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Soziologie-Professor Dirk Kaesler über Autorenhonorare für wissenschaftliche Texte

Warum sind Zahlen, wie sie die Erfolgs-Autorin Kathrin Passig offengelegt hat, so wertvoll? Weil Malte Welding Recht hat. Er schreibt auf faz.net: Wir führen eine Scheindebatte, wenn wir über das Urheberrecht reden. Wir müssen über Geld reden.

Das Verhältnis von wissenschaftlichen Autoren und Verlagen vor diesem Hintergrund hat Prof. Dr. Dirk Kaesler Ende letzten Jahres beleuchtet. In seinem lesenswerten Beitrag skizziert er die geschichtliche Entwicklung von Honorarzahlungen an Autoren, kommentiert aktuelle Tendenzen auf dem Buchmarkt und bringt eigene Erfahrungen mit Publikationsprojekten ein:

Wohl bekomm’s! Über das Elend der Autorenhonorare für wissenschaftliche Texte

Zur Historie:
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Man kann es auf den Punkt bringen: Für den Verfasser wissenschaftlicher Werke, einen Gelehrten also, war es unter seiner Ehre, Geld für die Ergebnisse seines wissenschaftlichen Forschens bezahlt zu bekommen. Eine „Ehrengabe“ anzunehmen war jedoch einigermaßen akzeptabel. Dieses Denken beherrschte nicht nur die Gelehrten, ein „Honorarium“ erwarteten auch Advokaten, Ärzte und Apotheker: sie alle zählten sich ja nicht zu den Kaufleuten, die eine Ware gegen Geld eintauschten. Harald Steiner überschreibt dieses Kapitel seines Buches sehr zutreffend mit „Der Dualismus Geist und Geld“.
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Zur aktuellen Lage:
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Insgesamt scheinen wir uns auf jene Zustände zurückzubewegen, von denen oben in dem Zitat von Harald Steiner die Rede war: Das „Ehrengeschenk“ reduziert sich darauf, ein Exemplar des gedruckten Textes – sei es als Monografie, als Sammelband, als Lexikon, als Zeitschriftenheft – in den Händen zu halten und einen Eintrag in das eigene Schriftenverzeichnis machen zu können. Jenen, die es im wissenschaftlichen Betrieb geschafft haben, eine sichere Position zu erlangen, wird ohnehin oft und leichtzüngig gesagt, dass sie es ja wohl „nicht nötig“ hätten, sie müssten ja nicht davon leben, sondern bekämen eine – angeblich üppige – staatliche Alimentation für das Produzieren ihrer Texte.
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Eigene Erfahrungen:
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Für sämtliche Verwertungsrechte und Nutzungsarten an den Beiträgen erhalten wir vom Verlag zwei Freiexemplare des Werks sowie die Berechtigung, weitere Exemplare des Wörterbuchs für den eigenen Bedarf mit einem Rabatt von 30 Prozent des Ladenpreises zu beziehen sowie mit einem Rabatt von 25 Prozent andere Titel aus dem Verlagsprogramm zu kaufen! Die Beleg- und Autorenexemplare dürfen jedoch unter keinen Umständen weiterverkauft werden, das wird in § 4 der „Mitarbeitervereinbarung“ nachdrücklich festgehalten. Diese ist nicht unterschrieben, es ist auch kein Platz für die eigene Unterschrift, die „Vereinbarung“ ist ja auch „nur“ zur Kenntnis zu nehmen, das aber „verbindlich“.
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Bildquelle: Bert Bostelmann (CC-Lizenz BY-SA)

Seltene Offenheit einer Erfolgs-Autorin: Kathrin Passig schlüsselt ihre Bucheinnahmen auf

Ergänzend und vertiefend zu ihrem Beitrag im Tagesspiegel, in dem Kathrin Passig Einblick in ihre Tätigkeiten, ihre Einnahmequellen und ihre Einnahmen gegeben hat …

Seit Anfang 2006 lebe ich überwiegend von klassischen Buchvorschüssen.
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Ein weiteres Standbein ist mein T-Shirt-Shop zufallsshirt.de, ein selbstgebauter Motivgenerator, der bei jedem Reload ein neues T-Shirt mit Zufallsbild und Zufallsaufschrift erzeugt. Die Shirts haben im letzten Jahr ungefähr 3000 Euro eingebracht
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Am Ende kommen dabei im Jahr ungefähr 20 000 bis 25 000 Euro vor Steuern heraus.

