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Datenkontrolle: Reflexartige Facebook-Schelte wird dem Thema nicht gerecht

Die jüngsten Änderungen der AGB von Facebook sorgen für viele hitzige Diskussionen. Ich teile die grundsätzlichen Anliegen vieler Kritiker. Allerdings sind die Dinge wie immer kompliziert. Auf der einen Seite wollen die Nutzer von Diensten wie Facebook maximalen Funktionsumfang und Service. Auf der anderen Seite wollen sie auch die volle Kontrolle über ihre Daten. Beides gemeinsam zu realisieren, stellt allein technisch zumindest eine Herausforderung und oft auch eine Unmöglichkeit dar. Zudem hinkt gerade aufgrund der Qualität und des Funktionsumfangs von Facebook der Vergleich bei Spiegel Online mit anderen Social Networks etwas. Mark Zuckerberg hat mit einem Blog-Beitrag auf die Kritik reagiert und formuliert durchaus Nachvollziehbares:

Mark Zuckerberg: On Facebook, People Own and Control Their Information

One of the questions about our new terms of use is whether Facebook can use this information forever. When a person shares something like a message with a friend, two copies of that information are created—one in the person’s sent messages box and the other in their friend’s inbox. Even if the person deactivates their account, their friend still has a copy of that message. We think this is the right way for Facebook to work, and it is consistent with how other services like email work. One of the reasons we updated our terms was to make this more clear.

In der US-Blogosphäre finden sich etliche Blog-Posts, die die Dinge etwas differenzierter darstellen als nur zu sagen „Facebook ist böse“:

Chris Brogan: Wake Up to How You Share on the Web

But think about it: every service you use on the web owns your data to some degree. Read the TOS for Google Docs. Read the terms at most sites. If you’re freaked out by Facebook, go back and take a serious look at ALL the places you’re using on the web and ask yourself what the impact of them owning your stuff really is. It’s not what you think. It’s either worse or a non-issue, depending on how you see things.

Robert Scoble: User data ownership on Facebook and why it doesn’t matter

If you are uploading your content to, and participating online with, you are giving a HUGE amount of ownership to services that, well, you really don’t control. (…) I dealt with it by having Fast Company own its own servers and content. It’s a real pain, too, takes me a lot longer to upload my videos to FastCompany.tv than it does to upload them to TubeMogul. But then we have control and we know when ads will be put on top of our content, etc.

Zwar keine Lösungen, aber einige berechtigte Fragen bietet TechCrunch:

Erick Schonfeld: Zuckerberg On Who Owns User Data On Facebook: It’s Complicated

If I upload a picture which I later regret uploading, why shouldn’t I be able to erase it from Facebook forever, even if some of my friends have already seen it? And should there be different rules for different media? Most people consider the messages in their inbox to be theirs, even if the sender wishes they’d never sent it? And as this data is shared beyond Facebook across the Web, who controls what becomes even harder to determine. Like Zuckerberg says, it’s complicated.

Viele, die sich zurzeit aufregen und Facebook quasi reflexartig verdammen, machen es sich etwas zu einfach. Jedem Nutzer solcher Plattformen müssen die Konsequenzen seines Tuns klar sein. Ich kann nicht meinen Email-Verkehr über Soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ abwickeln und mir hinterher die Augen reiben, wenn diese Firmen versuchen, mit meinen Daten auf irgendeine Weise Geld zu verdienen. Es sind ja keine Non-Profit-Organisationen und deren Investoren sind es auch nicht. Zudem dürfte jedem bekannt sein, dass die Geschäftsmodelle der Social Networks schon in Boom-Zeiten keine übergroßen Erträge lieferten.

Wer seine Daten sicher kontrollieren können möchte, darf sie überhaupt nicht ins Internet stellen. Er darf sie nicht einmal auf einen Computer laden, der mit dem Internet verbunden ist. Wenn man seine Daten ins Internet stellt und sie dennoch weitgehend kontrollieren können möchte, sollte man zumindest eigenen Webspace nutzen, so wie ich es mit diesem Blog tue.

Nicht vergessen werden sollte bei der Diskussion, dass das Problem gar nicht immer der böse Kapitalist sein muss, der mit den eigenen Daten Schindluder treibt. Ebenso schlimm dürfte es für viele Nutzer sein, wenn ihre Daten schlicht verloren gehen. Dies ist ja in jüngster Zeit bspw. bei Ma.gnolia passiert. Dann gibt es noch ungewollte Datenlecks usw. usf.

Internet-Kontrolle: Standpunkte zu einem wichtigen Thema

So beginnt eine Meldung vom heutigen Tage auf Welt Online:

Bis Anfang März will die Bundesregierung mit den sieben größten Internetdienstanbietern in Deutschland eine Vereinbarung treffen, die den Zugang zu kinderpornografischem Material erschwert. Als Vorbild dient ein wirksames Projekt aus Norwegen …

Auf Spiegel Online schreibt man:

„Noch in dieser Legislaturperiode“ werde ein Filtersystem durch die deutschen Serviceprovider (ISPs) umgesetzt, das künftig den Zugriff auf solche Seiten und Angebote verhindern soll.

Es sind also fundamentale Eingriffe in das Medium Internet geplant. Daher ist es wichtig, Stimmen aus der Netz-Gemeinde zu hören, da sie sich am besten mit dem Internet auskennt. Hier sind drei davon:

netzpolitik.org: Internetzensur “noch in dieser Legislaturperiode”

Indiskretion Ehrensache: Ursula von der Leyen und der Kampf um das Internet

netzwertig: Das Problem mit den Internet-Filtern

Update:

Gerade ist bei MediaShift noch ein Beitrag zum Thema erschienen:

Vodafone’s Child Porn Filter Blocks Innocent Czech Tech Blogs