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i am OTHER – Web-Projekt für Künstler mit genialer Botschaft

Was „i am OTHER“ ganz genau sein wird, habe ich noch nicht verstanden. Im Video unten spricht Pharrell Williams über sein neu gestartetes Projekt. Es soll eine Art Plattform für Künstler werden, die anders sind. Genau diesen Ansatz finde ich genial, weil er die Leute ganz speziell und doch sehr breit anspricht. Wer wollte nicht anders/speziell/besonders/… sein – v.a. heute, da es ansich jeder könnte?

Es gibt auch ein Manifest:

i am OTHER
By Pharrell Williams

I serve and represent the OTHERS because I am one myself.

OTHERS defy expectations and stereotypes. We are curious, ambitious, energetic and have every intention of squeezing the most out of life. Above all, we are individuals.

OTHERS don’t fit into categories. We are not jocks. Or skaters. Or musicians. Or students. Or technologists. Or audiophiles. We want to be all of the above and then some.

OTHERS are a diverse group of optimistic, bright minds connected by technology and a desire to make our mark, who together can advance culture and even humanity.

OTHERS are not defined by demographics or geography. We have shared ideals, dreams and a vision for a new reality.

OTHERS believe individuality is the new wealth. Experiences are the new assets to acquire. Whoever is the most individual wins.

i am OTHER celebrates people who push society forward. The thinkers. The innovators. The outcasts. History has proven that it’s the rule breakers who have the power to change the world.

Be OTHER.

Pharrell Williams über das Projekt (4 min.):

Entsprechend versammelt er nun besondere Charaktere wie bspw. „Nardwuar the Human Serviette“ auf der Plattform:

via: SocialTimes

Frank Krings: Ego-Marketing – Was Autoren von Rappern lernen können

Frank Krings arbeitet in der Kommunikationsabteilung der Frankfurter Buchmesse, Schwerpunkt Online-Redaktion / Social Media. Seine Artikel hier geben seine privaten Ansichten und nicht die der Frankfurter Buchmesse wieder.

Egal ob Autoren heute sich und ihr Werk über Verlage oder über Self-Publishing vermarkten wollen: Erfolgreich ist, wer sichtbar ist und einen Wiedererkennungswert hat. In kalter Marketing-Sprache: Es geht um die Ich-Marke, um das Ego-Marketing, um das Self-Seeding auf allen relevanten Kanälen. Vielleicht ist dafür ein Blick auf jene Zunft von Lyrikern sinnvoll, für die ein kreatives und vehement verfolgtes Ego-Marketing zum Tagesgeschäft gehört: Die Rapper.

Wer im Hip Hop-Geschäft wahrgenommen werden will, muss dafür jeden Kanal nutzen und unverwechselbar sein. Ein Beispiel dafür ist die Verbreitung über Mixtapes: In den 90ern produzierten Rapper ohne Label-Vertrag in Eigenregie Mixtapes mit eigenen Freestyles über angesagte Beats. Diese Mixtapes verteilten sie in ihrer Hood, in Plattenläden und nach Freestyle-Sessions in Clubs. Heute ist es noch einfacher: Das Mixtape wird als Free Download im eigenen Social Graph und an relevante Hip-Hop-Blogs verteilt.

Der heutige Milliardär 50 Cent war 1999 noch ein drogen-dealender Eckensteher in Queens, als er über ein Mixtape mit wüsten Disses gegen Rap-Stars aus New York schlagartig in der Szene bekannt wurde. (Exkurs: Manche Blogger sind da ganz ähnlich und suchen die Aufmerksamkeit über Rants gegen bekannte Blogger.) Überhaupt ist der Wettbewerb, das Kräftemessen mit Konkurrenten, ein Essential im Hip Hop. Das schärft das eigene Profil. Man vergleiche nur mal einen MC-Battle vor Publikum wie in Eminems “8 Mile”-Film mit einer gewöhnlichen Poetry-Slam oder einem Autoren-Wettbewerb.

