufliches Risiko, aber ich bin zuversichtlich, dass es der richtige Schritt ist.

Welche Ihrer Marketing-Maßnahmen der jüngsten Zeit war besonders erfolgreich oder interessant?

Auf jeden Fall das Buchprojekt „Universalcode„, dessen Entstehung und Vermarktung allerdings in erster Linie auf dem unermüdlichen Einsatz von Christian Jakubetz beruhen. Gemeinsam mit ihm und Ralf Hohlfeld bin ich Co-Herausgeberin und Autorin mehrerer Kapitel. Es ist ein Lehrbuch über den neuen Journalismus in digitalen Zeiten. Das Ungewöhnliche daran ist, dass wir nicht einen Cent für Marketingmaßnahmen ausgegeben haben.  Und obwohl wir zur Zeit mangels Einnahmen kein Autorenhonorar auszahlen können, war schon wenige Wochen nach dem ersten Brainstorming auf dem Blog von Christian Jakubetz fast das gesamte Autorenteam komplett. Die meisten Autoren haben sich selbst bei uns gemeldet und wollten ehrenamtlich über ein Thema schreiben, das sie fasziniert. Die Autoren haben dann auch wie echte Evangelisten im sozialen Netz leidenschaftliches Marketing für das Buch betrieben. Das hat sich einfach herumgesprochen, per Mundpropaganda, wobei der kollaborative und transparente Entstehungsprozess des Buches ebenso Thema war wie der Inhalt des Buches, der offensichtlich eine Marktlücke füllt.

Sehr schnell meldete sich dann auch Marion Schwehr mit ihrer Crowdfunding-Buchplattform Euryclia mit sehr fairen Konditionen bei uns. Auf dieser Verlagsplattform können Interessenten zum Subskriptionspreis Bücher vorbestellen, die erst noch produziert werden sollen. Euryclia hat natürlich auch eine Menge zur Vermarktung des noch unfertigen Buchs beigetragen, zum Beispiel mit Leseproben im Netz und einem Vermarktungswidget, dass man in Blogs einbinden kann. Für diese Idee hat Euryclia mit dem Referenzprojekt „Universalcode“ den Virenschleuderpreis erhalten. Inzwischen gibt es fast 900 verbindliche Vorbestellungen, was für ein Sachbuch, das noch nicht einmal auf dem Markt ist, enorm viel ist. Im Spätsommer wird „Universalcode“ in Buchform und als E-Book erscheinen, eine Webseite ist noch in der Entwicklungsphase.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Den typischen Tag gibt es gar nicht. Ich arbeite normalerweise zuhause im Dachbüro, war in den letzten zwölf Monaten aber auch extrem viel auf Reisen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Jetzt, wo ich in Seattle wohne, muss ich die Vortrags- und Seminartermine natürlich bündeln, damit sich die weiten Reisen nach Europa lohnen. Das plane ich zur Zeit drei- bis viermal im Jahr für zwei bis drei Wochen ein. Meine Arbeit in meiner neuen Heimat – wieder im heimischen Dachbüro – hat sich kaum verändert, außer, dass ich hier noch daran arbeite, ein neues Kontaktnetzwerk zu knüpfen. Dadurch, dass ich im Netz über Netzthemen recherchiere und publiziere, kann ich eigentlich an jedem Ort der Welt arbeiten. Hauptsache, es gibt schnelles WLAN und gute Flugverbindungen. Allerdings kommt es mir sehr entgegen, dass ich ein Frühaufstehertyp bin, denn wenn ich gegen 7 Uhr, meistens nach einem Lauf am Strand, am Schreibtisch sitze, ist es in Deutschland immerhin schon 16 Uhr. So bleiben wenigstens ein paar Stunden für Skype-Telefonate oder das Echtzeitnetz, bevor sich ein großer Teil meiner Twitter-Timeline schon wieder für den Tag verabschiedet.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter anderem hier:

Danke!

