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Podcast-Gespräch mit Marcel Weiß über Amazon Kindle Worlds, das Urheberrecht und die Überwachung

Vor ein paar Tagen war ich bei Marcel Weiß und wir haben eine neue Folge seines neunetzcast aufgenommen:

Ich spreche mit Leander Wattig über den Überwachungsskandal, Unterschiede zwischen der Musikbranche und der Buchbranche, Amazon Kindle Worlds und, wie sollte es auch anders sein, das Urheberrecht.

(…)

Die Themen können einzeln im Player angewählt werden:

Dauer: 1 Stunde, 13 Minuten

Links zu den Themen:

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Andreas von Gunten über sein Verlags-Startup und allgemeine Entwicklungen auf dem digitalen Buchmarkt

Andreas von Gunten und seine Tätigkeit als Jung-Verleger (buch & netz), bei der er sein Know-how als Cloud-Computing-Experte auf die Buchbranche überträgt, habe ich zum ersten Mal genauer kennen gelernt, als er im Rahmen meines Lehrauftrags an der Uni St.Gallen einen Vortrag gehalten hat, und ich fand es sofort schlüssig. Ich hatte sein Modell dann u.a. auch in meinem stark wahrgenommenen Vortrag auf der AKEP-Jahrestagung („Geschäftsmodell-Labor Internet – Perspektiven für Verlage in der Filesharing-Welt“) im Juni 2012 vorgestellt.

Jetzt hat er vor ein paar Tagen für den neunetzcast mit Marcel Weiss gesprochen und sein Modell erläutert. Sie sprechen auch viel über allgemeine Marktentwicklungen. Hör-Tipp!

Letztlich ist es erstaunlich, wie banal eine konsequente Übertragung der Internet-Logik auf Bücher und Buchverlage ist. Plötzlich merkt man, dass Blogs schon ziemlich nah an dem sind, was es braucht – Stichwort PressBooks & Co. Eigentlich traurig, dass wir 2013 noch immer feststellen müssen, dass es Büchern an Grundsätzlichstem fehlt: einer URL. Zudem sind die Inhalte qua Geschäftsmodell (Paywall) meist abgeschottet, sodass sie gar nicht erst Teil der Social-Media-Filterung und -Relevanzbewertung werden können, die es heute für Reichweite braucht. Der Vorteil von Startups wie Buch & Netz ist zudem, dass sie Prinzipien des Cloud Computings auf Verlage übertragen und sich somit sehr schlank aufstellen. Durch die niedrigeren Fixkosten werden dann plötzlich u.U. Geschäftsmodelle attraktiv, die es für klassische Verlage nicht sind, weil diese erstmal ihre teure Infrastruktur finanzieren müssen, sodass am Ende an P-Books orientierte E-Book-Preise herauskommen, die nachwachsende Kunden überhaupt nicht nachvollziehen können.

Übrigens: Andreas organisiert übrigens auch die Züricher Ausgabe meiner Stammtischreihe #pubnpub und freut sich über Mitstreiter. Für Berlin steht inzwischen auch der nächste Termin fest – Thema: Buchempfehlungen im Netz.

In eigener Sache: Ich bin öfter mal im neunetzcast von Marcel Weiß zu hören

Podcasts sind eine tolle Sache. Ich höre zwar viele, habe mich an das Produzieren aber noch nicht recht gewagt. Genau genommen habe ich mir die notwendige Zeit einfach nicht genommen. Umso schöner ist die Möglichkeit, beim neunetzcast von Marcel Weiß mitwirken zu dürfen. Zweimal haben wir bisher ein gemeinsames Gespräch aufgenommen und werden das auch künftig öfter mal tun. – Bisher haben wir über (Buchmarkt-)Themen eher kursorisch gesprochen. Den Ansatz werden wir auch beibehalten und ab und an ergänzen um Einzelthemen, die wir vertiefen. Hier der Link speziell zu den Ausgaben mit mir:

Es gibt nicht den einen Buchmarkt der Zukunft

Ich freue mich sehr, dass der Buchmarkt immer stärker in den Fokus der Diskussion gerät. Ein Problem ist ja, dass der Buchmarkt bisher etwas abgetrennt wahrgenommen wird und zu wenig über die Grenzen hinweg diskutiert wird. Das scheint sich zu ändern.