… hat sie nun in den Kommentaren auf Facebook ihre Bucheinnahmen noch weiter aufgeschlüsselt. Auf so eine Offenheit trifft man selten und daher ist das sehr interessant:

Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig über ihre Tätigkeiten, ihre Einnahmequellen und ihre Einnahmen

Die freie Autorin und Journalistin Kathrin Passig gibt uns einen interessanten Einblick und nennt auch harte Zahlen – ihr Beitrag zur Debatte über Urheberrechte:

Kathrin Passig: Und dann ist da noch mein T-Shirt-Shop

Seit Anfang 2006 lebe ich überwiegend von klassischen Buchvorschüssen.
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Ein weiteres Standbein ist mein T-Shirt-Shop zufallsshirt.de, ein selbstgebauter Motivgenerator, der bei jedem Reload ein neues T-Shirt mit Zufallsbild und Zufallsaufschrift erzeugt. Die Shirts haben im letzten Jahr ungefähr 3000 Euro eingebracht
(…)
Am Ende kommen dabei im Jahr ungefähr 20 000 bis 25 000 Euro vor Steuern heraus.

Kathrin Passig beschreibt ihr Mediennutzungsverhalten

Kathrin Passig gibt einen in Gänze lesenswerten Einblick in ihr „Medien-Menü“, bei dem an mancher Stelle ein Self-Monitoring-Wunsch nicht zu verkennen ist:

Kathrin Passig: Mein Medien-Menü

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Die zu Ende gelesenen Bücher der letzten Jahre notiere ich bei Goodreads – ab Anfang 2009 sind das zuverlässige Daten, alles, was vorher kommt, musste ich aus meinen Amazon-Bestellungen rekonstruieren. Goodreads ist nicht besonders überzeugend, ich kenne nur wenige Menschen, die es nutzen, und die Buchempfehlungen dort sind nur unwesentlich besser als bei Amazon. Aber ich finde es sehr hilfreich, um eine realistische Vorstellung von meinem Leseverhalten zu bekommen. Bis ich damit anfing, hielt ich mich immer noch für denselben Leser wie 1995. Dass ich in den letzten zehn Jahren nur wenige hundert Bücher gelesen habe, finde ich immer noch schwer zu glauben. Ohne ein solches Aufzeichnungstool wüsste ich auch nicht, dass ich in den letzten paar Monaten mehr Fiktion gelesen habe als davor in vielen Jahren.
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Schön beschrieben hat sie auch das hier:

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Ich bekomme die c’t gratis, lese aber eigentlich schon seit ein paar Jahren nur noch wenige Seiten darin. Ich habe es bisher nicht übers Herz gebracht, sie abzubestellen, denn wenn Leser anfangen, ihre Gratisabos zu kündigen, dann weinen die Redakteure dieser guten, klugen Zeitschrift. Aber jetzt steht es hier schon, ich überwinde mich gleich mal und maile ihnen, es hilft ja nichts.
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via: neunetz.com

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Es gibt nicht den einen Buchmarkt der Zukunft

Ich freue mich sehr, dass der Buchmarkt immer stärker in den Fokus der Diskussion gerät. Ein Problem ist ja, dass der Buchmarkt bisher etwas abgetrennt wahrgenommen wird und zu wenig über die Grenzen hinweg diskutiert wird. Das scheint sich zu ändern.