Zur Profilschärfung setzen viele Künstler auch ein Storytelling rund um einen oder mehrere fiktive Charaktere ein. So hat es Kool Keith bis heute zu 30 verschiedenen Charakteren geschafft: Unter “Kool Keith” repräsentiert er klassischen Hip Hop, als “Black Elvis” rappt er ausschließlich über Sci-Fi-Themen und als Frankenstein-hafter Dr. Octagon experimentiert er sowohl lyrisch (Horror, Verschwörungen) wie musikalisch (Trip Hop). Die Pseudonyme verschaffen nebenbei auch Freiräume, wenn der Plattenvertrag mal die kreative Freiheit einschränken sollte.

Neben der Lust am “Battle” und am Storytelling teilen Rapper eine Lust am Konsum, die sie zu klug taktierenden Werbeträgern und Produkt-Entwicklern macht. Anno 1986 hatten die bekennenden Adidas-Turnschuh-Fetischisten RUN DMC noch keinen Sponsor. Nach ihrem Hit “My Adidas” wurde der damals noch wenig “hippe” Sportbekleidung-Hersteller aus dem fränkischen Herzogenaurach hellhörig. Folgerichtig hatten RUN DMC bald einen gewichtigen Sponsor und konnten ihre eigenen Sneakers designen.

Moderne Rap-Stars wie Jay-Z professionalisieren das noch, indem sie Mitinhaber und rappende Storyteller von Produkten werden, die zum eigenen Lifestyle passen: Champagner-Marken, Sportswear, Clubs, etc. Und wenn eine wandelnde Ich-Marke wie Jay-Z sich mal zu einer Biographie (“Decoded”) herablässt, werden alle Register des modernen Marketing gezogen: Auszüge aus “Decoded” erschienen u.a auf dem Filz von Billard-Tischen, auf dem Einwickel-Papier von Hamburgern. Außerdem wurden Textzeilen in eine New Yorker Schnitzel-Jagd auf den Spuren von Jay-Zs Leben mithilfe der Suchmaschine Bing integriert:

(Video, 3 min.)

Trotz des Hangs zum glamourösen Leben beziehen viele Rapper ihre Fans gerne in ihr Schaffen mit ein. Das Social Web ist für sie die neue Arena zum Kräftemessen und Repräsentieren. Reime werden in 140 Zeichen getwittert und bei Nichtgefallen durch die Follower einfach aussortiert. Und die besten, wirrsten Tweets von Kanye West – auch so eine wandelnde Ich-Marke in XXL – kann man als handgestickte Gemälde kaufen. Die ganz hippen MCs stellen komplette Song-Texte dem neuen Startup rapgenius zu Verfügung. Das ist eine Art Wiki, in dem Fans kryptische Slang-Ausdrücke selbst mit passenden Bildern, Definitionen und Filmen visualisieren können. Jede Begriffserklärung kann dann von den anderen Usern (inkl. dem Autor selbst!) geliket, geplusst oder verändert werden.

Kurzum: Rapper sind Pioniere in Sachen Ich-Marke und dem Sich-Selbst-Bekanntmachen auf allen verfügbaren Kanälen. Das muss man in dieser Konsequenz nicht immer sympathisch finden. Und das lässt sich auch nicht 1:1 auf das Selbstbild vieler Autoren übertragen. Aber es zeigt Möglichkeiten. Word!

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Wer sich entblößt, schützt seine Privatsphäre mitunter am besten

Leute wie Klaus Eck propagieren ja seit langem, dass man, um seine Reputation zu schützen, das Internet mit Informationen fluten soll, die positiv geprägt sind. Dann sind eventuell erscheinende negative Beiträge nicht so leicht zu finden und das Gesamtbild bleibt eher ein positives.

Zugleich führen wir ja ständig sehr emotionale Privatsphären-Diskussionen. Darin wird die Frage gestellt, wie wir unsere Privatsphäre schützen können. Bei der Suche nach Antworten ist es interessant zu beobachten, wie Prominente mit dem Thema umgehen, denn die haben am ehesten Probleme mit dem Schutz der Privatsphäre, während für viele von uns Unbekannte die Diskussion ja in so mancher Hinsicht eine eher theoretische ist.