Just gestern haben sich verschiedene Blogger/Autoren Gedanken zum Buchmarkt gemacht:

Dabei wird der Buchmarkt gern mit dem Musikmarkt verglichen und auch ich nutze diesen Vergleich öfter. Ich glaube aber, wir müssen im Buchbereich stärker differenzieren als im Musikbereich. Den einen Buchmarkt der Zukunft, wie er oft diskutiert wird, wird es nicht geben. Der Musikmarkt der Zukunft zerfasert letztlich viel weniger als der Buchmarkt der Zukunft. Bei Musik geht es am Ende doch meist um Audio-Clips von ein paar Minuten Länge. Das Buch von morgen hat 1.000 unterschiedliche Ausprägungsformen und die Entwicklungen in der Belletristik sind wesentlich andere als die im Bereich der Fachinformation. In der Belletristik geht es um die Erzeugung von Erlebnissen und im Fachmarkt um die konkrete Problemlösung. Zudem verschwimmen die Grenzen zunehmend u.a. hin zur Software-/Games-Branche.

Gerade – aber nicht nur – auf den Fachmarkt bezogen liegt Sascha Lobo ziemlich schief und er sollte die offiziellen Statements des Börsenvereins-Vorstehers und anderer nicht mit der generellen Lage in den Verlagen verwechseln: [Mein Fehler: Ich hatte Sascha Lobos Einschränkung auf den Publikumsbereich zu Beginn seines Beitrags überlesen.]

[Ergänzung] Auch auf Publikumsverlage bezogen finde ich Sascha Lobos Aussage der fehlenden Wiss­be­gier­de und der Realitätsverleugnung zu stark. Man darf die offiziellen Statements des Börsenvereins-Vorstehers und anderer nicht mit der generellen Lage in den Verlagen gleichsetzen: [/Ergänzung]

Das Problem der Verlage in Deutschland ist, dass sie (…) in den anderen Bereichen nicht wissbegierig lernen, sondern die digitale Realität verleugnen: Sie macht ja erst 0,5% des Umsatzes aus. (…) Denn bereit UND fit für die Transformation ist meiner Einschätzung nach ungefähr keiner, und zwar – man mag es glauben oder nicht – aus weitgehend romantischen Gründen. Und das passt im Guten wie im Schlechten dann doch ganz gut zur Buchbranche.

Einen Kernpunkt nennt aus meiner Sicht schon eher Marcel Weiss: Buchverlage sind keine Technologieunternehmen – Die Leute in den Verlagen sind nämlich nicht zu blöd zu kapieren, dass die digitale Welt wichtig ist (mal unabhängig von allen Diskussionsmöglichkeiten bzgl. Detail-Ansichten). Die Frage ist eher, wie der Übergang gestaltet werden kann. Wie können ausgehend von den bestehenden Strukturen und dem bestehenden Personal die Unternehmen so verändert werden, dass man sich fit macht für einen hoffentlich/vielleicht(?) entstehenden Markt, dessen Größe im Detail aber ungewiss ist, wobei zugleich noch möglichst viele Gewinne aus dem traditionellen Geschäft mitgenommen werden sollen. Wie muss man das organisatorisch aufsetzen – inhouse oder als Schnellboot anbei. Usw. usf. …

Ein Begriff der auch gar nicht fällt ist der der Rechte. Bei E-Books erwerbe ich ja nichts anderes als bestimmte Nutzungsrechte. Ein Buchmarkt der Zukunft bedeutet Rechtehandel. Wie geht man als Verlag damit um und was sind passende Geschäftsmodelle dafür. Fragen über Fragen :)

Wie gesagt, ich finde es super, dass meinem Eindruck nach das Interesse am Buchmarkt steigt. Das dürfte noch zunehmen, je mehr Leute selbst zu Autoren werden.

Ansich sollten wir zusammen gezielt Anlässe schaffen („Think Tank“), bei denen sich Leute aus der Internet-Szene und der Buchbranche zusammen setzen und die Sache vorantreiben.

Wer in Frankfurt wohnt, kann gern zu unseren Publishing-Stammtischen kommen. Es gibt regelmäßige Austauschmöglichkeiten u.a. auch in Stuttgart und in Köln. Es gibt auch zunehmend im Buchbereich interaktive Veranstaltungsformate wie das BuchCamp (nächstes Mal im Mai 2012).

Wie können wir die Diskussion sonst noch voranbringen?

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