Just gestern haben sich verschiedene Blogger/Autoren Gedanken zum Buchmarkt gemacht:

Dabei wird der Buchmarkt gern mit dem Musikmarkt verglichen und auch ich nutze diesen Vergleich öfter. Ich glaube aber, wir müssen im Buchbereich stärker differenzieren als im Musikbereich. Den einen Buchmarkt der Zukunft, wie er oft diskutiert wird, wird es nicht geben. Der Musikmarkt der Zukunft zerfasert letztlich viel weniger als der Buchmarkt der Zukunft. Bei Musik geht es am Ende doch meist um Audio-Clips von ein paar Minuten Länge. Das Buch von morgen hat 1.000 unterschiedliche Ausprägungsformen und die Entwicklungen in der Belletristik sind wesentlich andere als die im Bereich der Fachinformation. In der Belletristik geht es um die Erzeugung von Erlebnissen und im Fachmarkt um die konkrete Problemlösung. Zudem verschwimmen die Grenzen zunehmend u.a. hin zur Software-/Games-Branche.

Gerade – aber nicht nur – auf den Fachmarkt bezogen liegt Sascha Lobo ziemlich schief und er sollte die offiziellen Statements des Börsenvereins-Vorstehers und anderer nicht mit der generellen Lage in den Verlagen verwechseln: [Mein Fehler: Ich hatte Sascha Lobos Einschränkung auf den Publikumsbereich zu Beginn seines Beitrags überlesen.]

[Ergänzung] Auch auf Publikumsverlage bezogen finde ich Sascha Lobos Aussage der fehlenden Wiss­be­gier­de und der Realitätsverleugnung zu stark. Man darf die offiziellen Statements des Börsenvereins-Vorstehers und anderer nicht mit der generellen Lage in den Verlagen gleichsetzen: [/Ergänzung]

Das Problem der Verlage in Deutschland ist, dass sie (…) in den anderen Bereichen nicht wissbegierig lernen, sondern die digitale Realität verleugnen: Sie macht ja erst 0,5% des Umsatzes aus. (…) Denn bereit UND fit für die Transformation ist meiner Einschätzung nach ungefähr keiner, und zwar – man mag es glauben oder nicht – aus weitgehend romantischen Gründen. Und das passt im Guten wie im Schlechten dann doch ganz gut zur Buchbranche.

Einen Kernpunkt nennt aus meiner Sicht schon eher Marcel Weiss: Buchverlage sind keine Technologieunternehmen – Die Leute in den Verlagen sind nämlich nicht zu blöd zu kapieren, dass die digitale Welt wichtig ist (mal unabhängig von allen Diskussionsmöglichkeiten bzgl. Detail-Ansichten). Die Frage ist eher, wie der Übergang gestaltet werden kann. Wie können ausgehend von den bestehenden Strukturen und dem bestehenden Personal die Unternehmen so verändert werden, dass man sich fit macht für einen hoffentlich/vielleicht(?) entstehenden Markt, dessen Größe im Detail aber ungewiss ist, wobei zugleich noch möglichst viele Gewinne aus dem traditionellen Geschäft mitgenommen werden sollen. Wie muss man das organisatorisch aufsetzen – inhouse oder als Schnellboot anbei. Usw. usf. …

Ein Begriff der auch gar nicht fällt ist der der Rechte. Bei E-Books erwerbe ich ja nichts anderes als bestimmte Nutzungsrechte. Ein Buchmarkt der Zukunft bedeutet Rechtehandel. Wie geht man als Verlag damit um und was sind passende Geschäftsmodelle dafür. Fragen über Fragen :)

Wie gesagt, ich finde es super, dass meinem Eindruck nach das Interesse am Buchmarkt steigt. Das dürfte noch zunehmen, je mehr Leute selbst zu Autoren werden.

Ansich sollten wir zusammen gezielt Anlässe schaffen („Think Tank“), bei denen sich Leute aus der Internet-Szene und der Buchbranche zusammen setzen und die Sache vorantreiben.

Wer in Frankfurt wohnt, kann gern zu unseren Publishing-Stammtischen kommen. Es gibt regelmäßige Austauschmöglichkeiten u.a. auch in Stuttgart und in Köln. Es gibt auch zunehmend im Buchbereich interaktive Veranstaltungsformate wie das BuchCamp (nächstes Mal im Mai 2012).

Wie können wir die Diskussion sonst noch voranbringen?

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