Bildquelle: Ulrike Langer

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Abo + Austausch: Feed, E-Mail, Facebook, Google+, Twitter, Xing, LinkedIn

Aron Pilhofer: Die New York Times ist im Vertrauensgeschäft, Data Driven Journalism ist Mehrwert

Aron Pilhofer, Editor of Interactive News der New York Times, im Interview mit Meedia:

(…)
Ist „Data Driven Journalism“ evtl. genau der Mehrwert gegenüber anderen Medien, den das Internet neben Schnelligkeit gegenüber herkömmlichen Medien bietet?

Teilweise ja. Wenn wir in den vergangenen 15 Jahren etwas gelernt haben, dann dass das Web außerordentlich gut dazu geeignet ist, Gerüchte oder Lügen als Tatsachen zu verbreiten. Manchmal stellen sich diese Gerüchte als wahr heraus, also kommt es vor, dass wir einige Storys verpassen. Deswegen haben Nachrichtenorganisationen immer einen leichten, strategischen Nachteil, da wir dazu verpflichtet sind, vor einer Veröffentlichung Bericht zu erstatten und eine Freigabe einzuholen.
Aber da die Online-Medienlandschaft immer bevölkerter und es immer schwieriger wird, Tatsachen von Fiktion zu unterscheiden, werden Glaubwürdigkeit und Autorität wohl das wertvollste Online-Gut werden. Das ist unser wettbewerblicher Vorteil, bei dem der Data Driven Journalism der Berichterstattung einen so genannten Mehrwert geben kann.
Schließlich ist die New York Times nicht nur im Nachrichtengeschäft; wir sind im Vertrauensgeschäft. Leser vertrauen unserem Nachrichtenurteil, sie vertrauen, dass unsere Berichterstattung den höchsten redaktionellen Standards entspricht – und das tut sie auch, sonst hätten wir nicht Millionen loyaler Leser bei der Druckausgabe und Online.
Data Driven Journalism kann unsere Fähigkeit verbessern, eine glaubwürdige Quelle für Neuigkeiten und Informationen zu sein. Er ermöglicht uns, Geschichten zu finden und über diese zu berichten, die ansonsten vielleicht übersehen werden würden. Aber das Web ermöglicht es Journalisten, die Leser in den Berichterstattungsvorgang einzubeziehen. Und aus Sicht der Veröffentlichung können wir im Grunde unser Werk zeigen, indem wir der Öffentlichkeit den Zugriff auf die gleichen Daten und Dokumente geben, die wir für die Berichterstattung hatten.
Kurz gesagt, ermöglicht uns der Data Driven Journalism nicht nur eine bessere Berichterstattung, sondern erhöht auch ihre Glaubwürdigkeit.

(…)

 

Mehr über das Thema Data Driven Journalism erfährt man auf dieser Website und in dieser Doku (54 min.):

via: netzpolitik.org

Job mit Zukunft: Faktenchecker/Dokumentar

Der Job mag in der Presselandschaft unter Druck stehen, wird dafür aber im Netz künftig umso gefragter sein. Gute Faktenchecker haben meiner Meinung nach auch gute Zukunftsaussichten …

Nur wenige Wochenmagazine leisten sich diesen scheinbaren Luxus noch. Beim Fernsehen ist diese Kultur noch unbekannter. Dabei sichern die Faktenchecker die Qualität des Journalismus. Hauke Janssen: „Factchecking macht Sinn im Zusammenhang mit einer bestimmten Form des Journalismus. Und scheinbar ist es so, dass in letzter Zeit immer mehr es so empfunden wird, dass diese Form des Journalismus einfach nur teuer ist und ihr Geld nicht einspielt und von daher sind wir da bedroht.“ Dabei werden die Faktenchecker mehr denn je gebraucht. Denn in Zeiten des Internets verbreiten sich Fehler rasend schnell. Sie auszuräumen, kostet dagegen Zeit und Geld.

Video (8 min.):

Jeff Jarvis über Unternehmer-Journalismus

Ulrike Langer hat vor kurzem ein interessantes Interview mit Jeff Jarvis u.a. zu seinem Ansatz eines „entrepreneurial journalism“ geführt:

Brauchen wir mehr Journalisten als Unternehmer? In welchen Bereichen hat ein Unternehmerer-Journalist besonders gute Chancen? Ein Interview mit Jeff Jarvis („Buzzmachine“, „What Would Google Do?“), der an der New Yorker CUNY Graduate School of Journalism den Kurs „Entrepreneurial Journalism“ leitet. Mit Jeff Jarvis sprach ich in München auf Burdas Digitalkonferenz DLD10.