Vor diesem Hintergrund finde ich das Interview mit Ashton Kutcher in der Neon-Ausgabe vom August 2010 sehr interessant, der das von Klaus Eck propagierte Prinzip auf sein Problemfeld übertragen erfolgreich anwendet. In diesem Interview-Ausschnitt beantwortet Kutcher Fragen zu dem Thema: [Verlinkungen von mir]

(…)
Sie nehmen das mit der eigenen Öffentlichkeitsarbeit sehr ernst.
Ich habe einige Möglichkeiten ausprobiert, um mich und meine Familie vor unzulässiger Berichterstattung zu schützen. Ich wollte meinen Namen als Markenzeichen schützen lassen, habe Klagen angestrengt und sogar versucht, die Gesetze in Bezug auf Persönlichkeitsrechte von Prominenten ändern zu lassen. Nichts davon hat funktioniert, also habe ich die Angelegenheit per Twitter und Facebook selbst in die Hand genommen.
Sie stehen hinter Britney Spears auf Platz zwei der Twitter-Top-Ten. Beruht dieser Erfolg tatsächlich auf der Idee, sich gegen die Boulevardpresse zur Wehr zu setzen?
Ich wollte mir meine Worte nicht mehr verdrehen lassen, und es war mir bewusst, dass ich mich dafür entblößen muss. Gleichzeitig war ich aber sicher, dass ich die Art der Entblößung auf diese Weise kontrollieren könnte. Klatschblätter leben davon, aus dem Leben anderer Menschen eine Soap Opera zu machen. Ich dachte also: Was wäre, wenn ich die Storyline für diese Seifenoper selber bestimmen könnte?

Wie hat sich das Leben für Sie und Ihre Frau Demi Moore dadurch verändert?

Auf fantastische Weise. Es geht schon damit los, dass ich wieder normal aus meiner Ausfahrt fahren kann, weil sie nicht mehr von Reportern belagert wird. Wir haben den Markt einfach mit Fotos von uns gesättigt. Paparazzi lauern uns nun nicht mehr auf, weil Schnappschüsse von uns nichts mehr wert sind. Weil jeder diese Fotos kostenlos sehen kann, muss niemand mehr ein Klatschmagazin kaufen.
(…)

Meine Interpretation: Letztlich heißt das, dass nicht nur für Top-Prominente eine große Chance darin liegt, aktiv und gezielt in die Öffentlichkeit zu treten und aus sich selbst eine Marke zu machen, die ein ganz bestimmtes gewolltes Bild vermittelt. Die so beeinflusste Fremdwahrnehmung gibt aber nur einen kleinen Ausschnitt des Eigenbildes wider. Da dieser Ausschnitt idealerweise in der Öffentlichkeit aber dominant ist und die diesen Eindruck vermittelnden Informationen so präsent sind, werden auf diese Weise andere Bereiche der Person/Persönlichkeit geschützt.

Beim Lesen des Interviews musste ich unweigerlich an Karl Lagerfeld denken, der es in der Anwendung dieses Prinzips ja zur Meisterschaft gebracht hat. Wie er in diversen Interviews (zwischen den Zeilen) gesagt hat, muss man, wenn man es so weit treibt wie er, dann aber wieder aufpassen, dass das Außenbild nicht so bestimmend wird und die Vermittlung dessen nicht einen so großen Teil des Lebens einnimmt, dass man irgendwann selbst nicht mehr zwischen sich und der Marke unterscheiden kann bzw. dass sich das Eigenbild nicht immer stärker dem (reduzierten) Außenbild angleicht.

Jedenfalls scheint mir dieser Ansatz für den Selbstschutz besser geeignet zu sein als der reine Rückzug, bei dem das Feld anderen überlassen wird. Leider wird Letzteres derzeit in den meisten Diskussionen als das zu bevorzugende Mittel der Wahl präsentiert.

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