Schlagwort: journalisten

Jeff Jarvis über Unternehmer-Journalismus

Ulrike Langer hat vor kurzem ein interessantes Interview mit Jeff Jarvis u.a. zu seinem Ansatz eines „entrepreneurial journalism“ geführt:

Brauchen wir mehr Journalisten als Unternehmer? In welchen Bereichen hat ein Unternehmerer-Journalist besonders gute Chancen? Ein Interview mit Jeff Jarvis („Buzzmachine“, „What Would Google Do?“), der an der New Yorker CUNY Graduate School of Journalism den Kurs „Entrepreneurial Journalism“ leitet. Mit Jeff Jarvis sprach ich in München auf Burdas Digitalkonferenz DLD10.

Auf Ulrike Langers Blog findet sich sogar eine Textfassung des Interviews.

Video (18 min.):

Clay Shirky und Jay Rosen unterhalten sich über die Zukunft des Journalismus

Bei den Blogpiloten (Jörg Wittkewitz) bin ich auf ein sehr interessantes Gespräch zwischen Clay Shirky (shirky.com) und Jay Rosen (pressthink.org) gestoßen, das sich um die Zukunft des Journalismus dreht. Beide sind ja führende Köpfe auf diesem Feld und insbesondere Shirky hat sich in diesem Jahr mit Beiträgen wie Newspapers and Thinking the Unthinkable weithin Gehör verschafft.

Das Gespräch ist in fünf YouTube-Videos aufgesplittet und dauert insgesamt eine knappe Stunde:

 

Teil 1, 9 min.

 

Teil 2, 17 min.

 

Teil 3, 8 min.

 

Teil 4, 14 min.

 

Teil 5, 5 min.

Bildquellen: Joi (CC-Lizenz), Joi (CC-Lizenz)

Zapp über die Recherchen US-amerikanischer Online-Medien

Das Medienmagazin Zapp berichtet über Nachrichten-Initiativen in den USA:

Für lau ins Internet, damit soll jetzt Schluss sein. Zumindest bei den Online-Ausgaben des Springer Konzerns. Zwar streicht der Verlag Inhalte und Stellen, trotzdem bitten Hamburger Abendblatt und Co. ihre Leser seit gestern zur Kasse. Einen ganz anderen Weg aus der Krise nimmt die Internet Zeitung ProPublica aus New York. Sie ist die größte Online-Zeitung für investigativen Journalismus in den USA und kostet den Leser nichts. Einem großzügigen Spender sind die brilliant recherchierten Artikel sogar Millionen wert.

Video (5 min.):

Journalisten bekommen durch Software noch mehr (billigen) Wettbewerb

Das Problem vieler Journalisten ist, dass sie und ihre Arbeit zu teuer für die vorhandene Nachfrage sind. Durch das Internet wird diese Tendenz stetig verstärkt. Wenn mein Social Graph via Twitter, Facebook & Co. auch mein Nachrichtenticker ist, benötige ich bspw. eine herkömmliche mit vielen Agenturmeldungen gefüllte Regionalzeitung immer weniger. Gerade freie Journalisten geraten dadurch vielerorts in Nöte.

Richtig problematisch wird es jedoch für Journalisten, wenn ihre Arbeit durch Software (teil-)ersetzt wird, da der Preiskampf in vielen Bereichen spätestens dann nicht mehr zu gewinnen ist. Doch ist es realistisch, dass Software journalistische Texte generiert?

Anscheinend ja: Studenten am Intelligent Information Laboratory der Northwestern University haben nun mit Stats Monkey ein Programm entwickelt, das genau das leisten soll:

Imagine that you could push a button, and magically create a story about a baseball game. That’s what the Stats Monkey system does. Given information commonly available online about many games—the box score and the play-by-play—the system automatically generates the text of a story about that game that captures the overall dynamic of the game and highlights the key plays and key players. The story includes an appropriate headline and a photo of the most important player in the game.

The system is based on two underlying technologies. First, it uses baseball statistical models to figure out what the news is in the story: By analyzing changes in Win Probability and Game Scores, the system can pick out the key plays and players from any baseball game. Second, the system includes a library of narrative arcs that describe the main dynamics of baseball games (as well as many other competitions): Was it a come-from-behind win? Back-and-forth the whole way? Did one team jump out in front at the beginning and then sit on its lead? The system uses a decision tree to select the appropriate narrative arc. This then determines the main components of the game story and enables the system to put them together in a cohesive and compelling manner. The stories can be generated from the point of view of either team.

Bei der New York Times findet sich ein Beispiel für einen auf diese Weise generierten Artikel.