Auf Ulrike Langers Blog findet sich sogar eine Textfassung des Interviews.

Video (18 min.):

Clay Shirky und Jay Rosen unterhalten sich über die Zukunft des Journalismus

Bei den Blogpiloten (Jörg Wittkewitz) bin ich auf ein sehr interessantes Gespräch zwischen Clay Shirky (shirky.com) und Jay Rosen (pressthink.org) gestoßen, das sich um die Zukunft des Journalismus dreht. Beide sind ja führende Köpfe auf diesem Feld und insbesondere Shirky hat sich in diesem Jahr mit Beiträgen wie Newspapers and Thinking the Unthinkable weithin Gehör verschafft.

Das Gespräch ist in fünf YouTube-Videos aufgesplittet und dauert insgesamt eine knappe Stunde:

 

Teil 1, 9 min.

 

Teil 2, 17 min.

 

Teil 3, 8 min.

 

Teil 4, 14 min.

 

Teil 5, 5 min.

Bildquellen: Joi (CC-Lizenz), Joi (CC-Lizenz)

Zapp über die Recherchen US-amerikanischer Online-Medien

Das Medienmagazin Zapp berichtet über Nachrichten-Initiativen in den USA:

Für lau ins Internet, damit soll jetzt Schluss sein. Zumindest bei den Online-Ausgaben des Springer Konzerns. Zwar streicht der Verlag Inhalte und Stellen, trotzdem bitten Hamburger Abendblatt und Co. ihre Leser seit gestern zur Kasse. Einen ganz anderen Weg aus der Krise nimmt die Internet Zeitung ProPublica aus New York. Sie ist die größte Online-Zeitung für investigativen Journalismus in den USA und kostet den Leser nichts. Einem großzügigen Spender sind die brilliant recherchierten Artikel sogar Millionen wert.

Video (5 min.):

Dallas Morning News: Redakteure sind Werbeverkäufern künftig direkt unterstellt

Zeitungshäuser schreiben sich gern und oft Qualitätsjournalismus auf die Fahnen. Doch die Krise macht es immer schwerer, diesem Bild gerecht zu werden. Inzwischen wird selbst Grundlegendes hinterfragt. So geschehen bei den Dallas Morning News. Deren Redakteure erhielten am 2. Dezember ein Schreiben von Herausgeber Bob Mong und von Cyndy Carr, die Senior Vice President of Sales ist. Darin heißt es:

To better align with our clients‘ needs, we will be organized around eleven business and content segments with similar marketing and consumer profiles including: sports, health/education, entertainment, travel/luxury, automotive, real estate, communications, preprints/grocery, recruitment, retail/finance, and SMB/Interactive.

Each segment will be led by a General Manager (GM), a newly-defined role, each reporting to Cyndy Carr, charged with analyzing and growing the business by developing solutions that meet consumer needs and maximize results for our clients. Their responsibilities will include sales and business development. They will also be working closely with news leadership in product and content development.

In the Sports and Entertainment segments, the senior news editors will report directly to the GM while retaining a strong reporting relationship to the editor and managing editor.

(…)

The segment restructure is one of several key strategies we have implemented this year to better serve our advertising clients

 

Konkret bedeutet das, dass etliche Redakteure künftig an diejenigen berichten werden, die für den Werbeverkauf verantwortlich sind. Zudem sollen die Inhalte auf die Bedürfnisse der Werbekunden hin ausgerichtet werden. Ob das die richtige Reaktion auf die Krise ist? In gewisser Weise ist es ja nur konsequent, könnte man sagen …

In dem Schreiben wird witizgerweise gleich zu Beginn ein Vertrauensgewinn prognostiziert – jedoch nicht gegenüber den Lesern:

Today we are launching a new business segment structure as the next step toward becoming the most comprehensive and trusted partner for local businesses in attracting and retaining customers and continuing to generate important, relevant content for our consumers.

via: Techdirt