Das Ganze soll natürlich auch noch weiterentwickelt werden:

Ultimately, the system can be extended to generate stories that include quotes from individuals or organizations involved in those stories (when those quotes are available online) as well as stories in different narrative styles for different audiences.

Die Studenten verweisen darüber hinaus auf eine Menge weiterer interessanter Projekte, an denen sie arbeiten oder gearbeitet haben.

Wie aber sollten Journalisten reagieren? Wahrscheinlich sollten sie lernen, wie man solche Software programmiert …

via: CARTA
Bildquelle: alex-s (CC-Lizenz)

Zapp: Freie Journalisten in Not

Das NDR-Medienmagazin Zapp berichtet über die Nöte freier Journalisten.

Es kommt auch zur Sprache, wie es am ehesten zu funktionieren scheint:

Robert Fishmann kommt besser über die Runden. Der Journalist denkt wie ein Kaufmann. 80 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt er damit, seine Geschichten zu vermarkten. Aus jeder Recherche versucht er maximalen Gewinn zu ziehen. „Ich suche mir meine Geschichten, verkaufe sie hinterher möglichst vielfach, d.h. ans Radio, die Fotos an Bildagenturen, Print-Artikel und -Fotos an Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Das heißt, das Ganze wird rentabel – wenn’s denn klappt – durch die Vielfachverwertung.“

Video (9 min.):

10 Karriereoptionen für Auslandskorrespondenten und andere Journalisten

Karrieretipps für Berufsstarter geben Viele. Doch was ist mit Leuten, die mitten im Berufsleben stehen, wie bspw. Auslandskorrespondenten und andere Journalisten? Eric Weiner zeigt ihnen 10 Karriereoptionen auf:

Über Eric Weiner

Eric Weiner is a longtime correspondent for National Public Radio. He spent a decade overseas for NPR, based in New Delhi, Jerusalem and Tokyo. Weiner is also the author of The Geography of Bliss: One Grump’s Search for the Happiest Places in the World. In the book, Weiner travels to spots around the globe — including Iceland, Bhutan, Moldova and Qatar — to search out how different countries define and pursue happiness. (Quelle: Wikipedia)

Die 10 Optionen

    1. Journeyman
    2. Management
    3. Columnist / Author
    4. Professor
    5. Public Relations
    6. Barfly
    7. Bed & Breakfast
    8. Death
    9. (Steve Rattner)
    10. Digital

Video (10 min.):

via: Thomas Crampton

Von Spot.us lernen: community funded writing?

Die Plattform Spot.us bekommt derzeit viel Aufmerksamkeit. Ich hatte vor ein paar Tagen über sie berichtet, ebenso Medienlese. Sie präsentiert uns einen innovativen Ansatz, um Journalismus in Zeiten kriselnder Medienhäuser zu finanzieren: „community funded reporting“.

Wenn es nun aber der Priorisierung Community First sowie zumindest 1.000 echter Fans bedarf, um künftig im Medienbereich Erfolg zu haben, so könnte man in Spot.us ein Vorbild über den Journalismus hinaus sehen. Dann hieße ein Ansatz für die Buchbranche bspw. „community funded writing“.

Spot.us nutzt ja den Umstand, dass Menschen gesellschaftsrelevante Themen journalistisch aufbereitet sehen wollen. Wo also könnten Communities (verstanden nicht als Plattform, sondern als Gruppe von Menschen mit einem gemeinsamen Interesse) im künftigen Buchbereich einen ähnlich großen Bedarf sehen, sodass sie freiwillig dazu bereit wären, Geld für die „gute Sache“ auszugeben? Bei bestimmten Arten von Sach- und/oder Fachbuchinhalten? Nach dem Motto: Wir bräuchten ein gutes Buch über Kindernahrung – lasst uns zusammenlegen für den Autor xyz …? Oder werden diese Inhalte auch künftig in jedem Falle auf anderen Wegen erstellt werden?

Letztlich könnte das Prinzip in der Belletristik aber ähnlich sein. Wenn ein Schriftsteller eine Gruppe echter Fans um sich geschart hat, sind die Voraussetzungen ganz gut. Denn ein echter Fan möchte seinem bewunderten Schriftsteller ja sicherlich das Schreiben des nächsten Romans ermöglichen. Dieser Inhalt ist für ihn mindestens ebenso relevant wie die Berichterstattung über lokale Missstände.

Jedenfalls bin ich gespannt, auf welchen weiteren Feldern solche Ansätze künftig erprobt werden und wo sie sich letztlich durchsetzen könnten. Was meinen Sie?

Bild: jeffmcneill